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*[[12. März]] - [[Rudolf Johna]] wird in Schewkowitz/Oberschlesien (heute Dziewkowice/Polen) geboren.
 
*[[12. März]] - [[Rudolf Johna]] wird in Schewkowitz/Oberschlesien (heute Dziewkowice/Polen) geboren.
 
*[[13. März]] - Die Nazis besetzen das [[Gewerkschaftshaus Kiel|Kieler Gewerkschaftshaus]].
 
*[[13. März]] - Die Nazis besetzen das [[Gewerkschaftshaus Kiel|Kieler Gewerkschaftshaus]].
*[[15. März]] - Der Trauerzug durch Kiel für den ermordeten [[Wilhelm Spiegel]] kann als letzte stumme Demonstration [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiels]] gegen die Nazis gewertet werden. Viele Arbeiter legen demonstrativ ihre Arbeit nieder, die vorsorglich in Alarmbereitschaft gesetzte Polizei greift nicht ein.
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*[[15. März]] - Der Trauerzug durch Kiel für den ermordeten [[Wilhelm Spiegel]] kann als letzte stumme Demonstration [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|der republikanischen Kräfte der Stadt]] gegen die Nazis gewertet werden. Viele Arbeiter legen demonstrativ ihre Arbeit nieder, die vorsorglich in Alarmbereitschaft gesetzte Polizei greift nicht ein.
 
*[[22. März]] - In der Nacht auf den [[23. März]] wird die Anlage um den [[Friedrich Ebert|Friedrich-Ebert-Gedenkstein]] an der Lieth in [[Ortsverein Bad Bramstedt|Bad Bramstedt]] von aufgehetzten Jungnazis zerstört, der Stein später im Wasser versenkt. Vorher kann [[Franz Gustav Schatz]] dessen Plakette mit der Inschrift verstecken.
 
*[[22. März]] - In der Nacht auf den [[23. März]] wird die Anlage um den [[Friedrich Ebert|Friedrich-Ebert-Gedenkstein]] an der Lieth in [[Ortsverein Bad Bramstedt|Bad Bramstedt]] von aufgehetzten Jungnazis zerstört, der Stein später im Wasser versenkt. Vorher kann [[Franz Gustav Schatz]] dessen Plakette mit der Inschrift verstecken.
*[[24. März]] - Bei [[Walter Lurgenstein]] wird aufgrund einer Denunziation von den Nazis eine Haussuchung vorgenommen; er wird verhaftet, nicht zuletzt wegen seines Engagements für die [[Arbeitervolkshochschule Harrisleefeld]]. Am Tag darauf wird auch der [[Ortsverein Husum|Ortsvereinsvorsitzende]] [[Meinhard Albrecht]] nach einer Haussuchung in "Schutzhaft" genommen.
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*[[24. März]] - Bei [[Walter Lurgenstein]] nehmen die Nazis aufgrund einer Denunziation eine Haussuchung vor; er wird verhaftet, nicht zuletzt wegen seines Engagements für die [[Arbeitervolkshochschule Harrisleefeld]]. Am Tag darauf wird auch der [[Ortsverein Husum|Ortsvereinsvorsitzende]] [[Meinhard Albrecht]] nach einer Haussuchung in "Schutzhaft" genommen.
 
*[[25. März]] - [[Heinrich Wellenbrink]] wird von den Nazis als Bürgermeister von [[Ortsverein Uetersen|Uetersen]] beurlaubt, später entlassen.
 
*[[25. März]] - [[Heinrich Wellenbrink]] wird von den Nazis als Bürgermeister von [[Ortsverein Uetersen|Uetersen]] beurlaubt, später entlassen.
 
*[[30. März]] - [[Louis Biester]] tritt aus der SPD und der Reichstagsfraktion aus, behält aber sein Reichstagsmandat.
 
*[[30. März]] - [[Louis Biester]] tritt aus der SPD und der Reichstagsfraktion aus, behält aber sein Reichstagsmandat.
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*[[Bernhard Kalk]] und [[Hans Oldorf]] werden von den Nazis im KZ Fuhlsbüttel in "Schutzhaft" genommen.
 
*[[Bernhard Kalk]] und [[Hans Oldorf]] werden von den Nazis im KZ Fuhlsbüttel in "Schutzhaft" genommen.
 
*In [[Ortsverein Eckernförde|Eckernförde]] weigert sich Bürgermeister [[Richard Vosgerau]], die Hakenkreuzfahne auf das Amtsgebäude zu setzen, und wird von der SA in "Schutzhaft" genommen. Man wirft ihm außerdem "Unterschlagung von Gewerkschaftsvermögen" vor. Seinem Einfluss in Eckernförde tut dies keinen Abbruch.
 
*In [[Ortsverein Eckernförde|Eckernförde]] weigert sich Bürgermeister [[Richard Vosgerau]], die Hakenkreuzfahne auf das Amtsgebäude zu setzen, und wird von der SA in "Schutzhaft" genommen. Man wirft ihm außerdem "Unterschlagung von Gewerkschaftsvermögen" vor. Seinem Einfluss in Eckernförde tut dies keinen Abbruch.
*Der [[Ortsverein Quickborn]] führt mit der örtlichen KPD Gespräche über eine Zusammenarbeit, die aber zu keinem Erfolg führen.
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*Der [[Ortsverein Quickborn|OV Quickborn]] führt mit der örtlichen KPD Gespräche über eine Zusammenarbeit, die aber zu keinem Erfolg führen.
 
*In Breslau verhaften die Nazis [[Max Kukil|Max Kukielczynski]] und sperren ihn bis Dezember in den KZ Breslau-Dürrgoy und Esterwegen ein.
 
*In Breslau verhaften die Nazis [[Max Kukil|Max Kukielczynski]] und sperren ihn bis Dezember in den KZ Breslau-Dürrgoy und Esterwegen ein.
 
*[[2. April]] - In der Nacht auf den 3. emigriert [[Willy Brandt|Herbert Frahm]] vor den Nazis nach Dänemark. Der Fischer [[Paul Stooß]] bringt ihn mit seinem Kutter von [[Ortsverein Travemünde|Travemünde]] aus über die Ostsee nach Rødbyhavn.
 
*[[2. April]] - In der Nacht auf den 3. emigriert [[Willy Brandt|Herbert Frahm]] vor den Nazis nach Dänemark. Der Fischer [[Paul Stooß]] bringt ihn mit seinem Kutter von [[Ortsverein Travemünde|Travemünde]] aus über die Ostsee nach Rødbyhavn.
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*[[2. Mai]] - Die Nazis besetzen die [[Gewerkschaftshaus Kiel|Gewerkschaftshäuser]] und beginnen auch in Schleswig-Holstein, das Eigentum und Vermögen der Gewerkschaften zu beschlagnahmen und Mitglieder zu verhaften.
 
*[[2. Mai]] - Die Nazis besetzen die [[Gewerkschaftshaus Kiel|Gewerkschaftshäuser]] und beginnen auch in Schleswig-Holstein, das Eigentum und Vermögen der Gewerkschaften zu beschlagnahmen und Mitglieder zu verhaften.
 
*[[2. Mai]] - [[Heinrich Wilckens]] wird zum ersten Mal von den Nazis verhaftet. Bis zum Ende der NS-Diktatur erleidet er 21 Haussuchungen und vier Verhaftungen.
 
*[[2. Mai]] - [[Heinrich Wilckens]] wird zum ersten Mal von den Nazis verhaftet. Bis zum Ende der NS-Diktatur erleidet er 21 Haussuchungen und vier Verhaftungen.
*[[5. Mai]] - Bei der zweiten Sitzung der [[Ortsverein Kronshagen|Kronshagener]] Gemeindevertretung werden die SPD-Vertreter [[Eduard Markowski]], [[Ludwig Möller]], [[Karl Mückenheim]] und [[Karl Stegelmann]] "entschuldigt fehlend" geführt; die Tagesordnung enthält einen "Antrag" von ihnen "auf Entbindung von ihren Mandaten".
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*[[5. Mai]] - Bei der zweiten Sitzung der [[Ortsverein Kronshagen|Kronshagener]] Gemeindevertretung werden die SPD-Vertreter [[Eduard Markowski]], [[Ludwig Möller]], [[Karl Mückenheim]] und [[Karl Stegelmann]] als "entschuldigt fehlend" geführt; die Tagesordnung enthält einen "Antrag" von ihnen "auf Entbindung von ihren Mandaten".
 
*[[6. Mai]] - Bezirkskassierer [[Paul Andratschke]] wird verhaftet, nach einem Tag wieder freigelassen, aber noch mehrfach zu Vernehmungen geholt. Er verliert seine Arbeit.
 
*[[6. Mai]] - Bezirkskassierer [[Paul Andratschke]] wird verhaftet, nach einem Tag wieder freigelassen, aber noch mehrfach zu Vernehmungen geholt. Er verliert seine Arbeit.
 
*[[7. Mai]] - Die [[Ortsverein Preetz|SPD Preetz]] löst sich - wie viele anderen Ortsvereine in diesen Tagen - selbst auf, um Polizeiaktionen zuvorzukommen.
 
*[[7. Mai]] - Die [[Ortsverein Preetz|SPD Preetz]] löst sich - wie viele anderen Ortsvereine in diesen Tagen - selbst auf, um Polizeiaktionen zuvorzukommen.
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*[[17. Mai]] - Die [[Sozialistische Arbeiterjugend]] beschließt ihre Selbstauflösung, um dem Verbot durch die Nazis zuvorzukommen.
 
*[[17. Mai]] - Die [[Sozialistische Arbeiterjugend]] beschließt ihre Selbstauflösung, um dem Verbot durch die Nazis zuvorzukommen.
 
*[[18. Mai]] - Eine letzte geheime Versammlung der [[Kreisverband Neumünster|SPD Neumünster]] im Lokal "Reichsadler" wird von der Polizei aufgelöst und die Teilnehmer in "Schutzhaft" genommen.
 
*[[18. Mai]] - Eine letzte geheime Versammlung der [[Kreisverband Neumünster|SPD Neumünster]] im Lokal "Reichsadler" wird von der Polizei aufgelöst und die Teilnehmer in "Schutzhaft" genommen.
*[[21. Mai]] - Das Reichsgesetz, durch das alls Verbrauchergenossenschaften für aufgelöst erklärt werden, tritt in Kraft.
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*[[21. Mai]] - Das Reichsgesetz, durch das alle [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Verbrauchergenossenschaften]] für aufgelöst erklärt werden, tritt in Kraft.
 
*[[23. Mai]] - [[Otto Wels]] begründet für die SPD im Reichstag die Ablehnung des "Ermächtigungsgesetzes". Die verbliebenen 94 Abgeordneten der SPD stimmen geschlossen dagegen, unter ihnen [[Gustav Dahrendorf]], [[Carlo Mierendorff]], [[Louise Schroeder]], die die Ablehnung vorher öffentlich gefordert hat, [[Kurt Schumacher]] und [[Rudolf Wissell]]. [[Julius Leber]] ist beim Betreten des Reichstages verhaftet worden. [[Otto Eggerstedt]] und andere sind bereits auf der Flucht. Kurz darauf wird auch [[Rudolf Wissell]] verhaftet, aber nach drei Monaten freigelassen.
 
*[[23. Mai]] - [[Otto Wels]] begründet für die SPD im Reichstag die Ablehnung des "Ermächtigungsgesetzes". Die verbliebenen 94 Abgeordneten der SPD stimmen geschlossen dagegen, unter ihnen [[Gustav Dahrendorf]], [[Carlo Mierendorff]], [[Louise Schroeder]], die die Ablehnung vorher öffentlich gefordert hat, [[Kurt Schumacher]] und [[Rudolf Wissell]]. [[Julius Leber]] ist beim Betreten des Reichstages verhaftet worden. [[Otto Eggerstedt]] und andere sind bereits auf der Flucht. Kurz darauf wird auch [[Rudolf Wissell]] verhaftet, aber nach drei Monaten freigelassen.
 
*[[25. Mai]] - [[Otto Eggerstedt]] wird aufgrund einer Denunziation verhaftet und ins KZ Esterwegen gebracht.
 
*[[25. Mai]] - [[Otto Eggerstedt]] wird aufgrund einer Denunziation verhaftet und ins KZ Esterwegen gebracht.
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*Im [[Widerstand in der NS-Zeit|politischen Widerstand]] aktive Sozialdemokraten wie [[Andreas Gayk]], [[Niels Brodersen|Niels]] und [[Anne Brodersen]], [[Karl Rickers]] oder aus Düsseldorf die [[Gottfried Brockmann|Brockmanns]] ziehen um diese Zeit aus Sicherheitsgründen ins anonymere Berlin. Andere wie [[Bruno Verdieck]], [[Walter Damm]], [[Hans Schröder]] oder [[Oskar Nielsen]] arbeiten an anderen Orten im Widerstand.
 
*Im [[Widerstand in der NS-Zeit|politischen Widerstand]] aktive Sozialdemokraten wie [[Andreas Gayk]], [[Niels Brodersen|Niels]] und [[Anne Brodersen]], [[Karl Rickers]] oder aus Düsseldorf die [[Gottfried Brockmann|Brockmanns]] ziehen um diese Zeit aus Sicherheitsgründen ins anonymere Berlin. Andere wie [[Bruno Verdieck]], [[Walter Damm]], [[Hans Schröder]] oder [[Oskar Nielsen]] arbeiten an anderen Orten im Widerstand.
*[[Marie Schmelzkopf]] verliert ihre Ämter und wird unter Hinweis auf ihre Tätigkeit als Stadtverordnete von der Gestapo verhaftet, allerdings nach einiger Zeit freigelassen. Ihre Kinder erfahren nur durch intensive Recherchen von ihrem Verbleib.
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*[[Marie Schmelzkopf]] verliert ihre Ämter und wird unter Hinweis auf ihre Tätigkeit als Stadtverordnete von der Gestapo verhaftet, allerdings nach einiger Zeit freigelassen. Ihre Kinder ermitteln durch intensive Recherchen ihren Verbleib.
 
*[[9. Juni]] - Die Nazis beschlagnahmen Vermögen, Parteihäuser, Zeitungsbetriebe, Geschäftsräume und Druckereien der SPD.
 
*[[9. Juni]] - Die Nazis beschlagnahmen Vermögen, Parteihäuser, Zeitungsbetriebe, Geschäftsräume und Druckereien der SPD.
 
*[[16. Juni]] - Die erste Ausgabe von [[Andreas Gayk]]s Zeitung ''[[Blick in die Zeit]]'' erscheint in Berlin.
 
*[[16. Juni]] - Die erste Ausgabe von [[Andreas Gayk]]s Zeitung ''[[Blick in die Zeit]]'' erscheint in Berlin.
*[[16. Juni]] - In Hamburg wird der gesamte Bezirksvorstand während eines Referats von [[Karl Meitmann]] verhaftet. Obwohl keine strafbaren Handlungen belegbar sind, werden die Verhafteten erst nach Wochen wieder entlassen. [[Karl Meitmann]] bleibt fünf Monate in Haft.
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*[[16. Juni]] - In Hamburg wird der gesamte Bezirksvorstand während eines Referats von [[Karl Meitmann]] verhaftet. Obwohl keine strafbaren Handlungen belegbar sind, werden die Verhafteten erst nach Wochen wieder entlassen. [[Karl Meitmann]] bleibt fünf Monate in Haft und muss danach Hamburg verlassen.
 
*[[19. Juni]] - [[Johannes Stelling]] wird erneut in den Parteivorstand gewählt.
 
*[[19. Juni]] - [[Johannes Stelling]] wird erneut in den Parteivorstand gewählt.
 
*[[21. Juni]] - Im Verlauf der "Köpenicker Blutwoche" wird [[Johannes Stelling]] mit anderen in ein SA-Sturmlokal verschleppt und grauenvoll gefoltert. In den Morgenstunden des Folgetages wird er im Amtsgerichtsgefängnis Köpenick endgültig ermordet und sein entstellter Leichnam ins Wasser geworfen. Er ist 56 Jahre alt.
 
*[[21. Juni]] - Im Verlauf der "Köpenicker Blutwoche" wird [[Johannes Stelling]] mit anderen in ein SA-Sturmlokal verschleppt und grauenvoll gefoltert. In den Morgenstunden des Folgetages wird er im Amtsgerichtsgefängnis Köpenick endgültig ermordet und sein entstellter Leichnam ins Wasser geworfen. Er ist 56 Jahre alt.
*[[22. Juni]] - Die Nazis verbieten die SPD und alle anderen Parteien außer ihrer eigenen. Letzte Vorstände der Gliederungen, soweit bekannt: [[Landesverband|Bezirksverband]] - [[Willy Verdieck]]; [[Ortsverein Altona|SPD Altona/Holstein]] - [[Paul Bugdahn]]; [[Kreisverein Eiderstedt|SPD Eiderstedt]] - [[Paul Dölz]]; [[Ortsverein Eutin|SPD Eutin]] - [[Paul Hensel]]; [[Kreisverband Flensburg|SPD Flensburg]] - [[Peter Beck]] (Stellvertreter); [[Ortsverein Harrislee|PD Harrisleefeld]] - [[Wilhelm Schmehl]]; [[Ortsverein Heide|SPD Heide]] - [[Peter Kuskopf]]; [[Kreisverband Herzogtum Lauenburg|SPD Herzogtum Lauenburg]] - [[Hans Michel]]; [[Ortsverein Kiel-Ellerbek|SPD Kiel-Ellerbek]] - [[Walter Raabke]]; [[Ortsverein Kiel-Süd|SPD Kiel-Süd]] - [[Karl Ratz]]; [[Ortsverein Altenholz/Klausdorf|SPD Klausdorf]] - [[Willy Busch]]; [[Ortsverein Kronshagen|SPD Kronshagen]] - [[Franz Piehozki]] (Vorsitz), [[Hermann Andritzki]] (Stellvertreter), [[Emil Struck]] (Kassierer) und [[Walter Weskamp]] (Schriftführer); [[Ortsverein Oldenburg|SPD Oldenburg]] - [[Karl Panitzki]]; [[Ortsverein Russee|SPD Russee]] - [[Heinrich Grönwoldt]]; [[Ortsverein Suchsdorf|SPD Suchsdorf]] - [[Hannes Schwensen]] (inoffiziell, da kein dt. Staatsbürger); [[Ortsverein Travemünde|SPD Travemünde]] - [[Genosse Litzendorf]].
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*[[22. Juni]] - Die Nazis verbieten die SPD und alle anderen Parteien außer ihrer eigenen. Letzte Vorstände der Gliederungen, soweit bekannt: [[Landesverband|Bezirksverband]] - [[Willy Verdieck]]; [[Ortsverein Altona|SPD Altona/Holstein]] - [[Paul Bugdahn]]; [[Kreisverein Eiderstedt|SPD Eiderstedt]] - [[Paul Dölz]]; [[Ortsverein Eutin|SPD Eutin]] - [[Paul Hensel]]; [[Kreisverband Flensburg|SPD Flensburg]] - [[Peter Beck]] (Stellvertreter); [[Ortsverein Harrislee|PD Harrisleefeld]] - [[Wilhelm Schmehl]]; [[Ortsverein Heide|SPD Heide]] - [[Peter Kuskopf]]; [[Kreisverband Herzogtum Lauenburg|SPD Herzogtum Lauenburg]] - [[Hans Michel]]; [[Ortsverein Husum]] - [[Meinhard Albrecht]]; [[Ortsverein Kiel-Ellerbek|SPD Kiel-Ellerbek]] - [[Walter Raabke]]; [[Ortsverein Kiel-Süd|SPD Kiel-Süd]] - [[Karl Ratz]]; [[Ortsverein Altenholz/Klausdorf|SPD Klausdorf]] - [[Willy Busch]]; [[Ortsverein Kronshagen|SPD Kronshagen]] - [[Franz Piehozki]] (Vorsitz), [[Hermann Andritzki]] (Stellvertreter), [[Emil Struck]] (Kassierer) und [[Walter Weskamp]] (Schriftführer); [[Ortsverein Oldenburg|SPD Oldenburg]] - [[Karl Panitzki]]; [[Ortsverein Russee|SPD Russee]] - [[Heinrich Grönwoldt]]; [[Ortsverein Suchsdorf|SPD Suchsdorf]] - [[Hannes Schwensen]] (inoffiziell, da kein dt. Staatsbürger); [[Ortsverein Travemünde|SPD Travemünde]] - [[Genosse Litzendorf]].
 
*[[27. Juni]] - [[Louis Biester]] wird aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" endgültig aus dem Schuldienst entlassen und am selben Tag in "Schutzhaft" genommen.
 
*[[27. Juni]] - [[Louis Biester]] wird aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" endgültig aus dem Schuldienst entlassen und am selben Tag in "Schutzhaft" genommen.
 
*[[29. Juni]] - Die "Deutsche Arbeitsfront" schickt der Reichshauptbank und den Provinzialanstalten ein Schreiben mit einer Namensliste, vor allem von [[Arbeitskreis der ehemals verfolgten und inhaftierten Sozialdemokraten (AvS)#Schleswig-Holstein|SPD-Kassierern, auch aus Schleswig-Holstein]]. Ziel ist, Konten von Sozialdemokraten zu sperren, die verdächtigt werden, Parteigelder zu "verstecken".
 
*[[29. Juni]] - Die "Deutsche Arbeitsfront" schickt der Reichshauptbank und den Provinzialanstalten ein Schreiben mit einer Namensliste, vor allem von [[Arbeitskreis der ehemals verfolgten und inhaftierten Sozialdemokraten (AvS)#Schleswig-Holstein|SPD-Kassierern, auch aus Schleswig-Holstein]]. Ziel ist, Konten von Sozialdemokraten zu sperren, die verdächtigt werden, Parteigelder zu "verstecken".
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*[[Paul Dölz]] wird wegen Haftunfähigkeit aus dem Gefängnis Rendsburg entlassen.
 
*[[Paul Dölz]] wird wegen Haftunfähigkeit aus dem Gefängnis Rendsburg entlassen.
 
*[[5. November]] - Zusammen mit zahlreichen [[Kreisverband Kiel|Kieler]] Genossen, darunter vermutlich [[Theodor Werner]] und [[Karl Ratz]] (der anschließend ein Jahr Gefängnis erhält), werden [[Nanny Kurfürst]], [[Emma Drewanz]] und [[Gertrud Völcker]] von den Nazis vorübergehend in "Schutzhaft" genommen.
 
*[[5. November]] - Zusammen mit zahlreichen [[Kreisverband Kiel|Kieler]] Genossen, darunter vermutlich [[Theodor Werner]] und [[Karl Ratz]] (der anschließend ein Jahr Gefängnis erhält), werden [[Nanny Kurfürst]], [[Emma Drewanz]] und [[Gertrud Völcker]] von den Nazis vorübergehend in "Schutzhaft" genommen.
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*[[17. November]] - Laut Bericht der ''Nortorfer Illustrierten Woche'' von diesem Tag vergraben die Nazis den Gedenkstein des Ortes für [[Friedrich Ebert]], um "die letzte Erinnerung an die schmachvollen 14 Jahre" der Weimarer Republik zu beseitigen.
  
 
==Dezember==
 
==Dezember==

Aktuelle Version vom 13. Juni 2021, 14:11 Uhr


Am 30. Januar überträgt Reichspräsident von Hindenburg ohne Beteiligung des Reichstages das Amt des Reichskanzlers an Adolf Hitler, den "Führer" der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (NSdAP).

SPD-Parteivorsitzende sind Arthur Crispien, Hans Vogel und Otto Wels, Distriktsvorsitzender in Schleswig-Holstein ist Willy Verdieck.

Der Brand des Reichstages am 27. Februar führt zu einer Verhaftungswelle. In der Reichstagswahl vom 5. März bleiben die Nazis mit 43,9% unter der angestrebten absoluten Mehrheit, obwohl viele ihrer politischen Gegner bereits in "Schutzhaft" sitzen und der Einschüchterung durch die SA der Nazis keine Grenze gesetzt ist.

Innerhalb weniger Monate wird mit der Entmachtung des Reichstages, der Regelungen des Regimes wie das "Ermächtigungsgesetz" nur noch scheindemokratisch legitimiert, und mit Hilfe von Notverordnungen das gesamte politische Leben in Deutschland gleichgeschaltet. Die demokratischen Parteien werden am 22. Juni verboten, am 14. Juli tritt das "Gesetz zur Neubildung von Parteien" in Kraft, das eben keine Neubildung von Parteien mehr zulässt.

Auch in Schleswig-Holstein entfernen die Nazis Menschen, die Widerstand leisten, aus dem öffentlichen Leben. Sie verhaften zunächst KPD- und SPD-Leute und bringen sie in die ersten, wild eingerichteten Konzentrationslager. Dort werden sie schwer misshandelt und viele von ihnen ermordet. Wenig später erlassen die Nazis auch die ersten Gesetze zur Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung.

Januar

Februar

März

April

Mai

  • Paul Bromme, der sich in Lübeck im Widerstand engagiert hat, flüchtet in die Tschechoslowakei, später nach Schweden.
  • Minna Fick richtet ein persönliches Gesuch um die Freilassung ihres Ehemannes Karl Fick aus der KZ-Haft an Reichspräsident von Hindenburg, jedoch ohne Erfolg.
  • Anfang des Monats löst sich die Ortsgruppe Glückstadt des Reichsbanners auf, um einem Verbot durch die Nazis zuvorzukommen. Vier Glückstädter Genossen, deren Namen bisher nicht ermittelt sind, werden in "Schutzhaft" genommen.
  • 1. Mai - Die SPD im Kreis Steinburg und die KPD versuchen durch Anmeldung eines "Morgenspaziergangs" im Itzehoer Umland eine eigene Maifeier zu organisieren; dies wird jedoch verboten, um die zentrale Kundgebung der Nazis nicht zu beeinträchtigen.
  • 2. Mai - Die Nazis besetzen die Gewerkschaftshäuser und beginnen auch in Schleswig-Holstein, das Eigentum und Vermögen der Gewerkschaften zu beschlagnahmen und Mitglieder zu verhaften.
  • 2. Mai - Heinrich Wilckens wird zum ersten Mal von den Nazis verhaftet. Bis zum Ende der NS-Diktatur erleidet er 21 Haussuchungen und vier Verhaftungen.
  • 5. Mai - Bei der zweiten Sitzung der Kronshagener Gemeindevertretung werden die SPD-Vertreter Eduard Markowski, Ludwig Möller, Karl Mückenheim und Karl Stegelmann als "entschuldigt fehlend" geführt; die Tagesordnung enthält einen "Antrag" von ihnen "auf Entbindung von ihren Mandaten".
  • 6. Mai - Bezirkskassierer Paul Andratschke wird verhaftet, nach einem Tag wieder freigelassen, aber noch mehrfach zu Vernehmungen geholt. Er verliert seine Arbeit.
  • 7. Mai - Die SPD Preetz löst sich - wie viele anderen Ortsvereine in diesen Tagen - selbst auf, um Polizeiaktionen zuvorzukommen.
  • 9. Mai - Der Befehl des Geheimen Staatspolizeiamtes der Nazis, die Vermögen von SPD, sozialdemokratischen Zeitungen und dem Reichsbanner zu beschlagnahmen, führt in der Folge auch in Schleswig-Holstein zu zahlreichen Haussuchungen und Verhaftungen. Die SPD Kellinghusen löst sich selbst auf.
  • 9. Mai - In Hamburg verhaften die Nazis Friedel Felst und andere Beschäftigte des Büros der Arbeiterjugend wegen angeblicher Veruntreuung staatlicher Gelder.
  • 12. Mai - Die SPD Schleswig löst sich selbst auf. Die Parteifahne wird mit Akten und Bildern in einem Nebengebäude in der Töpferstraße eingemauert und 12 Jahre später wieder hervorgeholt.
  • 14. Mai - Bis zu diesem Tag sind im Kreis Steinburg 18 Sozialdemokraten von den Nazis in "Schutzhaft" genommen worden - "Schutz" vor der SA, die gegen ihre Gegner äußerst brutal und vollkommen unkontrolliert vorging.
  • 15. Mai - Richard Hansen gelingt die Flucht über die Ostsee nach Dänemark.
  • 15. Mai - Nach der Übernahme des Lübecker Gewerkschaftshauses durch die "Deutsche Arbeitsfront" kündigt Max Sommerfeld und geht zurück nach Königsberg.
  • 17. Mai - Die Sozialistische Arbeiterjugend beschließt ihre Selbstauflösung, um dem Verbot durch die Nazis zuvorzukommen.
  • 18. Mai - Eine letzte geheime Versammlung der SPD Neumünster im Lokal "Reichsadler" wird von der Polizei aufgelöst und die Teilnehmer in "Schutzhaft" genommen.
  • 21. Mai - Das Reichsgesetz, durch das alle Verbrauchergenossenschaften für aufgelöst erklärt werden, tritt in Kraft.
  • 23. Mai - Otto Wels begründet für die SPD im Reichstag die Ablehnung des "Ermächtigungsgesetzes". Die verbliebenen 94 Abgeordneten der SPD stimmen geschlossen dagegen, unter ihnen Gustav Dahrendorf, Carlo Mierendorff, Louise Schroeder, die die Ablehnung vorher öffentlich gefordert hat, Kurt Schumacher und Rudolf Wissell. Julius Leber ist beim Betreten des Reichstages verhaftet worden. Otto Eggerstedt und andere sind bereits auf der Flucht. Kurz darauf wird auch Rudolf Wissell verhaftet, aber nach drei Monaten freigelassen.
  • 25. Mai - Otto Eggerstedt wird aufgrund einer Denunziation verhaftet und ins KZ Esterwegen gebracht.
  • 30. Mai - Heinrich Grönwoldt und die Genossen Bargholz und Freundstück nehmen zum letzten Mal vor dem reichsweiten Verbot der SPD an der Sitzung des Gemeinderates Russee teil.
  • 31. Mai - Der Lübecker Volksbote wird mit dem Niederdeutschen Beobachter - dem Kampfblatt der NSDAP Mecklenburg - vereinigt und ist damit gleichgeschaltet.

Juni

Juli

  • Wilhelm Schmehl bringt Teile des historisch wertvollen Marx-Engels-Nachlasses aus dem Berliner SPD-Archiv in Fußmärschen durchs Moor nach Dänemark in Sicherheit.
  • Willy Busch flüchtet vor dem Terror der Nazis gegen ihn in Klausdorf mit seiner Frau nach Dänemark.
  • 1. Juli - Die Freie Volksbühne Kiel löst sich zum zweiten Mal in ihrer Geschichte selbst auf.
  • 1. Juli - Die Leiche von Johannes Stelling wird geborgen und anhand seines Trauringes identifiziert.
  • 20. Juli - Der örtliche SA-Führer lehnt die Entlassung von Karl Fick aus dem KZ ab und macht deutlich, dass er ihn als politische Geisel betrachtet.

August

  • Stadtrat Emil Brodkorb wird aus dem Magistrat der Stadt Schleswig ausgeschlossen.
  • 3. August - Hermann Thurow-Nievergelt stirbt mit 66 Jahren in der Emigration in Freidorf bei Basel/Schweiz.
  • 7. August - Zur Gemeinderatssitzung in Waabs an diesem Tag werden die beiden SPD-Vertreter, Felix Augustin und Fritz Gimm, nicht mehr geladen.
  • 14. August - Die Dachorganisation der Konsumvereine, die GEG, wird von den Nazis zwangsweise in den "Reichsbund der deutschen Verbrauchergenossenschaften GmbH (GEG)" überführt. Damit haben die Konsumvereine keine eigenständige Grundlage mehr.
  • 17. August - Alle SPD-Vertreter werden aus der Stadtvertretung von Bredstedt ausgeschlossen.
  • 20. August - Andreas Carlsen wird in Bredstedt von drei SA-Männern beschuldigt, seine Mutter geschlagen zu haben, und von ihnen in denunziatorischer und erniedrigender Weise durch den gesamten Ort geführt.
  • 24. August - Johannes Stellings Asche wird auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt.
  • 29. August - Karl Fick wird aus dem provisorischen KZ Eutin freigelassen, verliert jedoch seinen Arbeitsplatz und ist mehrere Jahre arbeitslos.

September

  • Richard Vosgerau wird aus der "Schutzhaft" entlassen und zieht in der Folgezeit auf den Rat eines Gestapomannes nach Kiel um, wo er eine Versicherungsvertretung übernimmt.
  • 19. September - Fritz Solmitz wird nach schweren Misshandlungen durch die SS in seiner Zelle im KZ Fuhlsbüttel erhängt aufgefunden. Er ist 39 Jahre alt. Ob er in den Selbstmord getrieben oder von der SS ermordet wurde, ist ungeklärt.

Oktober

  • Karl Meitmann wird aus dem KZ Hamburg-Fuhlsbüttel entlassen mit der Auflage, Hamburg innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Freunde verschaffen ihm eine Arbeit in Frankfurt/Oder.
  • 8. Oktober - Karl Grambow wird in seiner Zelle im Amtsgerichtsgefängnis Schwarzenbek tot aufgefunden. Auch bei ihm ist ungeklärt, ob er in den Selbstmord getrieben oder ermordet wurde.
  • 12. Oktober - Otto Eggerstedt wird im KZ Esterwegen (Emsland) von SS-Wachleuten ermordet.
  • 29. Oktober - Marliese Alfken kommt in Goslar zur Welt.

November

  • Die Nazis entlassen Otto Spiegel aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Judentum als Leiter der Städtischen Säuglings- und Fürsorgestelle in Holtenau.
  • Paul Dölz wird wegen Haftunfähigkeit aus dem Gefängnis Rendsburg entlassen.
  • 5. November - Zusammen mit zahlreichen Kieler Genossen, darunter vermutlich Theodor Werner und Karl Ratz (der anschließend ein Jahr Gefängnis erhält), werden Nanny Kurfürst, Emma Drewanz und Gertrud Völcker von den Nazis vorübergehend in "Schutzhaft" genommen.
  • 17. November - Laut Bericht der Nortorfer Illustrierten Woche von diesem Tag vergraben die Nazis den Gedenkstein des Ortes für Friedrich Ebert, um "die letzte Erinnerung an die schmachvollen 14 Jahre" der Weimarer Republik zu beseitigen.

Dezember

Nicht datiert