Novemberrevolution
| Novemberrevolution |
| (1918) |
| Ausgabe des Vorwärts vom 9. November 1918 |
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Die Novemberrevolution 1918 beendet das Deutsche Kaiserreich und mündete in der Weimarer Republik. Sie war das Ergebnis einer tiefen Krise des Deutschen Reiches, die sich über Jahre während des Ersten Weltkriegs zugespitzt hatte.
Entscheidend waren die militärische Niederlage an der Westfront und die wirtschaftliche sowie soziale Erschöpfung der Bevölkerung. Nach der gescheiterten Frühjahrsoffensive 1918 war die deutsche Armee geschlagen, doch die Oberste Heeresleitung (OHL) unter Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg weigerte sich lange, dies einzugestehen.
Erst als die alliierten Truppen im Herbst 1918 vorrückten und ein Waffenstillstand unvermeidbar wurde, gab die OHL die Niederlage zu – doch die Folgen des Krieges hatten das Land bereits zerrüttet: Hunger, Inflation und die Repression gegen Kriegsgegner radikalisierten weite Teile der Arbeiterschaft und Soldaten. Besonders in den Industriezentren und Marinehäfen wie Kiel formierte sich Widerstand, der sich gegen die Fortsetzung des sinnlosen Sterbens richtete.
Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand
Der Funke, der die Revolution entfachte, sprang in Schleswig-Holstein über - genauer gesagt in Kiel. Am 3. November 1918 verweigerten Matrosen der Hochseeflotte den Befehl zu einer letzten, aussichtslosen Schlacht gegen die britische Flotte. Diese Meuterei war der Auslöser für den Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand, der sich innerhalb weniger Tage auf ganz Norddeutschland ausweitete.
Arbeiterschaft und Soldaten bildeten Räte, die die Macht in den Städten übernahmen und die Freilassung politischer Gefangener, die Beendigung des Krieges sowie demokratische Reformen forderten. Die USPD mit Personen wie Lothar Popp und Karl Artelt spielte dabei eine zentrale Rolle, während die MSPD zunächst zögerte, sich klar auf die Seite der Revolution zu stellen, dann aber mit Gustav Garbe und Gustav Noske die Führung übernahm.
→ Hauptartikel: Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand
Ausbreitung
Der Aufstand griff schnell auf andere Städte über überall bildeten die Menschen Arbeiter- und Soldatenräte - in größeren Dörfern bspw. in Nordfriesland auch Bauernräte. Überall wehten die roten Fahnen.[1]
Lübeck
Bereits am 5. November 1918 schwappte die Revolution von Kiel nach Lübeck über, getragen von heimkehrenden Matrosen. Die Ereignisse überschlugen sich: Gegen Abend zog eine Demonstration durch die Stadt, und strategische Punkte wie der Bahnhof wurden von Soldaten und Matrosen besetzt. General Wright, der Standortkommandant, wurde widerstandslos verhaftet. Um die Lage zu organisieren, schlossen sich Mehrheitssozialisten, Soldaten und Gewerkschafter zu einem Arbeiter- und Soldatenrat zusammen und schlugen ihr Lager im Hotel "International" auf.[2]
Husum
Am 7. November 1918 ab es eine Schießerei in der Nähe des Schlosses - eine Patrouille wurde "heimtückisch" beschossen, die Täter blieben unbekannt. Am 9. November gründeten aus Hamburg kommende Soldaten den Husumer Arbeiter- und Soldatenrat, der für "Sicherheit und Ordnung" sorgte und Plünderungen mit standrechtlichen Drohungen ahndete.
"Am 10. November 1918 war es dann soweit. Aus Hamburg erschien eine Abteilung Infanteristen und Matrosen mit zwei Maschinengewehren. Sie besetzte zunächst das Meldeamt in der Hohlen Gasse und marschierte dann zum Gewerkschaftshaus (Greves Gasthof) in der Süderstraße. Hier wurde um drei Uhr in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saal und allen Nebenräumen eine Volksversammlung abgehalten. Danach marschierten alle Teilnehmer in einem Demonstrationszug mit Musikkapelle, roter Fahne und Gewerkschaftsbanner vorweg zum Rathaus. Von der Rathaustreppe aus hielt der Tönninger Dölz, damals Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD), dem linksradikalen Teil der SPD eine Rede. Der Schuhmachermeister Störmann erinnert sich noch an folgenden Vers:
Alle Kronen und die Krönlein,
die schwimmen jetzt im Rinnstein.
Wir haben jetzt die Macht!"[3]
Die Hamburger Soldaten verhielten sich aber nicht gut, so dass die Bevölkerung froh war, als die am 13. November wieder abzog.[1]
Lothar Popp vom obersten Kieler Soldatenrat sprach am 5. Januar 1919 in Hensens Garten in Husum, stieß aber bei der Presse auf wenig Gegenliebe: Sie berichtete von "nur einigen 100 Zuhörern. ... Die Ausführungen fanden nur wenigen Beifall." Insgesamt sei Husum "kein Feld" für diese Partei.[4]
Tondern
Die Novemberrevolution erreichte die Tondern bereits am 7. November 1918. Die Luftschifftruppen der örtlichen Zeppelinstation bildeten einen "vorläufigen Arbeiter- und Soldatenrat" und übernahmen die öffentliche Ordnung. Landrat Emilio Böhme fügte sich ohne Gegenwehr. Er forderte die Bevölkerung zu Ruhe und Besonnenheit auf: "Von einer eigentlichen Revolution könne nicht die Rede sein, wohl aber von einer völligen Umwälzung der bestehenden unhaltbaren Zustände."[1]
Tönning
Auch in Tönning ging es am 7. November los: Fast 400 Werftarbeiter legten die Arbeit nieder und schlossen sich mit Besatzungsmitgliedern von Torpedobooten zusammen. Sie zogen mit roten Fahnen durch die Stadt. Paul Dölz, einer der Tischler auch der Werft und USPD-Mitglied, wurde zur zentralen Figur. Er forderte die sofortige Beendigung des Krieges und eine sozialistische Republik. Am 11. November erklärte der Tönninger Arbeiter- und Soldatenrat in einer Proklamation: "Die politische Macht liegt in unserer Hand. Unser Ziel ist eine freie soziale Volks-Republik."[1]
Eine Abordnung des Arbeiter- und Soldatenrat sprach in Garding auf einer Volksversammlung im "Apollo-Saal" darüber, dass die Vorstellung einer Revolution bisher mit Raub und Plünderung verbunden gewesen sei, es gelte aber, nach dem schlimmen Krieg neue Blutopfer zu verhindern.[1]
Friedrichstadt
Versammlung von "Freunden des Soldatenrats" sollte am 7. November im "Großen Garten" in Friedrichstadt stattfinden - der erwartete Redner erscheint nicht, die Bewegung bleibt zunächst zögerlich. Ist der Redner einfach weiter nach Husum gefahren?[1]
Neustadt in Holstein
In Neustadt, der größten Stadt des Landkreises Oldenburg, hielt die Revolution am 8. November 1918 um 15:30 Uhr ihren Einzug. Vier Männer, die mit einem Pferdewagen über Eutin kamen, gaben sich fälschlicherweise als offizielle Abgesandte des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates aus. Sie besetzten kampflos das Rathaus sowie die Wache und entließen die örtliche Landsturm-Kompanie vorläufig für 14 Tage nach Hause. Nach einer folgenreichen, von Alkohol geprägten Arbeiterversammlung im Lokal "Tivoli" konnte der Führer der Mehrheitssozialdemokraten, August Meyer, Schlimmeres verhindern, was am selben Abend zur Gründung des offiziellen Neustädter Arbeiter- und Soldatenrates unter dem Vorsitz von Erich Kahnke führte. Wenige Tage später, in einer dringenden Kollegiensitzung am 16. November 1918, diktierte die neue Bewegung dem alten Magistrat weitreichende Reformen, darunter die Einführung des 8-Stunden-Tages für städtische Arbeiter und die Kontrolle der Lebensmittelkommission. Am 17. November 1918 folgte eine große öffentliche Volksversammlung im Hotel "Germania". Der Arbeiterrat etablierte zudem eine Rechtsberatung und einen Arbeitsnachweis, welcher am 28. Januar 1919 zu einer offiziellen Nebenstelle des Kreisarbeitsnachweises umgewandelt wurde.[5]
Sylt
Am 9. November gründeten Mitglieder der Inselwache auf Sylt einen Soldatenrat. Am nächsten Tag zoen ein 3.500 Menschen starker Demonstrationszug durch Westerland, eine Kundgebung im Hotel "Deutscher Kaiser" endete mit Hochrufen auf die Revolution. Andreas Nielsen, ein lokaler SPD-Politiker, spielte eine wichtige Rolle bei der Organisation der Novemberrevolution auf der Insel.[1]
Neumünster

Die SPD Neumünster erinnerte 1927 daran, wie die Revolution ihre Stadt erreichte:
"Mit dem Ausbruch der Revolution in Kiel schlugen die Wellen derselben sofort nach hier über, trotzdem blieb die hiesige Garnison fest, und war es möglich, zur Unterdrückung resp. Eindämmung des Herdes, von hier Militär nach Kiel zu entsenden. Die Lorbeeren dieses Feldzuges waren aber deprimierend und die Entsendung ein vollständiger Fehlschlag. Erst mit dem Umsturz in Berlin am 9. November kam auch die Sache hier in Neumünster ins Rollen. Am Abend diese Tages wurden die Mannschaften in verschiedenen Lokalen zur Bildung eines Soldatenrates zusammengerufen. Die gewählten Mitglieder des Soldatenrates traten gleich darauf zusammen, um sich zu konstituieren. Als Vorsitzender wurde einstimmig der Unteroffizier Katz vom Ersatz-Batl. 163 gewählt. Ein Marineoberfeuerwerker aus Kiel gab einen eingehenden Bericht über die Ursache und Entstehung der Bewegung am 5. und 6. November in Kiel. Zur gleichen Zeit tagten die am Orte noch ansässigen Genossen im Gewerkschaftshaus. Nach einer kurzen Darlegung der augenblicklichen Lage wurde von den Genossen ein Arbeiterrat von 16 Personen gewählt. Gewählt wurden ausschließlich Mitglieder der SPD, obgleich die USPD schon den ganzen Tag ihre aus Kiel gesandten Agitatoren hatte arbeiten lassen. Zum Vorsitzenden des Arbeiterrats wurde Genosse M. Richter gewählt. Der A.- und S.-Rats trat sofort in Tätigkeit und übernahm die ausführende Macht. Eine nach der Wahl des A.- und S.-Rats von diesem erlassene Proklamation setze die Bevölkerung von den gegebenen Tatsachen in Kenntnis. Die Geschäftsführung des A.- und S.-Rats war eingeteilt in die zentrale Militärverwaltung, Gerichtsangelegenheiten, Kommunalverwaltung, Verkehr und Ernährung sowie die Presse. Die Stadtverwaltung suchte sich bald den neuen Verhältnissen anzupassen."[6]
Heiligenhafen
Auch Heiligenhafen wurde direkt von den Ereignissen erfasst, als am Sonnabend, dem 9. November 1918, um 8:30 Uhr eine vierköpfige Abordnung (zwei Soldaten und zwei Matrosen) mit einem Fuhrwerk aus Kiel eintraf. Nach einer laufenden Stadtverordnetensitzung hielt der Obmann des Soldatenrates gegen 10:00 Uhr eine Rede auf dem Marktplatz, woraufhin im "Hotel zur Börse" der Heiligenhafener Arbeiter- und Soldatenrat gegründet wurde. Als sichtbares Zeichen der Revolution wehten rote Fahnen auf dem Rathaus, dem Bahnhof und der Post.
Am 18. November 1918 folgte die offizielle Einführung des beigeordneten Fischers Friedrich Schulz durch der Kieler Stadtrat Wilhelm Poller. In der Folgezeit kam es in Heiligenhafen zu erheblichen Spannungen: Der Bürgermeister weigerte sich zunächst, den Ratsmitgliedern eine tägliche Aufwandsentschädigung von 10,- RM auszuzahlen. Zudem wurden die roten Fahnen vor dem Rathaus nachts wiederholt gestohlen, was zu einem heftigen Streit und einer späteren (erfolglosen) Beschwerde des Bürgermeisters beim Gouverneur des Reichskriegshafens Kiel führte, in der er die Abberufung des Soldatenrates forderte.[5]
Burg auf Fehmarn
Die Insel Fehmarn war von der revolutionären Entwicklung besonders isoliert, da die Verkehrsverbindung zum Festland zeitweilig abriss. Matrosen mit roten Schleifen patrouillierten durch die Straßen der Stadt Burg und entwaffneten angetroffene Soldaten. Am 10. November 1918 (bzw. laut offiziellen Berichten am 11. November 1918) traf auch hier eine vierköpfige Abordnung ein, die sich als Delegierte des Kieler Soldatenrates ausgab. Diese trat sehr selbstbewusst auf, requirierte unrechtmäßig Pferde sowie Wagen und beging weitere Gewalttaten. Kurz darauf trafen jedoch rechtmäßige, mit Papieren ausgewiesene Matrosen und Funktionäre aus Kiel ein, welche die vier Hochstapler festnehmen ließen und sie per Schiff über Burgstaaken nach Heiligenhafen abtransportierten. Trotz dieser turbulenten Anfangsphase stabilisierte sich die Lage rasch, und am 4. Dezember 1918 beschloss das Burger Stadtverordnetenkollegium offiziell, die Entschädigung des örtlichen Arbeiterrates aus der Stadtkasse zu übernehmen.[5]
Oldenburg in Holstein
In der Kreisstadt Oldenburg vollzog sich die Bildung des Arbeiter- und Soldatenrates unter wesentlich weniger aufsehenerregenden Umständen als in den Nachbarstädten. Die Betrüger, die zuvor in Neustadt die Kriegskasse der dortigen Landsturm-Kompanie entwendet hatten, versuchten zwar auch in Oldenburg ihr Glück, scheiterten hierbei jedoch. Stattdessen wurde ein regulärer Rat gewählt, bestehend aus H. Fehmerling (Vorsitzender), M. Dehlert (stellvertretender Vorsitzender), K. Nissen und weiteren Mitgliedern. In derselben Gründungsversammlung wurde sogleich die Einrichtung eines Konsumvereins für Oldenburg und Umgebung beschlossen, dem spontan 78 anwesende Personen beitraten. Am 6. Dezember 1918 fand in Oldenburg zudem eine wichtige Delegiertenversammlung statt, um einen Kreisverband der Arbeiter- und Soldatenräte zur politischen Kontrolle des dortigen Landratsamtes zu formieren.[5]
Wandsbek
Als 14-jähriges Schulkind erlebt der spätere Landesvorsitzende Walter Damm die Revolution in der Industriestadt Wandsbek nahe Hamburg:
"In unserer Nachbarschaft wohnte eine große Anzahl organisierter Arbeiter, sie gehörten fast alle der gerade gegründeten USPD an. Wenn sie abends von der Arbeit nach Hause kamen, bildeten ihre Diskussion für uns Kinder einen interessanten Stoff zum Zuhören. Die Diskussionen gingen meistens um den Stand der Revolution und um die Frage, wie sich das Militär, nämlich die Husaren und Dragoner, in Wandsbek verhalten würde. [..] Wir sahen schon Matrosen mit ihren roten Bändern um ihre Mützen, die von Kiel gekommen waren, sahen aber auch eine Anzahl von Bekannten, von denen man lange nichts mehr gehört hatte, die sich irgendwo als Deserteure versteckt aufhielten und nun wieder auftauchten, um sich in den Revolutionsablauf einzuschalten. Man erzählte von Kiel, davon, daß auf dem Hamburger Hauptbahnhof sich sog. Arbeiter- und Soldatenräte versammelten, von den Verhandlungen mit den beiden Kavallerieregimenten. Zu ernsthafteren Auseinandersetzungen kam es in Wandsbek jedoch nicht, denn beide Kavallerieregimenter zogen bald mit Pferd und Wagen ab und sollen sich alsbald aufgelöst haben. In jenen Diskussionen fielen auch sehr oft anerkennende Bemerkungen über Noske, der in Kiel die Dinge zu lenken und zu leiten versuchte, ebenso über Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, von denen ich hier zum ersten Mal hörte."[7]
Ausrufung der Republik

Am 9. November erreicht der Aufstand auch Berlin. Dort verkündete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers. Um 14 Uhr rief Philipp Scheidemann die Republik aus:
"Das alte und morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die deutsche Republik!"
Der Kaiser ging am 10. November in Holland ins Exil. Dies war das Ende des Kaiserreichs, das knapp 50 Jahre Bestand gehabt hatte, und der Beginn der ersten Demokratie in Deutschland. Die Revolution mündete in einen Kompromiss, der die Weimarer Republik hervorbrachte - doch die Konflikte blieben ungelöst. Während die MSPD unter Friedrich Ebert eine parlamentarische Demokratie anstrebte, forderten USPD, Spartakusgruppe und radikale Arbeiterinnen und Arbeiter eine Räterepublik nach russischem Vorbild. Diese Spaltung schwächte die Revolution: Die MSPD verbündete sich mit den alten Eliten, um die Räteregierungen zu zerschlagen - etwa durch den Einsatz von Freikorps gegen den Spartakusaufstand in Berlin im Januar 1919.
In Schleswig-Holstein verloren die Räte zwar an Einfluss, doch die Erfahrungen der Revolution prägten die politische Kultur der Region nachhaltig. Die Novemberrevolution hatte die Monarchie gestürzt und die erste deutsche Demokratie ermöglicht - doch die ungelösten sozialen und politischen Widersprüche in der Arbeiterbewegung sollten die Weimarer Republik bis zu ihrem Untergang 1933 belasten.
Folgen
Mit Paul Hirsch übernahm zum ersten Mal ein Sozialdemokrat das Amt des Ministerpräsidenten des Freistaats Preußen, zu dem die Provinz Schleswig-Holstein gehörte.
"Der Sozialdemokratie wurde die Last der Verantwortung aufgebürdet, als die Not Deutschlands am größten war. Von den Fronten strömten die Soldaten zurück und forderten Arbeit und Brot. Ihnen folgten die noch lange zur Wiederaufbauarbeit in den Frontgebieten zurückgehaltenenen Kriegsgefangenen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sahen nach dem verlorenen Krieg unerfreulich aus. Besonders schwer war Schleswig-Holstein betroffen. Nach dem Ende der kaiserlichen Flotte hatte die übergroße Werftindustrie nur unzureichende Aufträge, was sich auch auf andere Wirtschaftszweige Kiels und der übrigen Provinz auswirkte. Die andauernde Blockade der Entente verewigte den Hungerzustand. Dennoch empfanden sich die arbeitenden Menschen im Aufgang einer neuen, helleren Zeit. Alte und neue politische Kräfte rangen, der Zeit ihr Gesicht zu geben. Mehrheitssozialisten, Unabhängige und Spartakisten kämpften um die Gefolgschaft der Massen für ihr Zukunftsbild. Von der äußersten Linken ging ein terroristischer Wille zur Machteroberung aus. In gewaltigen Kundgebungen wandte sich die Mehrheitssozialdemokratie in Schleswig-Holstein gegen Terror, Anarchie und Gewaltherrschaft und trat für die Aufrichtung der parlamentarischen Demokratie und ihre sozialistische Erfüllung ein."[8]
Literatur
- Steensen, Thomas: Rote Fahnen in Nordfriesland, shz.de, 6.11.2018
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Steensen, Thomas: Rote Fahnen in Nordfriesland, shz.de, 6.11.2018
- ↑ Brandt, Hans-Heinz. Der Freiheit eine Gasse Erste demokratische Anfänge 1918 bis 1921 im Landkreis Oldenburg in Holstein. In Demokratische Geschichte, Bd. 2, herausgegeben von Gesellschaft für Politik und Bildung Schleswig-Holstein. Neuer Malik Verlag, 1987.
- ↑ Schlüter, Ernst: Husum. Zwischen Revolution und Machtergreifung. Aus der Geschichte der Stadt Husum von 1918 bis 1933 (Schleswig 1983) ISBN 3882420804, S. 7 ff.
- ↑ Verm. Husumer Wochenblatt, zit. in Carstensen, Siegfried: Emma und Ina Carstensen. Zwei starke Frauen in Nordfriesland (Husum 2021), S. 95
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Brandt, Hans-Heinz: Der Freiheit eine Gasse: Erste demokratische Anfänge 1918 bis 1921 im Landkreis Oldenburg in Holstein. In Demokratische Geschichte, Bd. 2, herausgegeben von Gesellschaft für Politik und Bildung Schleswig-Holstein. Neuer Malik Verlag, 1987.
- ↑ SPD Neumünster: Festschrift zum 60-jährigen Bestehen der Sozialdemokratischen Parteiorganisation Neumünster (Neumünster 1927, Nachdruck 1987 durch den SPD-Kreisverband Neumünster anläßlich des 120jährigen Bestehens der SPD Neumünster)
- ↑ Krohn, Claus-Dieter (Hrsg.): Walter Damm. Arbeiter, Landrat und Flüchtlingsminister in Schleswig-Holstein (Bonn 1978), S. ?
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 63
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