Organisationsaufbau der SPD

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Organisationsaufbau der SPD ist im Organisationsstatut der Partei festgelegt. Demnach ist die Partei in drei Ebenen gegliedert: Ortsvereine, Unterbezirke und Bezirke.

Das Parteiengesetz unterscheidet nur drei Ebenen: Bundesebene, Länderebene und kommunale Ebene; dafür verwendet es die Bezeichnungen "Bundesverband", "Landesverband" und "den Landesverbänden nachgeordnete Gebietsverbände".

Die tatsächlichen Bezeichnungen der Gliederungen weichen oft sowohl vom Parteiengesetz als auch vom Organisationsstatut ab. Das liegt an der langen und wechselvollen Geschichte der Sozialdemokratie in einem Deutschland, das in 150 Jahren seine innere Ordnung mehrfach verändert hat.

Landesverband Schleswig-Holstein

In der SPD Schleswig-Holstein heißen die Ebenen seit etwa 1959 Ortsverein, Kreisverband, Landesverband.

Ortsverein

Als die Ortsvereine noch Distrikte hießen

Ortsvereine sind die Basis der Organisation der SPD. (In Berlin werden sie "Abteilung", in Hamburg "Distrikt" genannt - woanders heißen sie auch "Stadtbezirk", "Ortsbezirk", "Ortsabteilung" oder ähnliches.)

Auch in Schleswig-Holstein lautete die Bezeichnung bis 1959 in kreisfreien Städten "Distrikt", was sich wohl aus der gemeinsamen Geschichte mit Hamburg erklärt. Heute lautet sie "Ortsverein".

Ortsvereine können unselbstständige Untergliederungen bilden, die dann "Distrikt" genannt werden. (Was aber wiederum nicht mit den "Distrikten" der Landesorganisation Hamburg verwechselt werden darf.)

Ob es zu Zeiten der Weimarer Republik auch "Ortsgruppen" gab - möglicherweise unselbstständige Untergliederungen von (ländlichen?) Ortsvereinen analog zu den Distrikten im Sozialdemokratischen Verein Groß-Kiel - oder ob diese bisher nur in einem Einzelfall belegte Bezeichnung aus der USPD kommt, ist bisher nicht ermittelt. Näheres dazu im Eintrag des Ortsvereins Kopperpahl und Umgegend, Probleme der Datierung und Benennung.

Unterbezirk

Schleswig-Holstein mit den Grenzen der Kreise

Unterbezirke sind die mittlere Ebene der Organisation. In Schleswig-Holstein ist in der Satzung festgelegt, dass die Kreisverbände die Unterbezirke im Sinne des Organisationsstatuts sind - das ist nur in vier anderen Ländern auch noch so. In Schleswig-Holstein weist es darauf hin, dass die Grenzen der Kreisverbände mit den Grenzen der Verwaltungskreise bzw. der kreisfreien Städte übereinstimmen. Bis 1959 lautete die Bezeichnung "Kreisverein"; so waren die Kieler Distrikte im "Kreisverein Kiel" zusammengeschlossen.

Der SPD-Bezirk Schleswig-Holstein bestand nach den Planungen des ersten Bezirksvorstandes, die vom ersten Bezirksparteitag im Oktober 1945 akzeptiert wurden, noch aus sechs Unterbezirken:

:"Demnach umfaßte der 1. Unterbezirk die Kreise Südtondern, Husum, Eiderstedt, Norderdithmarschen. Leiter: Paul Dölz, Tönning. Der 2. Unterbezirk bestand aus den Kreisen Flensburg, Stadt und Land, Schleswig, Eckernförde. Als vorläufiger Leiter wurde Peter Furcht aus Harriesleefeld [sic] eingesetzt. Der 3. Unterbezirk umfaßte die Kreise Plön, Eutin, Oldenburg. Hier war Karl Langebeck aus Kiel der Leiter. Dem 4. Unterbezirk gehörten die Kreise Süderdithmarschen, Pinneberg, Steinburg an. Leiter war hier Erich Arp aus Elmshorn. Lübeck Stadt, Stormarn und Lauenburg gehörten zum 5. Unterbezirk. Hier gab es noch keine Leitung. Hans Schröder schließlich leitete den 6. Unterbezirk, der aus den Kreisen Kiel, Neumünster, Rendsburg und Segeberg bestand."[1]

Dies wurde später angepasst, als die politische Struktur des neuen Bundeslandes feststand. Mit der Kreisgebietsreform in den 1970er Jahren wurden Kreise und in der Folge auch SPD-Kreisverbände zusammengelegt: So bildete sich aus den Kreisverbänden Rendsburg und Eckernförde der Kreisverband Rendsburg-Eckernförde.

Bezirk

Die Bezirke - die obere Ebene - sind laut Organisationsstatut "Grundlage der Organisation". Ihr Zuständigkeitsgebiet ist in der Regel ein Bundesland. Dann nennt sich der betreffende Bezirk "Landesverband"

In Bremen und Hamburg gilt jedoch die Bezeichnung "Landesorganisation".

Ausnahmen sind Niedersachsen und Hessen. Der Landesverband Niedersachsen unterteilt sich in vier, der Landesverband Hessen in zwei Bezirke. Diese beiden Landesverbände sind somit keine Bezirke im Sinne des Organisationsstatuts, sondern haben nur landespolitische und weitere ihnen von den Bezirken übertragene Aufgaben zu erfüllen.

Der Landesverband Schleswig-Holstein hieß noch bis 1959 "Bezirksverband". Mit der Umbenennung in "Landesverband" wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass seit der Wiedergründung die Grenzen des SPD-Bezirks und des Bundeslandes identisch sind. Vor 1933 war dies nicht der Fall, da Lübeck und große Teile des heutigen Ostholstein nicht zu Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum - ab 1919 Freistaat - Oldenburg (Oldb.) gehörten.

Bis 1905 bildeten Hamburg und Schleswig-Holstein einen gemeinsamen Agitationsbezirk; erst danach kann man von einem eigenen Bezirksverband Schleswig-Holstein sprechen.

Regionale Zusammenschlüsse

Daneben ist es möglich, dass sich Gliederungen regional zusammenschließen. In Nordrhein-Westfalen gibt es "Regionen", in Rheinland-Pfalz "Regionalverbände" und in Bayern "Bezirksverbände", die aber keine "Bezirke" im Sinne des Organisationsstatuts sind, sondern regionale Zusammenschlüsse auf der Ebene der bayerischen Regierungsbezirke. Ortsvereine können sich zusammentun zu einem "Gemeindeverband" oder "Stadtverband".

In Schleswig-Holstein gibt es keine in Distrikte untergliederten Ortsvereine, auch keine Stadtverbände. Die Kreisverbände bestehen in der Regel aus einer Reihe von Ortsvereinen. Amts-Arbeitsgemeinschaften ("Amts-AGs") - regionale Zusammenschlüsse von Ortsvereinen auf der Ebene eines Amtes - sind möglich und werden genutzt; Beispiel Amts-AG Hüttener Berge.

Auch ist zumindest ein ehemaliger SPD-Gebietsverband bekannt: Es gab - bis wann, ist noch nicht geklärt - den Gebietsverband Bad Bramstedt und Umgebung.

Links

Einzelnachweise

  1. Schilf, Ulrich / Schulte, Rolf / Weber, Jürgen / Wilke, Uta: Der Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg, in: Demokratische Geschichte 3(1988), S. 548