Ortsverein Bünningstedt

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Der Ortsverein Bünningstedt war eine Gliederung im Kreisverband Stormarn. Er wurde am 11. April 1947 gegründet und bestand bis zu seinem Zusammenschluss mit dem Ortsverein Hoisbüttel 1972 zu dem Ortsverein, der heute der Ortsverein Ammersbek ist.

Geschichte

Bünningstedt ist heute ein Ortsteil von Ammersbek am Rande der Hansestadt Hamburg. In Bünningstedt gibt es wiederum einen kleineren Ortsteil, direkt an Ahrensburg anschließend, der sich früher "Reesenbüttel" nannte, heute Siedlung Daheim-Heimgarten. Dort hatte es zum Ende der Weimarer Republik eine rege Siedlungstätigkeit gegeben – als Selbsthilfe für Hamburger Arbeitslose in der Weltwirtschaftskrise. Nach dem Ende der NS-Herrschaft entwickelte sich hier eine Hochburg der SPD. Die Genossinnen und Genossen arbeiteten zunächst in Ahrensburg mit; später entschieden sie sich jedoch dafür, einen eigenen Ortsverein Bünningstedt zu gründen.

Aus den Protokollen der ersten Mitgliederversammlungen zeigt sich, welche Rolle die Bewältigung von Alltagsproblemen, aber auch die "große Politik" spielte. Immer wieder wurden Referenten aus dem Landtag, aus dem Kreistag, aber auch der Bürgermeister (am Anfang noch der Gemeindedirektor) eingeladen, um über Probleme und Fortschritte zu berichten. Es wird aber auch deutlich, dass schon damals gelegentlich die Beteiligung zu wünschen übrig ließ und dass nicht jedes Referat auf besonderes Interesse stieß und den Anstoß zu einer umfassenden Diskussion gab.

Alltagsprobleme

Am 15. November 1946 ging es im Ortsverein Ahrensburg um den Wegebau zur Hochbahn (U-Bahn Ahrensburg West), um den Mangel an Bezugsscheinen und um die Frage, ob der Brennstoff ungerecht verteilt werde. Im nächsten Jahr müsse früher mit der Torfgewinnung begonnen werden. Alle Warenvorräte müssten raus, sagte der Genosse Hans Ekstrand. Ein anderer forderte die Eingemeindung Reesenbüttels nach Ahrensburg. Die Müllabfuhr solle jetzt regelmäßig durchgeführt werden, von Ahrensburg aus, was im Jahr 4 Mark kosten werde. Eine Rolle spielten auch Stromabschaltungen, offenbar wegen "Überlastung der Maschinen".

Auch bei der Gründungsversammlung des eigenen Ortsvereins am 11. April 1947 standen Alltagsprobleme im Mittelpunkt, etwa verschiedene Ansichten zur Müllabfuhr oder die verspätete Ausgabe von Lebensmittelkarten, die auf der nächsten Gemeinderatssitzung zur Sprache gebracht werden sollte. Protest erhob sich dagegen, dass Siedler in Hamburg nur zehn, Siedler in Bünningstedt aber 40 Eier abliefern mußten, dass Saatkartoffeln noch nicht freigegeben waren und dass ausgerechnet bei der letzten Rede des Hamburger Bürgermeisters Max Brauer der Strom abgeschaltet worden war, so dass sie in Bünningstedt nicht gehört werden konnte.

Am 9. Mai 1947 folgten weitere Klagen. Die niedrige Unterstützung für die Kriegsversehrten war ein Thema - hier wollte die AWO helfen. Es ging auch wieder um die Bezugsscheine. Bei der Feuerung habe sich gezeigt, dass Bünningstedt am schlechtesten dran sei; diese Frage sollte im Kreis geregelt werden. Die Eierfrage war inzwischen geklärt. Die Genossen sahen Bünningstedt als Notstandsgebiet, verglichen mit Hamburg – schon wegen der weiten Wege. Sie forderten die Gleichheit der Ernährung in der Zwei-Zonen-Wirtschaft (damalige "Bizone").

Schon im Sommer sorgte man sich um die Winterfeuerung. Vier Wochen später hieß es in der Mitgliederversammlung, bei der Bünningstedter Torfgewinnung habe es Streit gegeben. Jetzt werde die Gemeinde 81/2 Zentner Torf zusätzlich erhalten. Der Preis dafür sei noch nicht raus, und mit Holz sei wohl nicht zu rechnen. Die Bezugsscheine würden jetzt wieder direkt in der Gemeinde ausgegeben. Sie seien ungeheuer knapp, deshalb "möchte doch, wenn nicht unbedingt nötig, von einem Antrag abgesehen werden"."[1]

Bünningstedt steckte voller Ausgebombter und Flüchtlinge aus dem Osten. Deshalb wurde in der letzten Gemeinderatssitzung der Antrag an das Landratsamt Stormarn gestellt, Flüchtlinge aus der überbelegten Gemeinde abzuziehen. Der Ortsverein formulierte eine Resolution: "Wir protestieren energisch gegen die heutige Lebensmittelknappheit, sowie weiteren, unsagbaren Verkürzung der Rationen. Gegen eine Reservepolitik in der Lebens[mittel]verteilung, und fordern restlose Verteilung der vorhandenen Lebensmittel."[2]

Später wurde nach der möglichen Ansiedlung einer Schlachterei gefragt, und für die Nähstube wurde eine Frau gesucht. Der Gemeindedirektor Wilhelm Lorenz sagte zu, sich um Nähgarn zu kümmern.

Im Oktober 1947 gab es Hoffnung auf eine geregelte Stromversorgung. Die alten "Kochstromanträge" seien hinfällig. Aber Straßen könnten wegen der fehlenden Glühbirnen nur zum Teil beleuchtet werden. Und die Wohnungsfrage war immer noch ungelöst: In Timmerhorn, einem anderen Ortsteil von Bünningstedt, herrschten "oft menschenunwürdige Zustände". Wer Räume wisse, solle sie melden. Ein Genosse schlug vor, dass man vielleicht Baracken bekommen könnte. Außerdem wurde angeregt, große Lokale, wo nur "geschlemmt" werde, sollten als Heime beschlagnahmt werden.

Im Mai 1949 standen "Siedlungsfragen" auf der Tagesordnung. SPD-Bürgermeister Schwabe schilderte die Schwierigkeiten. Selbsthilfe werde begrüßt, aber Bünningstedt habe kein Land zum Siedeln. Deshalb wurden Anträge an die Gemeinde Bünningstedt und die Stadt Ahrensburg beschlossen.

Im Dezember 1949 kam dann Aufklärung "von oben", Referent war der Landtagsabgeordnete Bernhard Ahrens aus Reinbek. Er berichtete: Gebaut worden seien 1949 von der SPD-Landesregierung in Schleswig-Holstein etwa 10.000 Wohnungen, die eine Bausumme von 10.000 bis 12.000 DM pro Wohnung erforderten – insgesamt also 100 Millionen DM. Dazu kämen noch etwa 2000 bis 3000 privat erbaute Wohnungen. Beim Flüchtlingsproblem müsse für das Land durch Umsiedlung Erleichterung geschaffen werden. Möglichst in jedem Ort solle gebaut werden. Die Mieten dürften 1,25 DM pro qm und Monat nicht übersteigen, was durch Landesmittel erreicht werden solle. Es solle überwiegend dort gebaut werden, wo Arbeitsmöglichkeiten bestünden. Zurzeit gebe es 200.000 Arbeitslose. Die SPD erstrebe in erster Linie die Schaffung von Arbeitsplätzen, wie Radiowerke, Zigarettenfabrik, Gablonzer Glasindustrie usw. Weitere Forderung: Notstandsgebiete müssten Unterstützung durch den Bund erhalten. Bernhard Ahrens forderte eine Neuordnung der Verhältnisse von Grund und Boden, die Gemeinden hätten möglichst Bodenvorratspolitik zu treiben. Für öffentliche Zwecke müsse es unentgeltliche Bodenbeschaffung geben.

Anfang Januar 1950 berichtete Bürgermeister Schwabe, dass sechs Häuser in Bünningstedt gebaut werden sollten. Notwendiges Eigengeld seien 1500 DM, die monatliche Miete 50 DM. Wer als Flüchtling an einer Umsiedlung interessiert sei, solle sich im Gemeindebüro melden.

Im April 1950 gab Else Schröder im Ortsverein bekannt, dass die AWO eine Nähmaschine und eine Säuglingsausstattung bekommen habe, die leihweise zur Verfügung stünden. Genosse Hanssen: Die AOK Ahrensburg wolle 25 Kinder kostenlos in die Rhön schicken. Für die Verschickung sollten aber nicht die "übersättigten Gemeinden" in Frage kommen, die keine Schulspeisung bezögen. Eine "Norwegen-Baracke" sei inzwischen für die Gemeinde verloren, weil diese sich darum nicht gekümmert habe.

Am 10. Dezember 1949(?) wurde ein Antrag an die Gemeinde zur Straßenbeleuchtung beschlossen: "Der Distrikt Reesenbüttel der SPD stellt folgenden Antrag: Die Gemeindeverwaltung wird ersucht für Straßenbeleuchtung zu sorgen." Antwort der Gemeindeverwaltung vom 29. Januar 1949(?): "Ihr Antrag auf Straßenbeleuchtung lag am 27. 1. dem Gemeinderat vor und musste leider abgelehnt werden wegen Fehlens der erforderlichen Geldmittel.""[3]

Am 5. Februar 1952 berichtete der Landtagsabgeordnete Wilhelm Siegel zur politischen Lage: "Der Redner wies besonders auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Schleswig-Holstein hin und betonte, dass sich keine Partei darüber täuschen sollte. Bemerkenswert war, dass nach Siegels Ansicht die SPD in Schleswig-Holstein im Kommen sei, denn nach seinen Ausführungen zeigten die bisherigen Regierungsparteien Mängel und Maßnahmen auf, die auch nicht zur Lösung des Arbeitslosenproblems, sowie des Flüchtlings- und Wohnungsproblems führten."[4]

Im Juni 1953 berichtete Bürgermeister Franz Kruse über den geplanten Straßenausbau in Daheim-Heimgarten: Fichtenweg, Lindenweg, Ahornweg, Pappelweg und Kiefernweg sollten ausgebaut werden. Der Fahrweg solle 3,50 m betragen, der Bürgersteig abgegrenzt und befestigt, vielleicht sogar mit Platten ausgelegt werden. Kosten 70.000 – 80.000 DM, für den laufenden Straßenmeter werde ein Anliegerbeitrag von 10 DM bei Barzahlung erhoben.

Else Schröder berichtete im Januar 1957 aus dem Kreistag. Man sei um die Ansetzung [Ansiedlung] von Industrie in Stormarn bemüht. Es könne nicht länger hingenommen werden, dass bei der Umsiedlung der Ausgebombten und Flüchtlinge die Rentner im Lande verblieben und die Arbeitsfähigen abzögen. Es gelte vor allem, die Bauarbeiter hier zu halten. Stormarn sei für viele arbeitende Menschen nur noch die Schlafstube Hamburgs. Die Einnahmen der Industrie flössen nach Hamburg und Lübeck. Der Kreistag habe sich dahin erklärt, dass man in den Kreisen Stormarn und Pinneberg eine "Aufbau GmbH" über die am zweckmäßigsten anzusetzenden Industrien schaffen müsse. Jetzt werde geprüft, wer als Geschäftsführer fungieren solle. Der Kreistag übernehme die Trägerschaft.

Die große Politik im Ortsverein

In einer Frauenversammlung im November 1946 hörten die Genossinnen einen Vortrag des Genossen Brinkmann über "die Vorteile der Demokratie". "Eine Diskussion fand nicht statt."[5]

Im August 1947 sprach der Landtagsabgeordnete Wilhelm Esser in der Mitgliederversammlung von 20.40 Uhr bis 22.20 Uhr über die Arbeit im Landtag. Er schloss mit dem Leitsatz: "Aktivität ist der Schlüssel zum Sozialismus." Frage an Esser, ob die Gesetze, die der Landtag verabschiede, die gleichen seien wie in den anderen Zonen. Esser sagte, sie bemühten sich, mit den anderen Zonen in Kontakt zu kommen, aber ihr Bestreben sei die "Reichsgesetzkammer". Weitere Frage, warum ehemalige aktive Wehrmachtsangehörige Pension bekämen und nicht Wohlfahrtsunterstützung wie andere Arbeitslose. Esser: Die Unterstützung werde für alle gleich werden, und zwar so, dass alle ohne Unterstützung davon leben könnten.

Am 13. Oktober 1950 war der Landtagsabgeordnete Otto Gramcko zum Thema "Remilitarisierung" eingeladen. Die Versammlung war schlecht besucht. Gramcko verkündet unter anderem, "was auch Bebel schon einmal sagte: Keinen Pfennig und keinen Mann für die Militarisierung."[6] Eine rege Debatte folgte.

Am 5. Februar 1952 sprach Wilhelm Siegel auch über die politische Lage in Schleswig-Holstein: "Der Redner wies besonders auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Schleswig-Holstein hin und betonte, dass sich keine Partei darüber täuschen sollte. Bemerkenswert war, dass nach Siegels Ansicht die SPD in Schleswig-Holstein im Kommen sei, denn nach seinen Ausführungen zeigten die bisherigen Regierungsparteien Mängel und Maßnahmen auf, die auch nicht zur Lösung des Arbeitslosenproblems, sowie des Flüchtlings- und Wohnungsproblems führten. Außerdem erwähnt der Redner, dass nach seinen Informationen die Entwicklung der radikalen politischen Gruppen in Schleswig-Holstein rückläufig sei."[7]

Im September 1952 wurde des vor kurzem gestorbenen Parteivorsitzenden Kurt Schumacher gedacht. Dann sprach der Kreistagsabgeordnete Herbert Breede aus Ahrensburg über das aktuelle Aktionsprogramm der SPD: Die SPD sei keine Einheitspartei aller Menschen, sondern sehe ihr Ziel darin, für alle Menschen Freiheit und Auskommen ohne persönlichen Zwang zu sichern. Dieses Ziel könne nur in einem kompromisslos demokratischen Staat erreicht werden. Anschließend wurden die wichtigsten Programmpunkte aufgeführt. Dazu gehörten damals die Sozialisierung der Grundstoffindustrien, die Offenlegung der Steuerlisten, die genossenschaftliche Organisation der Landwirtschaft und: "Keine Mutter von schulpflichtigen Kindern soll zur Arbeit verpflichtet sein."

Im Januar 1953 gab der Vorsitzende Friedrich Hesse einen Rückblick auf das Jahr 1952. Er wies auf die "gestiegene politische Spannung" hin. Die außen- und innenpolitischen Probleme, die zur Entscheidung drängten, berührten zutiefst das persönliche Leben eines jeden Staatsbürgers. Folgende Probleme wurden genannt: Deutschlandvertrag, Söldnerheer oder Volksheer, Europa-Armee, Lastenausgleich, Aktionsprogramm der Partei, Saarwahlen, Wahlgesetzänderung und "die Verschacherung des Ruhrgebiets auf 50 Jahre".

Im Mai 1953 sah der Landtagsabgeordnete Otto Gramcko nach dem Tod Stalins Hoffnung auf eine Änderung der Lage. Russland habe mehrere Angebote an den Westen gemacht. In Deutschland sei die einseitige Politik Adenauers kirchlich bestimmt. Gramcko erwähnte ferner den Amerika-Besuch Adenauers, die Verhaftung eines Spionagerings von ca. 30 Personen, u. a. namhafter Wirtschaftler, die am Ost-West-Handel beteiligt gewesen seien. In der Diskussion ging es dann um den Wehrbeitrag und um Gelder von Finanzminister Fritz Schäffer dafür sowie um das Verhalten der deutschen Presse gegenüber dem Osten.

Im September 1953 führte der Ortsverein eine rege Diskussion zum Hauptthema "Remilitarisierung" und "Vereinigte Staaten von Europa".

Der Ortsverein feiert

Der Ortsverein Bünningstedt feierte natürlich auch gern, Weihnachtsfeiern "mit Kind und Kegel", vor allem aber auch Maifeiern, Umzug mit den Gewerkschaften und gemütliche Abende.

In der Frauenversammlung am 18. November 1946 ging es um einen bunten Abend, eine Weihnachtsfeier mit Julklapp ("über die Markenabgabe wird noch Näheres bekannt gegeben") sowie eine Frauenkonferenz im Lindenhof am Bußtag."[8]

Im August 1947 ging es bei den Frauen um eine Wanderung, zu der der Frauenverein Ahrensburg eingeladen hatte. Fast alle Genossinnen wollten Essen und Kaffee mit einplanen, "was Ahrensburg eigentlich nicht vorhatte". Die Wanderung sollte mit der Hochbahn bis Ohlstedt und von dort zum Rodenbeker Quellental gehen. Für die nächste Zukunft einigten sich die Genossinnen "auf einen gemütlichen Abend". Gesungen wurde an dem Abend auch: "Wenn alle Brünnlein fließen"."[9]

Am 7. November 1950 stand die Arbeit im Ortsverein auf der Tagesordnung. Die Versammlung war sehr gut besucht. Wilhelm Lorenz fragte nach Vorschlägen für die nächsten Abende: ein Kulturabend und eine Aussprache "über die Lage Deutschlands". Genosse Schäfer bedankte sich für die Aufmerksamkeit zu seiner Silberhochzeit und gab bekannt, dass in Planten und Blomen in Hamburg eine Kleintierausstellung stattfinden würde.

Im April 1951 wurde bekannt gegeben, dass für die Maifeier ein Eintrittsgeld von 0,50 DM erhoben werden müsse.

Im März 1954 wurde beantragt, "dass man die gute Sitte des früheren Singens eines sozialistischen Kampfliedes am Anfang jeder Versammlung abends wieder einführen möge"."[10] Dazu sei die Anschaffung eines sozialistischen Liederbuches erforderlich. Die Versammlung beschloss einstimmig diesen Antrag.

Politische Stimmungen

Im September 1948 berichtete Wilhelm Lorenz über die Gemeinderatswahlen. Die Wahlpropaganda komme vom Kreis. Die Aktivität müsse aufs "Äußerste gesteigert werden".

Im Oktober 1948 wurde beklagt, dass die Versammlungen "sehr schlecht" besucht seien. Es gebe die Hoffnung, dass wenigstens die geplante Versammlung mit Landrat Wilhelm Siegel besser besucht sein werde. Siegel habe festgestellt, dass "eine allgemeine Flaute" bestehe. Es müsse – so Wilhelm Lorenz – mehr Propaganda betrieben werden. Die Aktivitäten hätten nachgelassen, "weil der reine Idealismus fehlt"."[11]

In der Hauptversammlung am 21. Januar 1949 wurde der Vorschlag gemacht, einmal im Monat eine Versammlung mit Gästen abzuhalten. Otto Gramcko plante, Werbeabende veranstalten und dazu Gäste einladen.

Im Juni 1949 wurden die Genossen aufgefordert, "unsere Versammlungen besser zu besuchen". Wir müssten alle Kräfte anspannen, "um ein gutes Resultat bei der Bundes[tags]wahl zu erreichen"."[12]

Nach der ersten Bundestagswahl zog der Ortsverein im September 1949 Bilanz: Wilhelm Lorenz war im Allgemeinen mit dem Ergebnis in der Siedlung zufrieden. Es sei gut gearbeitet worden. Aber in Bünningstedt-Dorf mache sich der Einfluss der Bauern immer mehr geltend. Ihre Wahlbeteiligung sei erheblich höher als die der eigenen Leute. Hans Ekstrand gab zu, dass es Gründe für Stimmenverluste gebe. Es liege "eine gewisse Interesselosigkeit" vor. Es wurde angemerkt, dass Schleswig-Holstein am schlechtesten abgeschnitten habe. Genosse Wolter beklagte, dass die SPD-Politik in Schleswig-Holstein gar nicht richtig zur Geltung komme, da der Wirtschaftsbeirat das Sagen habe. Schlusswort von Wilhelm Lorenz: "Wenn diese Regierung ans Ruder kommt, wird die SPD sie mal wieder beseitigen."[13]

Ein Jahr später, im September 1950, wurde eine Werbeaktion bekannt gegeben: "Jeder Genosse möchte nach Möglichkeit 1-2 neue Mitglieder werben."[14]

Im Oktober 1950 erinnert Wilhelm Lorenz daran, dass die Monate Oktober und November Werbemonate seien, dies solle beherzigt werden, und die Versammlungen müssten besser besucht werden. Bei der letzten Wahl habe die SPD 320 Wähler (im Ortsteil Daheim/Heimgarten) gehabt, davon seien nur 16 Genossen auf der Versammlung erschienen.

Klagen gab es auch über die Präsenz auf dem Kreisparteitag am 18. Februar 1951 in Ahrensburg: "Durch schlechtes Wetter, Mangel an Fahrgeld und auch wohl am Erliegen einiger Ortsvereine ist der schwache Besuch zu erklären."[15]

Am 6. Mai 1951 forderte Hans Ekstrand die Gemeinderatsmitglieder auf, sie sollten von Zeit zu Zeit an die Öffentlichkeit treten.

1953 ging es auf die nächste Bundestagswahl zu. Der Vorsitzende Friedrich Hesse forderte schon im Januar die Mitglieder auf, alle müssten zusammenstehen, um der SPD zum Sieg zu verhelfen.

Im Oktober 1954 sprach Otto Gramcko über das Ergebnis der Landtagswahlen. "Die Landtagswahl hat bewiesen, daß wir richtig liegen." Die Besucherzahlen bei den SPD-Veranstaltungen hätten weit höher gelegen als bei den gegnerischen Parteien. Wie sei es denn vor der Bundestagswahl und vor der Hamburger Wahl gewesen? "Mit einer Hochflut von Verleumdungen unter Anwendung schmutzigster Mittel hat die Gegenseite den Sieg davongetragen." Zur Regierungsbildung: "Wir können es uns nicht erlauben, nicht in die Verantwortung zu gehen." Die SPD werde vor dem Versuch einer Regierungsbildung nicht zurückschrecken. Mit dem BHE würde sie eine knappe Mehrheit bilden. Die CDU könne nicht zum Zuge kommen, wenn sie nicht ein oder zwei Parteien zur Hilfe nehme. Richtig sei es, mit allen Parteien zu verhandeln. Aber wahrscheinlich werde "Bonn" von oben lenken."[16]

Wo bleibt die Jugend?

Auf der Tagesordnung einer Kreisfrauenkonferenz im Juni 1947 stand ein Referat der Hamburger Jugendsenatorin Paula Karpinski über Jugendprobleme unserer Zeit. Paula Karpinski war die erste Ministerin in einer deutschen Landesregierung. Else Schröder schrieb in der Einladung im Namen des SPD-Kreisvorstands: "Vor allem wird erwartet, dass alle Helfer und Helferinnen der Falken die Referate anhören und auswerten.""[17]

Im Juli 1947 wurde in Ahrensburg die einjährige Gründungsfeier der Falken begangen. Kinder von sechs bis zehn Jahren konnten in den Ferien für wöchentlich 3,40 Mark "nach dem Köhlbrand" fahren.

Im März 1954 bot Genosse Schäfer an, unter der Jugend des Ortsbereichs für den "so notwendigen Nachwuchs der Partei zu werben". Er wolle an die Jungen und Mädel, die jetzt die Schule verließen, einzeln herantreten und hoffe bei seinem ferneren Bemühen um Unterstützung von der Gruppe der Falken in Ahrensburg.

Am 1. Oktober 1954 bat Friedrich Hesse die Mitglieder, ihre Kinder doch in den Arbeitsportverein "Solidarität" zu schicken; in Ahrensburg gebe es eine Radsportgruppe.

Anfang November 1955 referierte Kreisjugendpfleger Heinz Peters über "Jugendpflege und Jugendförderung". Die Jugend war trotz besonderen Aufrufs nicht erschienen. Es habe sich somit leider bestätigt, dass "die Werbung bei der heutigen Jugend kein einfaches Unterfangen ist". "Eventuell war es instinktive Ablehnung der Jugend von jeglicher politischen Propaganda." Peters beklagte, dass es keine Jugendbewegung wie in der Weimarer Zeit mehr gebe. An ihre Stelle seien Jugendverbände getreten, die aus dem Bundesjugendplan gefördert würden. "Der Wille zum persönlichen Opfer für die gute Sache ist bei der Jugend (ebenso wie bei den Erwachsenen) relativ gering." Die Jugend sei "gegenwartsgebunden" und handle auch danach.

Die Welt der Erwachsenen sei auch anders als früher materialistischer und ärmer an Idealen geworden. Peters nannte Beispiele wie, das heutige Campen habe nichts mit dem früheren Zelten zu tun, und warnte vor den Gefahren dabei. Die Kommunen müssten wieder Zeltplätze für die Jugend mit Aufsicht schaffen. Auswüchse modernen Tanzens müssten abgelehnt werden. Es lasse sich allerdings mit der heutigen Jugend auch noch "wandern" – wenn auch ohne die "blaue Blume der Romantik". Jugend wolle und müsse nun einmal "geführt werden", bis sie es wieder gelernt habe, "sich aus den eigenen Reihen ihre Führer zu wählen".[18]

Einzelnachweise

  1. Protokoll ?
  2. Protokoll ?
  3. ?
  4. Protokoll ?
  5. Protokoll ?
  6. Protokoll ?
  7. Protokoll ?
  8. Protokoll ?
  9. Protokoll ?
  10. Protokoll ?
  11. Protokoll ?
  12. Protokoll ?
  13. Protokoll ?
  14. ?
  15. Protokoll ?. Mit "am Erliegen" ist möglicherweise gemeint, dass die Zahl der Ortsvereine schon wieder rückläufig war, nicht zuletzt durch verstärkte Umsiedlung von politisch aktiven Flüchtlingen und Vertriebenen in andere Bundesländer.
  16. Protokoll ?
  17. ?
  18. Hier blendete der Redner offenbar die tiefgreifenden Erfahrungen aus, die die Jugend in den Jahren 1939-1945 mit "Führung" hatte machen dürfen.