Otto Eggerstedt: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Zeile 65: Zeile 65:
 
*Rainer Paetau/Wolfgang Kopitzsch/G. Stahr: ''Die Ermordung des Reichstagsabgeordneten Otto Eggerstedt im Spiegel der Justizurteile von 1949/50. Geschuldete Erinnerung''. In: ''Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte'' 199 (1994), S. 195-259
 
*Rainer Paetau/Wolfgang Kopitzsch/G. Stahr: ''Die Ermordung des Reichstagsabgeordneten Otto Eggerstedt im Spiegel der Justizurteile von 1949/50. Geschuldete Erinnerung''. In: ''Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte'' 199 (1994), S. 195-259
 
*Martin Schumacher (Hrsg.): ''M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus'' (Düsseldorf 1991)
 
*Martin Schumacher (Hrsg.): ''M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus'' (Düsseldorf 1991)
*Staatsarchiv Hamburg 331-8, Personalakte 199  
+
*Staatsarchiv Hamburg 331-8, Personalakte 199
 +
*Kukil, Max: ''[http://library.fes.de/opac/id/268429 In Gedenken Otto Eggerstedt's]'' In: Sozialdemokratischer Pressedienst . - 1958, H. 232 [11.10.1958], S. 4
 +
1958
  
 
== Links ==
 
== Links ==

Version vom 14. Dezember 2015, 14:04 Uhr

Otto Eggerstedt
Otto Eggerstedt
Geboren: 27. August 1886
Gestorben: 12. Oktober 1933

Otto Eggerstedt, * 27. August 1886 in Kiel, † 12. Oktober 1933 im KZ Esterwegen (Emsland) ermordet; Bäcker und Parteisekretär. SPD-Mitglied vermutlich seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Werdegang

Nach dem Abschluss der Mittelschule machte Otto Eggerstedt eine Bäckerlehre bei der Kieler Vereinsbäckerei. Während des Ersten Weltkrieges diente er als Soldat. Im November 1918 schloss er sich dem Matrosenaufstand an und führte von Februar bis Juli 1919 die Geschäfte des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates. Am 17. Juli übernahm er im Rahmen der Reform der schleswig-holsteinischen Landespartei das Amt des hauptamtlichen Parteisekretärs. In der Kieler SPD löste er Friedrich Brodthuhn als Vorsitzender ab.[1]

Otto Eggerstedt personifiziert - neben etwa Gertrud Völcker, Toni Jensen, Willy Verdieck und Karl Ratz, die alle seit dieser Zeit politisch in den Vordergrund treten - den Generationenwechsel in der Kieler SPD. "Dies wird besonders an seiner heftigen Kritik an Gustav Noske sichtbar; eine Abrechnung, die in dieser Deutlichkeit wohl von keinem der altvorderen Parteifunktionäre geäußert worden wäre."[2] Dieses Urteil bezog sich auf Eggerstedts Redebeitrag während einer Parteikonferenz in Weimar etwa im Juni 1919, als er Noske wegen seines Umganges mit dem Militär frontal angriff: "Noske sollte den Offizieren mehr auf die Finger sehen. (...) Wir verstehen auch nicht Noskes Ablehnung der Kontrollorgane aus dem Mannschaftsstande. (...) Sind denn die Offiziere, die sich ihm zur Verfügung stellten, zuverlässiger? Ich glaube sagen zu dürfen, daß er nicht sie, sondern sie ihn in der Hand haben (Beifall)."[3] In derselben Rede forderte er im Namen der Arbeiterschaft vom Parteitag "Klärung und die Grundlage für eine zielbewußte Politik, auf der sich weiter arbeiten läßt" und regte an, mit der USPD Gespräche zur Beseitigung der Spaltung aufzunehmen.

Von 1919 bis 1924 war Otto Eggerstedt Stadtverordneter in Kiel, ab 1921 auch Reichstagsabgeordneter. Im März 1920 gehörte er zu denen, die sich in Kiel dem "Kapp-Lüttwitz-Putsch" entgegenstellten, einem Versuch rechtsgerichteter Kreise, der Republik den Garaus zu machen.

Mitte 1929 wurde er zum Polizeipräsidenten von Altona und Wandsbek berufen, die damals noch zu Schleswig-Holstein gehörten. Infolge des "Altonaer Blutsonntags" vom 17. Juli 1932 und der damit verbundenen Absetzung der sozialdemokratischen preußischen Regierung durch den Reichskanzler Papen wurde Eggerstedt am 21. Juli 1932 seines Postens als Polizeipräsident enthoben. Ab Januar 1933 war er wieder SPD-Vorsitzender in Kiel.

Reichstag

Vom 7. März 1921 bis Frühjahr 1933 gehörte Otto Eggerstedt dem Reichstag an, zunächst als Nachrücker für Albert Billian, später immer als direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis 14 (Schleswig-Holstein).

Nationalsozialismus

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten beteiligte sich Otto Eggerstedt am Widerstand; so hielt er nach der Ermordung des SPD-Stadtverordneten und Rechtsanwalts Wilhelm Spiegel durch SA-Leute auf dem Friedhof Eichhof die Trauerrede. Mehrere tausend Menschen säumten zum Beerdigungszug die Eichhofstraße und demonstrierten schweigend gegen die neuen Machthaber.

Danach musste Eggerstedt, der den Nazis verhasst war, untertauchen. Schon am 25. Mai 1933, noch vor dem Verbot seiner Partei, wurde er im Kreis Stormarn verhaftet, in "Schutzhaft" genommen und am 12. August ins KZ Esterwegen (Emsland) eingeliefert. Dort wurde er nach offizieller Mitteilung am 12. Oktober 1933 "auf der Flucht erschossen", wie Toni Jensen, die während seiner Haft Kontakt zu ihm gehalten hatte, später berichtete. Einer der beiden Täter, ein SS-Scharführer, wurde 1949 zu lebenslanger Haft verurteilt, kam aber 1963 auf Bewährung frei. Der andere starb vermutlich im 2. Weltkrieg und wurde 1955 für tot erklärt.

Ehrungen

In der Kieler Innenstadt ist eine Straße nach Otto Eggerstedt benannt. Diese soll jedoch im Zuge der Überplanung des sogenannten "Schlossquartiers" vollständig wegfallen.[4] Bisher gibt es nur eine inoffizielle Absichtserklärung aus der Politik, wenn möglich innerhalb der neuen Bebauung einen "Otto-Eggerstedt-Platz" auszuweisen.

Auch in Hamburg-Altona gibt es eine Eggerstedtstraße. Dagegen trägt die 1939 von der Wehrmacht in Betrieb genommene und bis 2003 bestehende Eggerstedt-Kaserne in Pinneberg - anders als im Wikipedia-Artikel zu Otto Eggerstedt behauptet - ihren Namen nicht nach ihm, sondern nach dem alten Ortsnamen Eggerstedt.[5]

Seit 1992 erinnern in Berlin in der Nähe des Reichstages 96 Gedenktafeln an von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete; eine davon ist Otto Eggerstedt gewidmet.

Stolperstein Otto Eggerstedt

Am 12. August 2007 wurde vor dem Haus Eichhofstraße 12 ein Stolperstein für Otto Eggerstedt verlegt[6]

Literatur

  • Arbeitskreis Asche-Prozess (Hrsg.): Kiel. Antifaschistische Stadtrundfahrt. Begleitheft (Kiel 1983)
  • Irene Dittrich: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933-1945, Band 7: Schleswig-Hostein I – Nördlicher Landesteil (Frankfurt/Main 1993)
  • Rolf Fischer: "Mit uns die neue Zeit!" Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2, 1900-1920)(Kiel 2013) ISBN 978-3-86935-196-4
  • Wolfgang Kopitzsch: Otto Eggerstedt. In: Hans-F. Rothert (Hrsg.): Kieler Lebensläufe aus sechs Jahrhunderten (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 55, Neumünster 2006), S. 75-77
  • Wolfgang Kopitzsch: Otto Eggerstedt. In: Demokratische Geschichte 3(1988), S. 447-449
  • Franz Osterroth: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o.J.[1963])
  • Rainer Paetau/Wolfgang Kopitzsch/G. Stahr: Die Ermordung des Reichstagsabgeordneten Otto Eggerstedt im Spiegel der Justizurteile von 1949/50. Geschuldete Erinnerung. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 199 (1994), S. 195-259
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus (Düsseldorf 1991)
  • Staatsarchiv Hamburg 331-8, Personalakte 199
  • Kukil, Max: In Gedenken Otto Eggerstedt's In: Sozialdemokratischer Pressedienst . - 1958, H. 232 [11.10.1958], S. 4

1958

Links

Quellen

<references>

  1. Fischer: "Mit uns die neue Zeit!", S 195
  2. Fischer: "Mit uns die neue Zeit!", S 195
  3. So zitiert bei Fischer: "Mit uns die neue Zeit!", S 195
  4. Kieler Nachrichten 21.3.2013, 6.1.2014
  5. Vgl. Johannes Seifert: Der Bau der Pinneberger Kaserne. In: VHS-Geschichtswerkstatt: Pinneberg – Historische Streiflichter (Pinneberg 2003), S. 210-213, sowie Wikipedia
  6. Dieser Artikel stützt sich stark auf die von Eckhard Colmorgen recherchierte Biografie zum Stolperstein.