Otto Eggerstedt: Unterschied zwischen den Versionen

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K (Kl. Richtigstellung, Otto E. wurde 1927 zunächst auf dem vakanten Posten (zuvor Erich Wentker) des Polizeiamtsleiters Wandsbek als Hilfsarbeiter im höheren Dienst eingesetzt, bevor er dann 1928 zum Regierungsrat ernannt wurde.)
K (Kl. Richtigstellung, Otto E. wurde 1927 zunächst auf dem vakanten Posten (zuvor Erich Wentker) des Polizeiamtsleiters Wandsbek als Hilfsarbeiter im höheren Dienst eingesetzt, bevor er dann 1928 zum Regierungsrat ernannt wurde.)
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Von [[1919]] bis [[1924]] war Otto Eggerstedt Stadtverordneter in Kiel, ab [[1921]] auch Reichstagsabgeordneter. Im März [[1920]] gehörte er zu denen, die sich in Kiel dem "Kapp-Lüttwitz-Putsch" entgegenstellten, einem Versuch rechtsgerichteter Kreise, der Republik den Garaus zu machen.
 
Von [[1919]] bis [[1924]] war Otto Eggerstedt Stadtverordneter in Kiel, ab [[1921]] auch Reichstagsabgeordneter. Im März [[1920]] gehörte er zu denen, die sich in Kiel dem "Kapp-Lüttwitz-Putsch" entgegenstellten, einem Versuch rechtsgerichteter Kreise, der Republik den Garaus zu machen.
  
[[1927]] wurde er zunächst Hilfsreferent im Polizeiamt Wandsbek,das damals noch zu Schleswig-Holstein gehörte, bevor er im April 1928 als Polizeiamtsleiter zum Regierungsrat ernannt wurde. Mitte [[1929]] ernannte ihn dann der preußische Innenminister [[Albert Grzesinski]] zum Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Altona-Wandsbek.<ref>Vgl. Kukil: ''Eggerstedt''</ref> Nach dem "[[Altonaer Blutsonntag]]" vom [[17. Juli]] [[1932]] und der darauf folgenden Absetzung der sozialdemokratischen Regierung in Preußen durch Reichskanzler von Papen ("Preußenputsch") wurde Eggerstedt am [[21. Juli]] [[1932]] seines Postens als Polizeipräsident enthoben. Noch im Januar [[1933]] wurde er wieder SPD-Vorsitzender in [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]].   
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[[1927]] wurde er zunächst als Hilfsreferent im Polizeiamt Wandsbek eingesetzt, das damals noch zu Schleswig-Holstein gehörte, bevor er im April 1928 zum Regierungsrat ernannt wurde. Mitte [[1929]] ernannte ihn dann der preußische Innenminister [[Albert Grzesinski]] zum Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Altona-Wandsbek.<ref>Vgl. Kukil: ''Eggerstedt''</ref> Nach dem "[[Altonaer Blutsonntag]]" vom [[17. Juli]] [[1932]] und der darauf folgenden Absetzung der sozialdemokratischen Regierung in Preußen durch Reichskanzler von Papen ("Preußenputsch") wurde Eggerstedt am [[21. Juli]] [[1932]] seines Postens als Polizeipräsident enthoben. Noch im Januar [[1933]] wurde er wieder SPD-Vorsitzender in [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]].   
  
 
=== Reichstag ===
 
=== Reichstag ===

Version vom 26. Februar 2016, 20:28 Uhr

Otto Eggerstedt
Otto Eggerstedt
Geboren: 27. August 1886
Gestorben: 12. Oktober 1933

Otto Eggerstedt, * 27. August 1886 in Kiel, † 12. Oktober 1933 im KZ Esterwegen (Emsland) ermordet; Bäcker und Parteisekretär. SPD-Mitglied vermutlich seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Werdegang

Nach dem Abschluss der Mittelschule machte Otto Eggerstedt eine Bäckerlehre bei der Kieler Vereinsbäckerei. Während des Ersten Weltkrieges diente er als Soldat. Im November 1918 schloss er sich dem Matrosenaufstand an und führte von Februar bis Juli 1919 die Geschäfte des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates. Am 17. Juli übernahm er im Rahmen der Reform der schleswig-holsteinischen Landespartei das Amt des hauptamtlichen Parteisekretärs. In der Kieler SPD löste er Friedrich Brodthuhn als Vorsitzender ab.[1]

Otto Eggerstedt personifizierte - neben etwa Gertrud Völcker, Toni Jensen, Willy Verdieck und Karl Ratz, die alle seit dieser Zeit politisch in den Vordergrund traten - den Generationenwechsel in der Kieler SPD. "Dies wird besonders an seiner heftigen Kritik an Gustav Noske sichtbar; eine Abrechnung, die in dieser Deutlichkeit wohl von keinem der altvorderen Parteifunktionäre geäußert worden wäre."[2] Dieses Urteil bezog sich auf Eggerstedts Redebeitrag während einer Parteikonferenz in Weimar etwa im Juni 1919, als er Noske wegen seines Umganges mit dem Militär frontal angriff:

"Noske sollte den Offizieren mehr auf die Finger sehen. (...) Wir verstehen auch nicht Noskes Ablehnung der Kontrollorgane aus dem Mannschaftsstande. (...) Sind denn die Offiziere, die sich ihm zur Verfügung stellten, zuverlässiger? Ich glaube sagen zu dürfen, daß er nicht sie, sondern sie ihn in der Hand haben (Beifall)."[3] In derselben Rede forderte er im Namen der Arbeiterschaft vom Parteitag "Klärung und die Grundlage für eine zielbewußte Politik, auf der sich weiter arbeiten läßt" und regte an, mit der USPD Gespräche zur Beseitigung der Spaltung aufzunehmen.

Von 1919 bis 1924 war Otto Eggerstedt Stadtverordneter in Kiel, ab 1921 auch Reichstagsabgeordneter. Im März 1920 gehörte er zu denen, die sich in Kiel dem "Kapp-Lüttwitz-Putsch" entgegenstellten, einem Versuch rechtsgerichteter Kreise, der Republik den Garaus zu machen.

1927 wurde er zunächst als Hilfsreferent im Polizeiamt Wandsbek eingesetzt, das damals noch zu Schleswig-Holstein gehörte, bevor er im April 1928 zum Regierungsrat ernannt wurde. Mitte 1929 ernannte ihn dann der preußische Innenminister Albert Grzesinski zum Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Altona-Wandsbek.[4] Nach dem "Altonaer Blutsonntag" vom 17. Juli 1932 und der darauf folgenden Absetzung der sozialdemokratischen Regierung in Preußen durch Reichskanzler von Papen ("Preußenputsch") wurde Eggerstedt am 21. Juli 1932 seines Postens als Polizeipräsident enthoben. Noch im Januar 1933 wurde er wieder SPD-Vorsitzender in Kiel.

Reichstag

Vom 7. März 1921 bis Frühjahr 1933 gehörte Otto Eggerstedt dem Reichstag an, zunächst als Nachrücker für Albert Billian, später immer als direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis 14 (Schleswig-Holstein).

Nationalsozialismus

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten beteiligte sich Otto Eggerstedt am Widerstand; so hielt er nach der Ermordung des SPD-Stadtverordneten und Rechtsanwalts Wilhelm Spiegel durch SA-Leute auf dem Friedhof Eichhof die Trauerrede. Mehrere tausend Menschen säumten zum Trauerzug die Eichhofstraße und demonstrierten schweigend gegen die neuen Machthaber.

Danach musste Eggerstedt, der den Nazis verhasst war, untertauchen. Schon am 25. Mai 1933, noch vor dem Verbot seiner Partei, wurde er im Kreis Stormarn verhaftet[5] und in "Schutzhaft" genommen. Wegen einer Erkrankung musste er zunächst in ein Krankenhaus verlegt werden; erst am 12. August kam er ins KZ Esterwegen II (Emsland). Dort wurde er nach offizieller Mitteilung am 12. Oktober 1933 "auf der Flucht erschossen", wie Toni Jensen, die während seiner Haft Kontakt zu ihm gehalten hatte, später berichtete. Max Kukil zitierte in seinem Artikel zu Eggerstedts 25. Todestag ein Schreiben vom 11. August 1933 an die Verwaltung der Staatlichen Konzentrationslager in Papenburg, in dem "auf Eggerstedt ganz besonders hingewiesen" worden sei:

"Unter den Schutzhäftlingen, die auf Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten in Schleswig-Holstein am 12. August der Verwaltungsdirektion zugeführt wurden, befindet sich auch der frühere Polizeipräsident von Altona, Eggerstedt. Eggerstedt ist - abgesehen von seiner früheren amtlichen Stellung als Polizeipräsident - führend in der sozialdemokratischen Bewegung - besonders in Schleswig-Holstein - tätig gewesen. Er hat durch persönliche Agitation in der ganzen Provinz die sozialdemokratischen Interessen mit besonderem Nachdruck gefördert und sein Amt als Polizeipräsident als Exponent seiner Partei verwaltet. Er war ein besonders verbissener und listiger Sozialdemokrat, der in engsten Beziehungen zu dem Minister Severing gestanden hat. Eggerstedt hat vor seiner Verhaftung die Absicht gehabt, nach Dänemark zu entfliehen. Sein Auto ist jedoch angehalten worden. Als er während seiner Schutzhaft krank wurde und in das Krankenhaus eingeliefert werden mußte, haben ihm Freunde, darunter, wie es scheint, eine dänische Sozialistin, zur Flucht verhelfen wollen. Er wird besonders sorgfältig bewacht werden müssen."

Kukil beschreibt dann, so weit ihm - vermutlich aus dem Prozess gegen einen der Mörder - bekannt, den Hergang der Tat:

"Mit diesem Schreiben war der Mord an Otto Eggerstedt beschlossen. Der Nachmittag am Sonnabend, dem 12. Oktober, war für die Häftlinge dienstfrei. Gegen alle sonstigen Geflogenheiten [sic!] mußten die Häftlinge plötzlich antreten. Auf die Anwesenheit von Eggerstedt wurde durch die SS-Mannschaften besonderer Wert gelegt. Die Häftlinge marschierten unter der Aufsicht der SS nach einem in der Nähe des Lagers gelegenen Waldstück, um dort gefällte Baumstämme nach dem Lager zu bringen. Eggerstedt wurde beim Tragen eines solchen Baumstammes durch den SS-Scharführer Theodor Groten aus Aachen erschossen. Ein weiterer SS-Mann gab auf den am Boden liegenden Schwerverletzten einen zweiten Schuss aus der Pistole ab."[6]

Wo Otto Eggerstedt begraben wurde, ist unbekannt. Theodor Groten wurde 1949 zu lebenslanger Haft verurteilt, kam aber 1963 auf Bewährung frei. Der andere Mörder starb vermutlich im 2. Weltkrieg und wurde 1955 für tot erklärt.

Ehrungen

Stolperstein Otto Eggerstedt

In der Kieler Innenstadt ist seit 18. März 1965 eine Straße nach Otto Eggerstedt benannt. Diese soll jedoch beim Neubau des sog. "Schlossquartiers" wegfallen.[7] Bisher gibt es nur eine inoffizielle Absichtserklärung aus der Politik, nach Möglichkeit innerhalb der neuen Bebauung einen "Otto-Eggerstedt-Platz" auszuweisen.

Auch in Hamburg-Altona gibt es eine Eggerstedtstraße. Dagegen trägt die 1939 von der Wehrmacht in Betrieb genommene und bis 2003 bestehende Eggerstedt-Kaserne in Pinneberg - anders als bei Wikipedia behauptet - ihren Namen nicht nach ihm, sondern nach einem alten Ortsnamen.[8]

Seit 1992 erinnern in Berlin in der Nähe des Reichstages 96 Gedenktafeln an von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete; eine davon ist Otto Eggerstedt gewidmet.

Am 12. August 2007 wurde vor dem Haus Eichhofstraße 12 ein Stolperstein für Otto Eggerstedt verlegt[9]

Literatur

  • Arbeitskreis Asche-Prozess (Hrsg.): Kiel. Antifaschistische Stadtrundfahrt. Begleitheft (Kiel 1983)
  • Irene Dittrich: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933-1945, Band 7: Schleswig-Hostein I – Nördlicher Landesteil (Frankfurt/Main 1993)
  • Rolf Fischer: "Mit uns die neue Zeit!" Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2, 1900-1920) (Kiel 2013) ISBN 978-3-86935-196-4
  • Wolfgang Kopitzsch: Otto Eggerstedt. In: Hans-F. Rothert (Hrsg.): Kieler Lebensläufe aus sechs Jahrhunderten (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 55, Neumünster 2006), S. 75-77
  • Wolfgang Kopitzsch: Otto Eggerstedt. In: Demokratische Geschichte 3(1988), S. 447-449
  • Max Kukil: Wir gedenken Otto Eggerstedt's, Sozialdemokratischer Pressedienst, H. 232, 11.10.1958, S. 4
  • Franz Osterroth: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o.J.[1963])
  • Rainer Paetau/Wolfgang Kopitzsch/G. Stahr: Die Ermordung des Reichstagsabgeordneten Otto Eggerstedt im Spiegel der Justizurteile von 1949/50. Geschuldete Erinnerung. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 199 (1994), S. 195-259
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus (Düsseldorf 1991)
  • Staatsarchiv Hamburg 331-8, Personalakte 199

Links

Quellen

<references>

  1. Fischer: "Mit uns die neue Zeit!", S 195
  2. Fischer: "Mit uns die neue Zeit!", S 195
  3. So zitiert bei Fischer: "Mit uns die neue Zeit!", S. 195
  4. Vgl. Kukil: Eggerstedt
  5. Kukil: Eggerstedt scheint zu sagen, seine Verhaftung habe im Polizeipräsidium stattgefunden. Diese Darstellung ergibt keinen Sinn, denn er war ja amtsenthoben. Auch aus dem von Kukil zitierten Schreiben (s.u.) wird klar, dass er auf der Flucht oder zumindest während einer Autofahrt verhaftet wurde.
  6. Kukil: Eggerstedt
  7. Kieler Nachrichten 21.3.2013, 6.1.2014
  8. Vgl. Johannes Seifert: Der Bau der Pinneberger Kaserne. In: VHS-Geschichtswerkstatt: Pinneberg – Historische Streiflichter (Pinneberg 2003), S. 210-213, sowie Wikipedia
  9. Dieser Artikel stützt sich stark auf die von Eckhard Colmorgen recherchierte Biografie zum Stolperstein.