Max Stöhr

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Nachruf im "Vorwärts"

Max Stöhr

In St. Louis im Staate Missouri in Amerika starb ein alter Vorkämpfer unserer Bewegung. Max Stöhr, der Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre einer der populärsten Redner des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins war, verstarb am 2. Februar [1915].

Stöhr war in Chemnitz geboren, wo er Maschinenbauer wurde. Kaum aus der Lehre entlassen, schloß er sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein Hatzfeldscher Richtung an. Ende der sechziger Jahre kam er nach Kiel, wo er sich durch seine geradezu glänzende Rednergabe bald viele Freunde erwarb.

Die Verschmelzung der beiden Richtungen machte er mit; als aber ein Teil der Hatzfeldschen Richtung wieder absprang, blieb Stöhr in der Schweitzerschen Gruppe. Anfang der siebziger Jahre agitierte er viel in Schleswig-Holstein. Eine Ende 1871 gehaltene Rede brachte ihm eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung. Acht Monate Gefängnis mußte er wegen dieser Rede in Hameln verbüßen.

Bald nach den Wahlen von 1874 besorgte ihm ein guter Freund eine Arbeitsstelle in einer Berliner Maschinenfabrik. Er wurde nur unter der Bedingung eingestellt, daß er regelmäßig arbeite und nicht öffentlich rede.

Im sechsten schleswig-holsteinischen Wahlkreise wurde Stöhr 1875 zum Reichstagskandidaten ausersehen. Einige Male nahm er sich Urlaub in seiner Fabrik und sprach dann in den größeren Orten des Kreises, aber Ende 1876 gab er seine Arbeit ganz auf, um sich nun in dem ausgedehnten Kreise ganz der Agitation zu widmen.

Er kam 1877 zwar in die Stichwahl, aber es gelang doch nicht, den Kreis zu erobern. Jetzt gründete Stöhr ein kleines Fettwarengeschäft in Ottensen und widmete sich nebenbei voll der Agitation. Auch 1878 gelang es nicht, das Mandat zu erringen.

Als nach Erlaß des Sozialistengesetzes das dreimal wöchentlich erscheinende „Hamburg-Altonaer Volksblatt“ verboten und an dessen Stelle die sechsmal wöchentlich erscheinende „Gerichts-Zeitung“ herausgegeben wurde, wurde Stöhr Mitarbeiter dieses Blattes.

Am 28. Oktober 1880 wurde der Belagerungszustand über Hamburg und Umgegend verhängt. Zu den ersten Ausgewiesenen gehörte Stöhr. Er zog dann mit vielen Leidensgenossen über das Weltmeer. Auch in der neuen Heimat wirkte er für seine alten Grundsätze.

Am 6. Februar [1915] wurden die Überreste des einst so mutigen Kämpfers bestattet. Bei der Leichenfeier sprach auch Georg Winter, der Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre einer der populärsten Agitatoren des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Gründer des größten Teiles der Mitgliedschaften in Schleswig-Holstein und Vizepräsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins war.[1]

Einzelnachweise