Ortsverein Osdorf (Altona)

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Ortsverein Osdorf war eine Gliederung der schleswig-holsteinischen SPD, im Kaiserreich im 6. Reichstagswahlkreis, in der Weimarer Republik im Kreisverband Pinneberg. Er wurde 1906 aus dem Ortsverein Blankenese heraus gegründet.[1]

Über die Gründung am 15. Juni 1906 "im Lokal [Stadt Hamburg] des Gastwirts H. Eggers Osdorf"[2] - wie es in der behördlichen Anmeldung der Veranstaltung hieß - gibt es einen Bericht des preußischen Fußgendarmen Dumke. Angemeldet hatte die Zusammenkunft der Schneider G. Gonder[3] aus Sülldorf; zum Gründungsvorsitzenden wählten die 19 Erschienenen den Maurer Wilhelm Beckmann. Dieser behielt dieses Amt bis mindestens 1908.

Die Gründung war am 11. Mai auf einer Versammlung - ebenfalls im "Stadt Hamburg" - des Ortsvereins Blankenese angeregt worden, ebenso wie die Gründung eines Arbeitergesangvereins Osdorf, der noch im Mai mit den Proben beginnen wollte.

"Der Osdorfer Ortsverein begann nach den Polizeiberichten sehr fleißig. Nach der Gründung fanden in 1906 noch 8 weitere Versammlungen statt. Geplant waren sie für jeden zweiten Freitag im Monat um 8:30 Uhr 'in dem Lokal der Gastwirtschaft H. Eggers in Osdorf'. Die Teilnehmerzahlen lagen bis Mitte September um 25, wobei erstmals für August die Anwesenheit von 3 Frauen im Bericht gemeldet wurde. Im September waren es 5 Frauen. Im Oktober wurde von '41 Personen einschl. 4 Frauen' und im November von '54 Personen einschl. 8 Frauen' berichtet. Eine "Öffentliche Volksversammlung am 30.12.1906 besuchten schließlich '143 Personen einschl. 26 Frauen'."

Die Frauen wurden ausdrücklich erwähnt, weil ihnen nach preußischem Recht bis 1908 verboten war, einer Partei beizutreten. Sie wurden hier offenbar als Gäste gesehen, deren Anwesenheit vom überwachenden Gendarmen geduldet wurde. Schon am 17. November 1905 richtete sich eine öffentliche Frauenversammlung im Lokal des Herrn David in Dockenhuden gegen dieses Verbot. Alma Wartenberg berichtete vor 10 Frauen und 3 Männern über den SPD-Parteitag in Jena, der beschlossen habe,

"daß von jetzt an auch die Frauen sich mit soziald. Politik beschäftigen sollen. Dieses wäre durch den § 10 des neuen Organisationsstatuts festgesetzt. Da die Frauen berufen sind, die Kinder in die Welt zu setzen und zu erziehen, ist es notwendig, daß die Frauen soweit politisch geschult werden, damit sie in der Lage sind, ihre Kinder im soziald. Sinne zu erziehen."[4]

Eine am 31. Juli 1907 der Behörde vorgelege Mitgliederliste wies 74 Mitglieder aus, davon 43 Arbeiter (wohl weitgehend Landarbeiter), 14 Maurer, 8 Zimmerer, 2 Klempner, 2 Schlosser, 2 Tischler, 1 Bäcker, 1 Gärtner und 1 Schuster.

1925 gab es in Osdorf 95 SPD-Mitglieder (davon 24 Frauen), 1927 85 Mitglieder (davon 21 Frauen).

Nach der Eingemeindung des Ortes nach Altona 1927 ging er im Ortsverein Altona auf, wohl als Distrikt. Zu dieser Zeit wohnten in Osdorf 1088 Einwohner, davon 88 SPD-Mitglieder.[5]

Weiteres geben die erhaltenen Quellen nicht her; so ist bisher nicht geklärt, ob noch vor 1933 oder sogar 1927 der Zusammenschluss des Ortsvereins (oder Distrikts) mit dem Ortsverein Lurup erfolgte. Nicht nur wurde nach 1945 Lurup-Osdorf als Gliederung im Landesverband Hamburg wiedergegründet; die Gliederung verfügt auch über eine Traditionsfahne für die Gliederung gleichen Namens, die in der Matratze eines Mitglieds die NS-Herrschaft überstand. Für den Ortsverein Lurup ist die Einladung zu einer Fahnenweihe am 7. August 1927 belegt; dort wird der Ortsverein Osdorf jedoch nicht erwähnt.[6]

Einzelnachweise

  1. Hamburger Echo, 15.6.1906, S. 3
  2. Sengebusch, Ingo (Red.): Geschichte der SPD Osdorf, Osdorfer Echo Nr. 91 - Sonderausgabe. Hieraus auch alle folgenden Informationen und Zitate, soweit nicht anders angegeben.
  3. Im Bericht über die Vorbereitung der Gründung am 11.5.1906 steht der Name "Gondorf".
  4. Zeitgenössischer Polizeibericht, zitiert in Sengebusch, Geschichte der SPD Osdorf
  5. Sengebusch, Ingo (Red.): Osdorf - ein kleiner Gang durch die Geschichte, Osdorfer Echo Nr. 91 - Sonderausgabe
  6. Elbvororte. Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft, Hamburger Echo, 4.8.1927, Seite 6