William Bromme
William Bromme
| Geboren: | 15. Juli 1873 in Leipzig |
| Gestorben: | 19. Februar 1926 in Lübeck |
Moritz William Theodor Bromme, * 15. Juli 1873 in Leipzig, † 19. Februar 1926 in Lübeck; Pantoffelmacher, Journalist, Parteisekretär. Mitglied der SPD ab 1891.
Werdegang
William Bromme war der Sohn eines Leipziger Eisenbahners, der als sozialdemokratischer Funktionär infolge des Sozialistengesetzes seine Arbeit verlor und als Pantoffelmacher arbeitete.
In Schmölln (Sachsen-Anhalt), wohin sein Vater 1878 noch als Eisenbahner versetzt worden war, besuchte er ab 1879 die Volks- und Mittelschule. Der Wunsch der Mutter, der begabte Sohn solle Lehrer werden, war unter den Umständen unbezahlbar; selbst eine Lehrstelle lag außerhalb der Möglichkeiten der Familie. William Brommes Interesse für die Fragen der Volksbildung und -erziehung sowie eine ausgesprochene sozialpädagogische Begabung blieben jedoch erhalten.
Wie der Vater arbeitete der Sohn als Pantoffelmacher in Knopf-, Schuh-, Holzwaren- und Maschinenfabriken. Am 8. Mai 1898 trat er in den Deutschen Holzarbeiterverband ein; gewerkschaftlich organisiert war er schon ab 1890.
Er war verheiratet mit Emma; das Ehepaar hatte mehrere Kinder, darunter Paul Bromme.
Ein Lungenleiden zwang ihn zum Berufswechsel. Zunächst wurde er reisender Handelsvertreter, gründete aber Anfang des Jahrhunderts in Ronneburg (Thüringen) eine Produktivgenossenschaft für Arbeiterfußbekleidung, die er leitete. Nach 1906 wechselte er in den Journalistenberuf, 1909 ging er als Parteisekretär nach Lübeck.
Dort gehörte er den Vorständen des Gewerkschaftskartells und des Holzarbeiterverbandes an, zeitweise auch dem Aufsichtsrat des Konsumvereins. Er war Vorstandsmitglied der Gesellschaft für soziale Reformen, Mitglied des Einigungs- und Wohlfahrtsamtes, des Ausschusses für kinderreiche Familien und des Schlichtungsausschusses.
Während des Ersten Weltkrieges betätigte er sich als Pfleger in einer Sanitätskolonne in Lübeck.
Am 21. April 1925 trat er aus gesundheitlichen Gründen mit 51 Jahren in den Ruhestand, war aber weiterhin ehrenamtlich tätig. Noch in der Woche seines Todes nahm er an der Vorstandssitzung der Waldschulkommission teil; er starb am 19. Februar 1926.
Seine Trauerfeier fand am 24. Februar 1926 im Gewerkschaftshaus statt, bevor der Sarg zum Vorwerker Friedhof überführt wurde.
Partei & Politik
Am 1. August 1891 schloss sich William Bromme in Dortmund der SPD an. 1896 wählte man ihn dort zum Funktionär.
Ende 1906 nahm er am ersten Kursus der Reichsparteischule der SPD in Berlin teil. Dort zählten unter anderen Rudolf Hilferding und Franz Mehring zu seinen Lehrern. Anschließend arbeitete er in den Redaktionen der Leipziger Volkszeitung und der Altenburger Volkszeitung, bevor er 1908 Redakteur der Dortmunder Arbeiter-Zeitung wurde. Nebenher war er auch in der Konsumvereinsbewegung tätig.
Neuanfang in Lübeck
Die Lübeckische Parteiorganisation wählte ihn am 1. September 1909 zu ihrem Parteisekretär für Lübeck. In dieser Funktion gehörte er auch dem Bezirksvorstand für Mecklenburg-Lübeck an.
Während der Novemberrevolution von 1918 war er im Vollzugsausschuss des Arbeiter- und Soldatenrates für die Bereiche "Presse und Kassenwesen" verantwortlich.[1]
Nach der Änderung der lübeckischen Landesverfassung wurden am 9. Februar 1919 erstmals seit 1848 alle Mitglieder der Bürgerschaft gemeinsam gewählt; William Bromme war unter ihnen.[2] Man wählte ihn in den Bürgerausschuss, am 15. September 1919 dann in den Lübecker Senat. Er wurde Vorsitzender der Friedhofs- und der Arbeitsbehörde - Letzteres machte ihn zu einem Hauptangriffsziel für die KPD. Bedingt durch seinen schlechten Gesundheitszustand trat er am 21. April 1925 in den Ruhestand.
Schon früh übernahm er den Vorsitz der "Freien Jugendbewegung". Ab 1921 übertrug ihm die Bürgerschaft den Vorsitz im Jugendamt und später im Landesjugendamt. Er war verantwortlich für die Neuordnung der lübeckischen Jugendwohlfahrtspflege auf Grund des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes. Auf ihn geht die Einrichtung der Erziehungsheime Wakenitzhof und Ruhleben sowie die Schaffung des Jugendheims in der inneren Stadt zurück. Seine Beziehungen zu den Jungen des Wakenitzhofes sowie zu den anderen Jugendeinrichtungen pflegte er auch noch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt.
Veröffentlichungen
1905 wurde er weiten Kreisen durch die Veröffentlichung Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters (Diederichs, Jena 1905) bekannt (Digitalisat) und blieb auch weiterhin schriftstellerisch tätig. Er verfasste ein Lustspiel sowie zahlreiche Feuilletons und Abhandlungen, die in den sozialdemokratischen Blättern Deutschlands abgedruckt wurden.
Literatur
- William Bromme †, Lübecker Volksbote, 20.6.1926
- Senator William Bromme †, Lübeckische Blätter, 28.2.1926, S. 133–134
- Senator William Bromme, Vaterstädtische Blätter, 28.2.1926, S. 75
- Fehling, Emil Ferdinand: Lübeckische Ratslinie (Lübeck 1925, Nr. 1040)
- Senator William Bromme, Vaterstädtische Blätter, 10.5.1925, S. 75
- Der Wechsel im Lübecker Senat, Von Lübecks Türmen, 4.10.1919, S. 80
- Senator William Bromme, Vaterstädtische Blätter, 28.9.1919, S. 101
- Mehring, Franz: Literarische Rundschau: William Bromme: Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters
- Sinner, Karl-Ernst: Tradition und Fortschritt. Senat und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck 1918–2007 (= Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck. Band 46 der Reihe B, hrsg. Archiv der Hansestadt Lübeck 2008, S. 50 ff.
Links
- Biografie von William Bromme. In: Schröder, Wilhelm H.: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1876–1933 (BIOSOP)
- Wikipedia: William Bromme
Einzelnachweise
- ↑ Bekanntmachung des Soldaten- und Arbeiterrates, Lübecker Volksbote, 12.11.1918, S. 6
- ↑ Lübeckische Landesverfassung vom 23. Mai 1920
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel William Bromme aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

