Niebüller Erklärung: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Niebüller Erklärung''' ist eine Resolution zur [[Minderheitenpolitik]] mit Bezug auf die Friesische Minderheit, das am [[24. Januar]] [[1982]] auf einem außerordentlichen Parteitag des [[Kreisverband Nordfriesland|SPD-Kreisverbands Nordfriesland]] in [[Ortsverein Niebüll|Niebüll]] angenommen wurde. Diese Erklärung markiert für die SPD einen wichtigen Meilenstein in der Anerkennung der Friesen in Nordfriesland als eigenständige kulturelle und sprachliche Minderheit.
Die '''Niebüller Erklärung''' ist eine Resolution zur [[Minderheitenpolitik]] mit Bezug auf die Friesische Minderheit, das am [[24. Januar]] [[1982]] auf einem außerordentlichen Parteitag des [[Kreisverband Nordfriesland|SPD-Kreisverbands Nordfriesland]] in [[Ortsverein Niebüll|Niebüll]] angenommen wurde. Diese Erklärung markiert für die SPD einen wichtigen Meilenstein in der Anerkennung der Friesen in Nordfriesland als eigenständige kulturelle und sprachliche Minderheit.


== Wortlaut ==
== Vorgeschichte ==
Angeregt durch die "Flensburger Erklärung" des [[Landesverband|Landesverbandes]] vom [[26. September]] [[1981]], die das deutsch-dänische Verhältnis und die [[Minderheitenpolitik]] im Grenzland Schleswig behandelte, entschied die [[Kreisverband Nordfriesland|SPD Nordfriesland]], eine eigene Erklärung speziell für die friesische Bevölkerungsgruppe zu verfassen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von [[Hanns-Joachim Kuchenbecker]], dem Kreis- und Fraktionsvorsitzenden der SPD, wurde gebildet. Diese Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Arbeitskreises Kultur der Kreistagsfraktion und anderen interessierten Parteimitgliedern, arbeitete intensiv an der Ausarbeitung der Erklärung.
 
==Wortlaut==
<blockquote>Die [[Kreisverband Nordfriesland|SPD Nordfriesland]]
<blockquote>Die [[Kreisverband Nordfriesland|SPD Nordfriesland]]


* in Kenntnis des seit sechs Jahrzehnten bestehenden Zwiespalts zwischen den verschiedenen friesischen Gruppen in Nordfriesland
*in Kenntnis des seit sechs Jahrzehnten bestehenden Zwiespalts zwischen den verschiedenen friesischen Gruppen in Nordfriesland
* in dem Wunsch, zur Überwindung dieses Zwiespalts im Interesse aller Nordfriesen beizutragen
*in dem Wunsch, zur Überwindung dieses Zwiespalts im Interesse aller Nordfriesen beizutragen
* und unter Berufung auf die Gemeinschaftscharta der Regionalsprachen und -kulturen und der Charta der Rechte der ethnischen Minderheiten des Europäischen Parlaments vom [[16. Oktober]] [[1981]] erklärt ihre Auffassung von der Stellung der Friesen in Nordfriesland in der folgenden
*und unter Berufung auf die Gemeinschaftscharta der Regionalsprachen und -kulturen und der Charta der Rechte der ethnischen Minderheiten des Europäischen Parlaments vom [[16. Oktober]] [[1981]] erklärt ihre Auffassung von der Stellung der Friesen in Nordfriesland in der folgenden


„Niebüller Erklärung"
„Niebüller Erklärung"


# Die Friesen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland sind eine durch eigene Herkunft, Sprache, Geschichte und Kultur gekennzeichnete Bevölkerungsgruppe im Lande Schleswig-Holstein. Mit den Ostfriesen im Lande Niedersachsen und mit den Friesen in den Niederlanden sind sie durch historische und aktuelle Beziehungen verbunden.
#Die Friesen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland sind eine durch eigene Herkunft, Sprache, Geschichte und Kultur gekennzeichnete Bevölkerungsgruppe im Lande Schleswig-Holstein. Mit den Ostfriesen im Lande Niedersachsen und mit den Friesen in den Niederlanden sind sie durch historische und aktuelle Beziehungen verbunden.
# Wir stellen fest, daß das Bekenntnis als Friese frei und durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geschützt ist. Es muß nicht nachgewiesen, und es darf nicht überprüft werden. Dabei ist ohne Bedeutung, auf Grund welcher der oben genannten Faktoren der Einzelne seine Identität als Friese begründet und wie er sich parteipolitisch und vereinsmäßig bindet.
#Wir stellen fest, daß das Bekenntnis als Friese frei und durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geschützt ist. Es muß nicht nachgewiesen, und es darf nicht überprüft werden. Dabei ist ohne Bedeutung, auf Grund welcher der oben genannten Faktoren der Einzelne seine Identität als Friese begründet und wie er sich parteipolitisch und vereinsmäßig bindet.
# Wir erkennen an, daß die Friesen als Gruppe ein Lebensrecht im Rahmen der Gesamtgesellschaft haben. Wo diese Gruppe in ihrer Identität bedroht ist, verdient sie den Schutz der gesamten Gesellschaft durch ideelle und materielle Förderung ihrer kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Belange.
#Wir erkennen an, daß die Friesen als Gruppe ein Lebensrecht im Rahmen der Gesamtgesellschaft haben. Wo diese Gruppe in ihrer Identität bedroht ist, verdient sie den Schutz der gesamten Gesellschaft durch ideelle und materielle Förderung ihrer kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Belange.
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== Literatur ==
==Literatur==


* Holander, Reimer Kay: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay48.pdf Die 'Niebüller Erklärung' der SPD Nordfriesland]'', in: ''Demokratische Geschichte'', Band 3(1988)
*Holander, Reimer Kay: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay48.pdf Die 'Niebüller Erklärung' der SPD Nordfriesland]'', in: ''Demokratische Geschichte'', Band 3(1988)


[[Kategorie:Minderheitenpolitik]]
[[Kategorie:Minderheitenpolitik]]
[[Kategorie:Kreisverband Nordfriesland]]
[[Kategorie:Kreisverband Nordfriesland]]

Aktuelle Version vom 6. Juli 2025, 11:16 Uhr

Die Niebüller Erklärung ist eine Resolution zur Minderheitenpolitik mit Bezug auf die Friesische Minderheit, das am 24. Januar 1982 auf einem außerordentlichen Parteitag des SPD-Kreisverbands Nordfriesland in Niebüll angenommen wurde. Diese Erklärung markiert für die SPD einen wichtigen Meilenstein in der Anerkennung der Friesen in Nordfriesland als eigenständige kulturelle und sprachliche Minderheit.

Vorgeschichte

Angeregt durch die "Flensburger Erklärung" des Landesverbandes vom 26. September 1981, die das deutsch-dänische Verhältnis und die Minderheitenpolitik im Grenzland Schleswig behandelte, entschied die SPD Nordfriesland, eine eigene Erklärung speziell für die friesische Bevölkerungsgruppe zu verfassen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Hanns-Joachim Kuchenbecker, dem Kreis- und Fraktionsvorsitzenden der SPD, wurde gebildet. Diese Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Arbeitskreises Kultur der Kreistagsfraktion und anderen interessierten Parteimitgliedern, arbeitete intensiv an der Ausarbeitung der Erklärung.

Wortlaut

Die SPD Nordfriesland

  • in Kenntnis des seit sechs Jahrzehnten bestehenden Zwiespalts zwischen den verschiedenen friesischen Gruppen in Nordfriesland
  • in dem Wunsch, zur Überwindung dieses Zwiespalts im Interesse aller Nordfriesen beizutragen
  • und unter Berufung auf die Gemeinschaftscharta der Regionalsprachen und -kulturen und der Charta der Rechte der ethnischen Minderheiten des Europäischen Parlaments vom 16. Oktober 1981 erklärt ihre Auffassung von der Stellung der Friesen in Nordfriesland in der folgenden

„Niebüller Erklärung"

  1. Die Friesen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland sind eine durch eigene Herkunft, Sprache, Geschichte und Kultur gekennzeichnete Bevölkerungsgruppe im Lande Schleswig-Holstein. Mit den Ostfriesen im Lande Niedersachsen und mit den Friesen in den Niederlanden sind sie durch historische und aktuelle Beziehungen verbunden.
  2. Wir stellen fest, daß das Bekenntnis als Friese frei und durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geschützt ist. Es muß nicht nachgewiesen, und es darf nicht überprüft werden. Dabei ist ohne Bedeutung, auf Grund welcher der oben genannten Faktoren der Einzelne seine Identität als Friese begründet und wie er sich parteipolitisch und vereinsmäßig bindet.
  3. Wir erkennen an, daß die Friesen als Gruppe ein Lebensrecht im Rahmen der Gesamtgesellschaft haben. Wo diese Gruppe in ihrer Identität bedroht ist, verdient sie den Schutz der gesamten Gesellschaft durch ideelle und materielle Förderung ihrer kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Belange.

Literatur