Spartakusaufstand

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Bewaffnete Spartakisten in Berlin, 5.1.1919

Der Spartakusaufstand fand vom 5. bis 12. Januar 1919 fand der statt. Ausgelöst wurde er von der Spartakusgruppe - einer linkssozialistischen Bewegung um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht - die eine sozialistische Räterepublik in Deutschland durchsetzen wollte. Der Aufstand blieb im Wesentlichen auf Berlin begrenzt. In Kiel kam der Aufstand mit Verspätung als Februarunruhen an.

Im Dezember 1918 gründeten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Obwohl Rosa Luxemburg dagegen war, rief die Partei Anfang Januar 1919 zum gewaltsamen "Sturz der Regierung Ebert-Scheidemann" auf. Damit sollte verhindert werden, dass die für den 19. Januar 1919 geplanten Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung stattfinden konnten - Wahlen, die den Deutschen erstmals die Möglichkeit geben sollten, demokratisch über ihre Zukunft zu entscheiden.[1]

Die gewaltsame Niederschlagung des Spartakusaufstands durch die Regierung unter Friedrich Ebert (MSPD) wirft bis heute Fragen auf, besonders wegen der brutalen Vorgehensweise. Dennoch: Hätte die Regierung den gewalttätigen Aufstand nicht gestoppt, wäre die erste demokratische Wahl in Deutschland wahrscheinlich gescheitert. Die Folgen wären verheerend gewesen: ein Bürgerkrieg, gesellschaftliches Chaos und möglicherweise sogar ein Einmarsch der Alliierten – statt einer demokratischen Ordnung.[1]

Schleswig-Holstein

Ganz folgenlos blieb der Aufstand in Berlin aber auch in Kiel nicht: So stürmte Anhänger von KPD und USPD am 7. Januar das Kieler Rathaus, um eine höhere Arbeitslosenhilfe zu erzwingen:

"In der jüngsten Sitzung der hiesigen Stadtverwaltung am Dienstag, 7. Januar, wurde u.a. über die Mittel für die Arbeitslosenfürsorge und deren Beschaffung verhandelt. Während der Sitzung drangen Erwerbslose in den Saal ein und forderten die Annahme ihrer Forderung auf eine Erwerbslosenunterstützung von M 8[2]. Unter dem Druck der Verhältnisse wurde entsprechend beschlossen, sogleich aber von verschiedenen Stadtverordneten das Bedauern ausgesprochen, daß die Arbeitslosen den Beschluß auf Erhöhung der Tagesgelder mit Gewalt durchgesetzt hätten. Auch der Magistrat schloß sich diesem Bedauern an."[3]

Damit war das Verhältnis zwischen diesen Parteien und der MSPD vergiftet.[4]

Am 11. Januar wählte der Arbeiter- und Soldatenrat - dem mittlerweile auch Andreas Gayk angehörte - seinen Vorsitzenden Gustav Garbe als Nachfolger von Gustav Noske zum Gouverneur von Kiel. Er ließ verschiedene öffentliche Gebäude militärisch besetzen, um die öffentliche Ordnung zu sichern.[4]

Am 12. Januar wetterte SPD-Stadtrat Wilhelm Poller in einer Rede vor 30.000 Menschen gegen den "Terror der Spartakisten" und ihr Bestreben, die Nationalversammlung und die Wahl dazu zu verhindern.[5] Tags darauf riefen KPD und USPD zur Demonstration gegen die MSPD, die demokratische Regierung, den Vorwärts und die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung auf.[4]

Nach der blutigen Niederschlagung des Spartakusaufstands in Berlin durch die von der SPD geführte Regierung und den Einsatz rechter Freikorps unter Gustav Noskes Oberbefehl verschärften sich die Spannungen in der Arbeiterbewegung. Als die Bremer Räterepublik am 10. Januar 1919 ausgerufen wurde, sahen sich die Kieler Spartakisten - darunter Kommunisten, Mitglieder der USPD und revolutionäre Metallarbeiter - aufgefordert, in Kiel einen ähnlichen Umsturzversuch zu wagen.[6]

Am 4. Februar 1919 forderten sie vom Kieler Obersten Soldatenrat Waffen, um die Bremer Genossen zu unterstützen, und verlangten zugleich, dass Kiel keine Lebensmittel oder Nachschub an Gustav Noskes Truppen liefern dürfe. Der Soldatenrat lehnte die Waffenherausgabe ab, stimmte jedoch zu, keine Versorgungsgüter mehr an die "Noske-Truppen" abzugeben - eine Entscheidung, die der neu ernannte Militärgouverneur Gustav Garbe (MSPD) ausdrücklich unterstützte. Diese Haltung spiegelte die SPD-Position wider, die zwischen der Anerkennung sozialer Not (z. B. der hungernden Kieler Bevölkerung) und der Ablehnung eines gewaltsamen Umsturzes vermitteln musste.[6]

Vom 5. bis 8. Februar 1919 eskalierte der Konflikt: Die Spartakisten versuchten, durch Überfälle auf Marinegebäude, Patrouillen und Sicherungsposten – unter anderem in der Innenstadt und in der Frauen-Gewerbeschule an der Fährstraße (heute: Muhliusschule in der Legienstraße) – an Waffen zu gelangen. Besonders umkämpft war die Kaserne der I. Matrosen-Division an der Feldstraße, wo es zu schweren Gefechten mit sechs Tote und 20 Verletzte kam.[7] Die Lage verschärfte sich weiter, als der Militärgouverneur am 7. Februar den Belagerungszustand verhängte. Die Sicherheitstruppe des Soldatenrats, unterstützt von Offizieren und der Studentenwehr, ging militärisch gegen die Aufständischen vor. Schwere Waffen wie Geschütze wurden in Stellung gebracht, und die Gegend um die Fährstraße wurde abgesperrt. In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar 1919 zerstörten die Spartakisten schließlich ihre Waffen und flohen über Hinterhöfe - der Umsturzversuch war gescheitert.[6]

Historiker Klaus Kuhl schätzt die Februarunruhen nicht als militante Aktionen der radikalen Arbeiter ein, sondern als breiten Protest der Arbeiterbewegung in Kiel gegen das Vorgehen Gustav Noskes in der Frage der Bremer Räterepublik und ganz allgemein gegen seine Militärpolitik.[8] Für die SPD war die Niederschlagung des Aufstands ein notwendiger Schritt zur Stabilisierung der jungen Weimarer Republik. Der gescheiterte Putschversuch vertiefte jedoch die Spaltung innerhalb der Arbeiterbewegung und stärkte konservative Kräfte, die bereits im November 1918 an Einfluss verloren hatten. Die SPD sah sich in der Pflicht, als Garant einer demokratischen Ordnung gegen extremistische Bestrebungen - sowohl von links als auch von rechts - aufzutreten. Gustav Noskes harte Linie, die auch innerparteilich umstritten war, wurde von der SPD-Führung mitgetragen, da man die Gefahr einer kommunistischen Diktatur fürchtete.[6]

Aus Sicht der SPD diente der Einsatz gegen die Spartakisten dem Schutz der parlamentarischen Demokratie. Der Umsturzversuch wurde als gezielte Provokation gewertet, die die neu gegründete Republik destabilisieren sollte. Die Partei betonte, dass nur eine geordnete demokratische Entwicklung die Stabilität Deutschlands sichern könne.[6]

Literatur

  • Dähnhardt, Dirk: Revolution in Kiel, Neumünster (1978)
  • Kuhl, Klaus: Kiel und die Revolution von 1918, Berlin (2018)
  • Kuhl, Klaus: Februarunruhen in Kiel 1919, 2019
  • Rackwitz, Martin: Kiel 1918. Revolution – Aufbruch zu Demokratie und Republik, Kiel (2018)
  • Wette, Wolfram: Gustav Noske. Eine politische Biographie, Düsseldorf (1988)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Winkler, Heinrich August: Mehr Revolution wagen?, DIE ZEIT, 21.2.2019, S. 6-7
  2. 8 Mark
  3. Hamburger Echo: Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung, 9. Januar 1919
  4. 4,0 4,1 4,2 Fischer, Rolf: Der Kieler Polizeipräsident Wilhelm Poller - eine biografische Skizze In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 90, Heft 3, Seite 128ff (2021)
  5. Fischer, Rolf: Der Kieler Polizeipräsident Wilhelm Poller - eine biografische Skizze In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 90, Heft 3 (2021), Seite 128 ff.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Gallinat, Rolf: Suchsdorfer Chronik 1233 – 2020, 2026
  7. Dähnhardt, Dirk: Revolution in Kiel, Neumünster (1978)
  8. Kuhl, Klaus: Februarunruhen in Kiel 1919, 2019

Anmerkungen