Kinderrepublik Lübecker Bucht

Aus SPD Geschichtswerkstatt
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Die Kinderrepublik Lübecker Bucht fand ab dem 5. Juli 1930 in Brodten am Theodor-Schwartz-Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) statt. Aufgerufen dazu hatte die AWO gemeinsam mit den Kinderfreunden.

1927 hatte die erste deutsche Kinderrepublik in Seekamp bei Kiel stattgefunden und schnell Nachahmer gefunden. 1930 sollte nun auch eine bei Lübeck stattfinden, an deren Organisation sich auch der 16-jährige Willy Brandt beteiligt haben soll. Die Lübecker Arbeiterbewegung erwartete 2000 Kinder aus dem gesamten Reich, aus Tschechien und Österreich.[1] Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage - Drei Millionen Menschen sind in dieser Zeit arbeitslos. Außerdem hatten andernorts Nazis Kinderrepubliken angegriffen.

Ablauf

Text: "Unseren roten Falken zum Gruß flaggt morgen jedes Arbeiterhaus! Wo ein Sozialist wohnt: Fahnen heraus!
Aufruf im Lübecker Volksboten am Tag vor Beginn.
Junge schlägt eine Trommel
Junge schlägt eine Trommel

Am Sonnabend, dem 5. Juli früh um 9 Uhr trafen sich die Roten Falken und Jungfalken zur Probe im "Haus der Jugend". Der Lübecker Volksbote macht an diesem Tag auf mit einem großen Foto (links) und einem Namensartikel von Kurt Löwenstein, dem Vorsitzenden der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde:

"[…] Unsere Falken machen keinen Ausflug, sondern sie kommen zu einer großen Tat zusammen, auf die sie vorberteit sind durch jahrelange Erziehungsarbeit, zu einem Werk, in dem sie sich selbst wiederfinden wollen, in dem sie Kämpfer und Aufbauer von morgen sein werden. […] Zum erstenmal in dem Brodtener Lager soll mit Jung und Roten Falken erprobt werden, bis zu welchem Grade die Selbstverwaltung und die Selbstverantwortung nach den beiden Altersstufen durchgeführt werden kann. Seit Kiel haben wir eine Menge Formen von Zeltlagern geübt, manches gelernt, aber auch manches als Tradition übernommen. Die Kinderrepublik Lübecker Bucht hat die große Aufgabe bekommen, einmal systematisch zu beobachten und dem Gedanken der Entfaltung der Kräfte der Kinder aus ihren eigenen Bedürfnissen eigenschöpferische Formen und Gestalt zu geben."[2]

Ab Nachmittag kamen die ersten Züge mit Kindern aus Richtung Kiel, Hamburg und Breslau in Lübeck ankommen. Um 18:30 Uhr sollten sie auf dem Burgfeld antreten. Dort sollten Bürgermeister Paul Löwigt, der Reichstagsabgeordnete Julius Leber und Hans Otto zu ihnen sprechen. Dort wurde die Kinderrepublik ausgerufen.[1] Danach zog der Demonstrationszug vom Burgfeld über die Isrealsdorfer Allee, Große Burgstraße, Geibelplatz, Engelsgrube, Schwönekenquerstraße, Beckergrube, Breite Straße, Sandstraße, Klingenberg, Mühlenstraße, St. Annenstraße, Balauerfohr, Hüxstraße, Königstraße zur Schrangenfreiheit.[2] Von dort werden sie zunächst bei Lübecker Arbeiterfamilien untergebracht. Lübecker Falken helfen ihnen, zu den Wohnungen ihrer Familien zu finden.

Am Sonntag Morgen wird für die Falken zweimal die Kinderkomödie "Hans Urian geht nach Brot" von Béla Balázs im Hansatheater aufgeführt. Jede der beiden Aufführungen dürfen immer nur Falken aus bestimmten Lübecker Stadtteilen besuchen. Danach marschieren die beiden Gruppen jeweils zum Bahnhof und fahren mit einem Sonderzug Richtung Brodten.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Lübecker Volksbote, Ausgabe 153 vom 04.07.1930
  2. 2,0 2,1 Lübecker Volksbote, Ausgabe 154 vom 05.07.1930