Hans Söhnker

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Hans Söhnker
Hans Söhnker
Geboren: 11. Oktober 1903
Gestorben: 20. April 1981

Hans Albert Edmund Söhnker, * 11. Oktober 1903 in Kiel, † 20. April 1981 in Berlin; Kaufmann, Schauspieler. Soweit bekannt, nicht Mitglied der SPD.

Werdegang

Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus der Familie Söhnker, Harmsstr. 73, Kiel

Hans Söhnker kam in der Augustenstraße in Kiel als Sohn von Edmund und Magdalena Söhnker zur Welt. Er war das fünfte von sechs Kindern. Über seine Kindheit im Kieler Arbeitermilieu schreibt er in seinen Lebenserinnerungen.[1]

So erinnert er sich, dass in der Schule von Lehrern abträgliche Bemerkungen über seine "rote" Familie gemacht wurden[2]. Aber auch die eigene Seite war von Intoleranz nicht frei:

"Vater hatte mich beim Arbeiterturnverein angemeldet. Abgesehen davon, daß ich vom Turnen nicht allzuviel hielt, fühlte ich mich dort auch sonst nicht wohl: Die Arbeiterkinder sprachen nicht mit mir, denn ich trug bessere Schuhe und ging auf die Mittelschule. Für sie war ich ein 'Butterküken'. Obwohl auch wir zu Hause öfter Margarine als Butter aßen. So erfüllte mir Vater schließlich den Wunsch, einem Fußballklub beitreten zu dürfen.[3] Bei 'Kilia Kiel' wurde ich Mittelstürmer in der Schülermannschaft. [Dies] verübelten die Genossen meinem Vater sehr, denn 'Kilia Kiel' war ein bürgerlicher Verein. Man warf Vater vor, er unterstütze die 'Verbürgerlichung' seiner Kinder. Diese Engstirnigkeit empfand er als besonders bitter, weil sie aus den eigenen Reihen kam."[4]

Von 1922 bis 1924 hatte Hans Söhnker sein erstes Engagement am Stadttheater Kiel, gleichzeitig mit Ernst Busch. Seine Karriere als Theater- und Filmschauspieler führte ihn bald fort von Kiel; er lebte später weitgehend in Berlin. Er war zweimal verheiratet, blieb jedoch kinderlos.[5] Beigesetzt ist er auf eigenen Wunsch in der Ostsee vor Travemünde.[6]

Sozialdemokratischen Anschauungen blieb er immer verbunden.

"Vater war Sozialdemokrat, und das habe ich, paradox gesagt, mit der Muttermilch eingesogen. Manche Kollegen nennen mich daher den 'Gewerkschafts-Hans'. Ich habe nichts dagegen, obwohl ich keine politischen Scheuklappen trage."[7]

Am 8. August 2017 wurde Hans Söhnker von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem postum als "Gerechter unter den Völkern" anerkannt.[8] Er hatte ab 1943 dabei geholfen, mindestens vier jüdische Mitbürger zu retten, indem er sie zeitweise in seinem Wochenendhäuschen am Wünsdorfer See in Brandenburg versteckte, und war weiteren Maßnahmen der Gestapo nur durch die deutsche Niederlage im 2. Weltkrieg entgangen.[9] Einer der Geretteten beantragte schließlich die Ehrung.[10]

Literatur

  • Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974)

Links

Einzelnachweise

  1. Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974)
  2. Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974), S. 11 f.
  3. Die Freie Turnerschaft richtete erst 1912 eine Fußballsparte ein.
  4. Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974), S. 12
  5. Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974), S. 91 f. und S. 278 f.
  6. Wikipedia: Hans Söhnker, abgerufen 8.11.2020
  7. Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974), S. 11
  8. The Righteous Among the Nations Database, abgerufen 8.11.2020
  9. Söhnker, Hans: ... und kein Tag zuviel (Hamburg 1974), S. 240 f.
  10. Israel ehrt Hans Söhnker als »Gerechten unter den Völkern«, Jüdische Allgemeine, 31.10.2018, abgerufen 8.11.2020