Otto Gramcko
Otto Gramcko, * 8. Oktober 1901 in Hamburg, † 26. März 1990; Angestellter der Sozialversicherung, Landtagsabgeordneter. Mitglied der SPD ab 1931.
Leben & Beruf
Nach der Volksschule absolvierte Otto Gramcko eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Angestellter. Mit 18 Jahren trat er in den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) ein.
Von 1940 bis 1945 war er als Soldat im Kriegseinsatz. 1943 fiel seine Wohnung den verheerenden Luftangriffen auf Hamburg zum Opfer, seine Familie zog nach Bünningstedt im Kreis Stormarn. Nach der NS-Herrschaft arbeitete er als Versicherungsangestellter. Er wurde auch Mitglied der ÖTV im Deutschen Gewerkschaftsbund.
Otto Gramcko war verheiratet, das Ehepaar hatte zwei Kinder.
Partei & Politik
Otto Gramcko wurde 1919 Mitglied der Sozialistischen Jugend, schloss sich dann der USPD an, bei ihrer Auflösung der KPD. Von ihr wechselte er 1931, nicht zuletzt wegen der stalinistischen Entwicklung in der Sowjetunion, zur SPD. Ob er während der NS-Herrschaft deswegen Nachteile hatte, ist nicht ermittelt.
Die Studie von Danker/Lehmann-Himmel ordnet ihn unter den fünf möglichen Kategorien als "oppositionell / gemeinschaftsfremd"[1] und darin als "Protagonist der Arbeiterbewegung" ein.[2]
1945 schloss er sich erneut der SPD an, jetzt im Ortsverein Ahrensburg, aus dem heraus sich 1947 der Ortsverein Bünningstedt gründete. Otto Gramcko scheint jedoch im alten Ortsverein geblieben zu sein, denn von 1954 bis 1960 wird er als dessen Vorsitzender geführt.
Von 1960[3] bis 1968 war er Kreisvorsitzender der Stormarner SPD.
Bis weit in die 1960er Jahre arbeitete er an der Dokumentation der SPD-Geschichte in Stormarn mit.[4]
Sein Ziel war es, in seiner "jahrzehntelangen politischen Tätigkeit die Interessen der Schaffenden, der Notleidenden und der wirtschaftlich Schwachen vertreten". Anfang der 1970er Jahre habe er dann, so Alfred Schulz, im sich abzeichnenden Generationswechsel bewusst Platz für einen Neuanfang gemacht.
"Otto Gramcko, ein bescheidener Mensch, immer loyal gegenüber Freunden und der SPD, hat sich nach Ablauf seiner Funktionen und Mandate still und auch ohne den Versuch, seinen Nachfolgern dreinzureden, ins Privatleben zurückgezogen."
Kommunalpolitik
Bis 1951 war er Gemeindevertreter in Bünningstedt, ab der Kommunalwahl 1948 auch Kreistagsabgeordneter. 1950/51 amtierte er als erster Kreispräsident nach der Wiedereinführung dieses Amtes.
"Die Pattsituation dort, 22 SPD-Abgeordnete auf der einen, 17 CDU- und fünf FDP-Abgeordnete auf der anderen Seite, verhinderte am 28.4.1950 eine Mehrheit für einen der zwei Kandidaten für das Amt des Kreispräsidenten. Das Los mußte entscheiden. Otto Gramcko hatte Fortuna auf seiner Seite und wurde der erste Stormarner Kreispräsident. Der vom Losglück begünstigte Gramcko hatte gleich darauf selbst ein Los zu ziehen: Bei der Wahl des ersten hauptamtlichen Landrats entsprechend der neuen Kreisordnung ergab sich ebenfalls keine Mehrheit. Kreispräsident Gramcko - die Hand habe ihm dabei gezittert, erzählte er später - war erneut mit Fortuna im Bunde und zog den Kandidaten seiner Partei: Wilhelm Siegel."[5]
In der Kommunalwahl 1951 ging die SPD-Mehrheit verloren, Otto Gramcko übernahm statt dessen den Vorsitz des Jugendpflegeausschusses - er setzte sich nachdrücklich für den Wiederaufbau und die Verbesserung des Schulwesens in Stormarn ein[4] - und wurde Mitglied im Kreisausschuss. In den folgenden Jahren konzentrierte er sich auf die Verkehrspolitik, die er sehr weitblickend anging. Neben dem vermehrten Bau von Radwegen forderte er auch Radwanderwege, warnte schon 1959 vor den negativen Folgen der Stilllegung von Bundesbahnstrecken und mahnte die Elektrifizierung der Bahn in Schleswig-Holstein an. Andererseits sah er auch im Straßenbau eine Notwendigkeit - zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, vor allem für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter.
Zur Kommunalwahl 1974 trat er nicht wieder an.
Landtag
Schon zur Landtagswahl 1947 trat er im Wahlkreis 35 (später 39, Stormarn Süd) an und wurde direkt gewählt. 1950 gehörte er zu denen, die durch die hohe Wahlniederlage der SPD ihr Mandat verloren, doch in den folgenden Landtagswahlen trat er erneut an und wurde wieder direkt gewählt. In der Landtagswahl 1967 erhielt er sein Mandat über die Liste. 1971 trat er nicht wieder an.
Er war aktiv in den Ausschüssen für Entnazifizierung, Flüchtlingswesen, Verkehr (lange Zeit als stellv. Vorsitzender), Gesundheit und Volkswohlfahrt, Jugendfragen, Heimatvertriebene, im Landeswahlausschuss und im Ausschuss Kommunaler Investitionsfonds. Er war verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Ehrungen
Am 30. Dezember 1966 erhielt er auf Vorschlag der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für sein politisches Engagement.
Literatur
- Schulz, Alfred: Otto Gramcko (geb. 1901), Demokratische Geschichte 3(1998), S. 630 ff. Auf diesem Artikel seines Nachfolgers im Kreisvorsitz von Stormarn beruhen, soweit nicht anders angegeben, dieser Eintrag und alle Zitate.
Fotos
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Otto Gramcko, 1954
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Otto Gramcko, 1954
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Otto Gramcko (vorn, 3. v.r.) auf dem Kreisparteitag 1960 in Ahrensburg
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Otto Gramcko, 1962
Links
- Landtagsinformationssystem: Otto Gramcko
- Wikipedia: Otto Gramcko
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Danker/Lehmann-Himmel, S. 173. Die fünf Kategorien lauten "exponiert nationalsozialistisch", "systemtragend karrieristisch", "ns-sozialisiert", "angepasst ambivalent" und "oppositionell 'gemeinschaftsfremd'".
- ↑ Danker/Lehmann-Himmel, S. 279. Grundlage ihrer Einordnung sind eine Akte im Landesarchiv (LASH Abt. 460.15, Nr. 10 und 131) sowie die Kurzbiogragie von Alfred Schulz.
- ↑ Persönlichkeiten mit Profil in die Politik, Lübecker Nachrichten, 26.4.1960
- ↑ 4,0 4,1 Wikipedia: Otto Gramcko, abgerufen 25.5.2026
- ↑ Schulz, Otto Gramcko, S. 631

