Bernhard Rausch: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Bernhard Rausch''', * [[4. Dezember]] [[1887]] in Lyk (Westpreussen), heute zu Polen gehörig; † [[1981]] in Wennigsen. <ref>Nachlass Major Rausch, ebay-Angebot</ref> Mitglied der SPD seit ?, ausgetreten [[1923]].<ref>Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 5. November 1923</ref>  War u.a. Chefredakteur der [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung|Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung]].
'''Bernhard Rausch''', * [[4. Dezember]] [[1887]] in Lyk (Westpreußen), heute zu Polen gehörig; † [[1981]] in Wennigsen (Deister); Journalist. Mitglied der SPD bis [[1923]].


==Beruf und Politik==
==Leben & Beruf==
[[Datei:Bernhard Rausch.png|thumb|180px|left|Bernhard Rausch]]
Über den Werdegang von Bernhard Rausch ist wenig ermittelt. Er war wohl Akademiker und Pädagoge. Vor dem 1. Weltkrieg betätigte er sich als sozialistischer Wanderlehrer. Im Krieg diente er als Reserveleutnant der Artillerie an der Westfront.<ref name=":1">Lübcke, Christian: ''Versuche der Bindung der Reichswehr an die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1921 - II. Teil: Neue Forschungen zur Reichswehr'', portal-militärgeschichte.de, veröff. 12.12.2022</ref>  Im letzten Kriegsjahr kam ihm die Erkenntnis: "Es ist genug mit diesem Krieg!"
Über seinen Werdegang ist wenig bekannt. Er war wohl Akademiker und Pädagoge. Vor dem 1. Weltkrieg betätigte er sich als sozialistischer Wanderlehrer.
Im 1. Weltkrieg diente er als Reserveleutnant der Artillerie an der Westfront.<ref>portal-militärgeschichte.de: Christian Lübcke, Versuche der Bindung der Reichswehr an die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1921 - II. Teil: "Neue Forschungen zur Reichswehr. Veröffentlicht am 12. Dezember 2022</ref>  Im letzten Kriegsjahr kommt ihm die Erkenntnis: "Es ist genug mit diesem Krieg!".
[[1918]] wird er zunächst Redakteur, dann als Nachfolger von [[Eduard Adler]] Chefredakteur der [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung]].<ref>Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 16. Juni 1927</ref> Wie er den Weg nach Kiel gefunden hat, ist nicht bekannt.


[[1919]] folgt er [[Gustav Noske]] als persönlicher Referent nach Berlin.<ref>Christian Lübcke, Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rausch Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920, in Andreas Braune/Sebastian Eisbach/Ronny Noak (Hrsg), Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik, Stuttgart 2022, S. 95-109</ref>
Nach seiner Beteiligung an der [[Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand|Novemberrevolution]] in Kiel wurde er Mitarbeiter von [[Gustav Noske]] und politischer Beamter in Berlin, bis er im März [[1920]] zurücktrat. Danach hatte er Redakteursposten bei verschiedenen Zeitungen, u.a. bei der ''Deutschen Allgemeinen Zeitung''. In dieser Zeit setzte eine Veränderung seiner Haltung ein, die ihn schließlich ganz nach rechts führte - ob aus Überzeugung oder Opportunismus, lässt sich wohl nicht mehr klären.  


Für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein nimmt er im April [[1919]] als Delegierter am 2. Reichsrätekongress in Berlin für die MSPD-Fraktion als Schriftführer teil. <ref>Sabine Roß: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 11)</ref>
Von [[1940]] bis [[1943]] diente er als Hauptmann der Luftwaffe im Oberkommando der Wehrmacht, Abt. Wehrmachtsverlustwesen, und war in Stalingrad eingesetzt. Sein letzter bekannter Dienstgrad war Major. Wie und wo er das Kriegsende erlebte, ist nicht geklärt.


Nach Niederschlagung des [[Kapp-Lüttwitz-Putsch]] ernannte Reichspräsident [[Friedrich Ebert]] den Sozialdemokraten [[Christian Stock]] zum parlamentarischen Staatssekretär und stellvertretenden Reichswehrminister und Bernhard Rausch zum Unterstaatssekretär und Stellvertreter Christian Stocks. Beide Sozialdemokraten "waren nicht nur die Köpfe eines Untersuchungsausschusses über das Verhalten von Offizieren während des Putsches, sondern auch von dem Wunsch getrieben, alles zu tun, um einen weiteren Putsch zu verhindern und die Armee zu demokratisieren", so Christian Lübcke. Bernhard Rausch plante die Einführung eines Lehrheftes mit dem Titel "Soldat und Verfassungstreue". Dieses Lehrheft sollte jeder Reichswehrangehörige erhalten. Dazu kam es aber nicht. Reichswehrminister Geßler lehnte die Verbreitung des Lehrheftes ab. Daraufhin räumte Bernhard Rausch am [[31. Mai]] [[1920]] seinen Posten.<ref>portal-militärgeschichte.de: Christian Lübcke, Versuche der Bindung der Reichswehr an die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1921 - II. Teil: "Neue Forschungen zur Reichswehr. Veröffentlicht am 12. Dezember 2022</ref> Sein Abschieds-Schreiben wurde damals von mehreren Zeitungen veröffentlicht. Darin heißt es u.a.: "Es ist heute schlimmer als je zuvor. Gewiss gibt es in der Truppe und namentlich im Reichswehrministerium eine ganze Anzahl einsichtsvoller, loyal denkender Offiziere, die hohe Achtung und absolutes Vertrauen verdienen. In der Masse sind sie aber weiße Raben und bedeutungslos gegenüber der geschlossenen Phalanx einer bewussten, staatsfeindlichen Reaktion. Aus zahlreichen Einzelerfahrungen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass verfassungstreue republikanische Elemente nun erst recht, konsequent und zäh, in bewusster und unbewusster Solidarität aus der Reichswehr entfernt werden und das demgegenüber die Zentralstelle zurzeit so gut wie machtlos ist."<ref>Berliner Börsenzeitung Nr. 231 v. 1. Juni 1920</ref>
[[1951]] arbeitete er für sechs Monate als ERP-Angestellter(?) am Institut für Völkerrecht<ref name=":0" /> - an welchem, ist nicht ermittelt, auch nicht, ob diese Tätigkeit tatsächlich im Zusammenhang mit dem Marshallplan (ERP=European Recovery Program) der USA stand. Weiteres konnte zu seinem Leben nach der NS-Herrschaft bisher nicht in Erfahrung gebracht werden - auch nicht, wie es kam, dass er seinen letzten Lebensabschnitt in Wennigsen<ref name=":0">Nachlass Major Rausch, ebay-Angebot, Datum?</ref> verlebte, wo [[1945]] die SPD wiedergegründet worden war.


Danach hat Bernhard Rausch Redakteursposten bei verschiedenen Zeitungen, u.a. bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung, inne.
== Partei & Politik ==
Wann Bernhard Rausch in die SPD eintrat oder wie ihn sein Weg nach Kiel führte, ist noch nicht ermittelt. [[1918]] wurde er dort zunächst Redakteur, dann als Nachfolger von [[Eduard Adler]] Chefredakteur der ''[[VZ|Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung]]''.<ref>''VZ'', 16.6.1927</ref>


[[1923]] tritt er aus der SPD aus.<ref>Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 5. November 1923</ref>
[[Datei:Broschüre am Springquell der Revolution.png|thumb|200px|left|Titelbild der Rausch-Broschüre]]
[[Datei:Broschüre Ursprung und Entwicklung.png|thumb|150px|right|Titelbild der Popp-Artelt-Broschüre]]Er beteiligte sich am [[Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]] und verfasste noch im November [[1918]] die Broschüre ''Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung''. Sie erschien bei Chr. Haase u. Co, dem Parteiverlag der SPD. Im Vorwort hieß es:
<blockquote>"In dieser Schrift wird die erste zusammenfassende Darstellung des Kieler Matrosenaufruhrs gegeben. Sie umfasst die Ereignisse vom Ursprung der Erhebung bis zur Bestattung der Revolutionsopfer."</blockquote>


Politisch vollzieht er einen Schwenk nach rechts. Er nimmt in den folgenden Jahren führende Funktionen im "Stahlhelm" - Bund der Frontsoldaten - einem Wehrverband, der der demokratiefeindlichen Deutschnationalen Volkspartei DNVP nahesteht und später der SA -Sturmabteilung - dem paramilitärischen Verband der NSDAP, ein.
Als Reaktion darauf veröffentlichte der [[USPD]]-Politiker und erste Vorsitzende des Kieler Soldatenrats, [[Lothar Popp]], unter Mitarbeit von [[Karl Artelt]] im Dezember [[1918]] die Schrift ''Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand''. Dort heißt es im Vorwort:
<blockquote>"Vorliegende Broschüre stellt eine kurze Zusammenfassung und Schilderung der revolutionären sozialistischen Bewegung der letzten Zeit in Kiel dar. Sie schildert den tatsächlichen Verlauf der Ereignisse und zeigt vor allem die historische Rolle, die die Unabhängige Sozialistische Partei bei den Ereignissen gespielt hat."</blockquote>


Von [[1940]] - [[1943]] ist er als Hauptmann der Luftwaffe im Oberkommando der Wehrmacht, Abt. Wehrmachtsverlustwesen, tätig, Einsatz in Stalingrad.  
Schon hier nahm die Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über die Ereignisse ihren Anfang.<ref>Beide Broschüren sind, zusammen mit [[Wilhelm Brecour]]s Geschichte der SPD von [[1932]], unter dem Titel ''Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung'' (Kiel [[1983]]) als Nachdruck bei der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte erschienen.</ref>


Letzter bekannter Dienstgrad: Major.
Im April [[1919]] nahm er als Delegierter für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein am 2. Reichsrätekongress in Berlin teil; er war Schriftführer für die MSPD-Fraktion.<ref>Roß, Sabine: ''Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19'' (''Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien'' 11, Düsseldorf 2000)</ref> Später - vielleicht gleich im Anschluss daran - verließ er Kiel und folgte [[Gustav Noske]] als Persönlicher Referent nach Berlin.<ref>Lübcke, Christian: ''Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920''. In: Braune, Andreas/Eisbach, Sebastian/Noak, Ronny (Hrsg.): ''Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik'' (Stuttgart 2022), S. 95-109</ref>


Wie und wo er das Kriegsende erlebt hat, ist nicht bekannt.
Nach Niederschlagung des [[Kapp-Lüttwitz-Putsch]]es ernannte Reichspräsident [[Friedrich Ebert]] den Sozialdemokraten [[Christian Stock]] zum parlamentarischen Staatssekretär und stellvertretenden Reichswehrminister, Bernhard Rausch zum Unterstaatssekretär und Stellvertreter von Christian Stock. Beide, so Christian Lübcke,
<blockquote>"waren nicht nur die Köpfe eines Untersuchungsausschusses über das Verhalten von Offizieren während des Putsches, sondern auch von dem Wunsch getrieben, alles zu tun, um einen weiteren Putsch zu verhindern und die Armee zu demokratisieren".</blockquote>
Bernhard Rausch plante die Einführung eines Lehrheftes mit dem Titel ''Soldat und Verfassungstreue'', das jeder Reichswehrangehörige erhalten sollte. Reichswehrminister Otto Geßler lehnte die Verbreitung des Heftes jedoch ab. Daraufhin stellte Bernhard Rausch am [[31. Mai]] [[1920]] seinen Posten zur Verfügung.<ref name=":1" /> Sein Rücktritts-Schreiben wurde damals von mehreren Zeitungen veröffentlicht. Darin heißt es u.a.:
<blockquote>"Es ist heute schlimmer als je zuvor. Gewiss gibt es in der Truppe und namentlich im Reichswehrministerium eine ganze Anzahl einsichtsvoller, loyal denkender Offiziere, die hohe Achtung und absolutes Vertrauen verdienen. In der Masse sind sie aber weiße Raben und bedeutungslos gegenüber der geschlossenen Phalanx einer bewussten, staatsfeindlichen Reaktion. Aus zahlreichen Einzelerfahrungen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass verfassungstreue republikanische Elemente nun erst recht, konsequent und zäh, in bewusster und unbewusster Solidarität aus der Reichswehr entfernt werden und daß demgegenüber die Zentralstelle zurzeit so gut wie machtlos ist."<ref>''Berliner Börsenzeitung'' Nr. 231, 1.6.1920</ref></blockquote>


[[1951]] sechs Monate ERP-Angestellter (?) beim Institut für Völkerrecht.<ref>Nachlass Major Rausch, ebay-Angebot</ref> Weiteres konnte zu seinem Leben in der Nachkriegszeit bisher nicht in Erfahrung gebracht werden.
[[1923]] trat er aus der SPD aus.<ref>''VZ'', 5.11.1923</ref> Politisch vollzog er einen Schwenk nach rechts: In den folgenden Jahren nahm er führende Funktionen im "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" ein. Dieser Wehrverband stand der demokratiefeindlichen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nahe. Später wechselte Bernhard Rausch zu den Nationalsozialisten, wo er der SA angehörte.
 
==Am Springquell der Revolution==
[[Datei:Broschüre am Springquell der Revolution.png|thumb|180px|left|Titelbild der Broschüre Am Springquell der Revolution]]
[[Datei:Broschüre Ursprung und Entwicklung.png|thumb|150px|right|Titelbild der Broschüre Ursprung und Entwicklung der Novemberrevolution 1918]]
Bernhard Rausch verfasste noch im November [[1918]] die Broschüre '''Am Springquell der Revolution'''. Im Vorwort vom [[25. November]] [[1918]] schreibt er: "in dieser Schrift wird die erste zusammenfassende Darstellung des Kieler Matrosenaufruhrs gegeben. Sie umfasst die Ereignisse vom Ursprung der Erhebung bis zur Bestattung der Revolutionsopfer." Sie erscheint bei Chr. Haase u. Co, dem Verlag der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung.  
 
Als Reaktion darauf veröffentlichten der USPD-Politiker und erster Vorsitzender des Kieler Soldatenrats, [[Lothar Popp]], unter Mitarbeit von [[Karl Artelt]], im Dezember [[1918]] die Schrift '''Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918'''. Im Vorwort heißt es: "Vorliegende Broschüre stellt eine kurze Zusammenfassung und Schilderung der revolutionären sozialistischen Bewegung der letzten Zeit in Kiel dar. Sie schildert den tatsächlichen Verlauf der Ereignisse und zeigt vor allem die historische Rolle, die die Unabhängige Sozialistische Partei bei den Ereignissen gespielt hat."
 
Beide Broschüren sind als Nachdruck bei der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte erschienen.


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references />


[[Kategorie:Kreisverband Kiel|Rausch, Bernhard]]
[[Kategorie:Kreisverband Kiel]]
[[Kategorie:VZ|Rausch, Bernhard]]
[[Kategorie:VZ]]
[[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand|Rausch, Bernhard]]
[[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]
[[Kategorie:Ehem. SPD-Mitglied]]

Aktuelle Version vom 27. Februar 2024, 16:44 Uhr

Bernhard Rausch
Bernhard Rausch
Bernhard Rausch
Geboren: 4. Dezember 1887
Gestorben: 23. Februar 1981

Bernhard Rausch, * 4. Dezember 1887 in Lyk (Westpreußen), heute zu Polen gehörig; † 1981 in Wennigsen (Deister); Journalist. Mitglied der SPD bis 1923.

Leben & Beruf

Über den Werdegang von Bernhard Rausch ist wenig ermittelt. Er war wohl Akademiker und Pädagoge. Vor dem 1. Weltkrieg betätigte er sich als sozialistischer Wanderlehrer. Im Krieg diente er als Reserveleutnant der Artillerie an der Westfront.[1] Im letzten Kriegsjahr kam ihm die Erkenntnis: "Es ist genug mit diesem Krieg!"

Nach seiner Beteiligung an der Novemberrevolution in Kiel wurde er Mitarbeiter von Gustav Noske und politischer Beamter in Berlin, bis er im März 1920 zurücktrat. Danach hatte er Redakteursposten bei verschiedenen Zeitungen, u.a. bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung. In dieser Zeit setzte eine Veränderung seiner Haltung ein, die ihn schließlich ganz nach rechts führte - ob aus Überzeugung oder Opportunismus, lässt sich wohl nicht mehr klären.

Von 1940 bis 1943 diente er als Hauptmann der Luftwaffe im Oberkommando der Wehrmacht, Abt. Wehrmachtsverlustwesen, und war in Stalingrad eingesetzt. Sein letzter bekannter Dienstgrad war Major. Wie und wo er das Kriegsende erlebte, ist nicht geklärt.

1951 arbeitete er für sechs Monate als ERP-Angestellter(?) am Institut für Völkerrecht[2] - an welchem, ist nicht ermittelt, auch nicht, ob diese Tätigkeit tatsächlich im Zusammenhang mit dem Marshallplan (ERP=European Recovery Program) der USA stand. Weiteres konnte zu seinem Leben nach der NS-Herrschaft bisher nicht in Erfahrung gebracht werden - auch nicht, wie es kam, dass er seinen letzten Lebensabschnitt in Wennigsen[2] verlebte, wo 1945 die SPD wiedergegründet worden war.

Partei & Politik

Wann Bernhard Rausch in die SPD eintrat oder wie ihn sein Weg nach Kiel führte, ist noch nicht ermittelt. 1918 wurde er dort zunächst Redakteur, dann als Nachfolger von Eduard Adler Chefredakteur der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung.[3]

Titelbild der Rausch-Broschüre
Titelbild der Popp-Artelt-Broschüre

Er beteiligte sich am Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand und verfasste noch im November 1918 die Broschüre Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung. Sie erschien bei Chr. Haase u. Co, dem Parteiverlag der SPD. Im Vorwort hieß es:

"In dieser Schrift wird die erste zusammenfassende Darstellung des Kieler Matrosenaufruhrs gegeben. Sie umfasst die Ereignisse vom Ursprung der Erhebung bis zur Bestattung der Revolutionsopfer."

Als Reaktion darauf veröffentlichte der USPD-Politiker und erste Vorsitzende des Kieler Soldatenrats, Lothar Popp, unter Mitarbeit von Karl Artelt im Dezember 1918 die Schrift Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand. Dort heißt es im Vorwort:

"Vorliegende Broschüre stellt eine kurze Zusammenfassung und Schilderung der revolutionären sozialistischen Bewegung der letzten Zeit in Kiel dar. Sie schildert den tatsächlichen Verlauf der Ereignisse und zeigt vor allem die historische Rolle, die die Unabhängige Sozialistische Partei bei den Ereignissen gespielt hat."

Schon hier nahm die Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über die Ereignisse ihren Anfang.[4]

Im April 1919 nahm er als Delegierter für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein am 2. Reichsrätekongress in Berlin teil; er war Schriftführer für die MSPD-Fraktion.[5] Später - vielleicht gleich im Anschluss daran - verließ er Kiel und folgte Gustav Noske als Persönlicher Referent nach Berlin.[6]

Nach Niederschlagung des Kapp-Lüttwitz-Putsches ernannte Reichspräsident Friedrich Ebert den Sozialdemokraten Christian Stock zum parlamentarischen Staatssekretär und stellvertretenden Reichswehrminister, Bernhard Rausch zum Unterstaatssekretär und Stellvertreter von Christian Stock. Beide, so Christian Lübcke,

"waren nicht nur die Köpfe eines Untersuchungsausschusses über das Verhalten von Offizieren während des Putsches, sondern auch von dem Wunsch getrieben, alles zu tun, um einen weiteren Putsch zu verhindern und die Armee zu demokratisieren".

Bernhard Rausch plante die Einführung eines Lehrheftes mit dem Titel Soldat und Verfassungstreue, das jeder Reichswehrangehörige erhalten sollte. Reichswehrminister Otto Geßler lehnte die Verbreitung des Heftes jedoch ab. Daraufhin stellte Bernhard Rausch am 31. Mai 1920 seinen Posten zur Verfügung.[1] Sein Rücktritts-Schreiben wurde damals von mehreren Zeitungen veröffentlicht. Darin heißt es u.a.:

"Es ist heute schlimmer als je zuvor. Gewiss gibt es in der Truppe und namentlich im Reichswehrministerium eine ganze Anzahl einsichtsvoller, loyal denkender Offiziere, die hohe Achtung und absolutes Vertrauen verdienen. In der Masse sind sie aber weiße Raben und bedeutungslos gegenüber der geschlossenen Phalanx einer bewussten, staatsfeindlichen Reaktion. Aus zahlreichen Einzelerfahrungen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass verfassungstreue republikanische Elemente nun erst recht, konsequent und zäh, in bewusster und unbewusster Solidarität aus der Reichswehr entfernt werden und daß demgegenüber die Zentralstelle zurzeit so gut wie machtlos ist."[7]

1923 trat er aus der SPD aus.[8] Politisch vollzog er einen Schwenk nach rechts: In den folgenden Jahren nahm er führende Funktionen im "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" ein. Dieser Wehrverband stand der demokratiefeindlichen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nahe. Später wechselte Bernhard Rausch zu den Nationalsozialisten, wo er der SA angehörte.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Lübcke, Christian: Versuche der Bindung der Reichswehr an die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1921 - II. Teil: Neue Forschungen zur Reichswehr, portal-militärgeschichte.de, veröff. 12.12.2022
  2. 2,0 2,1 Nachlass Major Rausch, ebay-Angebot, Datum?
  3. VZ, 16.6.1927
  4. Beide Broschüren sind, zusammen mit Wilhelm Brecours Geschichte der SPD von 1932, unter dem Titel Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung (Kiel 1983) als Nachdruck bei der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte erschienen.
  5. Roß, Sabine: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 11, Düsseldorf 2000)
  6. Lübcke, Christian: Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. In: Braune, Andreas/Eisbach, Sebastian/Noak, Ronny (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik (Stuttgart 2022), S. 95-109
  7. Berliner Börsenzeitung Nr. 231, 1.6.1920
  8. VZ, 5.11.1923