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[[Friedrich Bartels|Heinrich Kürbis]] ist Vorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein.
[[Friedrich Bartels|Heinrich Kürbis]] ist Vorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein.


Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II. Reichskanzler ist Theobald von Bethmann Hollweg.
Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.


Im Jahr '''1914''' beginnt der 1. Weltkrieg.  
Am 1. August beginnt der 1. Weltkrieg.  


Am [[28. Juni]] werden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau von einem serbischen Studenten ermordet. Dieses Attentat beantwortet Österreich-Ungarn drei Wochen später, nachdem es sich der bedingungslosen Unterstützung des deutschen Reiches versichert hat. In einem Ultimatum fordert es die Untersuchung des Attentats unter Beteiligung österreichischer Stellen. Das Königreich Serbien, das sich von Russland unterstützt weiß, lehnt dies ab.  
Am [[28. Juni]] werden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau von einem serbischen Studenten ermordet. Dieses Attentat beantwortet Österreich-Ungarn drei Wochen später, nachdem es sich der bedingungslosen Unterstützung des deutschen Reiches versichert hat, mit einem Ultimatum: Es fordert die Untersuchung des Attentats unter Beteiligung österreichischer Stellen. Das Königreich Serbien, das sich von Russland unterstützt weiß, lehnt dies ab.  


Am [[28. August]] erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Die deutsche Kriegserklärung an Russland am [[1. August]] und Frankreich am [[3. August]] weitet diesen lokalen Konflikt zum kontinentalen Krieg aus.  
Am [[28. Juli]] erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Die deutsche Kriegserklärung an Russland (aufgrund von Bündnispflichten) am [[1. August]] und Frankreich am [[3. August]] weitet diesen lokalen Konflikt zum kontinentalen Krieg aus.  


Die SPD-Fraktion im Deutschen Reichstag stimmt mit 96 ihrer 110 Stimmen für die Bewilligung der ersten Kriegskredite und legt damit den Grundstein für die Spaltung der Partei in den nächsten Jahren.
Die SPD-Fraktion im Deutschen Reichstag stimmt mit 96 ihrer 110 Stimmen für die Bewilligung der ersten Kriegskredite und legt damit den Grundstein für die Spaltung der Partei in den nächsten Jahren.


:"Als die Sozialdemokraten am [[4. August]] 1914 im Reichstag den von der Reichsleitung beantragten Kriegskrediten zustimmten, war der Krieg mit Russland bereits eine Tatsache. Das Zarenreich aber war, so hatten es Marx und Engels der Sozialistischen Internationalen immer wieder verkündet, die Vormacht der europäischen Reaktion, der das Proletariat auch mit Waffengewalt entgegentreten musste. Durch ein Nein zu den Kriegskrediten einem Vormarsch der russischen Truppen aus deutschen Boden Vorschub zu leisten kam für die SPD nicht infrage, ebenso wenig wie ein Einschwenken auf die Linie Lenins, der im November 1914 die 'Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg' forderte. Denn ein Bürgerkrieg erschien auch Kriegskreditgegnern wie [[Karl Kautsky]] als die grausamste Form des Krieges und darum als eine Katastrophe. [[Rosa Luxemburg]] freilich war anderer Meinung. Bürgerkrieg sei nur ein anderer Name für Klassenkampf, schrieb sie noch im November [[1918]], 'und der Gedanke, den Sozialismus ohne Klassenkampf, durch parlamentarischen Mehrheitsbeschluss einführen zu können, ist eine lächerliche kleinbürgerliche Illusion'."<ref>Winkler, Heinrich August: ''[https://www.zeit.de/2019/09/sozialdemokratie-spd-wahlerfolge-weimarer-republik-bundesrepublik Mehr Revolution wagen?]'' in: DIE ZEIT Nr. 9 21.2.2019 S. 6-7</ref>
:"Als die Sozialdemokraten am [[4. August]] 1914 im Reichstag den von der Reichsleitung beantragten Kriegskrediten zustimmten, war der Krieg mit Russland bereits eine Tatsache. Das Zarenreich aber war, so hatten es Marx und Engels der Sozialistischen Internationalen immer wieder verkündet, die Vormacht der europäischen Reaktion, der das Proletariat auch mit Waffengewalt entgegentreten musste. Durch ein Nein zu den Kriegskrediten einem Vormarsch der russischen Truppen aus deutschen Boden Vorschub zu leisten kam für die SPD nicht infrage, ebenso wenig wie ein Einschwenken auf die Linie Lenins, der im November 1914 die 'Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg' forderte. Denn ein Bürgerkrieg erschien auch Kriegskreditgegnern wie [[Karl Kautsky]] als die grausamste Form des Krieges und darum als eine Katastrophe. [[Rosa Luxemburg]] freilich war anderer Meinung. Bürgerkrieg sei nur ein anderer Name für Klassenkampf, schrieb sie noch im November [[1918]], 'und der Gedanke, den Sozialismus ohne Klassenkampf, durch parlamentarischen Mehrheitsbeschluss einführen zu können, ist eine lächerliche kleinbürgerliche Illusion'."<ref>Winkler, Heinrich August: ''[https://www.zeit.de/2019/09/sozialdemokratie-spd-wahlerfolge-weimarer-republik-bundesrepublik Mehr Revolution wagen?]'' in: DIE ZEIT, 21.2.2019, S. 6-7</ref>


==Januar==
==Januar==
*[[1. Januar]] - Der [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Allgemeine Konsumverein Kiel]] geht mit 13.442 Mitgliedern ins neue Jahr.
*[[1. Januar]] - Der [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Allgemeine Konsumverein Kiel]] geht mit 13.442 Mitgliedern ins neue Jahr.


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==Juli==
==Juli==
*[[28. Juli]] - Die [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kieler SPD]] organisiert in letzter Minute eine große Protestkundgebung gegen den drohenden Krieg. Die Versammlung fordert die verantwortlichen Stellen im Reich auf, falls der Krieg an der Donau nicht mehr zu verhindern sein sollte, zumindest "das Entstehen eines Weltbrandes" abzuwenden.


==August==
==August==
*[[1. August]] - Beginn des 1. Weltkriegs
*[[1. August]] - Beginn des 1. Weltkriegs
*[[2. August]] - [[Bezirksparteitag 1914, Eckernförde]]
*[[2. August]] - [[Bezirksparteitag 1914, Eckernförde]]
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==November==
==November==
*[[8. November]] - [[Wilhelm Metzger]] stirbt mit 66 Jahren in Hamburg.


==Dezember==
==Dezember==


==Nicht datierte Ereignisse==
==Nicht datiert==
 
*Der [[Landesverband|Landesverband Schleswig-Holstein]] hat kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs ca. 55.000 Mitglieder, allein der [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Sozialdemokratische Verein Groß-Kiel]] etwa 12.000.
*Der [[Landesverband|Landesverband Schleswig-Holstein]] hat kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs ca. 55.000 Mitglieder, allein der [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Sozialdemokratische Verein Groß-Kiel]] etwa 12.000.
*[[Jürgen Jürgensen]] und [[Richard Vosgerau]] werden zusammen zu Vorsitzenden des [[Ortsverein Eckernförde|Ortsvereins Eckernförde]] gewählt.
*[[Jürgen Jürgensen]] und [[Richard Vosgerau]] werden zusammen zu Vorsitzenden des [[Ortsverein Eckernförde|Ortsvereins Eckernförde]] gewählt.
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*[[Franz Osterroth]] tritt in die [[Sozialistische Arbeiterjugend]] ein.
*[[Franz Osterroth]] tritt in die [[Sozialistische Arbeiterjugend]] ein.


==Quellen==
==Einzelnachweise==
<references />
<references />
[[Kategorie:Jahresseite]]

Aktuelle Version vom 21. Februar 2026, 12:45 Uhr

Vorsitzende der SPD sind Hugo Haase und Friedrich Ebert.

Heinrich Kürbis ist Vorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein.

Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.

Am 1. August beginnt der 1. Weltkrieg.

Am 28. Juni werden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau von einem serbischen Studenten ermordet. Dieses Attentat beantwortet Österreich-Ungarn drei Wochen später, nachdem es sich der bedingungslosen Unterstützung des deutschen Reiches versichert hat, mit einem Ultimatum: Es fordert die Untersuchung des Attentats unter Beteiligung österreichischer Stellen. Das Königreich Serbien, das sich von Russland unterstützt weiß, lehnt dies ab.

Am 28. Juli erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Die deutsche Kriegserklärung an Russland (aufgrund von Bündnispflichten) am 1. August und Frankreich am 3. August weitet diesen lokalen Konflikt zum kontinentalen Krieg aus.

Die SPD-Fraktion im Deutschen Reichstag stimmt mit 96 ihrer 110 Stimmen für die Bewilligung der ersten Kriegskredite und legt damit den Grundstein für die Spaltung der Partei in den nächsten Jahren.

"Als die Sozialdemokraten am 4. August 1914 im Reichstag den von der Reichsleitung beantragten Kriegskrediten zustimmten, war der Krieg mit Russland bereits eine Tatsache. Das Zarenreich aber war, so hatten es Marx und Engels der Sozialistischen Internationalen immer wieder verkündet, die Vormacht der europäischen Reaktion, der das Proletariat auch mit Waffengewalt entgegentreten musste. Durch ein Nein zu den Kriegskrediten einem Vormarsch der russischen Truppen aus deutschen Boden Vorschub zu leisten kam für die SPD nicht infrage, ebenso wenig wie ein Einschwenken auf die Linie Lenins, der im November 1914 die 'Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg' forderte. Denn ein Bürgerkrieg erschien auch Kriegskreditgegnern wie Karl Kautsky als die grausamste Form des Krieges und darum als eine Katastrophe. Rosa Luxemburg freilich war anderer Meinung. Bürgerkrieg sei nur ein anderer Name für Klassenkampf, schrieb sie noch im November 1918, 'und der Gedanke, den Sozialismus ohne Klassenkampf, durch parlamentarischen Mehrheitsbeschluss einführen zu können, ist eine lächerliche kleinbürgerliche Illusion'."[1]

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

  • 28. Juli - Die Kieler SPD organisiert in letzter Minute eine große Protestkundgebung gegen den drohenden Krieg. Die Versammlung fordert die verantwortlichen Stellen im Reich auf, falls der Krieg an der Donau nicht mehr zu verhindern sein sollte, zumindest "das Entstehen eines Weltbrandes" abzuwenden.

August

September

Oktober

November

Dezember

Nicht datiert

Einzelnachweise

  1. Winkler, Heinrich August: Mehr Revolution wagen? in: DIE ZEIT, 21.2.2019, S. 6-7