1911

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Hugo Haase im Profil. Er sitzt auf einem Hocker und liest eine Zeitung
Der neue SPD-Kovorsitzende Hugo Haase, 1905

Vorsitzende der SPD sind Paul Singer und August Bebel. Allerings stirbt Paul Singer am 31. Januar. Hugo Haase wird sein Nachfolger.

Friedrich Bartels ist Vorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein.

Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II. Reichskanzler ist Theobald von Bethmann Hollweg.

Im Juli beginnt Kaiser Wilhelm II. die "Zweite Marokkokrise": Er befahl das Kanonenboot Panther ins französisch besetzte Marokko, um Kolonien von Frankreich zu erpressen. Der SPD-Parteivorstand sah die Gefahr eines Weltkriegs und rief zum Protest gegen den Imperialismus, "gegen das Treiben der Chauvinisten" und zu Friedensdemonstrationen auf.

Die bürgerlichen Mehrheiten in Glückstadt, Pinneberg und Kiel erhöhen Mitte des Jahres die Einkommensgrenzen im Dreiklassenwahlrecht, um ihre Mehrheiten vor den Sozialdemokratischen Wählerschichten am unteren Ende des Einkommenspektrums zu schützen. Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten protestierten massiv dagegen. Der Vorwärts überliefert einen Bericht des Kieler Oberbürgermeisters Paul Fuß:

"Hätte ich vorher gewußt, daß die Zensuserhöhung eine so ungeheure Erbitterung in der Kieler Bürgerschaft hervorrufen würde, ich hätte die Hände davon gelassen."[1]

Der Vorwärts berichtet darüber hinaus über Polizeischikane gegen Arbeiter-Proteste gegen die Wahlrechtsänderung. Der Wirt der "Waldwiese" wird gezwungen, sein Gelände nicht zur Verfügung zu stellen. So ein Verhalten war damals eher im ländlichen Schleswig-Holstein bekannt.[2]

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

  • 4. Juli - "Der Parteivorstand ruft zum Protest gegen den Imperialismus, gegen das Treiben der Chauvinisten und zu Friedensdemonstrationen auf, nachdem das deutsche Kriegsschiff 'Panther' in Agadir angelegt hatte und dadurch die Kriegsgefahr drohender geworden war."[3]

August

September

  • 4. September - Wilhelm Geusendam wird in Bremen geboren.
  • 10.-16. September - SPD Parteitag in Jena. "In seiner Eröffnungsrede sagt A. Bebel zur Marokkokrise: 'Wir werden einem Zustand entgegengehen, der meiner Überzeugung nach nur noch mit einer großen Katastrophe enden kann und enden muß'. In der Diskussion über den wird dem Parteivorstand vorgeworfen, er habe es in dieser Situation an Initiative mangeln lassen. Bei der drohenden Kriegsgefahr habe er nicht schnell genug eine Friedensaktion entfaltet, ein Vorwurf, der von den Parteivorstands-Mitgliedern zurückgewiesen wird. Der Parteitag erhebt nachdrücklichsten Protest gegen jeden Versuch, einen männermordenden Krieg zwischen Kulturvölkern hervorzurufen, der notwendig ein Weltkrieg werden müßte und mit einer allgemeinen Katastrophe enden würde. Der Parteitag erwartet, daß insbesondere die deutsche Arbeiterklasse jedes mögliche Mittel anwendet, um einen Weltkrieg zu verhindern."[4]
  • 21. September - Die sieben Distrikte des künftigen Sozialdemokratischen Vereins Groß-Kiel konstituieren sich.

Oktober

November

Dezember

Nicht datierte Ereignisse

Einzelnachweise

  1. Vorwärts: 19.07.1911, Nummer: 166, Jahrgang: 28
  2. Vorwärts: 11.07.1911, Nummer: 159, Jahrgang: 28
  3. Osterroth, Franz / Schuster, Dieter: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. Band 1: Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. 2., neu bearb. und erw. Aufl. 1975. Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2001
  4. Osterroth, Franz / Schuster, Dieter: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. Band 1: Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. 2., neu bearb. und erw. Aufl. 1975. Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2001