Hannelore Fojut

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Hannelore Fojut
Hannelore Fojut
Hannelore Fojut
Geboren: 17. Januar 1929
Gestorben: 4. Februar 2026

Hannelore Fojut, * 17. Januar 1929 in Hagen/Westfalen, † 4. Februar 2026 in Schönkirchen. Mitglied der SPD ab 1964.

Leben & Beruf

Hannelore Fojut kam in Westfalen zur Welt. Sie war geprägt durch eine sehr schwierige Kindheit: Ihre Mutter starb, als sie neun Jahre alt war, und sie musste als die Älteste oft tagelang allein für ihre fünf jüngeren Geschwister sorgen - mitten im Krieg, der das tägliche Leben ohnehin immer mehr erschwerte, und auch in den Hungerjahren danach. In diesen Erfahrungen ist vielleicht die Triebfeder zu suchen für ihren unbedingten Einsatz für soziale Gerechtigkeit.[1]

Seit den 1950er Jahren lebte sie mit ihrer Familie in Schönkirchen.[1] Sie war mit Harald Fojut verheiratet. Das Ehepaar hatte offenbar zwei Kinder.[2] Um 2000 wohnten sie in der Schönberger Landstraße 107a.[3] Zuletzt lebte Hannelore Fojut offenbar im AWO Wohn- und Servicezentrum Schönkirchen.[4]

Das Ehepaar gehörte selbstverständlich der AWO an, aber auch etwa der Knochenbruchsgilde für Schönhorst und Umgegend, einer örtliche Krankenversicherungsgilde auf Gegenseitigkeit aus dem 19. Jahrhundert, wo Hannelore Fojut 2005 auch als Gildekönigin amtierte.

AWO

Ihre mehr als 45 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit auf Orts-, Kreis-, Landes- und Bundesebene für die AWO sind von ihrem vielfältigen kommunalpolitischen Engagement kaum zu trennen.

Von 1979 bis 1984 war sie Vorsitzende des AWO-Kreisverbandes Plön.[5] 1983 übernahm sie als Nachfolgerin von Günter Lütgens bis 1995 den Landesvorsitz der AWO Schleswig-Holstein. Auf der Bundeskonferenz in Dortmund im November 1986 wurde sie als Beisitzerin in den Bundesvorstand gewählt.[6]

Auch mit mehr als 90 Jahren gab es für sie keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Im Frühjahr 2020 antwortete sie auf die Frage: "Wie gestalten Sie momentan Ihren Alltag?":

"Wir können im Moment ja nicht viel anbieten, da habe ich mir alte AWO-Kittel genommen und mich an die Nähmaschine gesetzt, um fürs Servicehaus Gesichtsmasken zu nähen."[7]

Partei & Politik

Hannelore Fojut trat 1964 in die SPD ein. Sie übte zahlreiche Funktionen und Ämter aus. Von 1965 bis 1978 gehörte sie der Gemeindevertretung Schönkirchen an, von 1986 bis 1998 war sie Abgeordnete des Plöner Kreistages, ab 1990 im Amt der Kreispräsidentin.[8]

"Mit viel Klugheit und einem klaren Blick für das Wesentliche erkannte sie, was fehlte, und setzte sich mit einem hohen persönlichen Einsatz und viel Überzeugungskraft für Veränderungen ein",

die sie "mit viel Verhandlungsgeschick" für Benachteiligte, Kinder, Alte und Kranke durchsetzte.[1] So entstand u.a. auf ihre Initiative hin in Schönkirchen der erste Ganztagskindergarten im Kreis Plön[9], aber auch die Sozialstation, die Hauspflege, eine Spieliothek und das AWO-Kinderhaus.[1]

Sie wurde auf Vorschlag der SPD Delegierte der 9. Bundesversammlung[10], die am 23. Mai 1989 Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten wiederwählte, und der 10. Bundesversammlung, in der am 23. Mai 1994 der SPD-Kandidat Johannes Rau dem konservativen Kandidaten Roman Herzog in der Wahl zum Bundespräsidenten unterlag.[11]

Ehrungen

Hannelore Fojut war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Zudem erhielt sie die Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes Schleswig-Holstein[12], die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille, die Ehrengabe des Kreises Plön und die Heinrich Paulsen Medaille als höchste Auszeichnung des Sängerbundes.[1]

1995 wurde sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Landesvorsitz zur AWO-Ehrenvorsitzenden ernannt.

2014 ehrten sie der Kreisverband Plön und ihr Ortsverein Schönkirchen für 50 Jahre SPD-Mitgliedschaft. Zu ihrem 90. Geburtstag bescheinigte ihr die Kreispartei:

"Hannelore Fojut hat sich um die SPD im Kreis Plön verdient gemacht."[13]

Am 24. Februar 2015 verlieh die Gemeinde Schönkirchen ihr als erster Frau die Ehrenbürgerrechte des Ortes.[14]

Auf ihrem Kreisparteitag am 13. September 2022 zeichnete die SPD sie mit der Willy-Brandt-Medaille aus[15] und ernannte sie zum Ehrenmitglied[16][12].

Am 24. Juli 2023 gründeten die AWO Schleswig-Holstein und die Förde Sparkasse die Hannelore-Fojut-Stiftung zur Unterstützung sozialer Projekte im Sinne des Lebenswerks der Namensgeberin.[17][18]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Abschied von Hannelore Fojut, Förde Kurier, abgerufen 25.3.2026
  2. Harald Fojut, Traueranzeige der Familie, Kieler Nachrichten, 10.8.2019
  3. Gemeinde Schönkirchen: Ortsführer (Adressverzeichnis) (2002), S. 6
  4. Vgl. HERZ - Das Magazin der AWO Pflege in Schleswig-Holstein, 1/2020, S. 17
  5. AWO-Kreisverband Plön: Homepage, abgerufen 2.3.2022
  6. Arbeiterwohlfahrt - Bezirksverband Westliches Westfalen: Damals wie heute - wird morgen ..., Punkt 4 der Timeline
  7. HERZ - Das Magazin der AWO Pflege in Schleswig-Holstein, 1/2020, S. 17
  8. Göllnitz, Martin: Der Kreis Plön. In: Auge, Oliver (Hrsg.): 150 Jahre Kreis in Schleswig-Holstein (Schleswig-Holsteinischer Landkreistag 2017)ISBN 978-3-88312-398-1
  9. AWO Landesverband Schleswig-Holstein (Hrsg.): Echt AWO seit 1919 (2019), S. 7
  10. Wikipedia: Liste der Mitglieder der 9. Bundesversammlung (Deutschland), abgerufen 2.3.2022
  11. Schleswig-Holsteinischer Landtag: Drucksache 13/1688 | Wahlvorschlag der Fraktion der SPD | Wahl der Mitglieder zur 10. Bundesversammlung, 3.2.1994
  12. 12,0 12,1 Hannelore Fojut Ausgezeichnet, Förde Kurier, abgerufen 25.3.2026
  13. SPD Kreis Plön: Hannelore Fojut wurde 90, 23.1.2019
  14. Kuhl, Christoph: Große Ehre für Hannelore Fojut, Kieler Nachrichten, 25.2.2015 (Bezahlschranke)
  15. SPD Kreis Plön: Willy-Brandt-Medaille für Hannelore Fojut, 16.9.2022
  16. Schekahn, Hans-Jürgen: Hannelore Fojut jetzt Ehrenmitglied der SPD, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Ostholstein, 19.9.2022
  17. Hannelore-Fojut-Stiftung der AWO, abgerufen 1.10.2023
  18. SPD Kreis Plön: SPD Kreis Plön gratuliert Hannelore Fojut zur Benennung der „Hannelore-Fojut-Stiftung“, 30.7.2023