Anton Meitmann

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Anton Meitmann
Anton Meitmann
Geboren: 22. März 1889
Gestorben: 10. Mai 1976

Anton Carl Leopold Meitmann, * 22. März 1889 in Gaarden, † 10. Mai 1976 in Heiligenhafen; Fischer. Verheiratet, ein Sohn, 'Willimann'. Mitglied der SPD.

Leben & Beruf

Wie seine Brüder Bill und Jack stammte Anton Meitmann aus einer Familie von Kieler Sozialdemokraten.[1]

Bis zum 1. Weltkrieg war er Arbeiter. Vermutlich um dem Kriegsdienst zu entgehen, flüchtete er als überzeugter Pazifist mit seinen Brüdern Heinrich (* 1885) und Bill nach Dänemark, möglicherweise auf einem dänischen Fischereifahrzeug. Im Mai 1915 reisten die drei Meitmann-Brüder, als Dänen getarnt, vielleicht mit der Unterstützung dänischer Genossen, an Bord das dänischen Passagierdampfers HELLIG OLAV von Kopenhagen nach New York. In der Passagierliste ist für Anton als Beruf Maurer angegeben.

Die drei Brüder führten in Nordamerika, wo sie sich wieder als Deutsche zu erkennen gaben, ein abenteuerliches Leben. Am 5. März 1918 wurden sie unter Spionagevedacht als Kriegsgefangene eingesperrt, am 2. Juli ausgewiesen und an Bord des Truppentransporters MARTHA WASHINGTON nach Europa zurückgeschickt.

Nach diesen Erlebnissen hatten sie das kapitalistische Wirtschaftssystem so satt, dass sie nicht mehr für einen Arbeitgeber arbeiten wollten. Sie machten sich mit einem hölzernen Fischkutter selbstständig. Der ältere Bruder Heinrich kehrte 1927 endgültig in die Vereinigten Staaten zurück. Von da an betrieben Bill und Anton ihre Küstenfischerei zu zweit.[2]

Anton Meitmann gehörte - mit seinem Sohn Willimann und seinem Bruder Bill - zu der Gruppe namhafter Vertreter der Kieler Sozialdemokraten, die im August 1945 die Schaffung einer Einheitspartei aus ehemaligen SPD- und KPD-Mitgliedern diskutierten. Beim ersten Treffen am 5. August warb sein Bruder Jack Meitmann als Hauptredner vehement für die Einheitspartei. Beim Folgetreffen am 8. August äußerte Anton Meitmann:

"Ich habe beide Ausführungen gehört und bin tief erschüttert. Der Wille zur Einheitspartei liegt bei der Gesamtarbeiterschaft, jetzt darf es keine SP + keine KP geben, denn der Wille der Gesamtarbeiterschaft steht über dem Willen einer kleinen intelligenten Führerschicht."[3] Am 1. September veröffentlichten beide Gruppen - die SPD war noch nicht offiziell wiederbegründet - eine Erklärung, die jedoch keine längerfristigen Konsequenzen hatte.

Zur ersten Kommunalwahl nach der NS-Herrschaft am 13. Oktober 1946 trat im Wahlkreis V der Fischer Anton Meitmann, Boiestr. 4, als Kandidat für die KPD an.[4] Er erhielt 401 Stimmen.[5]

Die sechs letzten Jahre seines Lebens verbrachte Anton Meitmann im Landeskrankenhaus Heiligenhafen.

Literatur & Links

  • Michel Stermann: Maman Grete. Eine Erzieherin aus Deutschland für KZ-Opfer-Waisenkinder in Frankreich und weitere Familien-Porträts (Norderstedt 2016), 2. Auflage 2018, ISBN 978-3-7407-4985-9.

Quellen

  1. Für Einzelheiten zur Familiengeschichte s. Karl Meitmann und Johannes Meitmann.
  2. Michel Stermann: Maman Grete, 2. Auflage, S. 188-190.
  3. Laut Protokoll.
  4. Wer wird am 13. Oktober gewählt?, Kieler Nachrichten, 2.10.1946
  5. Die Stimmen der Kieler Kandidaten, VZ, 16.10.1946