Hilfe:Oral History

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Zeitzeugengespräch

Oral history oder "Geschichte von unten" ist eine Bewegung, die nicht zuletzt von den Protesten der 1960er Jahre in Gang gebracht wurde. Die Auffassung, dass das Alltagsleben und die Erfahrung ganz normaler Menschen, die keine Führungsrolle innehatten, kein "würdiger" Gegenstand der Geschichtsforschung sei, wurde in Frage gestellt. Das Abrufen des Wissens von Zeitzeugen und -zeuginnen wurde üblich, und vieles, was heute Gegenstand der Geschichtsforschung ist, würde ohne diese Befragungen leblos oder wäre vollständig unmöglich zu bearbeiten. Für uns stellt sich oft das Problem, dass keine Unterlagen mehr vorhanden sind und wir auf die Erinnerungen von Beteiligten angewiesen sind, um etwa frühere Vorstände oder Ereignisse aus dem Leben des Ortsvereins zu rekonstruieren.

Andererseits gibt es den oft zitierten sarkastischen Spruch: "Der Zeitzeuge ist der größte Feind des Historikers!" Was hat es damit auf sich?

Eine kurze Zusammenfassung der Probleme, die die Befragung von Zeitzeug*innen mit sich bringen kann, hat der britische Historiker Eric Hobsbawm geliefert:

"Die meisten der [mittels Aufnahmegeräten] festgehaltenen Erinnerungen erscheinen interessant genug - oder sprechen das Gefühl genügend an - um schon deswegen akzeptiert zu werden. Ich meine allerdings, wir werden "oral history" nicht angemessen verwerten können, bevor wir nicht - mit derselben Sorgfalt, mit der wir erforscht haben, welche Fehler bei der handschriftlichen Abschrift von Manuskripten passieren können - herausgearbeitet haben, was im menschlichen Erinnerungsvermögen schieflaufen kann. [...] Heute ist "oral history" meist die Aufzeichnung persönlicher Erinnerungen - und die sind ein bemerkenswert unzuverlässiges Medium zur Ermittlung von Fakten. Denn das Erinnerungsvermögen ist nicht so sehr ein Aufzeichnungs- als ein Auswahlmechanismus, dessen Auswahlkriterien sich - in einem gewissen Rahmen - ständig verändern. Meine heutige Erinnerung an meine Studentenzeit in Cambridge ist eine andere als mit 30 oder 45 Jahren, und sie wird sich [...] morgen oder nächstes Jahr wieder verändert haben.
Gegenwärtig sind unsere Kriterien für die Beurteilung mündlicher Quellen entweder weitgehend instinktiv, oder wir haben gar keine. Was erzählt wird, hört sich entweder richtig an oder eben nicht. Natürlich können wir eine mündliche Aussage an Hand einer zuverlässigen unabhängigen Quelle überprüfen und sie durch diese Überprüfung bestätigen. Das hilft uns allerdings nicht bei der Lösung des Problems, was wir glauben sollen, wenn es eine solche zuverlässige unabhängige Quelle zur Bestätigung nicht gibt." (Eric Hobsbawm: On History from Below, in Frederick Krantz (ed.): History from Below: Studies in Popular Protest and Popular Ideology (Oxford 1988), pp. 13-28. Übersetzung skw)

Diese Warnung gilt auch heute noch, weil vieles - gerade auf der örtlichen Ebene, auf der wir uns mit der Geschichtswerkstatt zum großen Teil bewegen - nicht mehr überprüfbar ist. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung:

Eine alte Dame erzählte im Rahmen einer längeren Befragung von einer Jugendfreundin, zu der sie später den Kontakt verloren habe. Sie wußte aber, dass diese in den 1960er Jahren zu ihren Söhnen nach Australien gereist und während dieses Besuchs verstorben war. Einige Jahre später erzählte sie die Geschichte erneut. Diesmal starb die Jugendfreundin, kaum dass sie australischen Boden betreten hatte. Kurz darauf ergab sich für mich die Möglichkeit, im Archiv der Stadt die Lebensdaten dieser Jugendfreundin zu überprüfen: Sie war laut Sterbeurkunde erst in den 1990er Jahren gestorben - in Kiel.

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