ParteisekretärIn

Aus SPD Geschichtswerkstatt
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Der Parteisekretär oder die Parteisekretärin waren ab Anfang des 20. Jahrhunderts bezahlte Funktionärinnen und Funktionäre in der SPD.

Nach dem Ende des Sozialistengesetzes 1890 und der Erlaubnis für Frauen Mitglied in Parteien zu werden 1908 wuchs die SPD und das alte, lose System der Vertrauenspersonen stieß an seine Grenzen. Die SPD organisierte sich neu und bildete um 1905 die auch heute noch übliche Gliederung in Ortsvereinen, Kreisverbände und Bezirke aus.

In diesem Zuge leistete sich die SPD bezahlte Funktionäre[1] - damals in der Regel noch Männer. Parteisekretäre und Parteisekretärinnen wurden zunächst gewählt. Sie waren dann in Personalunion, das was heute die Kreisvorsitzenden und die Kreismitarbeiter sind bzw. die Landesvorsitzenden der Landesgeschäftsführer oder die Landesgeschäftsführerin. Vorsitz und Geschäftsführung in einer Person. Bei der Anstellung des ersten Parteisekretärs in Schleswig-Holstein, berichtet, der Lübecker Volksbote, dass dieser nicht mehr für politische Ämter kandidieren durfte. Als Redner durfte er nur noch auftreten, wenn es der Arbeit nicht im Wege stand. Nebentätigkeiten waren verboten.[2]

Das hatte für die SPD den Vorteil, dass ihre herausragendsten Personen, die keine Abgeordneten waren, wirtschaftlich unabhängig waren. Denn auch ohne Verbot, konnten immer noch allzu laute Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ihre Stelle verlieren, wenn es dem Arbeitgeber nicht passte. Wilhelm Poller zum Beispiel hatte deswegen seine Anstellung als Metallformer verloren und wurde dann zunächst als Redakteur bei der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung angestellt und später als Parteisekretär. In dieser Position nahm er einen herausragende Rolle in der Kieler SPD ein.

Vermutlich mit der Satzungsreform von 1968 wurde die Trennung von Hauptamt und Ehrenamt eingeführt. Seither sind alle Funktionen in der SPD Schleswig-Holstein unbezahlt und die bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesverbandes sind gehalten sich nicht auf der Ebene zu betätigen für die sie zuständig sind.

Einzelnachweise

  1. Beschluss auf dem Provinzialparteitag 1904, Neumünster und dem SPD-Parteitag in Jena 1905.
  2. Lübecker Volksbote, Ausgabe vom 18. Oktober 1905