Ortsverein Wöhrden

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Ortsverein Wöhrden ist eine Gliederung im Kreisverband Dithmarschen.

2023 feierte er sein 100. Jubiläum.[1] 2013, zur Feier seines 90. Jubiläums, gab es eine Ausstellung der Geschichte seit 1978. Der Ortsverein ist tatsächlich wohl schon älter als 1923, aber dieses Jahr auf der Traditionsfahne ist die älteste Überlieferung.[2] Presseartikel zum Jubiläum

Bereits 1876 sammelte ein Genosse Rathmann in Wöhrden Geld für die Central-Wahlkasse der SAPD in Heide für die Reichstagswahl 1877 im 5. Wahlkreis.[3]

1894 wurde hier der Reichstagskandidat Heinrich Martikke von der Polizei in der Agitation behindert.[4]

Er gibt oder gab die Zeitung De Woterbörs heraus; im Mai 2013 erschien die Nr. 87, [5] im Dezember 2022 die Nr. 110.[6]

Wöhrden war am 7. März 1929 Schauplatz einer Massenauseinandersetzung zwischen SA und KPD, die von den Nazis später als "Blutnacht von Wöhrden" glorifiziert wurde. Es gab drei Tote - zwei auf Seiten der KPD - und zahlreiche Verletzte. Zu den Schwerverletzten gehörte der KPD-Funktionär und ehemalige Sozialdemokrat Christian Heuck, der schon im Frühjahr 1933 von den Nazis ermordet wurde.

Anfänge

Um 1900 gibt es im Bereich Wöhrden erste „freie Arbeiter“. Sie bieten sich Bauern an, die Arbeitskräfte suchen. Alsbald schließen sich Arbeiter zu Arbeitskolonnen zusammen.

Fest steht: Claus Köhn gründet vor 1912 eine Arbeitskolonne. Sie gilt als äußerst zuverlässig, sowohl bei den Bauern, als auch bei den Arbeitern. Anfallende Arbeiten werden im Akkord erledigt, entsprechend gut ist der Verdienst.

Sehr wahrscheinlich ist C. Köhn damals bereits SPD-Mitglied, genauso der Postbote Willi Schümann. Möglicherweise verhindert der I. Weltkrieg ihre weiteren Aktivitäten.

Die (kommunistische) Hamburger Volkszeitung schrieb 1927, dass es bereits vor dem 1. Weltkrieg eine starke Ortsgruppe der SPD gegeben habe, die wegen der Spaltung der Partei auf ca. zehn Mitglieder geschrumpft sei.[7]

Erster öffentlicher Auftritt der SPD-Wöhrden

1919 - Nach dem Krieg präsentieren Claus Köhn und Willi Schümann sofort mit Gleichgesinnten der Öffentlichkeit einen zweiten Wahlvorschlag zur Gemeindevertreterwahl.

Claus Köhn (Arbeiter), Willi Schümann (Postbote) und Karl Lück (Maurer) sind 1919 drei der sechs zu wählenden Gemeindevertreter.

Folgende SPD-Mitglieder sind 1919 bekannt: Hans Fedders, Claus Köhn, August Henschen, Theodor Kröger, Richard Neumann, Otto Scholz, Hans u. Nanny Schümann, sowie Willi Schümann. - C. Köhn dürfte Ortsvereinsvorsitzender sein. C. Köhn und W. Schümann werden 1923 entscheidend dafür sorgen, dass es eine Ortsfahne gibt, wenn auch mit dem Aufdruck USPD, statt SPD. Das soll ihren Verdienst nicht schmälern.

Da es keinen schriftlichen Nachweis gibt, haben wir uns für die Jahreszahl unserer Fahne von 1923 entschieden. - Dierk Vornheim findet 2003 bei einer Entrümpelung des elterlichen Dachbodens die SPD-Ortsverein-Fahne von 1923. Die Freude ist groß. Leider ist sie so gut wie auf. Dass sie überhaupt existiert ist schon ein Wunder.

https://web.archive.org/web/20230603015118/http://www.spd-woehrden.de/jubilaeum/festzeitschrift/90jahreortsvereinwoehrden/index.html

1927 soll ein Genosse Mietmann im Ortsverein tätig gewesen sein.[8]

Neuzeit ab 1946[9]

Nach dem II. Weltkrieg gibt es ab dem 2. September 1946 in Wöhrden wieder eine frei gewählte Gemeindevertretung. Walter Schümann und Richard Neumann gehören beide der SPD an. Maurermeister Walter Schümann wird zum Bürgermeister gewählt. Klaus Nissen ist Gemeindevertreter von April 1955 bis Mai 1975 und Bürgermeister von 1970 bis Mai 1975. - Mit Klaus Nissen hat die SPD-Wöhrden einen außerordentlich fähigen und beliebten Gemeindevertreter in ihren Reihen. Klaus Nissen erreicht: 1959 Beitritt zum Wasserbeschaffungsverband Süderdithmarschen 1963 - 1966 Trinkwasserversorgung, Schmutzwasserkanalisation mit Bau einer Kläranlage, Asphaltierung der Ortsstraßen, Flurbereinigung. Im weiteren Verlauf bewirkt Nissen:

Amt Heide Land 1968 - Am 26. Juli verfügt der Innenminister zum 1. April 1970 Wöhrdens Eingliederung ins Amt Hemmingstedt. Dies stößt in Wöhrden auf Protest. Wöhrden und Norderwöhrden streben nach Wegfall der Kreisgrenze 1974 eine Vereinigung und eine gemeinsame Verwaltung an. Der Innenminister lehnt ab. Wöhrdens Klage beim Verwaltungsgericht ist ohne Erfolg, aber eine Revision beim Oberverwaltungsgericht zulässig. Zwei Tage vor Gerichtstermin gibt der Innenminister grünes Licht. Norderwöhrden und Wöhrden müssen ihre Verhandlungen bis 1972 abgeschlossen haben, und Wöhrden die Klage zurückziehen. - Die Verhandlungen mit Norderwöhrden scheitern. – Es ist fatal. Klaus Nissen, inzwischen 1970 zum Bürgermeister gewählt, gibt nicht auf. Am Ende entsteht 1. Januar 1972 mit den Gemeinden Nordhastedt, Hemmingstedt, Lieth, Lohe-Rickelshof das „Amt Heide Land“, mit Sitz in Heide.

Schule Wöhrden 1968 – Die Landesregierung beschließt einen neuen Generalschulbauplan. In Wöhrden kann man sich beruhigt zurücklehnen, Schulbaumaßnahmen sind in absehbarer Zeit nicht vorgesehen. Doch wie es so ist, der Teufel steckt im Detail. Und zwar steht auch im Gesetztext das 5. – 9. Schuljahr darf nur an Hauptschulen unterrichtet werden. Der Schulverband Wöhrden unterschreitet jedoch die erforderliche Mindestschülerzahl.

Mit diesem Problem kämpfen fast alle Gemeinden im Umfeld der Stadt Heide. Es herrscht allenthalben große Aufregung.

Im Februar trifft eine überraschende Hiobsbotschaft in Wöhrden ein. Das Schulamt weist die Gemeinde Wöhrden mit sofortiger Wirkung an das 5. bis 9. Schuljahr an Hemmingstedt abzugeben und mit Hemmingstedt einen Schulverband zu gründen. - Den Wöhrdenern verschlägt es die Sprache.

Die Gemeindevertretung reicht dagegen beim Verwaltungsgericht Klage ein. – Es gilt vorrangig Zeit zu gewinnen, denn Klaus Nissen zeigt ganz andere Pläne auf. Er möchte die Gemeinden Lieth, Lohe-Rickelshof, Hemmingstedt, Ostrohe, Stelle-Wittenwurth, Weddingstedt, Wesseln und Norderwöhrden mit ins Boot holen. Und Klaus Nissens Wunsch gelingt, die neun Gemeinden gründen Februar 1972 einen Schulverband Heider Umland. Gespräche mit der Stadt Heide führen zum Bau einer gemeinsamen Schule. Die Landesregierung gibt grünes Licht. Die Klage wird rückgezogen. Es entsteht das „Schulzentrum Heide Ost“.

Lohn Klaus Nissens Bemühungen ist, die SPD gewinnt 1970 bei der Gemeindevertreterwahl sechs der elf Mandate und stellte, mit Klaus Nissen zum zweiten Mal den Bürgermeister der Gemeinde Wöhrden. Für alle überraschend stirbt Klaus Nissen im Mai 1975. Die Gemeinde Wöhrden verliert mit Klaus Nissen eine herausragende Persönlichkeit und die örtliche SPD in ihren Reihen einen großartigen Genossen

1978 Im Februar 1978 wird die erste Ausgabe - der Ortszeitung „De Woterbörs“ von der Wöhrdener SPD an alle Wöhrdener Haushalte verteilt. In unregelmäßigen Abständen berichten wir über Kommunalpolitik und andere wichtige Themen, jetzt schon 35 Jahre.

1979 Juli 1979 organisiert die SPD eine Bürgerbeteiligung. Wir wollen den Dieckslag als F-Plan (Freizeitgelände) ausweisen und präsentieren der Öffentlichkeit drei Planungsvorschläge. Der von Wöhrdener Bürger favorisierte Vorschlag soll als Antrag der Gemeindevertretung zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden.

1980 Im Juni fordern wir ein Buswartehäuschen mit Fahrradstand.

1994 Straßenbeleuchtung in Neuenkrug u. Böddinghusen bewirkt.

1999 3. Juli Musikpavillon im Park. – Bereits 1979 eine SPD-Idee. Leider konnten wir uns damals nicht durchsetzen.

2001 2. August den örtlichen Kulturpfad auf den Weg gebracht.

2007 Laden wir erstmals zum öffentlichen Neujahrsempfang ein.

2008 Wir regen an ehrenamtliche Tätigkeiten zu würdigen.

2010 Die SPD ist absolut gegen eine Küstenschutzabgabe. Wir erreichen endlich die Erschließung des Gewerbegebietes.

Und, was uns Wöhrdener Sozialdemokraten besonders stolz macht ist, dass wir ununterbrochen von 1919 bis heute stets zu den Gemeindevertreterwahlen Kandidaten präsentieren können.

Von 1970 bis 1975 war Klaus Nissen sozialdemokratischer Bürgermeister der Gemeinde, er gehörte der Gemeindevertretung bereits seit 1955 an. Auch sein Sohn Arnold Nissen war Gemeindevertreter von 1962 bis 1974.[10]

Einzelnachweise