Hermann Thurow-Nievergelt: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Hermann Thurow-Nievergelt''' (geb. als Hermann Thurow), * [[18. Februar]] [[1867]] in Glasshagen (Pommern), † [[3. August]] [[1933]] in Freidorf bei Basel, Schweiz; Malergeselle, Autor und Bildungspolitiker. Mitglied der SPD.
'''Hermann Joachim Thurow-Nievergelt''', * [[18. Februar]] [[1867]] in Glasshagen (Pommern), † [[3. August]] [[1933]] in Freidorf bei Basel, Schweiz; Malergeselle, Autor und Bildungspolitiker. Mitglied der SPD.


==Leben & Beruf==
==Leben & Beruf==
Hermann Thurow wurde geboren als zweites Kind von Friedrich Thurow und Catharine geb. Vollrath und wuchs in [https://www.openstreetmap.org/?mlat=54.2556&mlon=10.0243#map=11/54.2556/10.0243 Rumohr] bei Kiel auf.  
Hermann Joachim Thurow (das "Nievergelt" ist eine spätere Ergänzung, vermutlich ein Autorenname) wurde in Glasshagen (Pommern)<ref>'' Hirts Deutsche Sammlung'' gibt "ein Dorf in der Nähe von Kiel" an; im Pass steht aber eindeutig der pommersche Ort.</ref> als zweites Kind der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6tter Kätnersleute] Friedrich Thurow und Catharine geb. Vollrath geboren. Er wuchs in [https://www.openstreetmap.org/?mlat=54.2556&mlon=10.0243#map=11/54.2556/10.0243 Rumohr] bei Kiel auf. Es lässt sich vermuten, dass die Familie auf der Suche nach besseren Arbeitsmöglichkeiten im Gefolge der Erhebung Kiels zum Marinehafen nach Schleswig-Holstein zog. Der Sohn "mußte schon früh zur Ernährung der Familie mit beitragen"<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref> und fand früh den Weg zur Arbeiterbewegung. Er und seine Familie gehörten den [[Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken|Falken]] an.  


[[Image:Passfoto Thurow-Nievergelt, Hermann Joachim.JPG]]
Eine Lehre auf den Werften scheint er abgebrochen zu haben<ref>'' Hirts Deutsche Sammlung'', S.</ref>, machte dann in Laboe eine Malerlehre. <blockquote>"Seine Freunde erzählen von ihm, daß er in der Heimat wie ein Wüstenheiliger gelebt habe und mit einem Honorar von 10-20 Mark sich für Wochen finanziert sah."<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref></blockquote> Im [[1918]] erschienenen Roman ''Jochen Bünz'' erzählt er, romanhaft verkleidet, die Geschichte seiner Kindheit und Jugend.<ref>''Hirts Deutsche Sammlung'', S. ?</ref>
In einer Kurzbiographie heißt es über ihn:
<blockquote>"Hermann Thurow wurde als Kind von [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6tter Kätnersleuten] in der Nähe von Kiel geboren und mußte schon früh zur Ernährung der Familie mit beitragen. Er wurde dann Malergeselle und kam auf großen Fahrten bis in den Süden. Früh regte sich sein dichterisches Können, die ersten Gedichte brachte schon Ende der neunziger Jahre die [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung|Volkszeitung]] seiner Heimat, denn Thurow hatte früh den Anschluß an die Arbeiterbewegung gefunden. Er wurde dann ein Opfer der Proletarierkranheit, der Schwindsucht, an die er durch Jahrzehnte gefesselt war. Daß er [sie überlebte], ist wohl seinem langen Aufenthalt in Ägypten zu verdanken, wo er Linderung suchte und Heilung fand. Seine Freunde erzählen von ihm, daß er in der Heimat wie ein Wüstenheiliger gelebt habe und mit einem Honorar von 10-20 Mark sich für Wochen finanziert sah. Unter den Pyramiden schlug er sich dann schlecht und recht als Herbergsvater und Schreiberlein durch, bis er eine Anstellung in der Baseler Zentrale der Konsumvereine erhielt. Seine Dichtung bleibt nicht im Arbeiterleben hängen, sondern spannt infolge der besonderen Lebensführung des Dichters einen weiteren Bogen. Eine sichere, abgeschliffene Formkraft ist ihm eigen."<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref></blockquote>


Eine weitere Kurzbiographie, aus Hirts Deutsche Sammlung:
Der Mangel an Jahreszahlen macht es schwer, Hermann Thurows weiterem Leben zu folgen. Seine Wanderjahre als Geselle dürften Ende der 1880er Jahre begonnen haben. Sie führten ihn durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Wann er an der "Proletarierkrankheit"<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref> Schwindsucht erkrankte, ist bisher nicht klar. Der Umstand, dass die [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung]] Ende der 1890er Jahre seine ersten Gedichte druckte<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref>, legt jedoch nahe, dass er zunächst nach Kiel zurückkehrte und sich hier (wieder) in SPD und Arbeiterjugend engagierte.
<blockquote>
Thurow wurde 1867 in einem Dorf in der Nähe von Kiel als Sohn eines Kätners geboren. Nach einem mißglückten Versuch, als Lehrling auf einer Werft zu arbeiten, wurde er Malergeselle, ging auf Wanderschaft, lernte Deutschland, Frankreich und die Schweiz kennen, erkrankte an der Schwindsucht und fand Heilung durch einen Aufenthalt in Davos und in Ägypten, wo er sein Leben als Schreiber am internationalen Gerichtshof in Kairo fristete. 1913 kehrte er zurück und erhielt eine Anstellung im Verband Schweizerischer Konsumvereine, wo er noch heute (1932) tätig ist. In "Jochen Bünz" hat er die Geschichte seiner Kindheit und Jugend, romanhaft verkleidet, erzählt,. Einen Einblick in seine Lyrik gibt der Auswahlband "Flug in die Welt" (Arbeiterjugend-Verlag, 1928).
</blockquote>


Seine Malerlehre machte er in Laboe und lebte als junger Erwachsener einige Jahre in Kairo in Ägypten - die Kurzbiographie macht klar, dass dies nicht zuletzt gesundheitliche Gründe hatte.
Heilung für seine Krankheit suchte er zunächst in Davos, dann "in Ägypten, wo er sein Leben als Schreiber am internationalen Gerichtshof in Kairo fristete"<ref>'' Hirts Deutsche Sammlung'', S.?</ref>. Nach dem insgesamt deutlich romantischer formulierten Lebensabriss von Mühle "schlug er sich dann schlecht und recht als Herbergsvater und Schreiberlein durch"<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref>.  


Er war tätig als Autor politischer Schriften, verfasste auch Vorworte für politische Vordenker seiner Zeit, und war als sozialdemokratischer [[Bildungspolitik|Bildungsagitator für die Arbeiterjugend]] überregional bekannt. Er
[[Image:Passfoto Thurow-Nievergelt, Hermann Joachim.JPG|thumb|left|250px|Passbild Hermann Thurow-Nievergelt]][[1913]] kehrte er nach Europa zurück und wurde vom Verband Schweizerischer Konsumvereine in Basel angestellt; dort war er bis mindestens [[1932]] tätig.<ref>''Hirts Deutsche Sammlung'', S. ?</ref> In den Baseler Telefonbüchern ist er von [[1915]] bis [[1917]] gelistet als "Thurow-Nievergelt, Herm., Kommis.[Kommissionär?], 77 Gundeldingerstr." Zu dieser Zeit war er also offenbar schon mit seiner ersten Frau Berta Nievergelt verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Emilie und Arnold. Wodurch diese Ehe endete, ist bisher nicht ermittelt. Auch wann er seine zweite Ehe einging oder wie der Name seiner zweiten Ehefrau lautete, ist nicht überliefert.
schrieb jedoch auch Gedichte. Seine Prosa und Lyrik waren "in den entlegensten Verlagen erschienen [...] und zum Teil überhaupt nicht mehr zu erhalten [...]"<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref>; sie wurden [[1923]] in dem Sammelband ''Flug in die Welt'' zusammengeführt.  


Um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen, die ihm angedroht hatten, auch seine Schriften zu verbrennen, kehrte er in die Schweiz zurück, wo er schon früher gelebt hatte und über gute Beziehungen verfügte.
Mittlerweile war vor allem seine Lyrik "in den entlegensten Verlagen erschienen [...] und zum Teil überhaupt nicht mehr zu erhalten [...]"<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref>; sie wurde, mit Prosatexten, [[1923]] in dem Sammelband ''Flug in die Welt'' zusammengeführt. Hans Mühle urteilt über sein Werk: <blockquote>"Seine Dichtung bleibt nicht im Arbeiterleben hängen, sondern spannt infolge der besonderen Lebensführung des Dichters einen weiteren Bogen. Eine sichere, abgeschliffene Formkraft ist ihm eigen."<ref>Mühle, Hans (Hrsg.): ''Das proletarische Schicksal'' (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)</ref>
</blockquote>


== Ehe & Familie ==
Sein Neffe [[Hermann Thurow]] sen. war der Sohn seines Bruders Friedrich.


Hermann Thurow war zweimal verheiratet. Seine erste Frau war Berta Nievergelt.
In der Familie heißt es, er sei in die Schweiz zurückgekehrt, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen, die ihm angedroht hätten, auch seine Schriften zu verbrennen. Wahrscheinlicher erscheint, dass er zwanzig Jahre lang in der Schweiz lebte und auch [[1932]] nicht die Absicht hatte, nach Deutschland zurückzukehren. Die Drohungen der Nazis wären ein zusätzlicher Grund dafür gewesen.
In den Baseler Telefonbüchern ist er von 1915 bis 1917 gelistet als ''Thurow-Nievergelt, Herm., Kommis., 77 Gundeldingerstr. ''
Die beiden hatten zwei Kinder, Emilie und Arnold.  


Der Name seiner zweiten Ehefrau ist nicht überliefert.
==Partei & Politik==
 
Parteipolitische Funktionen sind für Hermann Thurow bisher nicht ermittelt. Er war als sozialdemokratischer [[Bildungspolitik|Bildungsagitator für die Arbeiterjugend]] überregional bekannt und auch als Autor vor allem im Bildungsbereich aktiv, mit dem Schwerpunkt auf der Jugendbildung.  
Sein Neffe [[Hermann Thurow]] sen., der mehrjährige Vertreter der Falken im SPD Vorstand Kiel, war der Sohn seines Bruders Friedrich.


==Partei & Politik==
Er verfasste politische Schriften, auch Vorworte für politische Vordenker seiner Zeit, darüber hinaus Lyrik, Romane und - nach den Titeln zu urteilen, weitgehend agitatorische - Theaterstücke. Verlegt wurde er meist vom Vorwärts-Verlag oder vom Arbeiterjugend-Verlag in Berlin sowie von Verlagen des Genossenschaftswesens in der Schweiz.  
Hermann Thurow war vor allem als Autor im Bildungsbereich aktiv. Sein Schwerpunkt lag auf der Jugendbildung. Er und seine Familie gehörten den [[Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken|Falken]] an.


==Veröffentlichungen==
==Veröffentlichungen==
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*''Jochen Bünz. Ein Jugendroman'' (Autobiografischer Roman, Olten 1918)
*''Jochen Bünz. Ein Jugendroman'' (Autobiografischer Roman, Olten 1918)
*''Der Traum des Webers. Ein Genossenschafts-Bühnenspiel in einem Akt'' (Basel 1919)
*''Der Traum des Webers. Ein Genossenschafts-Bühnenspiel in einem Akt'' (Basel 1919)
*''Butu Simba's Mission in Europa. Eine Negergeschichte'' (Satirische Grotesk, Vorwärts, Berlin 1920)
*''Butu Simba's Mission in Europa. Eine Negergeschichte'' (Satirische Groteske, Berlin 1920)
*''Im Aufstieg. Stimmen und Gestalten aus der Genossenschaftsbewegung'' (Basel 1921)
*''Im Aufstieg. Stimmen und Gestalten aus der Genossenschaftsbewegung'' (Basel 1921)
*''Die Mission der Witwe, oder s'isch derfür und derwider. Ein genossenschaftlicher Schwank in 3 Bildern'' (Verband schweiz. Konsumvereine, Basel 1924)
*''Die Mission der Witwe, oder s'isch derfür und derwider. Ein genossenschaftlicher Schwank in 3 Bildern'' (Verband schweiz. Konsumvereine, Basel 1924)
*''Muse und Arbeiter (Dämon Alkohol)'' (Theaterstück, Leipzig 1925)
*''Muse und Arbeiter (Dämon Alkohol)'' (Theaterstück, Leipzig 1925)
*''Flug in die Welt. Gedichte'' (Sammelband, Ludwigsburg 1923; Arbeiterjugend-Verlag, Berlin 1928)
*''Flug in die Welt. Gedichte'' (Sammelband, Ludwigsburg 1923; Berlin 1928)
*''Lebensrundfahrt. Aphorismen, Sprüche, Kommentare'' (Arbon/Schweiz, 1934)
*''Lebensrundfahrt. Aphorismen, Sprüche, Kommentare'' (Arbon/Schweiz, 1934)


===Aufsätze===
===Aufsätze===
*''Aus den Anfängen der sozialistischen Belletristik''. In: ''Die Neue Zeit'' 21/2 (1902/03), S. 212–222
*''Aus den Anfängen der sozialistischen Belletristik''. In: ''Die Neue Zeit'' 21/2 (1902/03), S. 212–222
*zahlreiche weitere Aufsätze


===Beiträge zu anderen Büchern===
===Beiträge zu anderen Büchern===
*Abramowski, Eduard: ''Die sozialen Ideen der Genossenschaftsbewegung'' (Basel 1924) (Übersetzung revidiert von Hermann Thurow)
*Abramowski, Eduard: ''Die sozialen Ideen der Genossenschaftsbewegung'' (Basel 1924) (Übersetzung revidiert von Hermann Thurow)
*Fourier, Charles: ''Der sozietäre Reformplan'' (Leipzig 1925) (Einleitung von Hermann Thurow)
*Fourier, Charles: ''Der sozietäre Reformplan'' (Leipzig 1925) (Einleitung von Hermann Thurow)
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==Literatur & Links==
==Literatur & Links==
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=Hermann+Thurow Hermann Thurow in der Deutschen Nationalbibliothek]
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=Hermann+Thurow Hermann Thurow in der Deutschen Nationalbibliothek]
* [https://www.swissbib.ch/Search/Results?lookfor=Hermann+Thurow&type=AllFields Hermann Thurow in Swissbib]
* [https://www.swissbib.ch/Search/Results?lookfor=Hermann+Thurow&type=AllFields Hermann Thurow in Swissbib]

Version vom 9. Oktober 2020, 01:54 Uhr

Hermann Thurow-Nievergelt
Hermann Thurow-Nievergelt
Hermann Thurow-Nievergelt
Geboren: 18. Februar 1867
Gestorben: 3. August 1933

Hermann Joachim Thurow-Nievergelt, * 18. Februar 1867 in Glasshagen (Pommern), † 3. August 1933 in Freidorf bei Basel, Schweiz; Malergeselle, Autor und Bildungspolitiker. Mitglied der SPD.

Leben & Beruf

Hermann Joachim Thurow (das "Nievergelt" ist eine spätere Ergänzung, vermutlich ein Autorenname) wurde in Glasshagen (Pommern)[1] als zweites Kind der Kätnersleute Friedrich Thurow und Catharine geb. Vollrath geboren. Er wuchs in Rumohr bei Kiel auf. Es lässt sich vermuten, dass die Familie auf der Suche nach besseren Arbeitsmöglichkeiten im Gefolge der Erhebung Kiels zum Marinehafen nach Schleswig-Holstein zog. Der Sohn "mußte schon früh zur Ernährung der Familie mit beitragen"[2] und fand früh den Weg zur Arbeiterbewegung. Er und seine Familie gehörten den Falken an.

Eine Lehre auf den Werften scheint er abgebrochen zu haben[3], machte dann in Laboe eine Malerlehre.

"Seine Freunde erzählen von ihm, daß er in der Heimat wie ein Wüstenheiliger gelebt habe und mit einem Honorar von 10-20 Mark sich für Wochen finanziert sah."[4]

Im 1918 erschienenen Roman Jochen Bünz erzählt er, romanhaft verkleidet, die Geschichte seiner Kindheit und Jugend.[5]

Der Mangel an Jahreszahlen macht es schwer, Hermann Thurows weiterem Leben zu folgen. Seine Wanderjahre als Geselle dürften Ende der 1880er Jahre begonnen haben. Sie führten ihn durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Wann er an der "Proletarierkrankheit"[6] Schwindsucht erkrankte, ist bisher nicht klar. Der Umstand, dass die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung Ende der 1890er Jahre seine ersten Gedichte druckte[7], legt jedoch nahe, dass er zunächst nach Kiel zurückkehrte und sich hier (wieder) in SPD und Arbeiterjugend engagierte.

Heilung für seine Krankheit suchte er zunächst in Davos, dann "in Ägypten, wo er sein Leben als Schreiber am internationalen Gerichtshof in Kairo fristete"[8]. Nach dem insgesamt deutlich romantischer formulierten Lebensabriss von Mühle "schlug er sich dann schlecht und recht als Herbergsvater und Schreiberlein durch"[9].

Passbild Hermann Thurow-Nievergelt

1913 kehrte er nach Europa zurück und wurde vom Verband Schweizerischer Konsumvereine in Basel angestellt; dort war er bis mindestens 1932 tätig.[10] In den Baseler Telefonbüchern ist er von 1915 bis 1917 gelistet als "Thurow-Nievergelt, Herm., Kommis.[Kommissionär?], 77 Gundeldingerstr." Zu dieser Zeit war er also offenbar schon mit seiner ersten Frau Berta Nievergelt verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Emilie und Arnold. Wodurch diese Ehe endete, ist bisher nicht ermittelt. Auch wann er seine zweite Ehe einging oder wie der Name seiner zweiten Ehefrau lautete, ist nicht überliefert. Mittlerweile war vor allem seine Lyrik "in den entlegensten Verlagen erschienen [...] und zum Teil überhaupt nicht mehr zu erhalten [...]"[11]; sie wurde, mit Prosatexten, 1923 in dem Sammelband Flug in die Welt zusammengeführt. Hans Mühle urteilt über sein Werk:

"Seine Dichtung bleibt nicht im Arbeiterleben hängen, sondern spannt infolge der besonderen Lebensführung des Dichters einen weiteren Bogen. Eine sichere, abgeschliffene Formkraft ist ihm eigen."[12]

Sein Neffe Hermann Thurow sen. war der Sohn seines Bruders Friedrich.

In der Familie heißt es, er sei in die Schweiz zurückgekehrt, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen, die ihm angedroht hätten, auch seine Schriften zu verbrennen. Wahrscheinlicher erscheint, dass er zwanzig Jahre lang in der Schweiz lebte und auch 1932 nicht die Absicht hatte, nach Deutschland zurückzukehren. Die Drohungen der Nazis wären ein zusätzlicher Grund dafür gewesen.

Partei & Politik

Parteipolitische Funktionen sind für Hermann Thurow bisher nicht ermittelt. Er war als sozialdemokratischer Bildungsagitator für die Arbeiterjugend überregional bekannt und auch als Autor vor allem im Bildungsbereich aktiv, mit dem Schwerpunkt auf der Jugendbildung.

Er verfasste politische Schriften, auch Vorworte für politische Vordenker seiner Zeit, darüber hinaus Lyrik, Romane und - nach den Titeln zu urteilen, weitgehend agitatorische - Theaterstücke. Verlegt wurde er meist vom Vorwärts-Verlag oder vom Arbeiterjugend-Verlag in Berlin sowie von Verlagen des Genossenschaftswesens in der Schweiz.

Veröffentlichungen

Coverfoto: Butu Simbas Mission in Europa von Hermann Thurow-Nievergelt
Titel Butu Simbas Mission in Europa von Hermann Thurow-Nievergelt
  • Die praktischen Erfolge der Achtstunden-Agitation (Vorwärts, Berlin 1898)
  • Verse zum Weltkrieg (Basel 1915)
  • Jochen Bünz. Ein Jugendroman (Autobiografischer Roman, Olten 1918)
  • Der Traum des Webers. Ein Genossenschafts-Bühnenspiel in einem Akt (Basel 1919)
  • Butu Simba's Mission in Europa. Eine Negergeschichte (Satirische Groteske, Berlin 1920)
  • Im Aufstieg. Stimmen und Gestalten aus der Genossenschaftsbewegung (Basel 1921)
  • Die Mission der Witwe, oder s'isch derfür und derwider. Ein genossenschaftlicher Schwank in 3 Bildern (Verband schweiz. Konsumvereine, Basel 1924)
  • Muse und Arbeiter (Dämon Alkohol) (Theaterstück, Leipzig 1925)
  • Flug in die Welt. Gedichte (Sammelband, Ludwigsburg 1923; Berlin 1928)
  • Lebensrundfahrt. Aphorismen, Sprüche, Kommentare (Arbon/Schweiz, 1934)

Aufsätze

  • Aus den Anfängen der sozialistischen Belletristik. In: Die Neue Zeit 21/2 (1902/03), S. 212–222
  • zahlreiche weitere Aufsätze

Beiträge zu anderen Büchern

  • Abramowski, Eduard: Die sozialen Ideen der Genossenschaftsbewegung (Basel 1924) (Übersetzung revidiert von Hermann Thurow)
  • Fourier, Charles: Der sozietäre Reformplan (Leipzig 1925) (Einleitung von Hermann Thurow)
  • Gide, Charles: Das genossenschaftliche Programm und die sozialistischen Schulen (Basel 1927) (übersetzt aus dem Französischen von Hermann Thurow)
  • Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal. Ein Querschnitt durch die Arbeiterdichtung der Gegenwart (Gotha 1929) (mit zwei Gedichten von Hermann Thurow, Der Fabrikschlot und Frage)
  • Mohrhenn, Alfred (Hrsg.): Stimme des Arbeiters: Aus Biographien und biographischen Romanen deutscher Arbeiter (Breslau 1932) ("Mit den Bildern der Verfasser")

Literatur & Links

Einzelnachweise

  1. Hirts Deutsche Sammlung gibt "ein Dorf in der Nähe von Kiel" an; im Pass steht aber eindeutig der pommersche Ort.
  2. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)
  3. Hirts Deutsche Sammlung, S.
  4. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)
  5. Hirts Deutsche Sammlung, S. ?
  6. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)
  7. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)
  8. Hirts Deutsche Sammlung, S.?
  9. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)
  10. Hirts Deutsche Sammlung, S. ?
  11. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)
  12. Mühle, Hans (Hrsg.): Das proletarische Schicksal (Gotha 1929), S. 229 (Anhang)