Jan Sierks

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Jan Sierks
Jan Sierks
Geboren: 6. April 1924

Johann Heinrich 'Jan' Sierks, * 6. April 1924 in Oesterborstel/Krs. Dithm.; Schlosser, Lehrer, Gewerkschaftsfunktionär. Verheiratet, 2 Kinder. Mitglied der SPD seit 1950.

Leben & Beruf

Jan Sierks machte nach der Volksschule nach eigener Auskunft eine Verwaltungslehre, anschließend eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugschlosser - letzteres möglicherweise schon in der Wehrmacht, denn er wurde 1941 mit 17 Jahren Soldat. Er wuchs in der Spätzeit der Weimarer Republik und in der NS-Diktatur auf, gehörte ab 1935 der Hitlerjugend an, ab 1943 der NSdAP. Nach seiner Einberufung zur Wehrmacht als 17-Jähriger bewarb er sich 1941 um die Mitgliedschaft in der SS, leistete 1944 in Karelien/Finnland Dienst in der Waffen-SS (Einheit unbekannt) und war ab 21. Dezember 1944 Untersturmführer der Allgemeinen SS.[1] Die Studie von Danker/Lehmann-Himmel ordnet ihn aufgrund seines Alters als "ns-sozialisiert" ein.[2]

Er selbst berichtet eine Erinnerung an seine Soldatenzeit:

"1973 besuchte ich mit einer kleinen Delegation Leningrad. [Wir] legten Blumen auf dem Friedhof nieder, wo die Opfer der Belagerung der Stadt ruhen. Über diese Geste wurde in den Medien berichtet und der Bürgermeister heftete uns eine Nadel der "Heldenstadt Leningrad" an. Nach russischer Sitte dürfen dabei Wodka und Trinksprüche nicht fehlen. Es floß viel Wodka! Und jemand fragte, ob wir auch Soldaten gewesen wären. Ich antwortete: 'Ich habe an Oder und Neiße gekämpft und fiel noch eine Woche vor Kriegsende schwerverwundet in die Gefangenschaft der Roten Armee und einer von Euch muß seitdem meine Armbanduhr haben!' Das wurde belacht. Am Abschiedsabend erschien ein Veteran in schwarzem Anzug, behängt mit vielen Orden und überreichte mir ein kleines Päckchen. Ich öffnete es und es lag darin eine russische Armbanduhr! Die Genossen hatten Humor bewiesen."[3]

Nach Ende der NS-Diktatur besuchte er das Refa-Lehrerseminar[4] und arbeitete als Refa-Lehrer. 1948 trat er in eine Gewerkschaft ein, vermutlich die GEW, und war später als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär tätig.

Von 1950 bis 1974 war er ehrenamtlicher Sozialrichter, auch Landessozialrichter, von 1955 bis 1972 ehrenamtlicher Arbeitsrichter, auch Landesarbeitsrichter. Seit 1955 vertrat er die Gewerkschaften in Ausschüssen der Arbeitsverwaltung. Vom SPIEGEL wurde er in einem Artikel über sozialdemokratische "Filzokratie" als "Musterbeispiel eines Ämterhäuflers" angeführt:

"Er hockt in sechs Aufsichtsräten, dazu im Verwaltungsrat der Wohnungbaukreditanstalt und im Beirat der Landeszentralbank Hamburg, ist nicht nur Vorsitzender der Genesendenhilfe eV.[5], sondern zugleich auch Vorstandsmitglied des Großhamburger Bestattungsinstituts."[6]

Wobei zumindest die letzten beiden Funktionen im Bereich der traditionellen Betätigungsfelder innerhalb der Arbeiterbewegung liegen, der weniger mit Ämterhäufung als mit gelebter Solidarität zu tun hat.

Am 8. September 1977 kam ein weiteres Amt hinzu: Er gründete als DGB-Landesbezirksvorsitzender die DGB-Seniorengemeinschft Hamburg, die 1983 ein eingetragener Verein wurde. Am 4. September 2002 hielt der 78-Jährige anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Seniorengemeinschaft im Hamburger Museum der Arbeit eine "historische Rede".[7] Darin berichtet er, wie er die Idee, Seniorenbeiräte zu berufen, von Hamburg nach Schleswig-Holstein trug:

"[Ich schlug] der CDU-Sozialministerin in Schleswig-Holstein, Gräfin Brockdorff, vor, sich auch den Anliegen der Senioren zuzuwenden. Nun ist es leider geschichtlich erwiesen, dass es oft schief geht, wenn Sozialisten sich mit dem Adel einlassen: Ferdinand Lassalle wurde wegen einer Gräfin im Duell erschossen und Rudolf Scharpings Abtritt von der politischen Bühne begann durch eine Liaison mit einer Gräfin!
Nur ich bilde eine Ausnahme: Meine - allerdings sehr sittsamen - Beziehungen zur Gräfin Ursula v. Brockdorff hatten Erfolg. Mein Vorschlag fand sofort ihr großes Interesse und sie berief 1987 eine "Kommission für Seniorenpolitik", der neben mir noch 7 Frauen und 4 Männer ans den unterschiedlichsten Bereichen angehörten. Wir hatten den Auftrag, die Situation der Senioren zu beschreiben und Vorschläge für eine umfassende Betreuung zu erarbeiten. Kurz darauf erfolgte der Regierungswechsel, aber der SPD-Nachfolger Günther Jansen forcierte unseren Auftrag."[8]

Am 29. Oktober 1977 wurde Jan Sierks Mitglied des fünfköpfigen Gründungsvorstandes der Stiftung Herzogtum Lauenburg, unter der Präsidentschaft von Dr. Dr. Uwe Barschel.[9]

Jan Sierks wohnte zumindest bis 1979 im Birkenweg 19B in Wohltorf.

Partei & Politik

Feierstunde im Kieler Gewerkschaftshaus mit Jan Sierks, Willi Kuster (rechts) und Karl Heinz Luckhardt (links neben Sierks).

Von 1959 bis 1974 war Jan Sierks Gemeindevertreter wo?, von 1967 bis 1971 Kreistagsabgeordneter im Kreis ?.

Er kandidierte 1971 und 1975 erfolgreich für den Landtag, wurde jedoch nicht direkt gewählt, sondern kam über die Liste ins Parlament. Dort war er vor allem aktiv im Landesplanungs-, Wirtschafts- und Sozialausschuss, außerdem im Richterwahlausschuss. In seiner zweiten Wahlperiode gehörte er dem Landesrundfunkrat beim NDR an.

Von Genossen wurde ihm - in einer Zeit, als die Atomkraft in der Landes-SPD bereits abgelehnt, von Gewerkschaftern aber wegen der damit verbundenen Arbeitsplätze unterstützt wurde - allzu große Nähe zum politischen Gegner, der Landesregierung, unterstellt. Dagegen gab es "persönliche Animositäten" zwischen ihm und seinem Landesvorsitzenden Günther Jansen; mindestens einen Brief von diesem soll Jan Sierks mit dem Vermerk "Annahme verweigert" ungeöffnet zurückgeschickt haben.[10]

Ehrungen

Jan Sierks erhielt am 29. April 1974 das Verdienstkreuz 1. Klasse, am 24. März 1980 das Große Verdienstkreuz und 1989 den Stern[11] zum Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Links

Quellen

  1. Vgl. Danker/Lehmann-Himmel, S. 168.
  2. Vgl. Danker/Lehmann-Himmel, S. 279. Die fünf Grundkategorien lauten "exponiert nationalsozialistisch", "systemtragend-karrieristisch", "ns-sozialisiert", "angepasst ambivalent" und "oppositionell 'gemeinschaftsfremd'".
  3. Ein besonderes Jubiläum, S. 8
  4. Vgl. REFA
  5. Eine Krebsnachsorgeklinik für Frauen.
  6. Ganz weiche Stelle, DER SPIEGEL, 3.1.1977
  7. Vgl. Ein besonderes Jubiläum
  8. Ein besonderes Jubiläum, S. 6
  9. Stiftung Herzogtum Lauenburg | Historie, abgerufen 25.10.2019
  10. Rainer Burchardt: Nichts geht mehr. Arbeitnehmer-Vertreter kontra CDU und SPD, DIE ZEIT, 17.2.1978
  11. Siehe Wikipedia, abgerufen 25.10.2019