Provinztagung 1879, Neumünster

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Provinztagung Neumünster 1879
13. April 1879
Nähe Neumünster
Siehe auch: Beschlussdatenbank

Eine geheime Provinztagung fand Ostern 1879 (wohl am 13. April) in der Nähe von Neumünster statt.[1]

Sie wählte eine dreiköpfige Exekutive für die illegale Arbeit unter dem Sozialistengesetz, die bis zu seiner Aufhebung tätig war: den Tuchmacher Franz Schneider, den Schlosser Heinrich Lienau als Schriftwart und Friedrich Butenschön als Kassenwart; alle drei waren aus Neumünster.[2]

Heinrich Lienau beschrieb 1928 in der Rückschau die Schwierigkeiten, denen diese und alle weiteren Provinztagungen bis 1890 ausgesetzt waren:

"Weil unter dem Sozialistengesetz bei der Post häufig das Briefgeheimnis verletzt wurde, war eine Verständigung der Genossen untereinander äußerst erschwert. Um so dringender machte sich persönliche Aussprache nötig; [hierfür] wurden heimlich arrangierte Provinzialkonferenzen abgehalten, sie tagten alljährlich im Herbst in der Umgebung von Neumünster, immer an einem anderen Platz: im Bönebütteler Gehölz, Boostedter Krähenholz, auf der Wasbeker Feldmark, im Dosenmoor usw. Am bedeutendsten war eine Konferenz bei Wattenbek, die zu den Reichstagswahlen 1887 Stellung nahm, jenen berüchtigten Wahlen, in die Bismarck die Spießbürger peitschte mit Greuelbildern von plündernden Kosaken und Turkos. Von auswärtigen Besuchern jener Geheimkonferenzen seien genannt: Hermann Molkenbuhr, Karl Frohme, Carl Heinrich, Altona, Heinrich Dietz, Erdmann Dubber, Gustav Stengele von Segeberg (später Redakteur am Hamburger Echo, Theodor Schwarz, Lübeck, Fritz Steinfatt, Hamburg usw. Zur Sicherung der Konferenzen war ein ganzes Postensystem ausgebildet, sie saßen auf Bäumen, Heudiemen usw. und hielten scharf Ausguck. Passieren konnte nur, wer die Parole kannte. Zeigte sich irgendwie Verdächtiges, so war augenblicklich in Vorwegnahme der Telegraphie ohne Draht die Meldung im Lager, und die Versammlung verwandelte sich in einen harmlosen Familienausflug."[3]

Literatur

Einzelnachweise

  1. "Ostern" heißt es in der Broschüre des SPD-Kreisverbandes Neumünster von 1992. Ostersonnabend dürfte nicht arbeitsfrei gewesen sein. Bleibt der Ostersonntag, 13. April, möglicherweise auch der Ostermontag, 14. April, als arbeitsfreier Tag. Auch Osterroth macht keine genauere Angabe.
  2. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), S. 21
  3. Lienau, Heinrich: Unter dem Schandgesetz in Schleswig-Holstein, Hamburger Echo, 21.10.1928, Seite 3