Hermann Adam

Hermann Adam
Hermann Adam
Geboren: 25. Oktober 1857
Gestorben: 9. September 1929

Karl Hermann Adam, * 25. Oktober 1867 in Putschlau, Kreis Glogau, Niederschlesien, † 9. September 1929 in Kiel; Schmied, dann Geschäftsführer des Allgemeinen Konsumvereins Kiel. Verheiratet, vier Kinder; konfessionslos. Mitglied der SPD ab 1892.

Leben & Beruf

Hermann Adam stammte aus einer zwölfköpfigen Geschwisterreihe. Sein Vater besaß einen Bauernhof in Putschlau (heute Pęcław) im sogenannten niederschlesischen Schwarzen Winkel an der Oder. Von einem kleinen Bauernhof allein konnte man nicht leben. Auch die Hofbesitzer hatten damals einen Zweitberuf, meist einen handwerklichen. In einer zahlreichen Familie mussten die Söhne erst recht einen Beruf ergreifen. So lernte Hermann Adam Schmied. Vermutlich wegen der miserablen wirtschaftlichen Lage wanderte er aus Schlesien aus.

"[Nach der Lehre] geht er ab 1886 auf Wanderschaft. In dreizehn Arbeitsstellen wird er mehrfach gefeuert, weil er seine Unzufriedenheit mit den schlechten Arbeitsbedingungen allzu offen äußert. In den Herbergen "Zur Heimat" lernt er den [...] Sozialdemokrat und andere illegale Literatur kennen. Mit 21 Jahren bereits gehört er einer Gruppe von Schmiedegesellen an, die sich in Opposition zu den von den Innungen gebildeten Gesellenvereinen zusammengefunden hat, womit die während des Sozialistengesetzes unterdrückte Gewerkschaftsbewegung wieder neu beginnt. So oft er kann, besucht er geheime Versammlungen, verbreitet verbotene Literatur und ist, zur Tarnung der politischen Tätigkeit, aktiv in Turnvereinen.
Den zweijährigen Militärdienst leistet er in Bautzen ab, wo er, da die Polizei die Vorgesetzten über seine radikale Gesinnung informiert hat, mit äußerster Brutalität geschunden wird. Der krasse Widerspruch zwischen der christlichen Lehre, in der er erzogen worden war, und der erlebten Wirklichkeit, führt ihn zum Austritt aus der Kirche. [...] 1892 wird er Mitglied der SPD. [...] 1893 übernimmt Adam in Braunschweig eine führende Funktion im Schmiedeverband. Die Verdrängung des Handwerks zwingt auch ihn, 1897 in Hamburg Arbeit auf einer Werft anzunehmen."[1]

In Kaisers Zeiten befand sich Kiel in vollem Ausbau als Marinestandort. Daraus ergaben sich viele Arbeitsmöglichkeiten auf den Schiffswerften. Das hat wohl den jungen Schmied dazu gebracht, sich 1899[2] im Dorf Gaarden bei Kiel anzusiedeln, wo die Germaniawerft ihr Gelände hatte.

Zeichnung der Grabstätte Hermann Adams im Kieler Eichhof durch dessen Tochter Else.

Klassenbewusst eingestellt, half er seinen Kollegen, sich zu organisieren, wurde zum Obmann gewählt. Wegen politischer und gewerkschaftlicher Betätigung ("unbilliger Forderung von sozialen Verbesserungen"[3]) entließ ihn die Werft schon bald.

1899 gründete er den Kieler Konsumverein. 1900 berief ihn das Kieler Gewerkschaftskartell zu seinem Vorsitzenden und die Partei zum Leiter der Pressekommission. Er wurde zu "einem der führenden Männer der Arbeiterbewegung" auf Stadt- wie auf Provinzialebene und zu einer auch international anerkannten Persönlichkeit im Genossenschaftswesen.[4]

Den Genossenschaftsgedanken teilte er mit dem ehemaligen Kollegen Johannes Meitmann. Die Familien Meitmann und Adam wurden noch enger verbunden, als am 25. November 1922 zwei ihrer Kinder, 'Jack' Meitmann und Else Adam, heirateten. Else hatte zwei Schwestern, Emmi und Anni, und den Bruder Hans. Die Mutter Anna, geborene Feist, stammte ebenfalls aus Schlesien und war mit ihren gewerkschaftlich aktiven Brüdern nach Kiel gezogen.

August Rathmann beschreibt Hermann Adam, den er als junger Mann kennenlernte und mit dessen Kindern er in der Kieler Arbeiterjugend zusammenkam, als Menschen von festen Grundsätzen und Überzeugungen. "Wenn seine sittliche Überzeugung nicht tangiert wird, ist er in jeder Hinsicht tolerant. Außerhalb der Kirche, ist er, bibelfest, doch gegen die Bewegung der Freidenker."[5]

Hermann Adam stand bis zu seinem Tode an der Spitze des Konsumvereins. Er starb an einer durch die dauernde Überbelastung verschleppten Krankheit.[6] Als hoch angesehener Kieler Bürger wurde ihm 1929 eine große Trauerfeier bereitet. Er wurde in einem einfachen Grab auf dem Parkfriedhof Eichhof bestattet.

Der Kieler Konsumverein

Hermann Adam hatte in Hamburg schon Zugang zum Genossenschaftswesen gefunden:

"In Bildungskursen kommt er mit Franz Laufkötter in Verbindung, der 1886 mit nach einem Streik arbeitslos gewordenen Bäckergesellen eine genossenschaftliche Vereinsbäckerei gegründet hatte und leitete. [...] Die Idee der Genossenschaft fasziniert Adam, wobei ihm bald klar wird, daß die von Lassalle propagierten, mit Staatsmitteln zu errichtenden Produktivgenossenschaften nicht in Betracht kommen können, sondern nur von den Verbrauchern selbst getragene Konsumgenossenschaften. Der Gedanke, daß auf diesem Wege im vom Profitdenken beherrschten Kapitalismus durch die gegenseitige Hilfe und zum gemeinsamen Nutzen der Arbeitenden ein Stück Sozialismus geschaffen werden könne, läßt ihn nicht mehr los. Er liest mit steigendem Interesse die einschlägige auch betriebswirtschaftliche Literatur."[7]

Johannes Meitmann hatte bereits 1889 die Vereinsbäckerei Gaarden ins Leben gerufen, wo die Arbeiter günstig gutes Brot kaufen konnten. Am 26. Oktober 1899 gründete Hermann Adam den Allgemeinen Kieler Konsumverein, der eine günstige Einkaufsmöglichkeit von Qualitätsware für Arbeiterfamilien schaffen sollte - vier Wochen vor dem Tod von Stephan Heinzel, der in Kiel der Hauptgegener der Idee der Konsumgenossenschaft gewesen war, weil er von ihr eine Schwächung des Klassenkampfcharakters der Partei befürchtete.[8] Hermann Adam konnte dieser Position nichts abgewinnen:

"[Seine] ethisch-politische Grundhaltung ist vorgegeben. Er ist Gegner aller Gewalt und deshalb auch der revolutionären Theorien. Sozialismus kann für ihn nur durch Aktivität der Arbeiterschaft in der noch zu erkämpfenden Demokratie Wirklichkeit werden."[9]

1901 wurde er von den Mitgliedern zum hauptamtlichen Geschäftsführer gewählt.

"Das stürmische Wachsen des von Adam initiativreich geleiteten Konsumvereins mit seinen zahlreichen Verteilungsstellen, mehreren Warenhäusern, eigener Produktion der wichtigsten Lebensmittel einschließlich einem großen landwirtschaftlichen Betrieb - für uns Kinder war der "Konsum" so selbstverständlich wie die Schule, er gehörte gewissermaßen zur Familie - und die vielfältige Aktivität als Redner und Schriftsteller lassen Hermann Adam zu einem der führenden Männer der Arbeiterbewegung im Lande werden. [...] Er trägt wesentlich dazu bei, daß die Genossenschaften als dritte Säule der sozialistischen Bewegung neben Partei und Gewerkschaften anerkannt werden."[10]

Partei & Politik

Hermann Adam war führend nicht nur der Kieler SPD. Von 1900[11] bis 1914 und wieder ab 1917 stand er auf Bezirksebene der Pressekommission der Partei vor, die u.a. die geschäftliche und politische Aufsicht über die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung führte. Während des 1. Weltkrieges legte er diese Funktion wegen Differenzen mit dem Chefredakteur der VZ, Eduard Adler, nieder.

"Adler fühlte sich in seiner [nationalistischen] Auffassung während des Krieges offenbar vom Parteivorstand in Berlin gedeckt; vermutlich auch von einer Mehrheit der Partei in Schleswig-Holstein. Mindestens akzeptierte man die Zwangslage, in der sich die Partei mit Ausbruch des Krieges befand. Hermann Adam jedoch verweigerte sich dieser Politik, und er trat aus diesem Grunde - wie mir der Sohn Dr. Hans Adam aus familiärer Kenntnis versichert - von Vorsitz und Mitgliedschaft in der Pressekommission zurück. Daß Adlers Einstellung der Grund hierfür war, läßt sich auch unschwer aus der Tatsache der Rückkehr Adams in dieses Amt schließen, die 1917 erfolgte, nachdem Adler aus der Chefredaktion ausschied."[12]

August Rathmann bestätigt dies aus eigenem Erleben:

"Den schärfsten Widerspruch fand Adler bei Hermann Adam, dem Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft, weil dieser als überzeugter Pazifist die politische Haltung der "Volkszeitung" seit Kriegsbeginn nicht glaubte mitverantworten zu können [und die Presse-Kommission verließ]. (Adler vergalt ihm dies später, indem er als Landrat in Eckernförde dem Kieler Konsumverein untersagte, mit seinen "zu schweren" Lastwagen die Straßen des Kreises zu befahren.) Darüber hinaus verbot Adam - wie seine Älteste, Else Meitmann, mir berichtete - seinen Töchtern, Vorträge von Adler zu hören, den er für einen "Verderber der Jugend" hielt."[13]

Von 1910 bis 1919 gehörte Hermann Adam der Kieler Stadtverordnetenversammlung an. Am 11. November 1919 wurde er als gewählter unbesoldeter (ehrenamtlicher) Stadtrat vereidigt. 1920 wurde er in den Provinziallandtag Schleswig-Holstein gewählt, 1926 dessen stellvertretender Vorsitzender.

Literatur & Links

Quellen

  1. Rathmann: Arbeiterleben, S. 57
  2. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  3. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  4. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  5. Rathmann: Arbeiterleben, S. 57
  6. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  7. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  8. Bericht zum Sozialdemokratischen Parteitag 1927, zit. bei Rolf Fischer, "Der Bahn, der kühnen, folgen wir …" Stephan Heinzel und der Aufstieg der Kieler SPD (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie, Band I: 1863 – 1900) (Malente 2010), S. 78
  9. Rathmann: Arbeiterleben, S. 57
  10. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  11. Rathmann: Arbeiterleben, S. 58
  12. Rickers: Friedenspolitik, S. 114
  13. Rathmann: Arbeiterleben, S. 56 f.