Reichstagswahl 1898

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Karte der Reichstagswahlen 1898
Karte der Reichstagswahlen 1898

Die Reichstagswahl 1898 fand am 16. Juni 1893 statt. Sie war die zehnte Reichstagswahl im Deutschen Reich.

In den Wahlkreisen wurde nach absolutem Mehrheitswahlrecht ein Abgeordneter gewählt. Wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte, wurde eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten durchgeführt.

"Wilhelm II. prägte 1897 das Wort 'Der Dreizack gehört in unsere Faust' und bekundete mit ihm den Willen zur Seeherrschaft. Im gleichen Jahr zogen deutsche Soldaten zu einer Vergeltungsexpedition nach China und nahm der Reichstag den von Staatssekretär Tirpitz vorgelegten Flottenbau-Plan an. Ein amtlich gesteuerter Flotten- und Kolonialenthusiasmus richtete sich gegen 'die vaterlandslose, internationale Sozialdemokratie' und spielte im Reichstagswahlkampf 1898 die Hauptrolle. Der 'Nationale Arbeiterverein' in Kiel, der von oben protegiert, mit Fürsorgeeinrichtungen lockte, appellierte mit der Frage 'Ist das deutsche Volk verpflichtet, Panzerschiffe zu bauen, um den Kieler Werftarbeitern Beschäftigung zu gewähren?' an den primitiven Egoismus. An der Seite der bekannten Gegner tauchte auch die 'Nationalsoziale Partei' des Pfarrers Friedrich Naumann auf, der Kaisertum und Demokratie, Nation und Arbeiter verbinden wollte, aber wegen des Verhaltens von Wilhelm II. in sozialdemokratischen Versammlungen nur Hohn erntete. Die Sozialdemokratie führte ihren Wahlkampf mit planvoller Entschiedenheit. In Ostholstein setzte sie den noch nicht wahlberechtigten 23jährigen Tischler Wilhelm Dittmann, den späteren Volksbeauftragten, auf 4 Monate für die Wahlarbeit ein. Flugblattverbreiter aus Kiel, Neumünster, Altona und Lübeck halfen ihm. Dittmann gelang es, im 9. Wahlkreis ein Netz von Vertrauensleuten zu bilden.

Wiederum wurden der Partei Säle abgetrieben, wiederum ihre Anhänger in den Betrieben gemaßregelt. In Dänischenhagen legte die Polizei zwei Flugblattverteilern Handfesseln an, schaffte sie zum Amtsvorsteher, einem Gutsbesitzer und denunzierte sie der Torpedowerft zwecks Entlassung. Weil die Parteizeitung dieses Vorgehen als 'schofel' bezeichnet hatte, erhielt der verantwortliche Redakteur A. Lütjens 1 Monat Gefängnis.

Eine Wahlversammlung mit Bebel als Redner wurde von der Polizei so früh abgesperrt, daß Tausende nicht daran teilnehmen konnten - eine oft beliebte Maßnahme."[1]

Ergebnisse

Die SPD erhielt 27,7 % der abgegebenen Stimmen. Den Wahlkreis 8 gewann Karl Frohme, den Wahlkreis 6 Adolph von Elm. Die Genossen in Kiel seien sich zu siegessicher gewesen, schreibt Osterroth, und hätten sich nicht bis zuletzt angestrengt.[2] So verpasste Carl Legien die Mehrheit und verlor in der Stichwahl gegen den bürgerlichen Kandidaten.

Links

Einzelnachweise

  1. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), S. 31 f.
  2. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), S. 32