Bezirksverband Schleswig-Holstein: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:PrSleeswijk-Holstein.png|mini|Schleswig-Holstein als Teil von Preußen]]Der '''Bezirksverband Schleswig-Holstein''' war die Vorgängerorganisation des [[Landesverband|Landesverbandes]]. Er umfasste von [[1905]] bis zum Verbot der SPD durch die Nazis [[1933]] das Gebiet des Landesverbandes ohne die [[Kreisverband Lübeck|Freie und Hansestadt Lübeck]], aber mit den Städten [[Ortsverein Altona|Altona]] und [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]] im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von [[1920]] dauerhaft [[Minderheitenpolitik|dänisch]] wurde. Auch das [[Fürstentum Lübeck]] zählte dazu, obwohl der Landesteil verwaltungsmäßig nicht zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum Oldenburg gehörte.
Der '''Bezirksverband Schleswig-Holstein''' war die Vorgängerorganisation des [[Landesverband|Landesverbandes]]. Er umfasste bis zum Verbot der SPD durch die Nazis [[1933]] das Gebiet des Landesverbandes ohne [[Kreisverband Lübeck|Lübeck]], aber mit den Städten [[Ortsverein Altona|Altona]] und [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]] im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von [[1920]] dauerhaft [[Minderheitenpolitik|dänisch]] wurde. Auch dazu gehörte das [[Fürstentum Lübeck]], obwohl dieser Landesteil nicht zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum Oldenburg gehörte.


Nach der Neugründung [[1945]] trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst noch die Bezeichnung "Bezirksverband".
Nach der Neugründung [[1945]] trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "[[Bezirk|Bezirksverband]]".


==Kaiserreich==
[[Datei:Deutsches_Reichsgesetzblatt_1899_048_699.jpg|mini|Lex Hohenlohe im Reichsgesetzblatt, 1899]]
Bereits nach der gescheiterten [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Revolution_1848/1849 Märzrevolution 1848/1849] begannen Handwerker und Arbeiter sich zu organisieren. [[Stephan Born]] gründete die [https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Deutsche_Arbeiterverbr%C3%BCderung Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung]. Allerdings hatte die Industrialisierung Deutschland noch nicht wirklich erreicht; es gab also noch keine größere Arbeiterschaft.
Das Verbindungsverbot wurde kurz vor der Jahrhundertwende aufgehoben. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich ''Gesetz betreffend das Vereinswesen''. Es trat am [[11. Dezember]] [[1899]] (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:
<blockquote>"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."</blockquote>
Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen [[Bezirk]] gründete, einen [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]] wählte und einen ersten [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] einstellte.


===Vorgeschichte===
[[1904]] begann [[Eduard Adler]] aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen "Agitationsbezirks". [[1905]] verabschiedete der Parteitag in Jena ein Organisationsstatut, das weitestgehend den Vorschlägen von [[Eduard Adler]] entsprach:
Die Sozialdemokratie breitete sich mit der entstehenden Arbeiterbewegung langsam aus und kam aus Hamburg, wo sich bereits [[1862]] ein Arbeiterkommitee gegründet hatte, nach Schleswig-Holstein. Der Hamburger Parteiorganisator [[Theodor Yorck|Theodor Yorck]] und der Redakteur des [[Nord-Stern]], [[Karl von Bruhn]], waren zum Beispiel die führenden Köpfe der Agitation im [[Kreisverband Pinneberg|Kreis Pinneberg]].<ref>[[Ortsverein Elmshorn|SPD-Ortsverein Elmshorn]]: ''100 Jahre SPD-Ortsverein Elmshorn'' (Elmshorn 1963)</ref>
[[Datei:Theodor Yorck.jpg|180px|thumb|right|Theodor Yorck]]


<blockquote>"Am Gründungskongreß des [[ADAV|Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins]] (ADAV) am [[23. Mai|23.5.]] [[1863]], dem Ausgangspunkt der organisierten Sozialdemokratie in Deutschland, nahmen drei Delegierte aus Hamburg teil. Die Hamburger Gemeinde des [[ADAV]] brachte [[Ferdinand Lassalle|lassalleanische]] Ideen nach Schleswig-Holstein. Bis [[1905]] stellten Hamburg und Schleswig-Holstein einen gemeinsamen Agitationsbezirk der Sozialdemokratie dar [...]".<ref>Danker, Uwe: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay03.pdf Die Geburt der Doppelstrategie in der "Roten Hochburg" - Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein 1863-1918]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 31</ref></blockquote>
Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten [[Ortsverein]]e gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem [[Provinzialparteitag 1905, Elmshorn|Provinzialparteitag 1905]] berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.


<blockquote>"Zur Ungunst dieser politischen Umstände während des Vordringen der [[Lassalleaner|lassalleanischen]] Bewegung von Hamburg nach Schleswig-Holstein kamen wirtschaftliche Verhältnisse, die keine großen Werbeerfolge versprachen. Das vorwiegend konservativ gesonnene Agrarland, in dem der Adel noch eine führende Rolle innehatte, war kein idealer Entwicklungsboden für eine moderne sozialistische Bewegung. Es fehlte an einer lebhaft voranschreitenden Industrialisierung. Von der knapp einen Million Einwohner lebten noch 70 % au dem Lande. Das Land besaß weder industriell verwertbare Rohstoffe noch lag es verkehrsmäßig günstig. [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]], das um diese Zeit 18000 Einwohner besaß, hatte die einzige Schiffswerft der Provinz, in der es mehr als 200 Beschäftige gab. [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]], das - mit 7000 Einwohnern - eine gute Verkehrslage hatte, konnte eine alte Tuchindustire aus 82 kleinen Fabriken und Manufakturen und einigen Maschinenbau aufweisen. In [[Ortsverein Rendsburg|Rendsburg]] war die 'Karlshütte', in Krusau eine Kupfermühle, in [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]] und Hadersleben gab es Eisengießereien. [[Ortsverein Altona|Altona]], mit 30000 Einwohner, die größte Stadt der Provinz, lag im Schatten des Hamburger Wirtschaftsausfstieges. Einige industrielle Ansätze waren in [[Ortsverein Ottensen|Ottensen]] und [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]] und [[Ortsverein Elmshorn|Elmshorn]] vorhanden."<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 6f</ref></blockquote>
Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem [[Fürstentum Lübeck]] und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr 1904 in 57 Ortsvereine untergliedert, das Fürstentum Lübeck in fünf.<ref>Lübecker Volksbote, 3. September 1904, S. 5</ref>


In der Broschüre zum Reichsparteitag [[1927]] in Kiel schrieb der [[Landesvorsitzende/r|Bezirksvorsitzende]] [[Willy Verdieck]], dass bereits in den 1860er Jahren in vielen Orten der Provinz Ableger des [[ADAV]] gegründet worden seien. Er zählte [[Ortsverein Altona|Altona]], [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]], [[Ortsverein Krempe|Krempe]], [[Ortsverein Itzehoe|Itzehoe]], [[Ortsverein Pinneberg|Pinneberg]], [[Kreisverband Kiel|Kiel]], [[Ortsverein Elmshorn|Elmshorn]], [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]], [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]], [[Ortsverein Eutin|Eutin]], [[Ortsverein Rendsburg|Rendsburg]], [[Ortsverein Plön|Plön]] und [[Ortsverein Glückstadt|Glückstadt]] auf. Und auch die Anhänger der "[[Eisenacher]]" Wurzel der SPD, der [[SDAP|Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP)]], gründeten einige Vereine - allerdings deutlich weniger.  
Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher [[1905]] in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.<ref>[http://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW22291&page=5 ''Vorwärts'' Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905]</ref>  Am [[1. Juli]] [[1905]] gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg und das [[Fürstentum Lübeck]]. Die SPD in der Freien Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene [[Organisationsaufbau der SPD|Landesorganisation]].


<blockquote>"Mit der Vereinigung beider Richtungen im Jahre [[1875]] stieg die Schlagkraft der Organisation. Auf dem Sozialistenkongreß zu Gotha im Jahre [[1876]] wurden 37 Wahlkreise für offizielle Reichstagswahlkreise erklärt. Darunter befanden sich fünf in Schleswig-Holstein, und zwar: 1. Itzehoe-Meldorf, 2. Glückstadt-Elmshorn, 3. Kiel-Neumünster, 4. Altona-Wandsbek, 5. Plön-Segeberg. Schon im Jahre [[1874]] konnten die [[Lassalleaner]] die Wahlkreise Altona-Wandsbek und Plön-Segeberg erobern. Bei der [[Reichstagswahl 1877|Reichstagswahl]] im Jahre [[1877]] zeigte sich der Aufschwung der Partei durch erhöhte Abgabe von sozialistischen Stimmen."<ref>''Die Partei in Schleswig-Holstein'', in: ''Sozialdemokratischer Parteitag Kiel 1927'' (Nachdruck Kiel o.O.u.J.)</ref></blockquote>Am [[24. Juni]] [[1877]] wurde in [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]] auf einer Parteikonferenz die Gründung einer Parteizeitung für die Provinz beschlossen. Diese, die [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung|Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung]], hatte ein Jahr später rund 8000 Abonnenten. Mit dem Inkrafttreten des [[Sozialistengesetz]]es musste die Zeitung ihr Erscheinen einstellen.
[[1906]] übernahm [[Friedrich Bartels]] den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.<ref>{{Martens-45-59}}, S. 24</ref> Er wurde als [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer. Ab [[1912]]/[[1913|13]] nannte sich die [[Agitationskommission]] [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]]. Am [[1. November]] [[1913]] wurde [[Heinrich Kürbis]] zum [[Landesvorsitzende/r|Bezirksvorsitzenden]] gewählt und angestellt.<ref>Paetau, Rainer: ''Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925'' (Neumünster 1988), S. 508</ref>
===Sozialistengesetz===
{{Hauptartikel
|Seite=Sozialistengesetz
}}
[[Datei:FB002461.jpg|thumb|right|280px|Hausdurchsuchung im Rahmen des Sozialistengesetzes, um 1879]]
War die Arbeit der Sozialisten vorher schon durch Bürgertum und Obrigkeit nicht besonders gern gesehen, wurde sie zwischen [[1878]] und [[1890]] komplett verboten. Das [[Sozialistengesetz|Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie]] störte die mühsam aufgebaute Parteiorganisation, zerstörte sie jedoch nicht. In der Illegalität wurde sie durch [[Vertrauensperson|Vertrauensmänner]] aufrecht erhalten. Sozialdemokraten wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt oder zur Emigration gezwungen.
 
Selbst diese Unterdrückung konnte nichts ändern an der Attraktivität der Idee der Sozialdemokratie.
 
<blockquote>"Maßnahmen gegen die Bewegung spornten unsere Genossen in einzelnen Orten zur größten Kraftentfaltung an. [[Ortsverein Altona|Altona]], [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]] und [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]] standen im Mittelpunkt der Abwehrbewegung. Als das Ausnahmegesetz [[1890]] fiel, da stand auch in Schleswig-Holstein die Bewegung stärker wie je zuvor da."<ref>''Die Partei in Schleswig-Holstein'', in: ''Sozialdemokratischer Parteitag Kiel 1927'' (Nachdruck Kiel o.O.u.J.)</ref></blockquote>
 
Am [[26. Mai]] [[1888]] trat eine neue Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein in Kraft, durch die sich Kreis-, Amts- und Gemeindegrenzen veränderten.<ref>[http://www.verfassungen.de/sh/kreisordnung1888.htmhttp://www.verfassungen.de/sh/kreisordnung1888.htm Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein vom 26. Mai 1888]</ref> Dies hatte auch Auswirkungen für die im Untergrund arbeitende Parteiorganisation.
 
Auf dem Parteitag in Halle vom [[12. Oktober|12.]]-[[18. Oktober]] [[1890]] gab die [[SAP]] sich ein neues Organisationsstatut, und sie nahm ihren endgültigen Namen an: ''Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)''.
 
===Wilhelminismus===
[[Datei:Louise Zietz.jpg|thumb|180px|left|Luise Zietz]]
Aber auch danach behinderten staatliche Organe die Arbeit von Sozialdemokratie oder Gewerkschaften weiterhin nach Kräften und schikanierten ihre Anhänger. Die rechtliche Ausgrenzung wurde aufgehoben, die gesellschaftliche Ausgrenzung blieb noch lange Zeit bestehen - mit nachhaltigen Auswirkungen auf das Verhältnis der Betroffenen zum Staat. In dieser Zeit bildete sich die sozialdemokratische Arbeiterkultur: [[Sozialdemokratische Zeitungen]] wurden gegründet, weil die Sichtweise der Arbeiter in der bürgerlichen Presse nicht vorkam. In bürgerlichen Vereinen waren Arbeiter als Mitglieder nicht gern gesehen; deshalb gründeten sie eigene [[Arbeitersport|Arbeitersportvereine]], [[:Kategorie:Kultur|Arbeiterkultureinrichtungen]] wie die [[Freie Volksbühne Kiel]] oder den [[Kieler Chor-Verein]]. Eine der beeindruckendsten Schöpfungen der Arbeiterkultur waren die [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Konsumvereine]].
 
[[Frauen- und Gleichstellungspolitik|Frauen]] durften sich bis [[1908]] überhaupt nicht organisieren. Einige mutige Schleswig-Holsteinerinnen wurden trotzdem politisch aktiv - [[Luise Zietz]] war eine der ersten weiblichen Agitatorinnen und gehörte ab [[1908]] als erste Frau dem Parteivorstand an.
 
Das "Verbindungsverbot" untersagte noch bis [[1899]] die Gründung überregionaler politischer Zusammenschlüsse. Deswegen gab es bis [[1891]] keine landesweite Parteiorganisation. Die SPD setzte auf eine Doppelstrategie: Auf lokaler Ebene waren politische Vereine erlaubt, deshalb gründeten sich nach [[1890]] vermehrt Ortsvereine. Überregional sicherten Abgeordnete und [[Vertrauensperson]]en den Zusammenhalt der Partei.<ref>{{Martens-45-59}}, S. 24</ref> Ein Provinzial-Parteitag wählte [[1891]] eine dreiköpfige [[Agitationskommission]] (die schon vorher im Geheimen bestanden hatte) mit [[Heinrich Lienau]] als 1. Vorsitzenden - die erste landesweite sozialdemokratische Organisation in Schleswig-Holstein. Mehr war bis zur Aufhebung des Verbindungsverbots nicht möglich.
 
===Gründung der Bezirksorganisation===
Bereits [[1904]] begann [[Eduard Adler]] aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen "Agitationsbezirks". [[1905]] verabschiedete der Parteitag in Jena ein Organisationsstatut, das weitestgehend den Vorschlägen von [[Eduard Adler]] entsprach: 
 
Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten [[Ortsverein]]e gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte nicht mit dem Statut der Gesamtpartei in Widerspruch stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem [[Provinzialparteitag 1905, Elmshorn|Provinzialparteitag 1905]] berichtet wird. 
 
Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging und sie sehen zunehmend die Unterschiede zwischen ihrer Stadt und der Provinz Schleswig-Holstein. Zwischen [[1904]] und [[1906]] gab es deswegen Diskussionen zwischen beiden Seiten. In einer Urabstimmung über das Organisationsverhältnis zur Provinz beschloss die Hamburger SPD mit 1610 zu 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten."<ref>Vorwärts: [http://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW22291&page=5 Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905]</ref> [[1905]]/[[1906|06]] trennte sich Hamburg von Schleswig-Holstein und gründete eine eigene Agitationskommission.
 
[[1906]] wurde [[Friedrich Bartels]] zum ersten Vorsitzenden des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein gewählt.<ref>{{Martens-45-59}}, S. 24</ref> Er war als [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] besoldet und eher so eine Art Landesgeschäftsführer. Ab [[1912]]/[[1913|13]] nannte sich die Agitationskommission [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]]. Am [[1. November]] [[1913]] wurde [[Heinrich Kürbis]] zum [[Landesvorsitzende/r|Bezirksvorsitzenden]] gewählt und angestellt.<ref>Paetau, Rainer: ''Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925'' (Neumünster 1988), S. 508</ref>
===Der Erste Weltkrieg===
Die Zeit des Wilhelminismus war gesellschaftlich auch durch die Rüstungs- und Flottenpolitik von Kaiser Wilhelm II. geprägt. Die Sozialdemokratie setzte sich dagegen für eine [[Friedenspolitik]] ein.<ref>[[Wilhelm Brecour|Brecour, Wilhelm]]: ''Die [[Kreisverband Kiel|Sozialdemokratische Partei in Kiel]]. Ihre geschichtliche Entwicklung'' (Kiel o. J. [1932]) (Neudruck in ''Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung'', Kiel 1983), Seite I-71</ref> In den Tagen nach der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg [[1914]] berief die [[Landesverband|SPD Schleswig-Holstein]] einen [[Bezirksparteitag 1914, Eckernförde|Bezirksparteitag]] ein. Die Entschließungen des Tages zeigten den Weitblick der Delegierten:
<blockquote>"Die Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein hat gemeinsam mit der deutschen Gesamtpartei und den anderen Parteien in Europa ihr Bestes getan, um den drohenden Weltkrieg zu verhindern und eine friedliche politische Entwicklung der Völker zu Wohlfahrt und Freiheit zu sichern. Wir stellen fest, daß unsere Partei keine Schuld an dem Verderben trifft, das da über die Welt ziehen will; die Verhältnisse dieser kapitalistischen Zeit und deren Konsequenzen waren stärker als die Arbeit unserer Millionen und der Friedenswille mancher Regierenden."<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, S. 54</ref></blockquote>
 
Doch als zwei Tage später die Reichstagsfraktion den von der Regierung beantragten Kriegskrediten zustimmte, stand der Bezirk zunächst an ihrer Seite. Erst nach und nach brach hier, wie überall im Reich, der im Gegenzug vereinbarte "Burgfrieden" (der von den Herrschenden nie eingehalten worden war). Ab [[1916]] wuchs die innerparteiliche Kritik. Im März [[1917]] kam es dann zur Abspaltung der [[USPD|Unabhängigen SPD (USPD)]]. Ihre Hochburgen in Schleswig-Holstein wurden [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]], [[Ortsverein Bordesholm|Bordesholm]], [[Ortsverein Altona|Altona]], [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]], [[Ortsverein Schleswig|Schleswig]] und [[Ortsverein Eckernförde|Eckernförde]].<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, S. 56</ref>
 
===Arbeiter- und Matrosenaufstand===
{{Hauptartikel
|Seite=Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand
}}
Mit der Verschlechterung der Versorgungslage und dem immer sinnloser werdenden Sterben an der Front wuchs der Widerstand in der Bevölkerung. Ab Januar [[1918]] kam es vermehrt zu Streiks, im November [[1918]] dann zum [[Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]. Mit Unterstützung von Gewerkschaften, SPD und [[USPD]] breitete er sich binnen Tagen über das Reich aus, wurde zur Novemberrevolution, die dem Kaiserreich ein Ende setzte.
 
==Weimarer Republik==
[[Datei:Sekretärs-Kurs in Probstzella 1927.png|thumb|left|300px|III. Sekretärs-Kurs in Probstzella/Thür., möglicherweise mit Willy Verdieck (4. rechts von der Frau Mitte vorn) und Karl Meitmann (links vorn auf der 1. Treppenstufe, mit Fliege)]]Im November [[1918]] wurde [[Heinrich Kürbis]] Beigeordneter beim Oberpräsidenten und im März [[1919]] selbst Oberpräsident. Daher übernahm am [[29. Januar]] [[1919]] [[Carl F. Alps]] aus [[Ortsverein Itzehoe|Itzehoe]] provisorisch den Bezirksvorsitz. Im Juli [[1919]] wurde dann [[Rudolf Hackelberg]] zum Bezirkssekretär gewählt. Er muss spätestens [[1920]]/[[1921|21]] die Geschäfte an [[Willy Verdieck]] übergeben haben, der vom [[Bezirksparteitag 1921, Altona|Bezirksparteitag 1921]] in seinem Amt bestätigt wurde.<ref>Jacobsen, Jens-Christian; ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay17.pdf 'Der Stolz der Gesamtpartei?' Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933]''. In: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), Seite 211</ref> Er füllte das Amt bis zum erneuten Verbot der Partei [[1933]] aus. Allerdings stellte der Bezirksverband [[1926]] [[Karl Meitmann|'Jack' Meitmann]] als hauptamtlichen Parteisekretär ein.<ref>HM [Holger Martens]: [http://lebensgeschichten.avs-hh.de/index.php?id=86 Karl Meitmann in der Datenbank AvS]</ref>
<blockquote>"Die schleswig-holsteinische SPD zeichnete sich [während der Weimarer Republik] nicht nur durch vergleichsweise gute Wahlergebnisse aus, sondern auch durch eine hohe personelle Kontinuität [...] der Bezirksorganisationsspitze."<ref>{{Martens-45-59}}, S. 25</ref></blockquote>
 
Reichspräsident [[Friedrich Ebert]] sagte in einer Ansprache vor Sozialdemokraten am [[4. September]] [[1922]] in Kiel:
<blockquote>"Es war nicht nur meine Auffassung, sondern auch die der gesamten Parteileitung, insbesondere unserer Alten, [[August Bebel|Bebel]], [[Paul Singer|Singer]], daß die Parteibewegung in Schleswig-Holstein eine der besten deutschen Bezirke ist, nicht nur ihrem Umfang und ihrer straffen, in sich gefestigten Organisation nach, sondern auch nach der ganzen geistigen Einstellung der Parteibewegung in Schleswig-Holstein. Es ist hier theoretisch und praktisch immer eine sehr intensive Schulung der Parteigenossen erfolgt und damit sehr früh den staatspolitischen Notwendigkeiten bei der hiesigen Parteigenossenschaft der Weg bereitet worden ... So war es möglich, daß in all den Stürmen ... die Parteiorganisation immer in sich geschlossen und gefestigt blieb und daß sie eine Reihe von Leuten hervorgebracht hat, die auch unseren Pflichten und Aufgaben im staatlichen Leben gerecht zu werden verstanden."<ref>Zitiert nach: {{Osterroth-100-Jahre}}, S. 3</ref></blockquote>
 
Der Erfolg der Weimarer Republik hing nach Meinung der SPD auch davon ab, wie gut es gelänge, die Verwaltung zu demokratisieren. Da Sozialdemokraten der Weg in die Verwaltung bislang auf vielfache Art schwer gemacht worden war, gab es wenig Erfahrung und Vorbilder. Abhilfe sollte in Schleswig-Holstein unter anderem die [[Arbeitervolkshochschule Harrisleefeld|Arbeitervolkshochschule]] schaffen<ref>Jacobsen, Jens-Christian (1988) ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay17.pdf 'Der Stolz der Gesamtpartei?' Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933]''. In: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 211</ref>, die aber erst [[1928]] eröffnet werden konnte und im Februar [[1933]] von den Nazis geschlossen wurde.
 
Die Reste der seit [[1920]] zerfallenden [[USPD]] kehrten auf dem Parteitag von [[1922]] bis auf einige wenige Köpfe in die SPD zurück. Der größere Teil hatte sich schon [[1920]] der mittlerweile gegründete KPD angeschlossen.
 
Da vermutlich das [[Gewerkschaftshaus Kiel|Gewerkschaftshaus]] für die wachsende Organisation nicht mehr genügend Raum bot, musste der Bezirksverband ausweichen. [[Karl Rickers]], damals in der [[SAJ|Sozialistischen Arbeiterjugend]], erinnert sich an Besuche bei seinem Jugendsekretär:
<blockquote>"[<nowiki/>[[Wilhelm Kuklinski|Wilhelm Kuklinskis]]] Büro lag in der Flämischen Straße in der Kieler Altstadt, als eines der etwa fünf oder sechs Büroräume des SPD-Bezirks; der [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Ortsverein Kiel der SPD]] residierte hingegen im angestammten [[Gewerkschaftshaus Kiel|Gewerkschaftshaus]]. Der Bezirksverband aber hatte Räume in einem der alten, dunklen Häuser aus der Barock- oder Nachbarockzeit gemietet, die es damals noch gab. Es ging durch ein altes Treppenhaus in engem Viereck nach oben. Wir wußten, daß hier alle Parteisekretäre ihre Büros hatten, z.B. [[Theodor Werner]], der die Gemeindepolitik und gleichzeitig die Parteikasse betreute - vielleicht auch war letzteres in den Händen von [[Paul Andratschke|Andratzke]] (sic!).<ref>Rickers, Karl: ''Erlebte Weimarer Republik. Erinnerungen eines Kielers aus den Jahren zwischen 1918 und 1933.'' In: Paetau, Rainer / Rüdel, Holger (Hrsg.): ''Arbeiter und Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein im 19. und 20. Jahrhundert'' (Neumünster 1987) ISBN 3-529-02913-0, S. 351</ref></blockquote>[[Datei:Fahne Reichsbanner Kiel-Hassee.jpg|280px|thumb|right|Fahne des Reichsbanners Kiel-Hassee]]Als Reaktion auf die zahlreichen politischen Morde, Putsch- und Aufstandsversuche in den Anfangsjahren der Weimarer Republik wurde [[1924]] das [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold]] gegründet. Überall formierten sich Ortsgruppen, vorwiegend aus Sozialdemokraten, die auch notfalls mit Gegenwehr gegen ihre gewaltbereiten Feinde die Demokratie schützen wollten.
 
Vom [[31. Mai]] bis [[5. Juni]] [[1931]] fand in Leipzig der Parteitag statt. Für Schleswig-Holstein nahmen als Delegierte teil [[Karl Andritzke]], [[Louis Biester]], [[August Blume]], [[Friedrich Böttcher]], [[Karl Bugdahn]], [[Paul Dölz]], [[Emma Drewanz]], [[Friedrich Hansen]], [[Richard Hansen]], [[Heinrich Hauschildt]], [[Toni Jensen]], [[Walter Lamp'l]], [[Karl Langebeck]], [[Max Schmidt]], [[Wilhelm Schweizer]], [[Willy Verdieck]] und [[Grete Wöhrmann]].<ref>{{Martens-45-59}}, S. 239</ref> Niemand ahnte, dass dies der letzte reichsweite Parteitag war; der nächste sollte die Reichskonferenz von Wennigsen am [[5. Oktober|5.]]/[[6. Oktober]] [[1945]] im drastisch verkleinerten und faktisch schon geteilten Deutschland sein.
 
Gegen Ende der Weimarer Republik kam es immer häufiger zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Nazis, aber auch mit Kommunisten. Es gab Tote. So wurden [[1932]] in [[Ortsverein Harrislee|Harrislee]] der Sozialdemokrat [[Julius Zehr]] von einem SA-Mann erschossen, in [[Ortsverein Eckernförde|Eckernförde]] die Landarbeiter [[Hinrich Junge]] und [[Johann Buhs]] bei einem Überfall auf das Gewerkschaftshaus ermordet. In [[Kreisverband Lübeck|Lübeck]] geriet [[Julius Leber]] im Februar [[1933]] in eine Auseinandersetzung, in der in Notwehr einer seiner Begleiter einen SA-Mann erstach. In den braunen Hochburgen wie [[Ortsverein Eutin|Eutin]] und [[Ortsverein Kaltenkirchen|Kaltenkirchen]] litten die Genossen unter Dauerterror. Sie waren in einen Abwehrkampf verwickelt, sahen die Erfolge der Nazis, deren Vorgehen und ahnten, was sie erwartete, wenn die Nazis an die Macht kommen sollten.
 
==Nationalsozialismus==
{{Hauptartikel
|Seite=Widerstand in der NS-Zeit
}}
[[Datei:Stolperstein Wilhelm Spiegel.jpg|thumb|280px|left|Stolperstein für Wilhelm Spiegel, eins der ersten sozialdemokratischen Opfer der Nazis in Kiel]]
Am [[22. Juni]] [[1933]] wurde die SPD von den Nationalsozialisten verboten. Vielerorts wurden [[:Kategorie:Fahne|Parteifahnen]] und Unterlagen vergraben oder - wie beim [[Ortsverein Schleswig]] - eingemauert, damit man sie später wieder hervorholen und dort weitermachen konnte, wo die Arbeit unterbrochen worden war.
 
Eine Reihe von Mitgliedern aus Schleswig-Holstein floh ins Ausland - am bekanntesten dürfte [[Willy Brandt]] (damals schon zur [[Sozialistische Arbeiterpartei (1931)|SAP]] gewechselt) sein, weitere waren [[Lisa Hansen|Lisa]] und [[Richard Hansen]], [[Franz Osterroth]], [[Willy Busch]] und [[Hans E. Hansen]]. Andere, wie [[Andreas Gayk|Frieda und Andreas Gayk]] oder [[Anne Brodersen|Anne]] und [[Niels Brodersen]], zogen nach Berlin, um in der Anonymität der Großstadt unterzutauchen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Widerstand zu leisten. Auch in der Provinz organisierten Sozialdemokraten in dieser Zeit Widerstand, ebenso wie Kommunisten und viele Konservative und religiöse Menschen. Die schleswig-holsteinischen Genossen hielten engen Kontakt zu den nach Skandinavien Emigrierten.
 
Viele wurden [[Liste der sozialdemokratischen Opfer 1933-1945|von den Nazis umgebracht]]. Zahlreiche bekannte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wurden nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler [[1944]] im Rahmen der "[[Aktion Gewitter]]" verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt. Das berühmteste Beispiel eines schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten im Widerstand ist wohl der Wahl-Lübecker [[Julius Leber]]. Bei seiner Aburteilung vor dem Volksgerichtshofs sagte er:
<blockquote>"Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis. Wir haben getan, was in unserer Macht stand."</blockquote>
 
Andere blieben und versuchten, unter der Gewaltherrschaft zu überleben. Wer zum Kriegsdienst eingezogen wurde und ihn überlebte, kam danach oft in Gefangenschaft. Erst nach ihrer Freilassung konnten etwa [[Walter Damm]] oder [[Hans Schröder]] die SPD in Schleswig-Holstein wieder mit aufbauen.


*Siehe auch: [[Liste der sozialdemokratischen Todesopfer 1933-1945]]
Mit dem Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] im Jahr [[1914]] und der Burgfriedenpolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der [[Weimarer Republik]] entscheidend schwächen sollte.
==Siehe auch==
*[[Provinzialparteitage bis 1918]]


==Literatur==
==Literatur==
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*Rüdel, Holger: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay05.pdf Ein schwieriger Start. Zur Frühgeschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 77-85
*Rüdel, Holger: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay05.pdf Ein schwieriger Start. Zur Frühgeschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 77-85
*[[Rolf Schulte|Schulte, Rolf]] / [[Jürgen Weber|Weber, Jürgen]]: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay23.pdf Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'', 3(1988), S. 307-317
*[[Rolf Schulte|Schulte, Rolf]] / [[Jürgen Weber|Weber, Jürgen]]: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay23.pdf Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'', 3(1988), S. 307-317
*Trautmann, Günter: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010249 Liberalismus, Arbeiterbewegung und Staat in Hamburg und Schleswig-Holstein 1862 - 1869]'' In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 15 (1975) Seite 51 - 110
*Strommenger, Anna: ''[https://library.fes.de/pdf-files/adsd/19674.pdf "Heimat Arbeiterbewegung"? Zwischen sozialdemokratischer Selbstbeschreibung im Kaiserreich und nostalgischer Rückprojektion in der Weimarer Republik]'', in: Kohäsionskräfte in der deutschen Sozialdemokratie vor 1914, Bonn (2022), Seite 53-66
*Trautmann, Günter: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010249 Liberalismus, Arbeiterbewegung und Staat in Hamburg und Schleswig-Holstein 1862 - 1869]'' In: ''Archiv für Sozialgeschichte'', Band 15 (1975), Seite 51-110
 
==Archive==
*Unterlagen des Bezirksvorstands wurden zu Beginn der NS-Diktatur beschlagnahmt und befinden sich heute im Bestand des Landesarchivs Abt. 384.1<ref>Schreiben 395/2016 des Leitenden Archivdirektors Prof. Dr. Dr. Rainer Hering an den SPD-Landesverband, Ralf Stegner, vom 10.2.2016</ref>
*Unterlagen des Bezirksvorstands wurden zu Beginn der NS-Diktatur beschlagnahmt und befinden sich heute im Bestand des Landesarchivs Abt. 384.1<ref>Schreiben 395/2016 des Leitenden Archivdirektors Prof. Dr. Dr. Rainer Hering an den SPD-Landesverband, Ralf Stegner, vom 10.2.2016</ref>


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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
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Version vom 21. Februar 2026, 21:20 Uhr

Schleswig-Holstein als Teil von Preußen

Der Bezirksverband Schleswig-Holstein war die Vorgängerorganisation des Landesverbandes. Er umfasste von 1905 bis zum Verbot der SPD durch die Nazis 1933 das Gebiet des Landesverbandes ohne die Freie und Hansestadt Lübeck, aber mit den Städten Altona und Wandsbek im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von 1920 dauerhaft dänisch wurde. Auch das Fürstentum Lübeck zählte dazu, obwohl der Landesteil verwaltungsmäßig nicht zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum Oldenburg gehörte.

Nach der Neugründung 1945 trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "Bezirksverband".

Lex Hohenlohe im Reichsgesetzblatt, 1899

Das Verbindungsverbot wurde kurz vor der Jahrhundertwende aufgehoben. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich Gesetz betreffend das Vereinswesen. Es trat am 11. Dezember 1899 (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:

"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."

Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen Bezirk gründete, einen Bezirksvorstand wählte und einen ersten Parteisekretär einstellte.

1904 begann Eduard Adler aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen "Agitationsbezirks". 1905 verabschiedete der Parteitag in Jena ein Organisationsstatut, das weitestgehend den Vorschlägen von Eduard Adler entsprach:

Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten Ortsvereine gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem Provinzialparteitag 1905 berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.

Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem Fürstentum Lübeck und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr 1904 in 57 Ortsvereine untergliedert, das Fürstentum Lübeck in fünf.[1]

Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher 1905 in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.[2] Am 1. Juli 1905 gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg und das Fürstentum Lübeck. Die SPD in der Freien Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene Landesorganisation.

1906 übernahm Friedrich Bartels den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.[3] Er wurde als Parteisekretär besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer. Ab 1912/13 nannte sich die Agitationskommission Bezirksvorstand. Am 1. November 1913 wurde Heinrich Kürbis zum Bezirksvorsitzenden gewählt und angestellt.[4]

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 und der Burgfriedenpolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der Weimarer Republik entscheidend schwächen sollte.

Siehe auch

Literatur

Hauptartikel: Literatur zur Geschichte der Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein

Nur wenig Literatur beschäftigt sich mit der Geschichte des Landesverbands insgesamt:

Archive

  • Unterlagen des Bezirksvorstands wurden zu Beginn der NS-Diktatur beschlagnahmt und befinden sich heute im Bestand des Landesarchivs Abt. 384.1[5]

Links

Einzelnachweise

  1. Lübecker Volksbote, 3. September 1904, S. 5
  2. Vorwärts Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905
  3. Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 24
  4. Paetau, Rainer: Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925 (Neumünster 1988), S. 508
  5. Schreiben 395/2016 des Leitenden Archivdirektors Prof. Dr. Dr. Rainer Hering an den SPD-Landesverband, Ralf Stegner, vom 10.2.2016