Dolly Franke: Unterschied zwischen den Versionen

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Dolly Franke wuchs in Kiel, in der Gerhardstraße, zusammen mit einer Schwester und einem Bruder auf. Ihr Vater war Schlachter, ihre Mutter Hausfrau. Die Familie hatte eine 2-Zimmer Wohnung, die Toilette war auf halber Treppe. Solange sie zu Hause wohnte, hatte sie kein eigenes Bett. Sie musste es sich mit ihrer Schwester teilen.
Dolly Franke wuchs in Kiel, in der Gerhardstraße, zusammen mit einer Schwester und einem Bruder auf. Ihr Vater war Schlachter, ihre Mutter Hausfrau. Die Familie hatte eine 2-Zimmer Wohnung, die Toilette war auf halber Treppe. Solange sie zu Hause wohnte, hatte sie kein eigenes Bett. Sie musste es sich mit ihrer Schwester teilen.


Nach der Grundschule besuchte sie die Mittelschule. Daran schloss sich die einjährige Handelsschule an, die sie [[1930]] beendete. Trotz hervorragender Noten dauerte es etwa ein Jahr, bis sie eine Anstellung bei einer Versicherung in der Bergstraße fand. Sie arbeitete als Stenotypistin.
Nach der Grundschule besuchte sie die Mittelschule. Daran schloss sich die einjährige höhere Handelsschule an, die sie [[1930]] beendete. Trotz hervorragender Noten dauerte es etwa ein Jahr, bis sie eine Anstellung bei einer Versicherung in der Bergstraße fand. Sie arbeitete als Stenotypistin.


[[1936]] heiratete sie, wegen eines Ehestandsdarlehens musste sie ihre Tätigkeit bei der Versicherung aufgeben. [1937]]/[[1938]] begann sie dann eine Stelle beim Verband der Genossenschaften. Bis [[1953]] hat sie für den Genossenschaftsverband die Prüfungsberichte geschrieben, zeitweise in Heimarbeit. [1940]] wurde ihr Sohn [[Holger Franke]] geboren. Ihr Mann war Berufssoldat und bei der Marine. Zeitweise lebte sie mit ihrem Sohn in Neustrelitz, Mecklenburg, seit ihr Mann dort ein Landkommando hatte. Das Kriegsende erlebte sie in Kiel, in der Ahlmannstraße. Ihr Mann war zeitweilig in englischer Kriegsgefangenschaft in einem Lager in Malckwitz in der Nähe von Malente. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete er zunächst als Schlosser und hat Torf gestochen. Später ist er wieder zur See gefahren, diesmal bei der Handelsmarine. Er kam auf tragische Art und Weise bereits [[1956]] ums Leben.<ref>Soweit nichts anders angegeben, beruht dieser Eintrag auf Angaben in einem Interview mit Dolly Franke, durchgeführt am 14.08.1984 von Maren Wichmann, Politologie-Studentin, Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung</ref>
[[1936]] heiratete sie Kurt Franke. Ihr Mann, [[1909]] geboren, stammte aus Halberstadt und war Berufssoldat. Wegen eines Ehestandsdarlehens musste sie ihre Tätigkeit bei der Versicherung aufgeben. [[1937]]/[[1938]] bekam sie dann eine Stelle beim Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften. [[1940]] wurde ihr Sohn [[Holger Franke]] geboren. Ihr Mann war bei der Marine. Zeitweise lebte sie während des Krieges mit ihrem Sohn in Neustrelitz, Mecklenburg, seit ihr Mann dort ein Landkommando hatte. Das Kriegsende erlebte sie aber in Kiel, in der Ahlmannstraße. Die 2-Zimmer-Wohnung musste sie sich mit einer anderen Frau, die ebenfalls ein Kind hatte, zeitweilig teilen. Ihr Mann war in englische Kriegsgefangenschaft geraten, in einem Lager in Malckwitz in der Nähe von Malente. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete er zunächst als Schlosser und hat Torf gestochen. Später ist er wieder zur See gefahren, diesmal bei der Handelsmarine. Er kam auf tragische Art und Weise bereits [[1956]] ums Leben. Auch nach dem Krieg hat sie bis [[1953]] für den Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften die Prüfungsberichte geschrieben, zeitweise in Heimarbeit. Von [[1953]] bis [[1967]] war sie Geschäftsführerin der SPD-Ratsherrenfraktion.  <ref>Soweit nichts anders angegeben, beruht dieser Eintrag auf Angaben in einem Interview mit Dolly Franke, durchgeführt am 14.08.1984 von Maren Wichmann, Politologie-Studentin, Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung, das sich im Besitz von Holger Franke befindet</ref>


== Partei &  Politik==
== Partei &  Politik==
Dolly Franke wuchs in einem sozialdemokratischen Haushalt auf. Die Eltern waren organisiert, in der Gewerkschaft und der Partei.Die Familie lebte in einem sozialdemokratisch geprägten Umfeld: Gelesen wurde zu Hause die [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung]] VZ und die Gewerkschaftszeitung. Gewohnt in einer Genossenschaftswohnung. Die Kinder wurden Mitglied in einem Arbeiterturnverein. Für den Sterbefall war man versichert in einem Bestattungsverein, aus dem die Volksfürsorge-Versicherung hervorging. Das ging so, bis die Nazis [[1933]] alles verboten und zerstörten.
Dolly Franke wuchs in einem sozialdemokratischen Haushalt auf. Die Eltern waren organisiert in der Gewerkschaft und der Partei. Die Familie lebte in einem sozialdemokratisch geprägten Umfeld: Gelesen wurde zu Hause die [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung]] VZ und die Gewerkschaftszeitung. Gewohnt in einer Genossenschaftswohnung. Die Kinder wurden Mitglied in einem Arbeiterturnverein. Für den Sterbefall war man versichert in einem Bestattungsverein, aus dem die damals gewerkschaftseigene Volksfürsorge-Versicherung hervorging. Das ging so, bis die Nazis [[1933]] alles verboten und zerstörten.
   
   
[[1925]]/[[1926]] wurde sie Mitglied bei der Kinderfreunde-Bewegung ([[Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde]]). Mit 16 wurde sie Mitglied bei der [[SAJ]], mit 18, [[1931]], Mitglied in der SPD. Während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit von [[1930]]-[[1931]] arbeitete sie ehrenamtlich im Parteibüro der SPD.
[[1925]]/[[1926]] wurde sie Mitglied bei der Kinderfreunde-Bewegung ([[Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde]]). Mit 16 Mitglied bei der [[Sozialistische Arbeiterjugend]] (SAJ), mit 18, [[1931]], Mitglied in der SPD. Während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit von [[1930]]-[[1931]] arbeitete sie ehrenamtlich im Parteibüro der SPD.


Zusammen mit ihrer Schwester, ihr Bruder war zu jung, nahm sie an der [[Kinderrepublik Seekamp]] teil. Sie wurde Hordenführerin und ins Lagerparlament gewählt. Auch an den nachfolgenden Kinderrepubliken nahm sie teil.  
Zusammen mit ihrer Schwester, ihr Bruder war zu jung, nahm sie an der [[Kinderrepublik Seekamp]] teil. Sie wurde Hordenführerin und ins Lagerparlament gewählt. Auch an den nachfolgenden Kinderrepubliken nahm sie teil.


Über die Nazis hatte sie sich nie Illusionen gemacht. Sie hatte ''Mein Kampf'' gelesen und ahnte zumindest, was auf sie zukommen würde. Sie war nie in einer NS-Organisation.
Bei einer Versammlung von Junghelfern der Kinderfreunde lernte sie [[1928]] [[Willy Brandt]] kennen. [[1929]] leiteten sie gemeinsam ein Zeltlager in Brodten bei Lübeck und kamen sich dabei ein wenig näher. Nach dem Krieg schrieben sie sich noch 10 Jahre Briefe. Als [[Willy Brandt]] [[1968]] anlässlich einer Schiffstaufe Kiel besuchte, wurde er von einem Reporter gefragt, was ihn mit der Landeshauptstadt verbinde. Seine Antwort: " eigentlich nichts, bis auf den Umstand, dass ich hier meine erste Freundin kennengelernt habe".<ref>Kieler Nachrichten vom 10.10.1992</ref>


Nach dem Krieg wurde sie schnell wieder aktiv. Sie engagierte sich viele Jahre in der Kieler Kommunalpolitik.
Über die Nazis hatte sie sich nie Illusionen gemacht. Sie hatte ''Mein Kampf'' gelesen und ahnte zumindest, was auf sie zukommen würde. Sie war nie in einer NS-Organisation. Es ging ihr und ihrer Famalie darum, diese schreckliche Zeit - sie wusste z.B., dass es Konzentrationslager gab - zu überleben und nicht hineinkommen zu wollen in das System.
 
Nach dem Krieg wurde sie, wie eine ganze Reihe anderer Genossinnen und Genossen, die die Nazi-Zeit überstanden hatten wie z.B. [[Andreas Gayk]], [[Gustav Schatz]], [[Hermann Köster]] und [[Rosa Wallbaum]], schnell wieder politisch aktiv. Die "sozialdemokratische Parallelwelt", wie sie in der Weimarer Republik existiert hatte, entstand zwar nicht wieder. Die neu gegründete Bundesrepublik als demokratischer und sozialer Rechtsstaat bot aber viele Gestaltungsmöglichkeiten. Dolly Franke engagierte sich viele Jahre in der Kieler Kommunalpolitik:
[[Datei:Dolly Franke Kandidatenbrief zur KW 1970.jpg|300px|thumb|right|Der Kandidatenbrief von Dolly Franke zur Kommunalwahl 1970]]
[[Datei:1959 Weiberwirtschaft in der Ratsversammlung.jpg|300px|thumb|left|"Weiberwirtschaft" in der Ratsversammlung: 1959 war Ida Hinz (links) stellv. Stadtpräsidentin, Dolly Franke redete und Rosa Wallbaum war Schriftführerin]]
[[Datei:1959 Weiberwirtschaft in der Ratsversammlung.jpg|300px|thumb|left|"Weiberwirtschaft" in der Ratsversammlung: 1959 war Ida Hinz (links) stellv. Stadtpräsidentin, Dolly Franke redete und Rosa Wallbaum war Schriftführerin]]
[[Datei:Albert Witte und Dolly Franke 19.11.1985.jpg|300px|thumb|right|Albert Witte, früherer persönlicher Referent von Andreas Gayk, und Dolly Franke im Gespräch bei der Feier der SPD anlässlich des 40. Jahrestages der Wiedergründung der Kieler SPD]]
[[Datei:Albert Witte und Dolly Franke 19.11.1985.jpg|300px|thumb|left|Albert Witte, früherer persönlicher Referent von Andreas Gayk, und Dolly Franke im Gespräch bei der Feier der SPD anlässlich des 40. Jahrestages der Wiedergründung der Kieler SPD]]
*[[1951]]-[[1974]] Ratsfrau (damals "Ratsherrin"), [[1959]]-[[1966]] für Suchsdorf über die Liste  
*[[1951]]-[[1974]] Ratsfrau (damals "Ratsherrin"), [[1959]]-[[1966]] für Suchsdorf über die Liste  
*[[1959]]-[[1966]] im Ortsbeirat Suchsdorf
*[[1959]]-[[1966]] im Ortsbeirat Suchsdorf
*verlor [[1966]] die Nominierung gegen [[Karl-Heinz Luckhardt]] um das Suchsdorfer Direktmandat. Stattdessen kandidierte sie im Wahlkreis 2 Altstadt.
*verlor [[1966]] die Nominierung gegen [[Karl-Heinz Luckhardt]] um das Suchsdorfer Direktmandat. Stattdessen kandidierte sie im Wahlkreis 2 Altstadt.
*14 Jahre Geschäftsführerin der [[Kreisverband Kiel|Kieler]] Ratsfraktion
*sie war Mitglied u.a. im Jugendwohlfahrtsausschuß, Personalausschuß und Fremdenverkehrsausschuß
*sie war Mitglied u.a. im Jugendwohlfahrtsausschuß, Personalausschuß und Fremdenverkehrsausschuß
*engagiert in der SPD-Frauenarbeit  
*engagiert in der SPD-Frauenarbeit  
*mit Elisabeth Vormeyer (CDU) war sie an der Einrichtung der Kieler Eheberatungsstelle beteiligt.
*mit Elisabeth Vormeyer (CDU) war sie an der Einrichtung der Kieler Eheberatungsstelle beteiligt.
[[Datei:Dolly Franke Kandidatenbrief zur KW 1970.jpg|300px|thumb|left|Der Kandidatenbrief von Dolly Franke zur Kommunalwahl 1970]]


== Sonstiges ==
== Sonstiges ==

Aktuelle Version vom 31. März 2025, 18:35 Uhr

Dolly Franke
Dolly Franke
Dolly Franke
Geboren: 7. Juni 1913
Gestorben: 27. Juli 1993

Dorothea "Dolly" Elisabeth Franke (geb. Elwig), * 7. Juni 1913 in Kiel, † 27. Juli 1993 in Kiel; verwitwet, ein Sohn. Mitglied der SPD seit 1931

Leben & Beruf

Dolly Franke wuchs in Kiel, in der Gerhardstraße, zusammen mit einer Schwester und einem Bruder auf. Ihr Vater war Schlachter, ihre Mutter Hausfrau. Die Familie hatte eine 2-Zimmer Wohnung, die Toilette war auf halber Treppe. Solange sie zu Hause wohnte, hatte sie kein eigenes Bett. Sie musste es sich mit ihrer Schwester teilen.

Nach der Grundschule besuchte sie die Mittelschule. Daran schloss sich die einjährige höhere Handelsschule an, die sie 1930 beendete. Trotz hervorragender Noten dauerte es etwa ein Jahr, bis sie eine Anstellung bei einer Versicherung in der Bergstraße fand. Sie arbeitete als Stenotypistin.

1936 heiratete sie Kurt Franke. Ihr Mann, 1909 geboren, stammte aus Halberstadt und war Berufssoldat. Wegen eines Ehestandsdarlehens musste sie ihre Tätigkeit bei der Versicherung aufgeben. 1937/1938 bekam sie dann eine Stelle beim Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften. 1940 wurde ihr Sohn Holger Franke geboren. Ihr Mann war bei der Marine. Zeitweise lebte sie während des Krieges mit ihrem Sohn in Neustrelitz, Mecklenburg, seit ihr Mann dort ein Landkommando hatte. Das Kriegsende erlebte sie aber in Kiel, in der Ahlmannstraße. Die 2-Zimmer-Wohnung musste sie sich mit einer anderen Frau, die ebenfalls ein Kind hatte, zeitweilig teilen. Ihr Mann war in englische Kriegsgefangenschaft geraten, in einem Lager in Malckwitz in der Nähe von Malente. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete er zunächst als Schlosser und hat Torf gestochen. Später ist er wieder zur See gefahren, diesmal bei der Handelsmarine. Er kam auf tragische Art und Weise bereits 1956 ums Leben. Auch nach dem Krieg hat sie bis 1953 für den Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften die Prüfungsberichte geschrieben, zeitweise in Heimarbeit. Von 1953 bis 1967 war sie Geschäftsführerin der SPD-Ratsherrenfraktion. [1]

Partei & Politik

Dolly Franke wuchs in einem sozialdemokratischen Haushalt auf. Die Eltern waren organisiert in der Gewerkschaft und der Partei. Die Familie lebte in einem sozialdemokratisch geprägten Umfeld: Gelesen wurde zu Hause die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung VZ und die Gewerkschaftszeitung. Gewohnt in einer Genossenschaftswohnung. Die Kinder wurden Mitglied in einem Arbeiterturnverein. Für den Sterbefall war man versichert in einem Bestattungsverein, aus dem die damals gewerkschaftseigene Volksfürsorge-Versicherung hervorging. Das ging so, bis die Nazis 1933 alles verboten und zerstörten.

1925/1926 wurde sie Mitglied bei der Kinderfreunde-Bewegung (Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde). Mit 16 Mitglied bei der Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ), mit 18, 1931, Mitglied in der SPD. Während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit von 1930-1931 arbeitete sie ehrenamtlich im Parteibüro der SPD.

Zusammen mit ihrer Schwester, ihr Bruder war zu jung, nahm sie an der Kinderrepublik Seekamp teil. Sie wurde Hordenführerin und ins Lagerparlament gewählt. Auch an den nachfolgenden Kinderrepubliken nahm sie teil.

Bei einer Versammlung von Junghelfern der Kinderfreunde lernte sie 1928 Willy Brandt kennen. 1929 leiteten sie gemeinsam ein Zeltlager in Brodten bei Lübeck und kamen sich dabei ein wenig näher. Nach dem Krieg schrieben sie sich noch 10 Jahre Briefe. Als Willy Brandt 1968 anlässlich einer Schiffstaufe Kiel besuchte, wurde er von einem Reporter gefragt, was ihn mit der Landeshauptstadt verbinde. Seine Antwort: " eigentlich nichts, bis auf den Umstand, dass ich hier meine erste Freundin kennengelernt habe".[2]

Über die Nazis hatte sie sich nie Illusionen gemacht. Sie hatte Mein Kampf gelesen und ahnte zumindest, was auf sie zukommen würde. Sie war nie in einer NS-Organisation. Es ging ihr und ihrer Famalie darum, diese schreckliche Zeit - sie wusste z.B., dass es Konzentrationslager gab - zu überleben und nicht hineinkommen zu wollen in das System.

Nach dem Krieg wurde sie, wie eine ganze Reihe anderer Genossinnen und Genossen, die die Nazi-Zeit überstanden hatten wie z.B. Andreas Gayk, Gustav Schatz, Hermann Köster und Rosa Wallbaum, schnell wieder politisch aktiv. Die "sozialdemokratische Parallelwelt", wie sie in der Weimarer Republik existiert hatte, entstand zwar nicht wieder. Die neu gegründete Bundesrepublik als demokratischer und sozialer Rechtsstaat bot aber viele Gestaltungsmöglichkeiten. Dolly Franke engagierte sich viele Jahre in der Kieler Kommunalpolitik:

Der Kandidatenbrief von Dolly Franke zur Kommunalwahl 1970
"Weiberwirtschaft" in der Ratsversammlung: 1959 war Ida Hinz (links) stellv. Stadtpräsidentin, Dolly Franke redete und Rosa Wallbaum war Schriftführerin
Albert Witte, früherer persönlicher Referent von Andreas Gayk, und Dolly Franke im Gespräch bei der Feier der SPD anlässlich des 40. Jahrestages der Wiedergründung der Kieler SPD
  • 1951-1974 Ratsfrau (damals "Ratsherrin"), 1959-1966 für Suchsdorf über die Liste
  • 1959-1966 im Ortsbeirat Suchsdorf
  • verlor 1966 die Nominierung gegen Karl-Heinz Luckhardt um das Suchsdorfer Direktmandat. Stattdessen kandidierte sie im Wahlkreis 2 Altstadt.
  • sie war Mitglied u.a. im Jugendwohlfahrtsausschuß, Personalausschuß und Fremdenverkehrsausschuß
  • engagiert in der SPD-Frauenarbeit
  • mit Elisabeth Vormeyer (CDU) war sie an der Einrichtung der Kieler Eheberatungsstelle beteiligt.

Sonstiges

Sie war

  • Mitglied in der Arbeiterwohlfahrt AWO,
  • Mitglied in der Deutschen Angestelltengewerkschaft DAG,
  • Mitglied im Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen e.V., heute Sozialverband Deutschland SoVD,
  • Mitglied im Deutschen Jugendherbergswerk DJH,
  • langjähriges Vorstandsmitglied des Kieler Stadtklosters,

Literatur

Einzelnachweise

  1. Soweit nichts anders angegeben, beruht dieser Eintrag auf Angaben in einem Interview mit Dolly Franke, durchgeführt am 14.08.1984 von Maren Wichmann, Politologie-Studentin, Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung, das sich im Besitz von Holger Franke befindet
  2. Kieler Nachrichten vom 10.10.1992