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Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 21:52 Uhr
| Jürgen Jürgensen |
Jürgen Rudolf Johann Jürgensen, * 24. Juli 1883 in Langholz (Waabs), † 31. August 1950 in Schönkirchen; Gewerkschafter und Politiker, Mitglied der SPD ab 1905; ab 1917 USPD; ab 1922 wieder SPD.
Leben & Beruf
Jürgen Jürgensen war der Sohn des Fischers Friedrich Jürgensen (* 1859, † 26. Januar 1906 vor Malmö), der ab 1883 im Holzhandel mit Schweden tätig war. Nach der Volksschule arbeitete Jürgen Jürgensen zunächst als Landarbeiter auf großen Gütern, später in einem Baubetrieb. Ab 1912 war er Inhaber eines Pfeifen- und Tabakgeschäfts in Eckernförde. Jürgen Jürgensen war verheiratet mit Katharina (genannt Christine) Jürgensen, die als eine der ersten weiblichen Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung von Eckernförde tätig war. Sein Sohn Nikolaus Jürgensen wurde ebenfalls Politiker.[1]
Er starb im Alter von 67 Jahren 1950 in Schönkirchen.
Partei & Politik
Um 1905 trat er der SPD und den freien Gewerkschaften bei. 1909 wurde er zum Vorsitzenden des Ortsvereins Eckernförde, Borby und Windeby gewählt.[1]
Gewerkschaftsarbeit und USPD
1917 verließ Jürgen Jürgensen zusammen mit über 80 % der örtlichen Parteimitglieder die SPD und trat der neugegründeten USPD bei. 1918 wurde er Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des ersten Arbeiter- und Soldatenrats in Eckernförde, zuständig für Wohnungsversorgung. Er war Mitgründer des GWU (Gemeinnütziges Wohnungsunternehmen Eckernförde).
Kapp-Lüttwitz-Putsch
Während des Kapp-Lüttwitz-Putschs 1920 wurde Jürgen Jürgensen in Eckernförde verschleppt. Nach dem Scheitern des Putschs gelang es ihm, die Besetzung Eckernfördes ohne Blutvergießen zu beenden.[1]
Preußischer Landtag
Von 1921 bis 1933 war Jürgen Jürgensen Abgeordneter im Preußischen Landtag, zunächst für die USPD, ab 1922 für die SPD. Von 1923 bis 1933 war er Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Bei der Saalschlacht im Landtag am 25. Mai 1932 wurde er lebensgefährlich verletzt.[1]
NS-Zeit und Verfolgung
Mit der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten endete 1933 Jürgen Jürgensens politische Arbeit im Landtag. Er organisierte Unterstützung für Familien inhaftierter politischer Gefangener. In Konferenzen mit dem Gauleiter Wilhelm Kube und in einem Schreiben an den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring wandte er sich gegen die Prügelstrafe in den Konzentrationslagern. Daraufhin geriet er ins Visier der Gestapo. Aufgrund seiner Kenntnisse über die Zustände in den Konzentrationslagern wurde er 1935 verhaftet und in die KZ Esterwegen und Sachsenhausen verschleppt. Nach neun Monaten Haft wurde er 1936 als schwer krank entlassen. [1]
2018 wurden Jürgen Jürgensens Aufzeichnungen mit dem Titel "Der Sturz der Demokratie und die Schutzhaft in Deutschland" (abgeschlossen 1944) entdeckt und von Ulrich Green ausgewertet.[1]
Nachkriegszeit
Ohne die Traumata seiner Haft überwunden zu haben, arbeitete Jürgen Jürgensen nach 1945 am der Wiederaufbau der SPD in Schleswig-Holstein mit. Er war Kandidat der SPD für das Amt des Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein. Von 1946 bis 1948 war er Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landgesellschaft in Kiel, zuständig für Siedlerhöfe, Bodenreform und Wohnraumversorgung.[1]
Literatur
- Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, Schüren, Marburg 2000, S. 162–163.
- Green, Ulrich: „doch es sollte noch schlimmer kommen“. Sozialdemokrat, Gemeinderat Borby/Eckernförde, Preußischer Landtag Berlin, KZ Esterwegen/Sachsenhausen, Landgesellschaft Schleswig-Holstein. Borbyer Werkstatt Verlag, Eckernförde 2021, ISBN 978-3-940586-16-2.
- Schröder, Wilhelm H.: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1876–1933 (BIOSOP).
Archive
- Arolsen Archiv: Mißhandlungen in den Emslandlagern, Signatur 9056400
Links
- Wikipedia: Jürgen Jürgensen

