Anny Trapp

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Anny Trapp
Anny Trapp
Geboren: 21. Dezember 1901
Gestorben: 16. März 1994

Anny (oder Anni) Trapp (geb. Lüthje), * 21. Dezember 1901 in Kiel, † 16. März 1994 in Eutin; Hausfrau. Eintritt in die SPD vor 1952.

Leben & Beruf

Anny Lüthje "wuchs in Kiel im Arbeitermilieu auf"[1]. Wie sie von dort nach Eutin kam, ist bisher nicht ermittelt, auch nichts über ihre familiären Verhältnisse. Die Studie von Danker/Lehmann-Himmel sieht sich aufgrund der fehlenden Daten zu keiner Einordnung in der Lage.[2] Am Ende ihres Landtagsmandats wohnte sie im Suhrnkrog 5 in Eutin.[3]

Sie war Mitglied, zeitweise Kreisvorsitzende der Eutiner Arbeiterwohlfahrt (AWO); ihr außergewöhnliches soziales Engagement wird deutlich darin, dass sie gleichzeitig im Deutschen Roten Kreuz aktiv war, was für sozialdemokratische Menschen eher ungewöhnlich ist. Auf der Internetseite des "Vereins Anny-Trapp-Preis" heißt es im Rahmen einer längeren Würdigung:

"[Ihr lagen] immer die sogenannten "kleinen Leute", die Menschen am Rande der Gesellschaft, sehr am Herzen. [...] wichtige Eutiner Einrichtungen [für alte oder behinderte Menschen gehen] auf ihre Anregung zurück. Anny Trapp wurde lange Zeit als das "soziale Gewissen Eutins" bezeichnet. Wer sie kannte, wusste ihre ehrliche, warme Art sehr zu schätzen. Soziale Ungerechtigkeit war ihr zuwider. Deshalb konnte sie auch ganz engagiert streiten [...]. Ihr fachlicher und menschlicher Rat wurde von vielen Entscheidungsträgern immer wieder geschätzt."[4]

Partei & Politik

Wann Anny Trapp in die SPD eintrat, ist bisher nicht ermittelt. Es muss jedoch vor 1952 gewesen sein, denn ab diesem Jahr bis 1968 war sie Ortsvorsitzende der SPD-Frauengruppe[5] im Ortsverein Eutin.

Spätestens 1959 wurde sie in den Landesvorstand gewählt, dem sie bis 1965 angehörte.

Kommunalpolitik

In der Kommunalwahl 1955 wurde sie in die Stadtvertretung gewählt und übernahm den Vorsitz des Sozialausschusses, ab 1959[6] ehrenamtliche Stadträtin bis zu ihrem Ausscheiden aus der Stadtvertretung 1970. Von 1962 bis 1966 amtierte sie als 1. stellvertretende Bürgervorsteherin.

Dem Kreistag des Kreises Eutin gehörte sie von 1962 bis 1970 an und wurde am 28. Mai 1969 mit 20 zu 17 Stimmen zur Kreispräsidentin gewählt. Sie sei nicht nur sie einzige Frau, sondern auch das erste SPD-Mitglied in Schleswig-Holstein in diesem Amt, berichtete die Presse.[7]

Landtag

Am 24. November 1964 rückte sie für den verstorbenen Walter Lurgenstein in den Landtag nach, wo sie in den Ausschüssen für Justiz und für Volkswohlfahrt aktiv war.

Ehrungen

Anny Trapp mit Günther Jansen bei der Feier zu ihrem 90. Geburtstag.

1968 erhielt Anny Trapp die Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes Schleswig-Holstein.

Am 1. Januar 1971 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet, 1976 mit der Marie-Juchacz-Plakette der Arbeiterwohlfahrt (AWO).[8]

1991 erhielt die Eutiner Kindertagesstätte der AWO ihren Namen.

Im selben Jahr gründete sich in Eutin der "Verein Anny-Trapp-Preis". Der mit DM 3000 dotierte Preis soll "an eine Bürgerin / einen Bürger bzw. an eine Gruppe von Bürgern aus dem Kreise Ostholstein verliehen werden, die sich durch ihr soziales Engagement für Behinderte, Kinder und ältere Mitbürger ausgezeichnet haben".[9] Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. Hermann Benker, Günther Jansen, Klaus Konrad, Gisela Poersch, Gerhard Poppendiecker und Antje-Marie Steen.

Stimmen

Regina Poersch erinnerte sich 2021:

"Ich habe Anny Trapp noch persönlich gekannt. Ihre menschliche und bescheidene Art sowie ihr engagiertes Eintreten für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft ist Vorbild für alle, auch für mich. Heute bin ich dankbar, dass ich als Eutiner SPD-Landtagsabgeordnete in der nach Anny Trapp benannten Straße wohne."[10]

Literatur & Links

  • Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive (Schleswig-Holsteinischer Landtag 2016) (Drucksache 18/4464)
  • Landtagsinformationssystem: Anny Trapp
  • Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8

Einzelnachweise

  1. So Wikipedia: Anni Trapp, abgerufen 27.11.2022
  2. Vgl. Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive (Schleswig-Holsteinischer Landtag 2016) (Drucksache 18/4464), S. 173
  3. So das Landtagsinformationssystem, das darüber hinaus über keine persönlichen Informationen von ihr verfügt.
  4. Internetseite des Vereins Anny-Trapp-Preis, abgerufen 12.6.2015
  5. Vgl. Anny Trapp, 60 Jahre Frauengruppe AsF Eutin, in 140 Jahre SPD-Ortsverein Eutin (Eutin 2009)
  6. Lt. Wikipedia 1955; es ist aber unwahrscheinlich, dass sie gleich Stadträtin wurde.
  7. Als Kreispräsident eine Hausfrau gewählt, Kieler Nachrichten, 29.5.1969
  8. Wikipedia, abgerufen 18.11.2015
  9. Internetseite des Vereins Anny-Trapp-Preis, abgerufen 12.6.15
  10. SPD Landtagsfraktion: Weltfrauentag. 8. März 2021