Hermann Lüdemann: Unterschied zwischen den Versionen
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* Fraktionsvorsitzender im Arbeiter- und Soldatenrat Berlin 1918-1919 | * Fraktionsvorsitzender im Arbeiter- und Soldatenrat Berlin [[1918]]-[[1919]] | ||
* Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung | * Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung 1919–[[1921]] | ||
* Mitglied des preußischen Landtags 1921 – 1929, preußischer Finanzminister 29. März 1920 - 21. April 1921 | * Mitglied des preußischen Landtags 1921 – [[1929]], preußischer Finanzminister [[29. März]] [[1920]] - [[21. April]] [[1921]] | ||
* Regierungspräsident in Lüneburg 1927 – 1928 | * Regierungspräsident in Lüneburg [[1927]] – 1928 | ||
* Oberpräsident von Niederschlesien 1928 – 1933 | * Oberpräsident von Niederschlesien 1928 – [[1933]] | ||
* Häftling in den KZs Dürrgoy, Esterwegen und Lichtenburg 1933 – 1935 | * Häftling in den KZs Dürrgoy, Esterwegen und Lichtenburg 1933 – [[1935]] | ||
* Verbindung zum Widerstandskreis um Wilhelm Leuschner, Julius Leber und Carlo Mierendorff, erneute Verhaftung, KZs Ravensbrück und | * Verbindung zum Widerstandskreis um [[Wilhelm Leuschner]], [[Julius Leber]] und [[Carlo Mierendorff]], erneute Verhaftung im Zuge der [[Aktion Gitter]], KZs Ravensbrück und Sachsenhausen [[1944]] – [[1945]] | ||
* In der Wiederaufbauphase Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein 1946 – 1947 | * In der Wiederaufbauphase Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein [[1946]] – [[1947]] | ||
* erster gewählter Ministerpräsident des Landes 1947 – 1949 | * erster gewählter Ministerpräsident des Landes 1947 – [[1949]] | ||
* Landtagsabgeordneter 1946 – 1958. | * Landtagsabgeordneter 1946 – [[1958]] | ||
* Vorsitzender des [[Ortsverein Preetz|Ortsvereins Preetz]] ab [[1950]]. | |||
Seine politischen Schwerpunkte lagen in der Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur des Landes, idealerweise durch ein Bundesland 'Unterelbe' (unter Einbeziehung von Hamburg und nördlichen Randgebieten Niedersachsens), in der Integration und Verbesserung der Lebensbedingungen der Flüchtlinge und Vertriebenen, die Schleswig-Holsteins Bevölkerungszahl nahezu verdoppelten, und im Ausgleich mit Dänemark und der südlich der Grenze lebenden dänischen Minderheit, eine Politik, die 1955 in den "Bonn-Kopenhagener Erklärungen" gipfelte. | Seine politischen Schwerpunkte lagen in der Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur des Landes, idealerweise durch ein Bundesland 'Unterelbe' (unter Einbeziehung von Hamburg und nördlichen Randgebieten Niedersachsens), in der Integration und Verbesserung der Lebensbedingungen der Flüchtlinge und Vertriebenen, die Schleswig-Holsteins Bevölkerungszahl nahezu verdoppelten, und im Ausgleich mit Dänemark und der südlich der Grenze lebenden dänischen Minderheit, eine Politik, die 1955 in den "Bonn-Kopenhagener Erklärungen" gipfelte. | ||
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Einen Skandal löste Lüdemann 1949 aus, als er den Ausbau eines Gästehauses, des "Möwenhauses" (in der "Seeburg" am Düsternbrooker Weg), seinem Schwiegersohn übertrugt und dabei das Budget deutlich überzogen wurde. | Einen Skandal löste Lüdemann 1949 aus, als er den Ausbau eines Gästehauses, des "Möwenhauses" (in der "Seeburg" am Düsternbrooker Weg), seinem Schwiegersohn übertrugt und dabei das geplante Budget deutlich überzogen wurde. Die Opposition nutzte den Vorgang, um die SPD zu diskreditieren, was sogar Auswirkungen auf die [[Bundestagswahl 1949]] hatte. Der SPIEGEL zitierte die [[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung]]: | ||
: "Am Morgen nach der Wahl gab Lüdemanns Regierungsorgan die SPD-Wahlniederlage offen zu. Mit Hieb auf die Wähler: 'Man schämt sich beinahe, zu denken, daß in einer Wahl, die um das Schicksal Deutschlands ging, eine Angelegenheit, wie das Möwenhaus eine derartige Rolle spielen konnte. Nur muß eine Regierung, die sich in einer so schwierigen Lage befindet, Ungeschicklichkeiten besonders eifrig und sorgfältig vermeiden.'"<ref>''[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44437593.html Möwenhaus-Wellen - Über den Wellen Ohrenschall]'' in: DER SPIEGEL 34/1949</ref> | : "Am Morgen nach der Wahl gab Lüdemanns Regierungsorgan die SPD-Wahlniederlage offen zu. Mit Hieb auf die Wähler: 'Man schämt sich beinahe, zu denken, daß in einer Wahl, die um das Schicksal Deutschlands ging, eine Angelegenheit, wie das Möwenhaus eine derartige Rolle spielen konnte. Nur muß eine Regierung, die sich in einer so schwierigen Lage befindet, Ungeschicklichkeiten besonders eifrig und sorgfältig vermeiden.'"<ref>''[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44437593.html Möwenhaus-Wellen - Über den Wellen Ohrenschall]'' in: DER SPIEGEL 34/1949</ref> | ||
Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss konnte jedoch ein Fehlverhalten des Ministerpräsidenten weder in finanzieller Hinsicht noch in der Beauftragung eines - entsprechend qualifizierten - Familienmitgliedes erkennen. Trotzdem wurde Lüdemann als Ministerpräsident von [[Bruno Diekmann]] abgelöst. Der Eindruck entstand, dass [[Andreas Gayk]] - dem "starken Mann" der Landes-SPD in dieser Zeit und Widerpart von Lüdemann - die Affäre nicht ungelegen kam, um den Ministerpräsidenten, mit dessen Politik er nicht einverstanden war, zu entmachten.<ref>[[Rolf Fischer]]: ''Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie'' (Neumünster 2006), S. 177 f.</ref> | |||
== Ehrungen == | == Ehrungen == | ||
Seit 2006 ist in Preetz, wo | *Am [[9. Mai]] [[1953]] erhielt Hermann Lüdemann aus der Hand von Bundespräsident Theodor Heuss das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die höchste Ehrung, die die junge Republik zu vergeben hatte.<ref>[[Rolf Fischer]]: ''Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie'' (Neumünster 2006), S. 186</ref> | ||
*[[1954]] verlieh ihm seine Geburtsstadt Lübeck zu seinem 75. Geburtstag die Ehrenplakette des Senats.<ref>[[Rolf Fischer]]: ''Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie'' (Neumünster 2006), S. 186</ref> | |||
*Seit [[2006]] ist in Preetz, wo er von [[1947]] bis zu seinem Tod [[1959]] lebte, eine Straße nach ihm benannt. | |||
== Literatur == | == Literatur == | ||
Version vom 16. Oktober 2014, 02:46 Uhr
| Hermann Lüdemann |
Hermann Lüdemann, * 5. August 1880 in Lübeck, † 27. Mai 1959 in Kiel; Ingenieur. Er war vom 8. Mai 1947 bis 29. August 1949 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.
- Fraktionsvorsitzender im Arbeiter- und Soldatenrat Berlin 1918-1919
- Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung 1919–1921
- Mitglied des preußischen Landtags 1921 – 1929, preußischer Finanzminister 29. März 1920 - 21. April 1921
- Regierungspräsident in Lüneburg 1927 – 1928
- Oberpräsident von Niederschlesien 1928 – 1933
- Häftling in den KZs Dürrgoy, Esterwegen und Lichtenburg 1933 – 1935
- Verbindung zum Widerstandskreis um Wilhelm Leuschner, Julius Leber und Carlo Mierendorff, erneute Verhaftung im Zuge der Aktion Gitter, KZs Ravensbrück und Sachsenhausen 1944 – 1945
- In der Wiederaufbauphase Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein 1946 – 1947
- erster gewählter Ministerpräsident des Landes 1947 – 1949
- Landtagsabgeordneter 1946 – 1958
- Vorsitzender des Ortsvereins Preetz ab 1950.
Seine politischen Schwerpunkte lagen in der Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur des Landes, idealerweise durch ein Bundesland 'Unterelbe' (unter Einbeziehung von Hamburg und nördlichen Randgebieten Niedersachsens), in der Integration und Verbesserung der Lebensbedingungen der Flüchtlinge und Vertriebenen, die Schleswig-Holsteins Bevölkerungszahl nahezu verdoppelten, und im Ausgleich mit Dänemark und der südlich der Grenze lebenden dänischen Minderheit, eine Politik, die 1955 in den "Bonn-Kopenhagener Erklärungen" gipfelte.
Mitglied des Parlamentarischen Rates 1948–1949.
Die Trauerrede für Hermann Lüdemann hielt Prof. Carlo Schmid.
Möwenhaus
Einen Skandal löste Lüdemann 1949 aus, als er den Ausbau eines Gästehauses, des "Möwenhauses" (in der "Seeburg" am Düsternbrooker Weg), seinem Schwiegersohn übertrugt und dabei das geplante Budget deutlich überzogen wurde. Die Opposition nutzte den Vorgang, um die SPD zu diskreditieren, was sogar Auswirkungen auf die Bundestagswahl 1949 hatte. Der SPIEGEL zitierte die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung:
- "Am Morgen nach der Wahl gab Lüdemanns Regierungsorgan die SPD-Wahlniederlage offen zu. Mit Hieb auf die Wähler: 'Man schämt sich beinahe, zu denken, daß in einer Wahl, die um das Schicksal Deutschlands ging, eine Angelegenheit, wie das Möwenhaus eine derartige Rolle spielen konnte. Nur muß eine Regierung, die sich in einer so schwierigen Lage befindet, Ungeschicklichkeiten besonders eifrig und sorgfältig vermeiden.'"[1]
Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss konnte jedoch ein Fehlverhalten des Ministerpräsidenten weder in finanzieller Hinsicht noch in der Beauftragung eines - entsprechend qualifizierten - Familienmitgliedes erkennen. Trotzdem wurde Lüdemann als Ministerpräsident von Bruno Diekmann abgelöst. Der Eindruck entstand, dass Andreas Gayk - dem "starken Mann" der Landes-SPD in dieser Zeit und Widerpart von Lüdemann - die Affäre nicht ungelegen kam, um den Ministerpräsidenten, mit dessen Politik er nicht einverstanden war, zu entmachten.[2]
Ehrungen
- Am 9. Mai 1953 erhielt Hermann Lüdemann aus der Hand von Bundespräsident Theodor Heuss das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die höchste Ehrung, die die junge Republik zu vergeben hatte.[3]
- 1954 verlieh ihm seine Geburtsstadt Lübeck zu seinem 75. Geburtstag die Ehrenplakette des Senats.[4]
Literatur
- Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006)
Links
Quelle
- ↑ Möwenhaus-Wellen - Über den Wellen Ohrenschall in: DER SPIEGEL 34/1949
- ↑ Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 177 f.
- ↑ Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 186
- ↑ Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 186
MinisterpräsidentIn: Hermann Lüdemann (1947 - 1948) | Bruno Diekmann (1949 - 1950) | Björn Engholm (1988 - 1993) | Heide Simonis (1993 - 2005) | Torsten Albig (2012 - 2017)

