Ortsverein Bad Oldesloe

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Ortsverein Bad Oldesloe (mit Grabau und Meddewade) ist eine Gliederung im Kreisverband Stormarn.

Ab 1968 war Klaus Klingner Mitglied im Ortsverein.

Vorsitz

Seit 2019 führen Miriam Hupperman und Torben Klöhn als Doppelspitze den Vorsitz. Ihr Vorgänger war Hans-Hermann Roden - ab wann, ist noch nicht ermittelt.

Auf einer Mitgliederversammlung im Juni 2012 wurde offenbar der gesamte Vorstand abgewählt, der Kreisverband musste den Vorsitz kommissarisch übernehmen.[1] Ursachen und Lösung dieses Konflikts sind bisher nicht bekannt.

2007 wurde Christoph Asmussen zum Vorsitzenden gewählt; sein Vorgänger war Oliver Trost. Die Vorsitzenden davor sind bis 1957 ebenfalls noch nicht ermittelt. Von mindestens 1953 bis mindestens 1957 führte Adolf Hungerland den Ortsverein.[2]

Kommunalpolitik

Bürgermeister*innen

Geschichte

Die NS-Diktatur beendete auch in Oldesloe das demokratische Gemeinwesen. Als die neue Stadtverordnetenversammlung mit einem "brausenden Sieg-Heil" eröffnet wurde, verließen die Sozialdemokraten ostentativ den Saal. Sie wurden nach dieser ersten Versammlung wie alle Mitglieder von Gemeindevorständen und dergleichen Behörden gemäß Erlaß vom 24./27. März beurlaubt und mit dem Parteienverbot im Juni ausgeschlossen.[4]

Es kam auch zu Bedrohungen und Mißhandlungen auf offener Straße, so gegen den Oldesloer Reichsbannermann Bernhard Schacht in der Bahnhofstraße. Der wurde zudem zu 14 Tagen Strafe verurteilt, weil er sich an einer Saalschlacht im "Tivoli" beteiligt hatte, als Segeberger SS eine Veranstaltung der SPD mit Louis Biester stören wollte.[5]

"Kommunisten wurden überall verhaftet. [Sie] kamen ins alte Polizeigefängnis. Dort wurden sie mißhandelt. Ein Bericht liegt vor, daß das Schreien der Gequälten in der Stadt störte. Daraufhin wurde die Tortur im Stadtforst Kneeden fortgesetzt. In einen Sack gesteckt wurden die Opfer halbtot geschlagen. Später führte ihr Weg ins KZ. Von 13 kommunistischen Schutzhäftlingen berichtet die Oldesloer Chronik. Einer von ihnen, Waldemar Schultz, kam ins KZ Esterwegen ins Emsland zu den "Moorsoldaten". An ihn, der nach dem Krieg als Sozialdemokrat in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat, dazu in der Gewerkschaft, für den Wiederaufbau wirkte und der heute zurückgezogen als Rentner lebt, sollte gelegentlich auch einmal öffentlich erinnert werden."[5]

Eine andere Geschichte belegt die Solidarität unter den Linken - zumindest, als es zu spät war: Ein Oldesloer Kommunist, Mathiszig, konnte 1933 "von seiner Wohnung in der Hagenstraße in letzter Minute über das Gelände einer Lederfabrik der Verhaftung entfliehen, wurde an der dänischen Grenze gefaßt, entkam aus der Haft und versteckte sich, zuletzt an der Düpenau. Noch übriggebliebene Sozialdemokraten sammelten für ihn und rüsteten ihn mit Fahrrad und Lebensmitteln aus, so daß er in die Tschechoslowakei entkommen konnte. Ein verabredeter Kartengruß zeigte seine Rettung an. Er ging dann zu den Roten Brigaden nach Spanien und überlebte das wie alle Gefahren."[5]

Nach den Kommunisten waren die Sozialdemokraten "dran".

"Die Oldesloer Chronik meldet 'Sieben SPD-Leute wurden ins Konzentrationslager nach Kuhlen gebracht'."[6]

Einer von ihnen war Ernst Weiland.

"Er war als Malergeselle von der Leiter weg verhaftet worden und wurde nach der Entlassung arbeitslos, weil er nicht wieder bei der Firma Boelck[7] arbeiten durfte. Selbst um die Arbeitslosenunterstützung mußte er ringen. Mit Nachsammeln auf abgeernteten Kartoffelfeldern ließ sich die Lage etwas verbessern."[6]

Die verbliebenen Oldesloer Sozialdemokraten erhielten aus Wandsbek Zeitungen zur Weitergabe. Nur wußten sie bald nicht mehr, wem sie noch trauen konnten.[8]

Bis Ende der Weimarer Republik

Anfang der 1930er Jahre ging es in Stormarn laut Klaus Klingner zwar nicht friedlich, aber nicht so blutig zu wie in den großen Städten.

"Vielfach wurden gegnerische Veranstaltungen besucht, um in Gegenrede seine Argumente vorzubringen. Solche Gegenrede gehörte zum Stil politischer Veranstaltungen der Zeit. [...] Nicht selten ging man danach zu handfester Argumentation über. Die "Erfolge" sieht jede Seite bei sich. So sind alte Oldesloer Reichsbannerleute besonders stolz, daß es ihnen einmal gelang, die SA in einen Hinterhalt zu locken und zu entwaffnen."[9]

Zur selben Zeit setzte sich der sozialdemokratische Oldesloer Margarine-Fabrikant Friedrich Boelck für die notleidende Bevölkerung ein.

"Arbeitslose versorgte er mit Päckchen, Kinder kamen zur Erholung auf sein Gut Bostel. Er unterstützte die internationalen Friedensbemühungen des Reinfelder [Demokraten und Pazifisten] Paul von Schönaich.
Nach Boelck ist in Bad Oldesloe eine Straße benannt."[10]

Ein bekanntes linkes Versammlungslokal (wer sich dort traf, SPD oder KPD, verrät die Formulierung nicht) war der "Tunnel" in Bad Oldesloe.[5]

1929 gründete sich unter dem Eindruck einer großen Übung auswärtiger Kolonnen der örtliche Arbeiter-Samariter-Bund. Er hielt seine Übungsstunden in der alten Stadtschule und half bei Veranstaltungen. Seine Ausrüstung ging nach dem Verbot 1933 an das DRK.[11]

1926 zog Anna Stoffers als Nachrückerin für August Staller (Alt-Rahlstedt) in den Provinziallandtag ein.[12]

Während der Weimarer Republik unterhielt das Oldesloer Ortskartell des ADGB eine eigene Bücherei der Gewerkschaften, die zunächst vor dem Zugriff der Nazis gerettet, dann aber ausgebombt wurde.[13] Örtlicher Arbeitersportverein war der ATV Einigkeit (heute SC Union); er

"betrieb Turnen, Leicht- und Schwerathletik und Fußball. Turnhallen gab es nicht. Dafür ging man in Gastwirtschaften. Die erste Fußballmannschaft spielte im Bezirk Mecklenburg/Lübeck. Auch international maß man sich mit dänischen und schwedischen Gästen. Besonders gepflegt wurde der Spielmannszug."[13]

Bereits 1876 gab es im Ort Mitglieder der SAPD.[14]

Noch früher, 1874, ist eine Sektion des ADAV nachweisbar.[15] Diese muss schon 1869 bestanden und eine gewisse Größe gehabt haben.[16] Bevollmächtigter war J. F. Nachtigall.[17]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Olbertz, Andreas: SPD Bad Oldesloe: "Ich nehme die Abwahl an" - Vertrauensverlust - SPD Bad Oldesloe nach außerordentlicher Mitgliederversammlung ohne Vorstand, Stormarner Tageblatt, 21.6.2012 (Bezahlschranke)
  2. Oldesloer SPD wählte Vorstand wieder, Lübecker Nachrichten, 18.1.1955
  3. Bewerber. Für die Kandidatur zur Landtagswahl, Roter Schwan 1/99, S. 12
  4. Klingner, S. 19
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Klingner, S. 24
  6. 6,0 6,1 Klingner, S. 25
  7. Vermutlich die von Friedrich Boelck.
  8. Klingner, S. 26
  9. Klingner, S. 22
  10. Klingner, S. 4
  11. Klingner, S. 6
  12. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Frauen in Parlamenten 1919-1933, abgerufen 27.12.2024
  13. 13,0 13,1 Klingner, S. 5
  14. Hamburg-Altonaer Volksblatt, 7.6.1876, S. 4
  15. Neuer Social-Demokrat, 25.2.1874
  16. Der Social-Demokrat, 25.8.1869, S. 4
  17. Der Social-Demokrat, 24.10.1869