SAJ Jugendheime, Kiel

Aus SPD Geschichtswerkstatt

SAJ-Jugendheime gab es mehrere in Kiel. Dort trafen sich die Mitglieder der Sozialistische Arbeiterjugend.

In seinen Erinnerungen erzählt Karl Rickers vom SAJ-Jugendheim am Westufer - in einer Etagenwohnung der Villa am Jägersberg 18, schräg gegenüber vom Heim des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM). Finanziert wurde das Heim laut Rickers in der Weimarer Republik größtenteils von dem Kieler Anwalt Wilhelm Spiegel.[1] Albert Witte dagegen schreibt, dass es von den Gewerkschaften finanziert worden sei.[2]

Rosa Wallbaum, Jahrgang 1915, erinnert sich ebenfalls an die Heime der Arbeiterjugend:

"Die Kieler Arbeiterjugend hatte ein Jugendheim am Jägersberg 18, mit einem Versammlungsraum und einer Bibliothek, wo man Bücher lesen oder entleihen konnte. [Dort] sind Generationen von Sozialdemokraten durchgegangen, unter anderem auch Ernst Busch. Wir hatten da eine Gruppe, die machte Sprechübungen; das muß ein Schauspieler vom Stadttheater gewesen sein, der sich dieser Jungen und Mädchen annahm. Im Nebenraum fühlten sie sich fürchterlich gestört dadurch. Aber es ist aus der Kieler Arbeiterjugend eine ganze Reihe von Schauspielern hervorgegangen. Zu denen gehörte auch Hans Söhnker. [...] Kultur und Bildung nahm also in der Kieler Arbeiterschaft und ganz besonders bei der Arbeiterjugend einen breiten Raum ein. [...] wir hatten immer hervorragende Helfer, die uns zur Seite standen. Oftmals wurden Redakteure von der Volkszeitung genommen. Das Zusammenspiel dieser ganzen großen Bewegung - das machte sie so effektiv.
Es gab auch noch ein Jugendheim in Gaarden, im Werftpark. Aber die Arbeiterjugend vom Westufer traf sich am Jägersberg. Dieses Heim mußten wir aus irgendeinem Grund aufgeben. Dann wurde nach 1930 das Jugendheim am Walkerdamm gemietet. Halb zehn war Schluß - wir waren ja alle in der Lehre und mußten früh raus - und vor dem Heim stand dann die kommunistische Jugend. Die haben sich mit uns auseinandergesetzt. Aber das ging nur verbal, da gab es noch keine Schlägereien, denn es waren ja Leute, die man kannte."[3]

Ein weiteres Jugendheim für das Ostufer befand sich im Verwaltungsgebäude des Allgemeinen Kieler Konsumvereins in der Segeberger Straße.

"In beiden Heimen war je ein größerer Raum, der etwa bis zu 80 Personen fassen konnte, daneben einige kleinere Zimmer, vor allem ein Lesezimmer. Im Jugendheim Jägersberg war außerdem ein "Zimmer der Arbeitsgemeinschaften", ein "Fruggi-Zimmer"(Anm. v. Verf.: Fruggi war eine verbreitet Limonadenmarke in den 20er Jahren. Im "Fruggi-Zimmer" wurde kein Alkohol getrunken und nicht geraucht. Die Abstinenzler-Bewegung hatte einen großen Einfluß auf die Kieler Arbeiterjugend) und eine größere Veranda vorhanden. In beiden Heimen war ein Verkaufsstand von der Buchhandlung der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung eingerichtet worden. Der Verkauf der Bücher wurde von gewählten Bücherwarten vorgenommen. Die Heime waren wochentags von 19.00 bis 22.00 Uhr, sonntags von 15.00 bis 22.00 geöffnet."[4]

Quellen

  1. Rickers, Karl: Erinnerungen eines Kieler Journalisten 1920 – 1970. Neumünster 1992. ISBN 3-529-02723-5
  2. Witte, Albert Arbeiter-Jugend in Kiel, 1919-1925 in: Demokratische Geschichte, Band 4
  3. Susanne Kalweit: "Ich hab mich niemals arm gefühlt!" Die Kielerin Rosa Wallbaum berichtet aus ihrem Leben (Hamburg/Berlin 2010), S. 39 f. ISBN 978-3-86850-644-0
  4. Albert Witte: Arbeiter-Jugend in Kiel, 1919-1925, Demokratische Geschichte 4(1989), S. 166