Siegfried Schmidt

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Siegfried Schmidt
Siegfried Schmidt
Siegfried Schmidt
Geboren: 20. November 1937
Gestorben: 4. April 2014

Siegfried Schmidt, * 20. November 1937 in Gernsbach/Schwarzwald, † 4. April 2014 in Kiel; Bauschlosser und Kunstschmied. Mitglied der SPD seit 1966.

Leben & Beruf

Nach seiner Lehre als Bauschlosser und Kunstschmied verschlug es den Schwarzwälder Siegfried Schmidt vermutlich durch die Marine in den Norden. Ab 1962 war er als Handwerker im Marinearsenal Kiel tätig, nach einer Weiterbildung ab 1969 als technischer Beamter. 25 Jahre lang gehörte das ötv-Mitglied (später verdi) dem Personalrat des Arsenals an, zuletzt als Vorsitzender. Er war verheiratet mit Eva Schmidt; mit den beiden gemeinsamen Kindern lebten sie in Kiel-Hammer.

Vierzig Jahre lang, von 1974 bis 2014, leitete er die Siedlergemeinschaft Hammer-Russee-Demühlen, deren Mitgliederzahl sich in dieser Zeit verdoppelte[1]. Nicht ganz so lange, von 1986 bis 2012, war er Kreisvorsitzender des Deutschen Siedlerbundes (später Verband Wohneigentum). In diesen rein ehrenamtlichen Funktionen erreichte er für die Siedlergemeinschaft sehr viel:

"Über das Modell der Gruppenselbsthilfe, bei dem fehlendes Kapital durch organisierte Eigenleistung ersetzt wird, verhalf [er] in Kiel mehr als 160 Familien zu den eigenen vier Wänden.[2] Nachbarschaftshilfe war ein hervorragendes Merkmal in der Arbeit der Siedlergemeinschaft, der größten in Kiel[3].

Das letzte von ihm betreute große Siedlungsprojekt war die Straße Am Waldrand.[4] Ein Wunsch wurde ihm nicht mehr erfüllt: einen "Treffpunkt im Stadtteil, in dem kleinere Versammlungen durchgeführt werden können", zu schaffen. Er hoffte dafür auf die Neugestaltung von Hof Hammer.[5]

Dass er neben diesen vielen Aufgaben und seiner Arbeit für die SPD noch Freizeit hatte, mag überraschen. Er war jedoch auch aktives Mitglied im Männergesangverein Kroog.

Partei & Politik

Siegfried Schmidt trat im Mai 1966 der SPD bei. 1972[6] übernahm er den Vorsitz des OV Hammer und behielt ihn bis zum Zusammenschluss von 2007 mit Russee zum OV Russee-Hammer. Dies dürfte ziemlich einmalig sein: Ein Ortsverein, der sein gesamtes Bestehen lang von einem Vorsitzenden geführt wird. Er arbeitete noch bis 2011 im Vorstand des vergrößerten Ortsvereins mit, der ihn anschließend zum Ehrenvorsitzenden ernannte.

Für seinen Stadtteil war er früh auch kommunalpolitisch aktiv. Zwischen 1965 und 2014 vertrat er - mit Unterbrechungen - die SPD als bürgerliches Mitglied im Bauausschuss der Ratsversammlung. Von 1982 bis 2013 gehörte er - mit kurzer Unterbrechung - dem Ortsbeirat Russee-Hammer an, zeitweise auch dem Kieler Seniorenbeirat.

Ehrungen

Der Siegfried-Schmidt-Weg, auf dem Foto sind auch die für den Ortsteil Hammer typischen Tonnendachhäuser zu erkennen

Siegfried Schmidt war Träger des Bundesverdienstkreuzes. Auch wurde er mehrfach für seine langjährige Parteizugehörigkeit geehrt. Das Foto oben zeigt ihn (links) 2006 mit dem Kreisvorsitzenden Rolf Fischer beim Empfang der Urkunde für 40jährige Mitgliedschaft.

Am 31. März 2011, dem Tag seines Ausscheidens aus dem Vorstand, ernannte ihn der OV Russee-Hammer zum Ehrenvorsitzenden; am selben Tag wurde er vom Landesvorsitzenden Ralf Stegner mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet und erhielt einen Ehrenbrief des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.[7]

Der OV-Vorstand überreichte ihm zu diesem Anlass ein kleines Buch aus speziell verfassten Beiträgen und Abbildungen maßgeblicher Weggefährten[8]. Daraus stammt auch der unten zitierte Text von Eckehard Raupach.

Anfang 2019 stellte der OV Russee-Hammer im Ortsbeirat den Antrag, ein "in Hammer möglichst zentral gelegener Weg bzw. eine Grünfläche"[9] solle nach Siegfried Schmidt benannt werden. Am 19. November 2020 beschloss die Kieler Ratsversammlung die Umbenennung eines Abschnitts der Straße Am Waldrand in Siegfried-Schmidt-Weg.[10]

Stimmen

Raupach über Schmidt, S. 1

"Du kannst in alten Büchern nachlesen: 1288 wurde erstmals Hamere erwähnt. Ein großzügiger Landesherr (wann gab es großzügige Landesherren?) übergab 1667 den Hof Hammer der Stadt Kiel als Exklave; die gab ihn in Erbpacht, erwarb ihn 1918 zurück, um hier eine Siedlung zu bauen.

Ich glaube den alten Büchern nicht. Es wird anders gewesen sein: eine Gruppe süddeutscher Soldaten kämpfte sich nach Norden, und ihr Anführer Siegfried Schmidt erbaute in Hammer eine Siedlung. Seitdem ist Siegfried Schmidt Siedlerfürst und heißt Siegfried Schmidt-Hammer.
Persönlich habe ich Schmidt-Hammer in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts im vorigen Jahrtausend kennengelernt. Wir waren Nachbarn: Ich war Vorsitzender der SPD Hassee-Süd und er war Fürst von Hammer. Natürlich war er auch Vorsitzender der SPD und der Siedler. Und wo er formal nicht Vorsitzender war, war er eigentlich Vorsitzender.

Raupach über Schmidt, S. 2

Ein Fürst muß herrschen; er muß streng sein können. Jeder weiß: manchmal ist mit Siegfried nicht zu spaßen. Aber er kann auch anders. Du hättest ihn einmal erleben sollen, wenn er im Parteibüro stand und von Ilse Sade oder Hilde Hinz einen Text getippt haben wollte (sie sollten das für niemanden machen). Was strahlten Siegfrieds Augen, was war er für ein Charmeur. Und selbst als er den Text schon fertig getippt in der Hand hatte, war er der netteste Junge der Welt.
Schon denkbar, dass Hammer nicht der Ortsverein mit den meisten Veranstaltungen war. Aber wenn es darauf ankam, war Siegfried mit seinen Sozialdemokraten da: wo sonst gab es bei den Wahlen satte sechzig Prozent? Siegfried Schmidt-Hammer, der Hochprozentige.

Wenn Du mehr über Hammer wissen willst: Du kannst Bücher und Aufsätze lesen. Wenn Du schlau bist, bittest Du Siegfried Schmidt-Hammer, mit Dir einen Spaziergang durch Hammer zu machen, einen langsamen und ausführlichen Spaziergang. Danach bist Du nicht mehr schlau, Du bis klug. Das ist ein Hammer, nicht?"[11]

Auch die Kieler Nachrichten stellten in ihrem Nachruf den "Siedler" in den Mittelpunkt:

"Siegfried Schmidt gehörte zu denen, die nie an sich und immer an andere dachten. Er war die Stimme der kleinen Leute, derer, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und oft genug ihr verlängerter Arm. Auf der Baustelle die Schubkarre zu schieben und danach über Finanzierungen [zu] brüten, rein ehrenamtlich selbstredend, so etwas machte [er], ohne dafür großen Dank zu erwarten. [Er hat] mit seinen Leistungen und seiner konsequenten Haltung 'Maßstäbe gesetzt'."[12]

Und der ehemalige Landtagsabgeordnete Rolf Selzer erinnert sich:

"Ich habe in der SPD viele Politiker kennen gelernt. Siegfried Schmidt war ein Mensch." [13]

Über "die einst unter ihrem legendären Vorsitzenden Siegfried Schmidt so stolze Siedlergemeinschaft Russee-Hammer-Demühlen" schrieben die KN noch 2018, als zunächst niemand gefunden werden konnte, den Vorsitz zu übernehmen.[14]

Links

Einzelnachweise

  1. Unser Russee, Dezember 2018, S. 1
  2. Er war ein großer Siedler, Kieler Nachrichten, 7.4.2014
  3. Unser Russee, Dezember 2018, S. 1
  4. Kiel lokal, April 2020, S. 12
  5. Kiel lokal: Siedlerchef lässt Jüngere ran, abgerufen 1.12.2014 (nicht mehr erreichbar)
  6. KN-online: Traueranzeige der SPD Kiel, abgerufen 1.12.2014
  7. So in der MAVIS vermerkt. Lt. Unser Russee, Juni 2011, S. 1 ff. erhielt er die Schleswig-Holstein-Medaille.
  8. So Vorsitzender Frank Hornschu in einem Schreiben an diese vom Januar 2011.
  9. Unser Russee, Dezember 2018, S. 1
  10. SPD Kiel: Siegfried-Schmidt-Weg – „Vater der Kieler Siedler“, Homepage, 20.2.2021
  11. Beitrag von Eckehard Raupach, handschriftlich aus dem Nachlass.
  12. Nachruf: Er war ein großer Siedler, Kieler Nachrichten, 7.4.2014
  13. Kommentar auf der Homepage des OV Russee-Hammer, 10.4.2014
  14. Kieler Nachrichten, 24.3.2018