Kreisverband Flensburg

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Kreisverband Flensburg umfasst die Stadt Flensburg ohne den Landkreis Schleswig-Flensburg. Er wurde 1868 gegründet.

Geschichte

26. Mai 1872: Eine Versammlung der Lassalleaner in Flensburg wird überraschend aufgelöst. Die Sozialisten gehen in eine Versammlung der Dänen, um dort Reden zu dürfen. Als der Hamburger Heinrich Christian Radenhausen reden will, soll auch diese Versammlung aufgelöst werden. "Als er [der Oberpolizeidiener Lafranz] obendrein einen Hochrufer auf Hasenclever verhaften wollte, rissen ihn erregte Leute nieder und mißhandelten ihn. Es kam zu einem Tumult und einem lauten Umzug durch die Straßen. Darauf wurde Militär eingesetzt und viele Verhaftungen vorgenommen. Vier Arbeiter erhielten wegen Aufruhr 6 Monate Gefängnis, Bach 14 Tage und Schulz 3 Wochen Haft."[1]

Der Ausschluss

Das bemerkenswerteste Ereignis in der langen Geschichte der Flensburger SPD dürfte ihr Ausschluss aus der SPD gewesen sein, den Kurt Schumacher in einer öffentlichen Rede in Husum am 7. Juli 1946 verkündete. Grund waren unvereinbare Positionen in der Frage der Grenze mit Dänemark; es gab in der Flensburger SPD Bestrebungen, Flensburg auf die dänische Seite der Grenze zu bringen, während die Parteiführung und auch große Teile der Landespartei "deutsch" dachten.

Der Kreisverein, der erst am 4. Januar 1946 die Genehmigung der Militärregierung erhalten hatte, sich neu zu gründen[2], löste sich nicht auf. Nicolaus Reiser blieb Vorsitzender der Ausgeschlossenen, die als Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF) unabhängig von der Mutterpartei weiterarbeiteten, bis sich die beiden Teile auf dem Bezirksparteitag 1954 wiedervereinigten.

Die SPD gründete einen neuen Kreisverein, dessen Vorsitz Hans Riethmüller übernahm. Mitglieder waren zunächst ca. 20 Einheimische und ca. 150 Heimatvertriebene.[3] Damit gab es in den Jahren 1946 bis 1954 parallel zwei SPDen und zwei Vorsitzende. Der - deutlich kleinere - neue Kreisverein arbeitete ebenfalls bis zur Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen, erlangte jedoch in Flensburg keine große Bedeutung.

Während Hans Riethmüller sein Amt vermutlich 1954 abgab, blieb Nicolaus Reiser noch bis 1956 Vorsitzender der wieder geschlossenen Flensburger SPD. Der Kreisverein ernannte ihn später zum Ehrenvorsitzenden.

In der Kommunalwahl 1970 errang die SPD mit 17 Sitzen (gegenüber CDU 14 und SSW 8) zum ersten Mal die Mehrheit in der Ratsversammlung und konnte mit Artur Thomsen erstmals den Stadtpräsidenten stellen.[4]

Während der Amtszeit des Vorsitzenden Gert Roßberg in den 1970er Jahren wurden die "Stadtgruppen" eingeführt, 1989 in Ortsvereine umgewandelt.[5]

Am 14. November 2018 feierte die SPD Flensburg ihr 150jähriges Bestehen mit einem Festakt.

Beirat

Der Kreisverband Flensburg hat sich einen Beirat gegeben, nach einer Idee von Wolfgang Wodarg. In diesem Gremium treffen sich monatlich ehemalige Funktionsträger und diskutieren die gesellschaftliche und politische Lage. Koordinator war bis Ende 2015 Gert Roßberg.

Literatur

Links

Kreisverband Flensburg
Kreisverband Flensburg
Gegründet: 1868 als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein
Wiedergegründet: 1946
Vorsitzende/r: Justus Klebe
Homepage: http://www.spd-flensburg.de/


Überblick

Gremien

Kreisvorstand

Ortsvereine

Adelby-Engelsby | Flensburg-Mürwik | Flensburger Mitte | Flensburg-Nord | Flensburg-Süd

Personen


Quellen

  1. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 14
  2. Martens, Holger: SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959 (Malente 1998), Bd. 1, S. 79
  3. Christiansen: Meine Geschichte, S. ?
  4. Kieler Nachrichten, 15.5.1970
  5. Vgl. Simone Lange: Gert Roßberg - ein Leben für Bildung und Politik, Flensburger Tageblatt, 11.1.2016.
  6. davon 13. Juli 1946 - 4. Juli 1954 als Vorsitzender der SPF
  7. bis 1954 Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF)