Hans-Werner Tovar: Unterschied zwischen den Versionen
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}}'''Hans-Werner Tovar''', * [[29. Juli]] [[1948]] in Köln; Jurist. Mitglied der SPD seit [[1973]]. | }}'''Hans-Werner Tovar''', * [[29. Juli]] [[1948]] in Köln; Jurist. Mitglied der SPD seit [[1973]]. | ||
== Werdegang == | ==Werdegang== | ||
Hans-Werner Tovar studierte in Köln und Kiel Jura. Er ist verheiratet mit [[Ingeborg Tovar]], das Ehepaar hat drei Kinder. | Hans-Werner Tovar studierte in Köln und Kiel Jura. Er ist verheiratet mit [[Ingeborg Tovar]], das Ehepaar hat drei Kinder. | ||
Seit [[1980]] betreiben sie in Kiel eine gemeinsame Kanzlei, zeitweise zusammen mit [[Gernot Starke]], heute mit dem Sohn [[Stefan Tovar]]. [[1988]] erfolgte Hans-Werner Tovars Ernennung zum Notar. Zudem qualifizierte er sich zum Familien- und Wirtschaftsmediator. | Seit [[1980]] betreiben sie in Kiel eine gemeinsame Kanzlei, zeitweise zusammen mit [[Gernot Starke]], heute mit dem Sohn [[Stefan Tovar]]. [[1988]] erfolgte Hans-Werner Tovars Ernennung zum Notar. Zudem qualifizierte er sich zum Familien- und Wirtschaftsmediator. | ||
In seiner Freizeit tritt er mit der Theatergruppe der ''Brillianten Dilettanten'' der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Dietrichsdorf auf und ist Ehrenmitglied im Verein Theatermuseum Kiel e.V.<ref>Theatermuseum Kiel e.V.: [https://theatermuseum-kiel.de/impressum/ Impressum], | In seiner Freizeit tritt er mit der Theatergruppe der ''Brillianten Dilettanten'' der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Dietrichsdorf auf und ist Ehrenmitglied im Verein Theatermuseum Kiel e.V.<ref>Theatermuseum Kiel e.V.: [https://theatermuseum-kiel.de/impressum/ Impressum], abgerufen 14.3.2023</ref> | ||
Er ist Reserveoffizier. Sein letzter Dienstgrad: Oberstleutnant. | Er ist Reserveoffizier. Sein letzter Dienstgrad: Oberstleutnant. | ||
== Partei & Politik == | ==Partei & Politik== | ||
Am [[14. Februar]] [[1973]] trat Hans-Werner Tovar in die SPD ein. Von [[1983]] bis [[1996]] war er Schriftführer, [[1991]]/[[1992|92]] und von [[2001]] bis [[2007]] Vorsitzender des [[Ortsverein Neumühlen-Dietrichsdorf|Ortsvereins Neumühlen-Dietrichsdorf]]. | Am [[14. Februar]] [[1973]] trat Hans-Werner Tovar in die SPD ein. Von [[1983]] bis [[1996]] war er Schriftführer, [[1991]]/[[1992|92]] und von [[2001]] bis [[2007]] Vorsitzender des [[Ortsverein Neumühlen-Dietrichsdorf|Ortsvereins Neumühlen-Dietrichsdorf]]. | ||
[[2009]] bewarb er sich um die Landtagskandidatur im Wahlkreis Kiel-Ost. Nach dem zweiten Platz im ersten Wahlgang vor [[Gesa Langfeldt]] und [[Serpil Midyatli]] verlor er die Stichwahl gegen [[Bernd Heinemann]]. | [[2009]] bewarb er sich um die Landtagskandidatur im Wahlkreis Kiel-Ost. Nach dem zweiten Platz im ersten Wahlgang vor [[Gesa Langfeldt]] und [[Serpil Midyatli]] verlor er die Stichwahl gegen [[Bernd Heinemann]]. | ||
=== Kommunalpolitik === | ===Kommunalpolitik=== | ||
Seit der [[Kommunalwahl 1986]] | Seit der [[Kommunalwahl 1986]] gehörte er der [[Kreisverband Kiel - Ratsfraktion|Kieler Ratsversammlung]] an. In seinem Wahlkreis in Neumühlen-Dietrichsdorf, in dem er auch wohnt, wurde er immer direkt gewählt. Zur [[Kommunalwahl 2023]] trat er nicht wieder an. | ||
Viele Jahre war er stellvertretender Vorsitzender und von [[1994]] bis [[1996]] Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und in dieser Funktion ehrenamtlicher Stadtrat ohne Sachgebiet und 2. Allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Seit [[2013]] | Viele Jahre war er stellvertretender Vorsitzender und von [[1994]] bis [[1996]] Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und in dieser Funktion ehrenamtlicher Stadtrat ohne Sachgebiet und 2. Allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Seit [[2013]] war er Stadtpräsident. | ||
Von [[1990]] bis [[1994]] war er ehrenamtlicher Stadtrat für Wohnungsbau und Wohnungswesen. | Von [[1990]] bis [[1994]] war er ehrenamtlicher Stadtrat für Wohnungsbau und Wohnungswesen. | ||
In seinem Kandidatenbrief zur Kommunalwahl [[1986]] formulierte er: "Dem Wohle der ganzen Stadt verpflichtet, werde ich mein besonderes Augenmerk unserem Stadtteil widmen, damit bald keiner mehr sagen kann: Kiel hört an der Schwentine auf" | In seinem Kandidatenbrief zur Kommunalwahl [[1986]] formulierte er: | ||
<blockquote>"Dem Wohle der ganzen Stadt verpflichtet, werde ich mein besonderes Augenmerk unserem Stadtteil widmen, damit bald keiner mehr sagen kann: Kiel hört an der Schwentine auf."</blockquote> | |||
In seiner langen kommunalpolitischen Karriere mit Höhen und Tiefen hat er dieses besondere Augenmerk - ausgedehnt auf das gesamte Ostufer der Stadt - zeitweise bis an die Schmerzgrenze der Kieler SPD ausgereizt. | |||
Das Kieler Ostufer erlebte in den 1980er und 1990er Jahren einen tiefgreifenden Strukturwandel, der bis heute nicht abgeschlossen ist. [[1983]] wurde der Werftbetrieb der damaligen Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) in Dietrichdorf eingestellt. Andere Unternehmen, wie Linotype-Hell, verlagerten ihren Firmensitz auf das Westufer. Die Arbeitslosigkeit nahm zu, die sozialen Probleme wurden größer. | Das Kieler Ostufer erlebte in den 1980er und 1990er Jahren einen tiefgreifenden Strukturwandel, der bis heute nicht abgeschlossen ist. [[1983]] wurde der Werftbetrieb der damaligen Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) in Dietrichdorf eingestellt. Andere Unternehmen, wie Linotype-Hell, verlagerten ihren Firmensitz auf das Westufer. Die Arbeitslosigkeit nahm zu, die sozialen Probleme wurden größer. | ||
[[Datei:Hans-Werner Tovar Kandidatenbrief KW 2018.pdf|360px|thumb|left| | [[Datei:Hans-Werner Tovar Kandidatenbrief KW 2018.pdf|360px|thumb|left|Kandidatenbrief von Hans-Werner Tovar zur Kommunalwahl 2018]] | ||
Angeführt von Hans-Werner Tovar beklagten mehrere Ostufer-Ratsmitglieder, dass das Ostufer gegenüber dem Westufer auch durch Entscheidungen der SPD-Fraktion permanent benachteiligt werde. Ausgelöst durch eine Entscheidung der Fraktion zur ärztlichen Notfallversorgung auf dem Ostufer eskalierte [[1988]] der Konflikt. Es kursierte der Entwurf eines Schreibens an den [[Landesvorstand]], in dem die Einrichtung eines neuen Kreisverbandes Kiel-Ost beantragt wurde. Viele Ostufer-Funktionäre in Rat, Ortsvereinen und Ortsbeiräten protestierten mit diesem Schreiben gegen ihre Rolle in der Ratsfraktion, wo sie sich seit Jahren lediglich als Mehrheitsbeschaffer betrachtet, in ihren politischen Forderungen aber nicht ernst genommen sahen- so zumindest ihre Empfindung. Der [[Kreisverband Kiel|Kieler SPD]] drohte die Spaltung. Die Erwägung, einen neuen Kreisverband Ost zu gründen, "ist ein Akt der Notwehr, aber nicht ohne Reiz", kommentierte Hans-Werner Tovar.<ref>''Kieler Nachrichten'' | Angeführt von Hans-Werner Tovar beklagten mehrere Ostufer-Ratsmitglieder, dass das Ostufer gegenüber dem Westufer auch durch Entscheidungen der SPD-Fraktion permanent benachteiligt werde. Ausgelöst durch eine Entscheidung der Fraktion zur ärztlichen Notfallversorgung auf dem Ostufer eskalierte [[1988]] der Konflikt. Es kursierte der Entwurf eines Schreibens an den [[Landesvorstand]], in dem die Einrichtung eines neuen Kreisverbandes Kiel-Ost beantragt wurde. Viele Ostufer-Funktionäre in Rat, Ortsvereinen und Ortsbeiräten protestierten mit diesem Schreiben gegen ihre Rolle in der Ratsfraktion, wo sie sich seit Jahren lediglich als Mehrheitsbeschaffer betrachtet, in ihren politischen Forderungen aber nicht ernst genommen sahen - so zumindest ihre Empfindung. Der [[Kreisverband Kiel|Kieler SPD]] drohte die Spaltung. Die Erwägung, einen neuen Kreisverband Ost zu gründen, "ist ein Akt der Notwehr, aber nicht ohne Reiz", kommentierte Hans-Werner Tovar.<ref>''Kieler Nachrichten'', 2.1.1988</ref> | ||
Nach vielen Gesprächen und einer offenen Diskussion im [[Kreisverband Kiel - Kreisausschuss|Kreisausschuss]] erklärten Hans-Werner Tovar und [[Jürgen Silz]], einer seiner Mitstreiter in der SPD-Ratsfraktion, dass sie eine Verselbständigung der SPD-Mitglieder des Kieler Ostufers nicht anstrebten.<ref>SPD Kiel: Pressemitteilung | Nach vielen Gesprächen und einer offenen Diskussion im [[Kreisverband Kiel - Kreisausschuss|Kreisausschuss]] erklärten Hans-Werner Tovar und [[Jürgen Silz]], einer seiner Mitstreiter in der SPD-Ratsfraktion, dass sie eine Verselbständigung der SPD-Mitglieder des Kieler Ostufers nicht anstrebten.<ref>SPD Kiel: Pressemitteilung, 4.11.1988</ref> Der Konflikt war damit vorerst eingedämmt. | ||
[[Datei:SPD-Ratsfraktion Fraktionsvorstand 12 1987.jpg|360px|thumb|right|Vorstand der SPD-Ratsfraktion, v.l. Stadtpräsidentin Silke Reyer, Eckehard Raupach, Hans-Werner Tovar, Fraktionsvorsitzende Waltraut Siebke, Holger Ipsen, Bernd Löwner, Uschi Schuckenböhmer, Ewald Breitkopf, Rolf Johanning]] | [[Datei:SPD-Ratsfraktion Fraktionsvorstand 12 1987.jpg|360px|thumb|right|Vorstand der SPD-Ratsfraktion, v.l. Stadtpräsidentin Silke Reyer, Eckehard Raupach, Hans-Werner Tovar, Fraktionsvorsitzende Waltraut Siebke, Holger Ipsen, Bernd Löwner, Uschi Schuckenböhmer, Ewald Breitkopf, Rolf Johanning]] | ||
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Die [[Kommunalwahl 1990]] gewann die SPD mit der absoluten Mehrheit der abgegebenen Stimmen und der Mandate. | Die [[Kommunalwahl 1990]] gewann die SPD mit der absoluten Mehrheit der abgegebenen Stimmen und der Mandate. | ||
Ein bis in die jüngste Vergangenheit dauerndes Streitthema der Ratsfraktion und der Kreispartei mit Hans-Werner Tovar und anderen Ostufer-Ratsmitgliedern war und ist die Verkehrspolitik. Stichworte dazu sind die Anbindung des Ostuferhafens an das überregionale Straßennetz, die | [[Datei:KN 18.06.1990 S. 20.JPG|360px|thumb|left|Artikel der Kieler Nachrichten über die Protestaktion]] | ||
Hans-Werner Tovar wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender und ehrenamtlicher Stadtrat für Wohnungsbau und Wohnungswesen. Dieses Amt nahm er mit großem Engagement wahr. Vom Land forderte er die Förderung von 2000 Sozialwohnungen bis zum Jahre [[2000]]. Die festgefahrenen Verhandlungen über einen Mietspiegel schob er erfolgreich wieder an.<ref>''Kieler Nachrichten'', 13.6.1990</ref> Aber die Arbeit als Wohnungdezernent verlief nicht ohne Konflikte. Er übte öffentlich Kritik an den Plänen des Baudezernats zum Straßenausbau am Joachimsplatz und dem damit verbundenen Abriss der sog. [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Konsumhäuser]] mit 37 Wohneinheiten, dem die SPD-Fraktion mehrheitlich zugestimmt hatte.<ref>''Kieler Nachrichten'', 31.8.1990</ref> An anderer Stelle geriet er in Konflikt mit Kleingärtnern um Flächen für den Wohnungsbau. In der Summe führte das [[1991]] zu einem von [[Ewald Breitkopf]] eingebrachten Abwahlantrag gegen Hans-Werner Tovar als stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Die Abwahl wurde nur knapp mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt.<ref>''Kieler Nachrichten'', 30.11.1991</ref> | |||
[[Datei:Rotkielchen 01 1993 Nachdenken über Hans-Werner T.pdf|360px|thumb|right|Hans-Werner Tovar war dem ''[[Rotkielchen]]'' eine Titelgeschichte wert]] | |||
Zur Kieler Woche [[1990]] protestierte Hans-Werner Tovar zusammen mit Ratsmitgliedern der GRÜNEN in einem Greenpeace-Schlauchboot gegen den Besuch der britischen Fregatte HMS Brilliant. Sie vermuteten, dass das Schiff in Kiel unerwünschte Atomwaffen mit sich führte. | |||
[[1992]] wollte er sich als Nachfolger von [[Karl-Heinz Luckhardt]] als Oberbürgermeister bewerben. Die Auswahlkommission der SPD lehnte aber seine Kindidatur ab. Gewählt wurde [[Otto Kelling]].<ref name=":0">''Kieler Nachrichten'', 6.6.2023, S. 26</ref> | |||
Ein bis in die jüngste Vergangenheit dauerndes Streitthema der Ratsfraktion und der Kreispartei mit Hans-Werner Tovar und anderen Ostufer-Ratsmitgliedern war und ist die Verkehrspolitik. Stichworte dazu sind die Anbindung des Ostuferhafens an das überregionale Straßennetz, die B502, der stark belastete Ostring, eine mögliche Ostuferentlastungsstraße und die Südspange Gaarden. In seinem letzten Interview als Stadtpräsident bezeichnete er den Bau der vierspurigen Bundesstraße 502 in die Probstei als seine größte fachliche Niederlage in der Kommunalpolitik. <ref>''Kieler Nachrichten'', 20.1.2022</ref><ref name=":0" /> | |||
Bei der [[Kommunalwahl 1994]] verlor die SPD ihre absolute Mehrheit in der Ratsversammlung, blieb aber stärkste Partei in Kiel. | Bei der [[Kommunalwahl 1994]] verlor die SPD ihre absolute Mehrheit in der Ratsversammlung, blieb aber stärkste Partei in Kiel. | ||
Die Fraktionsvorsitzende [[Waltraut Siebke]] verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Sie begründete diese Entscheidung nicht nur mit dem schlechten Wahlergebnis, sondern auch damit, dass es in den letzten Monaten in der Ratsfraktion im Umgang miteinander an Solidarität gefehlt habe.<ref>''Kieler Nachrichten'' | Die Fraktionsvorsitzende [[Waltraut Siebke]] verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Sie begründete diese Entscheidung nicht nur mit dem schlechten Wahlergebnis, sondern auch damit, dass es in den letzten Monaten in der Ratsfraktion im Umgang miteinander an Solidarität gefehlt habe.<ref name=":1">''Kieler Nachrichten'', 22.3.1994</ref> | ||
Zum neuen Vorsitzenden wählte die Fraktion Hans-Werner Tovar.<ref | Zum neuen Vorsitzenden wählte die Fraktion Hans-Werner Tovar.<ref name=":1" /> Bereits zwei Jahre später verlor er dieses Amt wieder. Grund war ein Beratervertrag zwischen den städtischen Hafen- und Verkehrsbetrieben (HVB) und der Anwaltskanzlei Tovar und | ||
[[Datei:Kranzniederlegung auf dem Eichhof-Friedhof 21.06.2021.JPG|360px|thumb|left|Kranzniederlegung auf dem Eichhoffriedhof am 22. | [[Datei:Kranzniederlegung auf dem Eichhof-Friedhof 21.06.2021.JPG|360px|thumb|left|Kranzniederlegung auf dem Eichhoffriedhof am 22.6.2021 durch den Stadtpräsidenten mit Vertretern des russischen Generalkonsulats Hamburg anlässlich der 80. Wiederkehr des Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion]] | ||
Partner, in der auch der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende [[Gernot Starke]] und das SPD-Kreisvorstandsmitglied [[Ingeborg Tovar]] | Partner, in der auch der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende [[Gernot Starke]] und das SPD-Kreisvorstandsmitglied [[Ingeborg Tovar]] tätig waren.<ref>''Kieler Nachrichten'', 13.1.1996</ref> Diese rechtlich erlaubte Beratertätigkeit war den Bürgerinnen und Bürgern politisch nicht zu vermitteln. Der [[Kreisverband Kiel - Kreisparteitag|Kreisparteitag]] vom [[13. Januar]] [[1996]] forderte Hans-Werner Tovar zum Rücktritt auf. Der Kreisvorsitzende [[Rolf Fischer]] begründete dies: | ||
<blockquote>"Es geht nicht um juristische Fragen, es geht hier um Vertrauen, um Vertrauen, das die Partei ihren Mandatsträgern entgegenbringt, und das Vertrauen in diese Partei. Ihr wisst alle, dass wir in Kiel Probleme haben, Vertrauen zurückzugewinnen." Er zitierte aus den Verhaltensregeln der Bundespartei: "Wir müssen bereit sein, für uns strenge Maßstäbe walten zu lassen, wenn es um das Verhältnis von politischer Verantwortung und geschäftlichen Interessen geht."<ref>''Kieler Nachrichten'' | <blockquote>"Es geht nicht um juristische Fragen, es geht hier um Vertrauen, um Vertrauen, das die Partei ihren Mandatsträgern entgegenbringt, und das Vertrauen in diese Partei. Ihr wisst alle, dass wir in Kiel Probleme haben, Vertrauen zurückzugewinnen." Er zitierte aus den Verhaltensregeln der Bundespartei: "Wir müssen bereit sein, für uns strenge Maßstäbe walten zu lassen, wenn es um das Verhältnis von politischer Verantwortung und geschäftlichen Interessen geht."<ref>''Kieler Nachrichten'', 15.1.1996</ref></blockquote> | ||
[[Datei:Geächtnisfeier für Wilhelm Spiegel 12.03.2023.jpg|360px|thumb|right|Kranzniederlegung auf dem alten Urnenfriedhof am 12. | [[Datei:Geächtnisfeier für Wilhelm Spiegel 12.03.2023.jpg|360px|thumb|right|Kranzniederlegung auf dem alten Urnenfriedhof am 12.3.2023 durch den Stadtpräsidenten anlässlich des 90. Todestages von Wilhelm Spiegel]] | ||
Hans-Werner Tovar kam der Aufforderung zum Rücktritt nicht nach, wurde daher in der nächsten Fraktionssitzung abgewählt.<ref>''Kieler Nachrichten'' | Hans-Werner Tovar kam der Aufforderung zum Rücktritt nicht nach, wurde daher in der nächsten Fraktionssitzung abgewählt.<ref>''Kieler Nachrichten'', 16.1.1996</ref> Sein Nachfolger wurde [[Eckehard Raupach]]. <ref>''Kieler Nachrichten'', 23.1.1996</ref>Die HVB beendete das Vertragsverhältnis mit der Kanzlei Tovar und Partner.<ref>''Kieler Nachrichten'', 17.1.1996</ref> | ||
Hans-Werner Tovar behielt sein Ratsmandat. Bereits wenige Monate später, im April [[1996]], wurde er wirtschaftspolitischer Sprecher der Ratsfraktion. Die Presse titelte: ''Ein Mann will (wieder) nach oben''.<ref>''Kieler Nachrichten'', 17.4.1996</ref> Das erreichte er auch. | |||
Den mehrheitlichen Verkauf der Stadtwerke Kiel AG [[2001]] - in der Zeit der großen Privatisierungswelle nach der Liberalisierung der Strom- und Gasversorung ("Privat vor Staat") - betrachtet er im Nachhinein als seinen größten kommunalpolitischen Fehler. Seiner Einschätzung nach hätte er diese Entscheidung verhindern können.<ref name=":0" /> | |||
[[2013]] wurde Hans-Werner Tovar zum Stadtpräsidenten gewählt, nach der [[Kommunalwahl 2018]] auch für eine zweite Amtszeit. Er kündigte an, dass dies seine letzte Wahlperiode sei. Seine wichtigste Aufgabe beschrieb er so: | |||
<blockquote>"Ich bin dafür zuständig, die demokratischen Rechte der Fraktionen zu sichern, und ich werde das auch tun."<ref name=":2">''Kieler Nachrichten'', 11.5.2018</ref></blockquote> | |||
Darüber hinaus waren für ihn die internationalen Beziehungen der Stadt zu ihren Partnerstädten, die Pflege von Kontakten zu den Religionsgemeinschaften und zur Bevölkerung von großer Bedeutung<ref name=":2" />, ebenso die Friedens- und Abrüstungspolitik. So trat er am [[22. Januar]] [[2022]] auf einer Veranstaltung vor dem Kieler Rathaus auf, mit der das einjährige Bestehen des Atomwaffenverbotsvertrages gefeiert wurde, den er als "wichtigen Schritt in eine atomwaffenfreie Welt" betrachtet.<ref>''Kieler Nachrichten'', 24.1.2022</ref> Nach dem verheerenden Erdbeben in Syrien und der Türkei am [[6. Februar]] [[2023]] mit zehntausenden Toten, von dem auch Kiels Partnerregion Hatay betroffen ist, erinnerte Hans-Werner Tovar an die engen freundschaftlichen Verbindungen zwischen Kiel und Hatay und sicherte den Freunden und Freundinnen in der Türkei und der türkischen Gemeinde die Unterstützung und Solidarität der Stadt zu.<ref>Landeshauptstadt Kiel: ''Kiel gedenkt der Erdbebenopfer - Spendenaktion für Partnerregion Hatay'', Presseinformation, 7.2.2023</ref> | |||
Zum Ende seiner Amtszeit setzte er sich für eine offizielle Partnerschaft zwischen Qingdao in der Volksrepublik China und Kiel ein, ungeachtet der Kritik von Sicherheitsexperten.<ref>''Kieler Nachrichten'', 21.4.2023</ref> | |||
Nach der für die SPD verlorenen Kommunalwahl am [[14. Mai]] [[2023]] wählte er noch einmal einen Alleingang: Er forderte in der Presse die Rücktritte der Landesvorsitzenden [[Serpil Midyatli]] und Kreisvorsitzenden [[Gesine Stück]], ohne sich zuvor an der Wahlanalyse in Fraktion und [[Kreisverband Kiel - Kreisausschuss|Kreisausschuss]] beteiligt zu haben.<ref>''[https://www.kn-online.de/lokales/kiel/stadtpraesident-tovar-fordert-ruecktritt-von-serpil-midyatli-und-gesine-stueck-K2CKCEF3ARGWJMBEY2Z3JZPBME.html Kiels Stadtpräsident Tovar: Serpil Midyatli und Gesine Stück sollten gehen]'', ''Kieler Nachrichten'', 17.5.2023</ref> | |||
Auf die Frage, ob er mit Erleichterung oder mit Wehmut aus dem Amt und aus der Kieler Kommunalpolitik ausscheide, antwortete er: <blockquote>"Natürlich ist da Wehmut dabei. 37 Jahre sind ja fast ein ganzes Arbeitsleben. Aber ich erwarte auch eine große Erleichterung, jetzt endlich über meine Zeit selbst verfügen zu können. Das Hin- und Hergerissensein zwischen Ehrenamt und Beruf - ich arbeite ja noch in der Anwaltskanzlei - ist schon aufreibend gewesen. Die Wehmut wird gehen, die Erleichterung wird bleiben."<ref name=":0" /></blockquote> | |||
== | ==Ehrungen== | ||
*Im Jahr [[2000]] wurde ihm die Freiherr-Vom-Stein-Medaille des Landes verliehen.<ref>''Kieler Nachrichten'', 14.10.2000</ref> | |||
*Beim Stadtteilfest ''Dietrichsdorfer Band'' erhielt Hans-Werner Tovar [[2024]] den ''Rolf-Kähler Gedächtnispokal''.<ref>''kn-online'', 24.6.2024</ref> Dies ist ein Wanderpokal, der seit [[2014]] vom Dietrichsdorfer Gesprächskreis vergeben wird. Rolf Kähler war viele Jahre Vorsitzender des Gesprächskreises.<ref>''Kieler Nachrichten'', 3.9.2019</ref> | |||
==Links== | |||
*{{Wikipedia}} | |||
*Kiel-Wiki: [https://kiel-wiki.de/Hans-Werner_Tovar Hans-Werner Tovar] | *Kiel-Wiki: [https://kiel-wiki.de/Hans-Werner_Tovar Hans-Werner Tovar] | ||
== Einzelnachweise == | ==Einzelnachweise== | ||
<references /> | <references /> | ||
Aktuelle Version vom 31. Januar 2026, 12:54 Uhr
| Hans-Werner Tovar |
Hans-Werner Tovar, * 29. Juli 1948 in Köln; Jurist. Mitglied der SPD seit 1973.
Werdegang
Hans-Werner Tovar studierte in Köln und Kiel Jura. Er ist verheiratet mit Ingeborg Tovar, das Ehepaar hat drei Kinder.
Seit 1980 betreiben sie in Kiel eine gemeinsame Kanzlei, zeitweise zusammen mit Gernot Starke, heute mit dem Sohn Stefan Tovar. 1988 erfolgte Hans-Werner Tovars Ernennung zum Notar. Zudem qualifizierte er sich zum Familien- und Wirtschaftsmediator.
In seiner Freizeit tritt er mit der Theatergruppe der Brillianten Dilettanten der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Dietrichsdorf auf und ist Ehrenmitglied im Verein Theatermuseum Kiel e.V.[1]
Er ist Reserveoffizier. Sein letzter Dienstgrad: Oberstleutnant.
Partei & Politik
Am 14. Februar 1973 trat Hans-Werner Tovar in die SPD ein. Von 1983 bis 1996 war er Schriftführer, 1991/92 und von 2001 bis 2007 Vorsitzender des Ortsvereins Neumühlen-Dietrichsdorf.
2009 bewarb er sich um die Landtagskandidatur im Wahlkreis Kiel-Ost. Nach dem zweiten Platz im ersten Wahlgang vor Gesa Langfeldt und Serpil Midyatli verlor er die Stichwahl gegen Bernd Heinemann.
Kommunalpolitik
Seit der Kommunalwahl 1986 gehörte er der Kieler Ratsversammlung an. In seinem Wahlkreis in Neumühlen-Dietrichsdorf, in dem er auch wohnt, wurde er immer direkt gewählt. Zur Kommunalwahl 2023 trat er nicht wieder an.
Viele Jahre war er stellvertretender Vorsitzender und von 1994 bis 1996 Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und in dieser Funktion ehrenamtlicher Stadtrat ohne Sachgebiet und 2. Allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Seit 2013 war er Stadtpräsident.
Von 1990 bis 1994 war er ehrenamtlicher Stadtrat für Wohnungsbau und Wohnungswesen.
In seinem Kandidatenbrief zur Kommunalwahl 1986 formulierte er:
"Dem Wohle der ganzen Stadt verpflichtet, werde ich mein besonderes Augenmerk unserem Stadtteil widmen, damit bald keiner mehr sagen kann: Kiel hört an der Schwentine auf."
In seiner langen kommunalpolitischen Karriere mit Höhen und Tiefen hat er dieses besondere Augenmerk - ausgedehnt auf das gesamte Ostufer der Stadt - zeitweise bis an die Schmerzgrenze der Kieler SPD ausgereizt.
Das Kieler Ostufer erlebte in den 1980er und 1990er Jahren einen tiefgreifenden Strukturwandel, der bis heute nicht abgeschlossen ist. 1983 wurde der Werftbetrieb der damaligen Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) in Dietrichdorf eingestellt. Andere Unternehmen, wie Linotype-Hell, verlagerten ihren Firmensitz auf das Westufer. Die Arbeitslosigkeit nahm zu, die sozialen Probleme wurden größer.

Angeführt von Hans-Werner Tovar beklagten mehrere Ostufer-Ratsmitglieder, dass das Ostufer gegenüber dem Westufer auch durch Entscheidungen der SPD-Fraktion permanent benachteiligt werde. Ausgelöst durch eine Entscheidung der Fraktion zur ärztlichen Notfallversorgung auf dem Ostufer eskalierte 1988 der Konflikt. Es kursierte der Entwurf eines Schreibens an den Landesvorstand, in dem die Einrichtung eines neuen Kreisverbandes Kiel-Ost beantragt wurde. Viele Ostufer-Funktionäre in Rat, Ortsvereinen und Ortsbeiräten protestierten mit diesem Schreiben gegen ihre Rolle in der Ratsfraktion, wo sie sich seit Jahren lediglich als Mehrheitsbeschaffer betrachtet, in ihren politischen Forderungen aber nicht ernst genommen sahen - so zumindest ihre Empfindung. Der Kieler SPD drohte die Spaltung. Die Erwägung, einen neuen Kreisverband Ost zu gründen, "ist ein Akt der Notwehr, aber nicht ohne Reiz", kommentierte Hans-Werner Tovar.[2]
Nach vielen Gesprächen und einer offenen Diskussion im Kreisausschuss erklärten Hans-Werner Tovar und Jürgen Silz, einer seiner Mitstreiter in der SPD-Ratsfraktion, dass sie eine Verselbständigung der SPD-Mitglieder des Kieler Ostufers nicht anstrebten.[3] Der Konflikt war damit vorerst eingedämmt.

Zum Ende der Wahlperiode meldete Hans-Werner Tovar 1989 gegenüber dem Fraktionsvorstand seine Forderungen für die kommende Ratsperiode an:
- Stellvertretender Fraktionsvorsitz und ehrenamtliches Magistratsmitglied.
- Sollte das Ostufer bei den Haushaltsberatungen für das Wahljahr 1990 nicht entsprechend berücksichtigt werden, müssten daraus Konsequenzen für den Wahlkampf gezogen werden.[4]
Die Kommunalwahl 1990 gewann die SPD mit der absoluten Mehrheit der abgegebenen Stimmen und der Mandate.
Hans-Werner Tovar wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender und ehrenamtlicher Stadtrat für Wohnungsbau und Wohnungswesen. Dieses Amt nahm er mit großem Engagement wahr. Vom Land forderte er die Förderung von 2000 Sozialwohnungen bis zum Jahre 2000. Die festgefahrenen Verhandlungen über einen Mietspiegel schob er erfolgreich wieder an.[5] Aber die Arbeit als Wohnungdezernent verlief nicht ohne Konflikte. Er übte öffentlich Kritik an den Plänen des Baudezernats zum Straßenausbau am Joachimsplatz und dem damit verbundenen Abriss der sog. Konsumhäuser mit 37 Wohneinheiten, dem die SPD-Fraktion mehrheitlich zugestimmt hatte.[6] An anderer Stelle geriet er in Konflikt mit Kleingärtnern um Flächen für den Wohnungsbau. In der Summe führte das 1991 zu einem von Ewald Breitkopf eingebrachten Abwahlantrag gegen Hans-Werner Tovar als stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Die Abwahl wurde nur knapp mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt.[7]

Zur Kieler Woche 1990 protestierte Hans-Werner Tovar zusammen mit Ratsmitgliedern der GRÜNEN in einem Greenpeace-Schlauchboot gegen den Besuch der britischen Fregatte HMS Brilliant. Sie vermuteten, dass das Schiff in Kiel unerwünschte Atomwaffen mit sich führte.
1992 wollte er sich als Nachfolger von Karl-Heinz Luckhardt als Oberbürgermeister bewerben. Die Auswahlkommission der SPD lehnte aber seine Kindidatur ab. Gewählt wurde Otto Kelling.[8]
Ein bis in die jüngste Vergangenheit dauerndes Streitthema der Ratsfraktion und der Kreispartei mit Hans-Werner Tovar und anderen Ostufer-Ratsmitgliedern war und ist die Verkehrspolitik. Stichworte dazu sind die Anbindung des Ostuferhafens an das überregionale Straßennetz, die B502, der stark belastete Ostring, eine mögliche Ostuferentlastungsstraße und die Südspange Gaarden. In seinem letzten Interview als Stadtpräsident bezeichnete er den Bau der vierspurigen Bundesstraße 502 in die Probstei als seine größte fachliche Niederlage in der Kommunalpolitik. [9][8]
Bei der Kommunalwahl 1994 verlor die SPD ihre absolute Mehrheit in der Ratsversammlung, blieb aber stärkste Partei in Kiel.
Die Fraktionsvorsitzende Waltraut Siebke verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Sie begründete diese Entscheidung nicht nur mit dem schlechten Wahlergebnis, sondern auch damit, dass es in den letzten Monaten in der Ratsfraktion im Umgang miteinander an Solidarität gefehlt habe.[10] Zum neuen Vorsitzenden wählte die Fraktion Hans-Werner Tovar.[10] Bereits zwei Jahre später verlor er dieses Amt wieder. Grund war ein Beratervertrag zwischen den städtischen Hafen- und Verkehrsbetrieben (HVB) und der Anwaltskanzlei Tovar und
Partner, in der auch der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Gernot Starke und das SPD-Kreisvorstandsmitglied Ingeborg Tovar tätig waren.[11] Diese rechtlich erlaubte Beratertätigkeit war den Bürgerinnen und Bürgern politisch nicht zu vermitteln. Der Kreisparteitag vom 13. Januar 1996 forderte Hans-Werner Tovar zum Rücktritt auf. Der Kreisvorsitzende Rolf Fischer begründete dies:
"Es geht nicht um juristische Fragen, es geht hier um Vertrauen, um Vertrauen, das die Partei ihren Mandatsträgern entgegenbringt, und das Vertrauen in diese Partei. Ihr wisst alle, dass wir in Kiel Probleme haben, Vertrauen zurückzugewinnen." Er zitierte aus den Verhaltensregeln der Bundespartei: "Wir müssen bereit sein, für uns strenge Maßstäbe walten zu lassen, wenn es um das Verhältnis von politischer Verantwortung und geschäftlichen Interessen geht."[12]

Hans-Werner Tovar kam der Aufforderung zum Rücktritt nicht nach, wurde daher in der nächsten Fraktionssitzung abgewählt.[13] Sein Nachfolger wurde Eckehard Raupach. [14]Die HVB beendete das Vertragsverhältnis mit der Kanzlei Tovar und Partner.[15]
Hans-Werner Tovar behielt sein Ratsmandat. Bereits wenige Monate später, im April 1996, wurde er wirtschaftspolitischer Sprecher der Ratsfraktion. Die Presse titelte: Ein Mann will (wieder) nach oben.[16] Das erreichte er auch.
Den mehrheitlichen Verkauf der Stadtwerke Kiel AG 2001 - in der Zeit der großen Privatisierungswelle nach der Liberalisierung der Strom- und Gasversorung ("Privat vor Staat") - betrachtet er im Nachhinein als seinen größten kommunalpolitischen Fehler. Seiner Einschätzung nach hätte er diese Entscheidung verhindern können.[8]
2013 wurde Hans-Werner Tovar zum Stadtpräsidenten gewählt, nach der Kommunalwahl 2018 auch für eine zweite Amtszeit. Er kündigte an, dass dies seine letzte Wahlperiode sei. Seine wichtigste Aufgabe beschrieb er so:
"Ich bin dafür zuständig, die demokratischen Rechte der Fraktionen zu sichern, und ich werde das auch tun."[17]
Darüber hinaus waren für ihn die internationalen Beziehungen der Stadt zu ihren Partnerstädten, die Pflege von Kontakten zu den Religionsgemeinschaften und zur Bevölkerung von großer Bedeutung[17], ebenso die Friedens- und Abrüstungspolitik. So trat er am 22. Januar 2022 auf einer Veranstaltung vor dem Kieler Rathaus auf, mit der das einjährige Bestehen des Atomwaffenverbotsvertrages gefeiert wurde, den er als "wichtigen Schritt in eine atomwaffenfreie Welt" betrachtet.[18] Nach dem verheerenden Erdbeben in Syrien und der Türkei am 6. Februar 2023 mit zehntausenden Toten, von dem auch Kiels Partnerregion Hatay betroffen ist, erinnerte Hans-Werner Tovar an die engen freundschaftlichen Verbindungen zwischen Kiel und Hatay und sicherte den Freunden und Freundinnen in der Türkei und der türkischen Gemeinde die Unterstützung und Solidarität der Stadt zu.[19]
Zum Ende seiner Amtszeit setzte er sich für eine offizielle Partnerschaft zwischen Qingdao in der Volksrepublik China und Kiel ein, ungeachtet der Kritik von Sicherheitsexperten.[20]
Nach der für die SPD verlorenen Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wählte er noch einmal einen Alleingang: Er forderte in der Presse die Rücktritte der Landesvorsitzenden Serpil Midyatli und Kreisvorsitzenden Gesine Stück, ohne sich zuvor an der Wahlanalyse in Fraktion und Kreisausschuss beteiligt zu haben.[21]
Auf die Frage, ob er mit Erleichterung oder mit Wehmut aus dem Amt und aus der Kieler Kommunalpolitik ausscheide, antwortete er:
"Natürlich ist da Wehmut dabei. 37 Jahre sind ja fast ein ganzes Arbeitsleben. Aber ich erwarte auch eine große Erleichterung, jetzt endlich über meine Zeit selbst verfügen zu können. Das Hin- und Hergerissensein zwischen Ehrenamt und Beruf - ich arbeite ja noch in der Anwaltskanzlei - ist schon aufreibend gewesen. Die Wehmut wird gehen, die Erleichterung wird bleiben."[8]
Ehrungen
- Im Jahr 2000 wurde ihm die Freiherr-Vom-Stein-Medaille des Landes verliehen.[22]
- Beim Stadtteilfest Dietrichsdorfer Band erhielt Hans-Werner Tovar 2024 den Rolf-Kähler Gedächtnispokal.[23] Dies ist ein Wanderpokal, der seit 2014 vom Dietrichsdorfer Gesprächskreis vergeben wird. Rolf Kähler war viele Jahre Vorsitzender des Gesprächskreises.[24]
Links
- Wikipedia: Hans-Werner Tovar
- Kiel-Wiki: Hans-Werner Tovar
Einzelnachweise
- ↑ Theatermuseum Kiel e.V.: Impressum, abgerufen 14.3.2023
- ↑ Kieler Nachrichten, 2.1.1988
- ↑ SPD Kiel: Pressemitteilung, 4.11.1988
- ↑ SPD-Ratsfraktion: Protokoll der Sitzung vom 7.11.1989
- ↑ Kieler Nachrichten, 13.6.1990
- ↑ Kieler Nachrichten, 31.8.1990
- ↑ Kieler Nachrichten, 30.11.1991
- ↑ 8,0 8,1 8,2 8,3 Kieler Nachrichten, 6.6.2023, S. 26
- ↑ Kieler Nachrichten, 20.1.2022
- ↑ 10,0 10,1 Kieler Nachrichten, 22.3.1994
- ↑ Kieler Nachrichten, 13.1.1996
- ↑ Kieler Nachrichten, 15.1.1996
- ↑ Kieler Nachrichten, 16.1.1996
- ↑ Kieler Nachrichten, 23.1.1996
- ↑ Kieler Nachrichten, 17.1.1996
- ↑ Kieler Nachrichten, 17.4.1996
- ↑ 17,0 17,1 Kieler Nachrichten, 11.5.2018
- ↑ Kieler Nachrichten, 24.1.2022
- ↑ Landeshauptstadt Kiel: Kiel gedenkt der Erdbebenopfer - Spendenaktion für Partnerregion Hatay, Presseinformation, 7.2.2023
- ↑ Kieler Nachrichten, 21.4.2023
- ↑ Kiels Stadtpräsident Tovar: Serpil Midyatli und Gesine Stück sollten gehen, Kieler Nachrichten, 17.5.2023
- ↑ Kieler Nachrichten, 14.10.2000
- ↑ kn-online, 24.6.2024
- ↑ Kieler Nachrichten, 3.9.2019
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