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Von [[1928]] bis [[1933]] war er Stadtverordneter in [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]]. Im selben Zeitraum vertrat er die SPD im [[Provinziallandtagswahlen 1919-1933|Provinziallandtag Schleswig-Holstein]]. In beiden Funktionen "machte er sich einen Namen als ein Mann, der sich ohne Rücksicht auf seine Person für andere Menschen mit klaren Argumenten einzusetzen wußte."<ref name=":0" /> | Von [[1928]] bis [[1933]] war er Stadtverordneter in [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]]. Im selben Zeitraum vertrat er die SPD im [[Provinziallandtagswahlen 1919-1933|Provinziallandtag Schleswig-Holstein]]. In beiden Funktionen "machte er sich einen Namen als ein Mann, der sich ohne Rücksicht auf seine Person für andere Menschen mit klaren Argumenten einzusetzen wußte."<ref name=":0" /> | ||
Version vom 2. Juli 2025, 06:30 Uhr
| Theodor Werner |
Theodor 'Tedje' (oder 'Tetje') Werner, * 8. Januar 1884 in Itzehoe; † 17. August 1973 in Kiel; Lagerhalter, Parteisekretär. Mitglied der SPD seit 1906.
Werdegang
Der Vater kam aus Schlesien und fand Arbeit in einer Portland-Zementfabrik bei Itzehoe (Lägerdorf oder Breitenburg), wo er sich niederließ und eine Familie gründete. Tedje Werner hatte sechs jüngere Geschwister. Er besuchte die Volksschule, musste jedoch schon während der Schulzeit ebenfalls in der Zementfabrik arbeiten, oft 12 Stunden am Tag. Wann er nach Brunsbüttel[1] zog, ist bisher nicht ermittelt; dort gab er seinen Beruf mit "Lagerhalter" an. In seinem Nachruf wird er als "Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft Brunsbüttel" bezeichnet.[2]
1907 heiratete er Martha Surkus[3]; die beiden hatten drei Kinder. 1925 zog die Familie nach Kiel. Dort blieben er und seine Frau für den Rest ihres Lebens. Ihre letzte Adresse hier war Blocksberg 8.[3]
1906 wurde er Gewerkschaftsmitglied.
Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der AWO in Schleswig-Holstein und war bis zum Verbot 1933 Geschäftsführer von deren Bezirksausschuss.[4] Nach der Wiedergründung engagierte er sich als Stellvertreter von Louise Schroeder im Landesvorsitz und war "bis ins hohe Alter" für die AWO tätig.
Partei & Politik
1906 trat Tedje Werner in die SPD ein. Schon vorher hatte er mit Freunden die Sozialistische Arbeiterjugend in Itzehoe organisiert.
1925 holte man ihn als Sekretär für die neuen Bereiche Kommunalpolitik und Arbeiterwohlfahrt ins Bezirkssekretariat nach Kiel.[5] 1926 übernahm er als Parteisekretär die Bezirksleitung der SPD in Kiel.
Kommunalpolitik
Er engagierte sich schon in Brunsbüttel als Gemeindevertreter und war vom 19. November 1919 bis 1925 Kirchspiels-Gemeindevorsteher, d.h. Bürgermeister.[6] Im Kreis Süderdithmarschen gehörte er bis 1926 dem Kreistag und dem Kreisausschuss an.
Von 1928 bis 1933 war er Stadtverordneter in Kiel. Im selben Zeitraum vertrat er die SPD im Provinziallandtag Schleswig-Holstein. In beiden Funktionen "machte er sich einen Namen als ein Mann, der sich ohne Rücksicht auf seine Person für andere Menschen mit klaren Argumenten einzusetzen wußte."[2]
Nationalsozialismus

In der schon nicht mehr wirklich freien Kommunalwahl am 12. März 1933 gehörte Tedje Werner zu den SPD-Kandidaten, die wiedergewählt wurden. Kurz danach wurde er von der Gestapo verhaftet, seine wenigen Ersparnisse beschlagnahmt.[2] Einem Arzt verdankte er seine baldige Freilassung. In seiner Vorstellung als Kandidat für die Kommunalwahl 1946 heißt es über diese Zeit: "Nach 1933 dauernde Verhaftungen und Haussuchungen."[7]
Er kaufte am Königsweg 52 in Kiel ein kleines Tabakgeschäft, das er unauffällig führte, das aber gleichzeitig als Anlaufstelle für Genossinnen und Genossen diente.[8] Dies war in den "illegalen" Zeiten bei SPD und KPD eine häufig anzutreffende Tätigkeit; auch Nanny Kurfürst betrieb einen solchen Laden auf dem Ostufer. Die Funktion von Tabakläden beim Aufbau eines illegalen Netzes erläuterte in einer späteren Diktatur ein Stasi-Offizier so:
"... da steckt man sich erstmal einen Glimmstengel an, und zu einem Schwatz ist auch noch Zeit. Man hört dies und das. Es trifft sich Hinz und Kunz. Und wenn dann der Kunz dein Mann ist, weil, du hast es erkannt, er eine Zigarettensorte verlangte, die es gar nicht gibt, es war dein Stichwort, dann kannst du ihm mit der Schachtel, die du ihm nun empfiehlst, jeden Kassiber mit rüberschieben, und wenn noch zehn andere im Laden rumstehen und paffen und quatschen, kein Aas merkt was."[9]
1940 wurde er von den Nazis als Hilfsangestellter im Kieler Ernährungsamt dienstverpflichtet. Jedoch "stellten die Ortsgewaltigen schnell fest, daß er 'für den Publikumsverkehr nicht geeignet' war."[2]
Wiederaufbau der SPD
Von 1945 bis 1946 amtierte Tedje Werner als vorläufiger Vorsitzender des Bezirksverbandes Schleswig-Holstein. Das Entstehen dieses vorläufigen Bezirksvorstandes lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Nach Tedje Werners Erinnerung[10] fand nach einer Anfrage der Besatzungsbehörden am 17. August 1945 kurzfristig eine Sitzung von sieben führenden Kieler SPD-Mitgliedern statt, die aus ihrer Mitte ihn mit der Leitung des vorläufigen (ungewählten) Bezirksvorstandes betrauten und Wilhelm Kuklinski als Stellvertreter sowie Karl Ratz als Stellvertreter und Kassierer benannten. Bis zur inoffiziellen Bezirkskonferenz vom 27. und 28. Oktober 1945 wurden mehrfach Mitglieder ergänzt.
Spätestens am 26. August berief der vorläufige Bezirksvorstand Wilhelm Kuklinski zum gleichberechtigten Vorsitzenden, da Tedje Werner "sich nicht durch besondere Führungsstärke auszeichnete"[11]. Auf der - von der britischen Militärregierung nicht genehmigten und daher als "private Besprechung" deklarierten - Bezirkskonferenz vom Oktober wurde der inoffizielle Bezirksvorstand in seiner aktuellen Zusammensetzung, also mit der Doppelspitze Werner und Kuklinski, bestätigt. Auf dem ersten offiziellen Bezirksparteitag kandidierte Tedje Werner nicht mehr für den Vorsitz, sondern wurde hauptamtlicher Kassierer (später Schatzmeister) im Bezirksvorstand. [12] Über die Parteifinanzen wachte er gewissenhaft bis 1959.[2]
Landtag
Bei der Landtagswahl 1947 wurde er im Wahlkreis 19 (Plön-Süd) direkt in den Landtag gewählt, dem er vom 8. Mai 1947 bis zum Ende der Legislaturperiode am 31. Mai 1950 angehörte. Ab dem 8. November 1947 war er Parlamentarischer Vertreter des Landesministers für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr. Zudem hatte er den Vorsitz im Wirtschaftsausschuss inne.
Er nahm am 12. September 1949 an der ersten Bundesversammlung teil, die Theodor Heuss zum Bundespräsidenten wählte.
Stimmen
"Sein Leben und Schaffen widmete er der deutschen Sozialdemokratie. Er ist ein Stück Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung." (Traueranzeige Landesvorstand, Kieler Nachrichten, 18.8.1973)
Literatur & Links
- Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein von 1945 bis 1959, 2 Bände (Malente 1998)
- Landtagsinformationssystem: Theodor Werner
- Wikipedia: Theodor Werner (Informationen im Wesentlichen aus dem Landtagsinformationssystem entnommen.)
Einzelnachweise
- ↑ Dies war der alte Ort Brunsbüttel, heute Brunsbüttel-Ort, nicht Brunsbüttelkoog. Beide Orte wurden mit weiteren 1970 zum neuen Ort Brunsbüttel zusammengelegt. Information von Uwe Möller, www.brunsbuettel-wiki.de, vom 1.7.2025.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Theodor Werner †, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
- ↑ 3,0 3,1 Traueranzeige Theodor Werner, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
- ↑ Traueranzeige AWO-Landesverband, Kieler Nachrichten, 21.8.1973
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 91
- ↑ Lt. Akte Nachweisung der in der Kirchspielsgemeinde Brunsbüttel vorhandenen Kirchspielsgemeinde- und Bauernschafts-Vorsteher und deren Stellvertreter, Stadtarchiv Brunsbütte.
- ↑ Kandidaten der Kieler Sozialdemokratie, VZ, 5.10.1946
- ↑ "Tedje" Werner wird heute 80, VZ, 8.1.1964
- ↑ Pierre Boom / Gerhard Haase-Hindenberg: Der fremde Vater. Der Sohn des Kanzlerspions Guillaume erinnert sich (Berlin 2005), S. 102
- ↑ Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 57 f.
- ↑ Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 61
- ↑ Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 107
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