Ortsverein Bad Segeberg: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Ortsverein Bad Segeberg''' ist eine Gliederung im [[Kreisverband Segeberg]]. Er wurde [[1892]] gegründet<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, S. 27</ref> und nach Ende der NS-Herrschaft Anfang [[1946]] neu gegründet.
Der '''Ortsverein Bad Segeberg''' ist eine Gliederung im [[Kreisverband Segeberg]]. Er wurde am [[15. November]] [[1892]] gegründet<ref>''[[:Datei:60 Jahre SPD Bad Segeberg.pdf|60 Jahre SPD Bad Segeberg]]'' (Bad Segeberg 1952), S. 3</ref> und nach Ende der NS-Herrschaft am [[2. Januar]] [[1946]]<ref>''[[:Datei:60 Jahre SPD Bad Segeberg.pdf|60 Jahre SPD Bad Segeberg]]'' (Bad Segeberg 1952), S. 15</ref> neu gegründet.


Am [[25. März]] [[2024]] wählte der Ortsverein einen neuen Vorstand mit [[Gerald Mertens]] an der Spitze. Dieser kommentierte: "Nach herausfordernden Zeiten für unseren Ortsverein haben wir nun wieder Kontinuität in unsere Partei gebracht und ein gutes Verhältnis zwischen Ortsverein und Fraktion aufgebaut. Daran wollen wir anknüpfen und nun auch wieder präsenter mit unseren Herzensthemen in der Öffentlichkeit sein."<ref name=":2">SPD Bad Segeberg: ''[https://www.spd-bad-segeberg.de/2024/04/20/fuehrungs-rochade-bei-der-spd-in-bad-segeberg-mertens-uebernimmt-vorsitz-wagner-wird-vize/ Führungs-Rochade bei der SPD in Bad Segeberg: Mertens übernimmt Vorsitz, Wagner wird Vize]'', Homepage, 20.4.2024, abgerufen 27.12.2024</ref>
Seit [[2025]] ist [[Alexander Wagner]] kommissarischer Vorsitzender des Ortsvereins.
 
Am [[13. November]] [[2025]] starb [[Jens Lichte]] (*[[13. Februar]] [[1950]] in Bad Segeberg?). In seinem Nachruf schrieb der Ortsverein:
<blockquote>"Jens Lichte hat sich über Jahrzehnte mit Leidenschaft, Gradlinigkeit und großem Verantwortungsbewusstsein für unsere Partei und für seine Heimatstadt eingesetzt.<br>
Er war viele Jahre Vorsitzender des Ortsvereins und prägte über mehr als 40 Jahre die politische Arbeit im Bad Segeberger Rathaus. Von [[1990]] bis [[2023]] war er ununterbrochen Stadtvertreter, viele Jahre Fraktionsvorsitzender, Vorsitzender des Sozialausschusses sowie stellvertretender Bürgermeister. [...]<br>
Besonders am Herzen lagen ihm die Belange der Jugend. Bis zuletzt engagierte er sich im Verein zur Förderung des European Peoples Festival e.V., im Beirat für Städtepartnerschaften sowie als Delegierter des Kreises Segeberg im Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg e.V., dessen stellvertretender Vorsitzender er lange war.<br>
Sein Einsatz fand weit über Parteigrenzen hinaus Anerkennung und Respekt."<ref>SPD Bad Segeberg: ''[https://www.spd-bad-segeberg.de/2025/11/21/die-spd-bad-segeberg-trauert-um-jens-lichte/ Die SPD Bad Segeberg trauert um Jens Lichte]'', Homepage, 21.11.2025</ref></blockquote>
[[2016]] wurde seine kommunalpolitische Arbeit mit der Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel des Landes Schleswig-Holstein gewürdigt.<ref>Land Schleswig-Holstein: ''[https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/A/auszeichnungen/FreiherrVomSteinVerdienstnadel/Archiv/FreiherrVomStein_Archiv2016 Auszeichnungen und Ehrungen - Ausgezeichnet 2016]'', abgerufen 11.4.2026</ref> Am [[16. Juli]] [[2024]] wurde ihm (gemeinsam mit [[Joachim Wilken-Kebeck]]) die Ehrennadel der Stadt Bad Segeberg verliehen.<ref>Stadt Bad Segeberg: ''[https://www.bad-segeberg.de/unser-bad-segeberg/geschichte-und-tradition/persoenlichkeiten-und-ehrentitel Ehrenbürger und Medaillen]'', abgerufen 11.4.2026</ref>


==Kommunalpolitik==
==Kommunalpolitik==
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Nach der [[Kommunalwahl 2013]] konnte die SPD neun Sitze erreichen, [[Kommunalwahl 2008|2008]] waren es wahrscheinlich sieben.<ref>Davor lässt sich über diesen Weg nicht mehr zuverlässig recherchieren, da nur die aktuell aktiven Mitglieder aufgenommen sind.</ref>
Nach der [[Kommunalwahl 2013]] konnte die SPD neun Sitze erreichen, [[Kommunalwahl 2008|2008]] waren es wahrscheinlich sieben.<ref>Davor lässt sich über diesen Weg nicht mehr zuverlässig recherchieren, da nur die aktuell aktiven Mitglieder aufgenommen sind.</ref>


Seit [[1970]] setzte sich der Ortsverein für die Schaffung einer Fußgängerzone in der Innenstadt ein, [[1985]] wurde diese verwirklicht.<ref>[https://www.kn-online.de/lokales/segeberg/vor-40-jahren-wie-bad-segeberg-die-fussgaengerzone-bekam-US5R3UHOGNCZRLGZLXPFSKOJ54.html Vor 40 Jahren - Wie Bad Segeberg die Fußgängerzne bekam], ''Kieler Nachrichten'', Regionalausgabe Bad Segeberg, xx.xx2025</ref>
Seit [[1970]] setzte sich der Ortsverein für die Schaffung einer Fußgängerzone in der Innenstadt ein, [[1985]] wurde diese verwirklicht.<ref>[https://www.kn-online.de/lokales/segeberg/vor-40-jahren-wie-bad-segeberg-die-fussgaengerzone-bekam-US5R3UHOGNCZRLGZLXPFSKOJ54.html Vor 40 Jahren - Wie Bad Segeberg die Fußgängerzone bekam], ''Kieler Nachrichten'', Regionalausgabe Kreis Segeberg, xx.xx2025</ref>


===Bürgermeister===
===Bürgermeister===
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== Aus der Geschichte ==
== Aus der Geschichte ==
[[2024]] übernahm der Ortsverein die Zuständigkeit für einige umliegende Gemeinden des bisherigen [[Ortsverein Trave | Ortsvereins Trave]], zu dem unter anderem die Orte Fahrenkrug, Negernbötel und Schackendorf gehören.<ref name=":2" />
[[2024]] übernahm der Ortsverein die Zuständigkeit für einige umliegende Gemeinden des bisherigen [[Ortsverein Trave|Ortsvereins Trave]], zu dem unter anderem die Orte [[Ortsverein Fahrenkrug|Fahrenkrug]], Negernbötel und Schackendorf gehörten.<ref>SPD Bad Segeberg: ''[https://www.spd-bad-segeberg.de/2024/04/20/fuehrungs-rochade-bei-der-spd-in-bad-segeberg-mertens-uebernimmt-vorsitz-wagner-wird-vize/ Führungs-Rochade bei der SPD in Bad Segeberg: Mertens übernimmt Vorsitz, Wagner wird Vize]'', Homepage, 20.4.2024</ref>


Am [[17. Dezember]] [[2023]] starb der Ehrenvorsitzende des OV, [[Otto Marquardt]] (* [[1939]]), mit 84 Jahren.<ref>Traueranzeige des Ortsvereins, ''Kieler Nachrichten'', Regionalausgabe Kreis Segeberg, 30.12.2023</ref> Er hatte der SPD seit April [[1971]] angehört.
Am [[17. Dezember]] [[2023]] starb der Ehrenvorsitzende des OV, [[Otto Marquardt]] (* [[1939]]), mit 84 Jahren.<ref>Traueranzeige des Ortsvereins, ''Kieler Nachrichten'', Regionalausgabe Kreis Segeberg, 30.12.2023</ref> Er hatte der SPD seit April [[1971]] angehört.
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=== Kaiserreich ===
=== Kaiserreich ===
[[1874]] gab es hier eine Sektion des [[ADAV]].<ref>Neuer Social-Demokrat 25.3.1874</ref> Bevollmächtigter war der Genosse H. Sorgenfrei.<ref>Neuer Social-Demokrat 5.6.1874</ref>
[[1874]] gab es hier eine Sektion des [[ADAV]].<ref>''Neuer Social-Demokrat'', 25.3.1874</ref> Bevollmächtigter war der Genosse [[H. Sorgenfrei]].<ref>''Neuer Social-Demokrat'', 5.6.1874</ref>


[[1875]] wurden die Genossen H. Sorgenfrei und C. Voß zu örtlichen „Agenten des Vorstands“ der [[SAPD]] ernannt.<ref>Neuer Social-Demokrat 27.10.1875</ref> Nach dem vorläufigen Verbot der Partei in Preußen im Frühjahr 1876 wurden die Genossen im Ort aber ab dem Sommer inaktiv.<ref>Vorwärts 8.11.1876</ref>
[[1875]] wurden die Genossen [[H. Sorgenfrei]] und [[C. Voß]] zu örtlichen „Agenten des Vorstands“ der [[SAPD]] ernannt.<ref>''Neuer Social-Demokrat'', 27.10.1875</ref> Nach dem vorläufigen Verbot der Partei in Preußen im Frühjahr [[1876]] wurden die Genossen im Ort aber ab dem Sommer inaktiv.<ref>''Vorwärts'', 8.11.1876</ref>


Eine Wahl zum Preußischen Landtag fand am [[3. November]] [[1898]] statt. Dem ''Segeberger Kreis- und Wochenblatt'' waren die SPD-Aktivitäten im Kreis immerhin den Hinweis wert: "Auch die Sozialdemokraten traten auf." Gleich danach wurde erläutert, dass der Preußische Landtag, anders als der Schleswig-Holsteinische Provinziallandtag, nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt werde.<ref name=":1">Gemeinde Schmalensee: ''[http://www.gemeinde-schmalensee.de/seite/276492.html Jahreschronik 1898]''</ref> Damit war die Frage geklärt, weshalb die SPD im Ergebnis keine Rolle spielte.
Eine Wahl zum Preußischen Landtag fand am [[3. November]] [[1898]] statt. Dem ''Segeberger Kreis- und Wochenblatt'' waren die SPD-Aktivitäten im Kreis immerhin den Hinweis wert: "Auch die Sozialdemokraten traten auf." Gleich danach wurde erläutert, dass der Preußische Landtag, anders als der Schleswig-Holsteinische Provinziallandtag, nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt werde.<ref name=":1">Gemeinde Schmalensee: ''[http://www.gemeinde-schmalensee.de/seite/276492.html Jahreschronik 1898]''</ref> Damit war die Frage geklärt, weshalb die SPD im Ergebnis keine Rolle spielte.

Aktuelle Version vom 12. April 2026, 02:41 Uhr

Ortsverein Bad Segeberg
Ortsverein Bad Segeberg
Ortsverein Bad Segeberg
Gegründet: 1892
Wiedergegründet: 1946
Vorsitzende/r: Alexander Wagner
Homepage: https://www.spd-bad-segeberg.de/

Der Ortsverein Bad Segeberg ist eine Gliederung im Kreisverband Segeberg. Er wurde am 15. November 1892 gegründet[1] und nach Ende der NS-Herrschaft am 2. Januar 1946[2] neu gegründet.

Seit 2025 ist Alexander Wagner kommissarischer Vorsitzender des Ortsvereins.

Am 13. November 2025 starb Jens Lichte (*13. Februar 1950 in Bad Segeberg?). In seinem Nachruf schrieb der Ortsverein:

"Jens Lichte hat sich über Jahrzehnte mit Leidenschaft, Gradlinigkeit und großem Verantwortungsbewusstsein für unsere Partei und für seine Heimatstadt eingesetzt.

Er war viele Jahre Vorsitzender des Ortsvereins und prägte über mehr als 40 Jahre die politische Arbeit im Bad Segeberger Rathaus. Von 1990 bis 2023 war er ununterbrochen Stadtvertreter, viele Jahre Fraktionsvorsitzender, Vorsitzender des Sozialausschusses sowie stellvertretender Bürgermeister. [...]
Besonders am Herzen lagen ihm die Belange der Jugend. Bis zuletzt engagierte er sich im Verein zur Förderung des European Peoples Festival e.V., im Beirat für Städtepartnerschaften sowie als Delegierter des Kreises Segeberg im Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg e.V., dessen stellvertretender Vorsitzender er lange war.

Sein Einsatz fand weit über Parteigrenzen hinaus Anerkennung und Respekt."[3]

2016 wurde seine kommunalpolitische Arbeit mit der Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel des Landes Schleswig-Holstein gewürdigt.[4] Am 16. Juli 2024 wurde ihm (gemeinsam mit Joachim Wilken-Kebeck) die Ehrennadel der Stadt Bad Segeberg verliehen.[5]

Kommunalpolitik

Seit der Kommunalwahl 2023 vertreten wieder sechs Gemeindevertreter die SPD: der alte und neue Fraktionsvorsitzende Dirk Wehrmann (Gemeindevertreter seit 18. Juni 2013), sein Stellvertreter Joachim Wilken-Kebeck (Gemeindevertreter seit 8. Mai 1990) sowie Gerald Mertens, Jörg Röhling, Alexander Wagner und Rolf Wunderlich (alle neu gewählt).[6] Die bisherige Stellvertreterin, Kirsten Tödt trat 2023 nicht wieder an, auch Jens Lichte, Traute Prang und Uwe Rönnfeldt sind nicht mehr in der Stadtvertretung.[7] So wird die SPD dort zur Zeit nur von Männern repräsentiert. Allerdings ist unter den bürgerlichen Mitgliedern zumindest eine Frau.[8]

Nach der Kommunalwahl 2018 hielt die SPD sechs der 27 Sitze der Segeberger Stadtvertretung.[9]

Nach der Kommunalwahl 2013 konnte die SPD neun Sitze erreichen, 2008 waren es wahrscheinlich sieben.[10]

Seit 1970 setzte sich der Ortsverein für die Schaffung einer Fußgängerzone in der Innenstadt ein, 1985 wurde diese verwirklicht.[11]

Bürgermeister

2009 wurde der SPD-Kandidat Dieter Schönfeld in der Direktwahl mit guter Mehrheit zum Bürgermeister gewählt und trat sein Amt am 4. Juni 2009 an. 2015 wurde er ohne Gegenkandidatur wiedergewählt. Zur Wahl am 1. November 2020 gab es zwei weitere Kandidaturen; Dieter Schönfeld lag mit 39,9% vorn, erreichte aber keine absolute Mehrheit.[12] In der Stichwahl unterlag er seinem parteilosen Mitbewerber und schied am 31. Mai 2021 aus dem Amt. Beim Abschied dankte seine Partei ihm insbesondere für "nachhaltige Haushaltskonsolidierung bei Erhaltung der hohen Lebensqualität" in der Stadt.[13] Ihm ist auch zu verdanken, dass die Karl-May-Festspiele und das Segeberger Hallenbad, dessen Vertrag mit dem privaten Betreiber hohe Kosten verursachte, wieder in städtische Regie zurückgingen.[14]

Aus der Geschichte

2024 übernahm der Ortsverein die Zuständigkeit für einige umliegende Gemeinden des bisherigen Ortsvereins Trave, zu dem unter anderem die Orte Fahrenkrug, Negernbötel und Schackendorf gehörten.[15]

Am 17. Dezember 2023 starb der Ehrenvorsitzende des OV, Otto Marquardt (* 1939), mit 84 Jahren.[16] Er hatte der SPD seit April 1971 angehört.

Am 28. Oktober 2022 kündigten vier der fünf verbliebenen Mitglieder des 2020 gewählten OV-Vorstandes überraschend ihren Rückzug an.[17] Ihr stellvertretender Vorsitzender Erwin Prochnow war schon am 11. Januar 2022 plötzlich verstorben.[18] Vier Wochen später konnte mit Alexander Wagner an der Spitze ein neuer Vorstand gewählt werden, der bis auf Gerald Mertens vollständig neu zusammengesetzt war.

2019/20 kam es zu Unstimmigkeiten zwischen OV-Vorstand und Fraktion, die in der - auch öffentlich vorgetragenen - Forderung nach Rücktritt des Vorsitzenden gipfelten. Am 29. Januar 2020 wurde dies in einer Mitgliederversammlung diskutiert. Die erschienenen Mitglieder sprachen dem Vorsitzenden bei einigen Enthaltungen das Vertrauen aus und wiesen die Forderung der Fraktion als ungerechtfertigt und schädlich zurück.[19]

Am 13. Oktober 2017 feierte der Ortsverein sein 125-jähriges Bestehen.

Am 29. Januar 1974 besuchte Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen Bad Segeberg, wie OV-Pressesprecher Klaus Knütter einige Tage vorher der Presse meldete. Der Minister werde mit neuralgischen Verkehrspunkten vertraut gemacht und wolle sich - aus dem neuen Kreishaus - die Verkehrssituation der Stadt von oben ansehen.[20]

1973 gab es im Ortsverein noch eine Frauengruppe - oder die Presse war mit der Neugründung ASF noch nicht vertraut. In einer Versammlung vom Oktober des Jahres berichtete OV-Vorstandsmitglied Klaus Knütter über einen geplanten Kinderhort und über die kindgemäße Gestaltung von Spielplätzen.[21]

Weimarer Republik

In der Stadt ging am 18. März 1920 - zu Beginn des Kapp-Lüttwitz-Putsches - das Gerücht um, die Arbeiterschaft wolle den Landrat hängen. Ein Trupp aus 30 mit militärischen Gewehren Bewaffneten - Großbauern und ihre Gehilfen - patrouillierte durch die Straßen und drängte die streikenden Arbeiter zurück, bis diese Unterstützung durch die organisierte Arbeiterschaft erhielten. Dann ließen sich die Bauern auf Verhandlungen ein. Der Vorsitzende der örtlichen Arbeiterschaft, Kiehnle, gewährte ihnen freien Abzug; ihre Waffen gaben sie im Vereins-Gewerbehaus ab. Als sie herauskamen, wurden sie von jungen Männern verprügelt. Zwei der Gutsbesitzer wurden "stark mitgenommen", auch zwei ihrer Gehilfen - örtliche Handwerker -, die anderen konnten entkommen.
Die Arbeiter bildeten einen Agitationsausschuss und einen Vollzugsrat, die die öffentliche Ordnung wiederherstellten, sowie, mit der Einverständnis des Bürgermeisters, eine Sicherheitswehr. Der Landrat versicherte auf Befragen, nichts mit dem Putsch zu tun zu haben, und versprach, gegen Großbauern vorzugehen, die ihren Pflichten nicht nachkamen. "Zur Beruhigung der erregten Bevölkerung" wurde ein Beigeordneter (Leseberg, USPD) ernannt, der darauf achten sollte, dass sich der Landrat an die Abmachungen hielt. Seither herrschte in Segeberg wieder Ruhe.[22]
Aber man blieb misstrauisch - noch am 19. März bildete sich in Segeberg eine 150 Mann starke Bürgerwehr. "Parallel nähern sich Bürger und Arbeiter in der Kreisstadt einander an."[23]

Am 4. Dezember 1920 beriefen USPD und KPD (Sektion der III. Internationale, Neumünster) ins Segeberger Hotel International eine große Volksversammlung ein. Inhalte der Vorträge: Die Aufgaben der Arbeiter in der sozialen Revolution und Die III. Internationale.[23]

Nach der Kreiswahl am 20. Februar 2021 teilten sich 14 Bürgerliche und 9 "Sozialisten" die Sitze im Segeberger Kreistag. Ob diese 9 alle der MSPD angehörten, wird nicht deutlich.[24]

Im April 1921 beteiligte sich die Segeberger SPD, wie die örtliche Presse berichtete, nach einem offenbar sehr eindringlichen Vortrag (mit rassistischen Untertönen) über die Besetzung des Rheinlandes durch Frankreich und seine Kolonialtruppen gemeinsam mit DNVP, DVP und DDP an einer Erklärung gegen die Besetzung.[25]

Am 29. Mai 1924 lud das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zu einem Himmelfahrtabend im Segeberger Hotel International ein. Die Einladung richtete sich ausdrücklich nur an „diejenigen Kriegsteilnehmer, die auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehen“.[26]

Am 18. Mai 1925 fand im Hotel International in Bad Segeberg eine Versammlung der organisierten Arbeiterschaft der Stadt und des Kreises Segeberg statt. Weitere Informationen gibt die Schmalenseer Chronik dazu leider nicht.[27] Drei Wochen später versammelte sich ebendort der Deutsche Landarbeiterverband zu einer Kreiskonferenz über die Lohnfrage und aktuell dazu getroffene Entscheidungen.[28]

Kaiserreich

1874 gab es hier eine Sektion des ADAV.[29] Bevollmächtigter war der Genosse H. Sorgenfrei.[30]

1875 wurden die Genossen H. Sorgenfrei und C. Voß zu örtlichen „Agenten des Vorstands“ der SAPD ernannt.[31] Nach dem vorläufigen Verbot der Partei in Preußen im Frühjahr 1876 wurden die Genossen im Ort aber ab dem Sommer inaktiv.[32]

Eine Wahl zum Preußischen Landtag fand am 3. November 1898 statt. Dem Segeberger Kreis- und Wochenblatt waren die SPD-Aktivitäten im Kreis immerhin den Hinweis wert: "Auch die Sozialdemokraten traten auf." Gleich danach wurde erläutert, dass der Preußische Landtag, anders als der Schleswig-Holsteinische Provinziallandtag, nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt werde.[33] Damit war die Frage geklärt, weshalb die SPD im Ergebnis keine Rolle spielte.

Im Januar 1898 war im Segeberger Kreis- und Wochenblatt zu lesen, dass am 2. Januar im 6. Schleswig-Holsteinischen Reichstagswahlkreis "eine 64-seitige Broschüre der Sozialdemokraten mit dem Titel 'Des Volkes Wille ist das Gesetz' verteilt" worden sei. Am selben Tag sei der Hamburger Adolph von Elm zum Kandidaten der SPD für den Wahlkreis proklamiert worden.[33] Am 27. April 1896 hielt in Segeberg "eine engagierte Journalistin aus Stuttgart einen Vortrag über die Rolle und Rechte der Frauen", wie das Segeberger Kreis- und Wochenblatt meldete. Die Rednerin war Clara Zetkin.[34]

Einzelnachweise

  1. 60 Jahre SPD Bad Segeberg (Bad Segeberg 1952), S. 3
  2. 60 Jahre SPD Bad Segeberg (Bad Segeberg 1952), S. 15
  3. SPD Bad Segeberg: Die SPD Bad Segeberg trauert um Jens Lichte, Homepage, 21.11.2025
  4. Land Schleswig-Holstein: Auszeichnungen und Ehrungen - Ausgezeichnet 2016, abgerufen 11.4.2026
  5. Stadt Bad Segeberg: Ehrenbürger und Medaillen, abgerufen 11.4.2026
  6. SPD Bad Segeberg: Für Sie in der neuen Stadtvertretung, 15.5.2023, abgerufen 31.7.2023
  7. Siehe Körperschaften - Stadtvertretung der Stadt Bad Segeberg, Abruf verschiedener Daten möglich
  8. SPD Bad Segeberg: Die SPD Fraktion hat sich erfolgreich für die neue Wahlperiode aufgestellt, 12.6.2023, abgerufen 31.7.2023
  9. Wikipedia: Bad Segeberg, abgerufen 4.4.2023
  10. Davor lässt sich über diesen Weg nicht mehr zuverlässig recherchieren, da nur die aktuell aktiven Mitglieder aufgenommen sind.
  11. Vor 40 Jahren - Wie Bad Segeberg die Fußgängerzone bekam, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, xx.xx2025
  12. Bürgermeister-Wahl: Entscheidung in Bad Segeberg vertagt, ndr.de, 1.11.2020, abgerufen 3.11.2020
  13. SPD Bad Segeberg: Abschied am Kalkberg – Bürgermeister Dieter Schönfeld reitet in den Sonnenuntergang, 31.5.2021, abgerufen 3.11.2022
  14. Zastrow, Peter: So war Bad Segebergs Hallenbad früher, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 27.6.2025
  15. SPD Bad Segeberg: Führungs-Rochade bei der SPD in Bad Segeberg: Mertens übernimmt Vorsitz, Wagner wird Vize, Homepage, 20.4.2024
  16. Traueranzeige des Ortsvereins, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 30.12.2023
  17. Beck, Thorsten: Vier Rücktritte: SPD ohne Vorstand, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Bad Segeberg, 2.11.2022
  18. SPD Bad Segeberg: Wir trauern um Erwin Prochnow, 20.1.2022, abgerufen 3.11.2022
  19. SPD Bad Segeberg: Pressemitteilung, 2.2.2020
  20. Vor fünfzig Jahren, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 23.1.2024
  21. Vor fünfzig Jahren, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 9.10.2023
  22. Ein frecher Junkerstreich, Hamburger Echo, 20.3.1920, Seite 5
  23. 23,0 23,1 Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1920
  24. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1921, 21.2.1921
  25. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1921, 23.4.1921
  26. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1924, 29.5.1924
  27. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 18.5.1925
  28. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 13.6.1925
  29. Neuer Social-Demokrat, 25.3.1874
  30. Neuer Social-Demokrat, 5.6.1874
  31. Neuer Social-Demokrat, 27.10.1875
  32. Vorwärts, 8.11.1876
  33. 33,0 33,1 Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1898
  34. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1896, 27.04.