Ortsverein Wik

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Ortsverein Wik war eine Gliederung im Kreisverband Kiel. Das Gründungsjahr steht bisher nicht fest, aber es ist belegt, dass sich im Februar 1894 in der Wik[1] ein Arbeiterverein gründete.

Ab 2023 war Sören Stein Vorsitzender. Am 22. März 2025 schloss sich der Ortsverein mit dem Ortsverein Kiel-Steenbek/Projensdorf zum Ortsverein Kiel-Wik-Projensdorf zusammen.

Geschichte

Schon 1892 gab es wohl in der Wik Sozialdemokraten. Friedrich Brodthuhn nahm für den Ort am Provinzialparteitag teil.[2] Wahrscheinlich waren es nur eine Handvoll Sozialdemokraten in der damals noch eigenständigen Gemeinde, die in ihrer Versammlung einen bekannten Kieler als Delegierten auserkoren.

Am 22. Juli 1893 sprach Martha Rohrlack aus Berlin[3] während einer Agitationsreise durch Schleswig-Holstein auch in der Wik über das Thema Die Frau und der Sozialismus.[4]

Der Vorwärts meldet die Gründung eines Arbeitervereins in der Wik
Die Wik wurde 1893 nach Kiel eingemeindet. Durch eine Meldung im Vorwärts vom 8. März 1894 (vgl. links) ist die Gründung eines dortigen Arbeitervereins im Februar 1894 belegt. Die Gründung fand nach einer Versammlung mit Carl Legien statt, der aus dem Reichstag berichtete. Schon ein Jahr später hatte der Verein 33 Mitglieder.[5]

1897 war die Mitgliederzahl auf 20 gesunken; trotzdem wurden 14,30 Mark für die Wahlkreiskasse gesammelt.[6] 1898 nannte er sich wohl schon sozialdemokratischer Verein (als einer von zehn im Wahlkreis); er hatte im April 30 und im August 40 Mitglieder.[7] Ein Delegierter nahm an der Wahlkreiskonferenz teil.[8]

Vermutlich existierte der Wiker Verein keine zehn Jahre lang. 1902 muss es ihn noch gegeben haben; in einer Aufzählung der Kandidaten für die Stadtverordnetenwahl[9] ist Adler-Wik aufgelistet.[10] Eduard Adler unterlag gegen den bürgerlichen Kandidaten.[11] Er war laut Adressbuch von 1903 wohl schon im Vorjahr in die Prinz-Heinrich-Straße gezogen. Womöglich hatte die Notwendigkeit, nach dem Umzug aus der Moltkestraße in die Wik den Ortsverein zu wechseln, zu seiner Haltung beigetragen, dass es in jeder Stadt nur einen Ortsverein geben solle. So argumentierte er jedenfalls auf dem Provinzialparteitag von 1904, wo er aber in seinem Beispiel, warum zwei Vereine in einer Stadt problematisch wären, nur Kiel und Gaarden anführte.[12] Auch wurde der Ortsverein Wik 1905 nicht mehr als Teil des Wahlkreiszentralvereins genannt. Vermutlich hatte er sich also dem Sozialdemokratischen Verein Kiel und Umgegend angeschlossen und bildete dort einen eigenen Bezirk.

Die Wik gehörte ab 1911 dem neu geschaffenen Distrikt Nord an.

Neugründung

Traditionsfahne des Ortsvereins

Anfang 1945 begannen die alten Sozialdemokraten sich in "Stubenzirkeln" Gedanken über die Zukunft der SPD nach dem Ende der Nazi-Herrschaft zu machen. Einer dieser Zirkel traf sich im Haus von Emil Bandholz in der Tonderner Straße 11. Dort wurde später im Jahr der Distrikt (heute Ortsverein) Wik gegründet.[13]

Am 21. Dezember 1946 richtete der Distrikt in Verbindung mit der Arbeiterwohlfahrt in der Großgaststätte Müller eine Weihnachtsfeier für 500 Kinder aus.[14]

70er Jahre

Im September 1970 sprach sich der Ortsverein für die Landtagskandidatur von Karl-Heinz Luckhardt aus - obwohl dessen Gegenkandidat, der amtierende Landtagsabgeordnete Alfred Prezewowsky, Mitglied in der Wik war. Man wünschte sich für ihn, dass er "auf der Landesliste gut placiert werden" würde.[15]

Im Januar 1972 wurde der Ortsverein Steenbek-Projensdorf im Zuge einer Organisationsreform vom OV Wik abgetrennt. Grund dafür war, dass "beide Stadtteile bevölkerungsmäßig stark zugenommen" hätten, teilte die SPD mit.[16] Den Vorsitz in der Wik behielt Joachim Hall.

80er Jahre

Aufkleber OV Wik zur Landtagswahl 1988
Flyer OV Wik 1987
Die Wik zeigte im Wahlkampf zur Landtagswahl 1988 deutlich Flagge für ihren Landesvorsitzenden. In der Kneipe "Bei Hinni", Holtenauer Str 242, wurde jeden Sonntag morgens die Zeitung am Sonntag (ZAS) abgegeben und für die Verteiler im Stadtteil aufgeteilt. Der OV-Vorsitzende hatte daher einen Schlüssel für die Gaststätte.

Seit Anfang der 2000er Jahre pflegt die SPD in der Wik die Tradition des Aschermittwochs-Matjesessens, bei dem es neben Matjes immer eine politische Aschermittwochsrede gibt. Redner waren in der Vergangenheit u.a. Bernd Heinemann, Hans-Peter Bartels, Rolf Fischer, Ulf Kämpfer, Wolfgang Röttgers, Björn Högsdal. 2025 trug Volkmar Helbig Lieder des Kabarettisten und Chansonniers Georg Kreisler vor.

Ortsbeiratsmitglieder

Wenige OBR-Mitglieder bleiben die gesamte Wahlperiode beteiligt. Die Zahl der Namen stimmt daher nicht mit der Zahl der Sitze in der jeweiligen Periode überein.[17]

Wahlperiode Sitze im OBR Mitglieder
ab 2023 2 Markus Ebert (2. stellv. Vorsitz), Michael Pachta
2018-2023 2 Ulrike Pollakowski (Vorsitz), Julian Wollmann, Ingrid Lietzow, Bert Stach
2013-2018 3 Ulrike Pollakowski (Vorsitz ab 2016), Monika Schürkamp, Claudia Ohlsen, Rolf Küppershaus, Peter Schlenz († 13.7.2017), Bert Stach, Julian Wollmann
2008-2013 ? Björn Dobbertin, Antje Möller-Neustock (Vorsitz ab 2011)
2003-2008 ? Holger Brück
1998-2003 ? Waltraut Schimmler, Heike Kuchenbecker, Eva Koeller, Werner Koeller, Harro Rüchel, Hans-Michael Brandt
1994-1998 ? Monika Schürkamp, Dörte Zörner-Goetzke, Eva Koeller?, Harro Rüchel?

Links

Ortsverein Wik
Ortsverein Wik
Ortsverein Wik
Gegründet: 1894
Wiedergegründet: 1945
Vorsitzende/r: Sören Stein
Homepage: https://www.spd-kiel.de/gruppen/wik/

Überblick

Personen


Einzelnachweise

  1. Die Presse verwendete in der Frühzeit häufig auch die Schreibweise „Wiek“.
  2. Hamburger Echo, 14.12.1892, S. 7
  3. Martha Rohrlack-Tietz, ab etwa 1892 bekannte Agitatorin. Keine weiteren Informationen.
  4. Kiel, Hamburger Echo, 25.7.1894, Seite 3
  5. Hamburger Echo, 22.8.1895
  6. Hamburger Echo, 23.10.1897
  7. Bericht von der Konferenz des 7. Reichstagswahlkreises, Hamburger Echo, 30.8.1898, S. 3
  8. Hamburger Echo, 26.4.1898
  9. Hamburger Echo, 17.10.1902, S. 6
  10. Der Zusatz, der ähnlich auch für Gaarden erschien, bezeichnete wohl den Ortsverein.
  11. Hamburger Echo, 7.11.1902
  12. Hamburger Echo, 6.9.1904
  13. SPD Kiel (Hrsg.): Kiel im Mai 1945 - Hell aus dem dunklen Vergangenen leuchtet die Zukunft empor (Kiel 1985) - Emil Bandholz spricht vom "Tondernweg", den es nicht gibt. Offenbar ist die Tonderner Straße gemeint.
  14. Der Weihnachtsmann in der Wik, VZ, 24.12.1946
  15. Luckhardt setzte sich durch, Kieler Nachrichten, 21.9.1970
  16. SPD Wik teilte sich, Kieler Nachrichten, 25.1.1972
  17. Landeshauptstadt Kiel: Infosystem Kommunalpolitik: Ortsbeirat Wik, abgerufen 28.3.2025. Dessen Angaben vor 2013 sind unvollständig.
  18. Unzumutbare Zustände, Kieler Nachrichten, 31.3.1973