Ortsverein Schenefeld (Pinneberg)

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Der Ortsverein Schenefeld ist eine Gliederung im Kreisverband Pinneberg. Er wurde 1907 gegründet und nach der NS-Herrschaft neu gegründet.

Vorsitzender ist seit 2018 Hans Jacob Goßler.

Kommunalpolitik

Schon 1911 zog mit Hinrich Petersen der erste Sozialdemokrat in die Schenefelder Gemeindevertretung ein. Seitdem hat die SPD an allen demokratisch legitimierten Wahlen in Schenefeld teilgenommen und ist mit der Entwicklung des Gemeinwesens eng verzahnt.

Die ehrenamtlichen und ab 1950 hauptamtlichen Gemeindevorsteher und Bürgermeister wurden bis 1998 (außer während der NS-Herrschaft) aus den Reihen der Gemeindevertretung gewählt, seitdem direkt von der Schenefelder Bevölkerung. Mit der Einführung der Hauptamtlichkeit wurde 1950 das Amt des Bürgervorstehers bzw. der Bürgervorsteherin neu geschaffen. Vorschlagsberechtigt ist die stärkste Fraktion in der Ratsversammlung.

Bürgermeister*innen

Seit 24. November 2005 ist Christiane Küchenhof Bürgermeisterin von Schenefeld; seit 2023 leistet sie ihre vierte Amtsperiode ab. Sie setzte sich jedesmal im 1. Wahlgang durch, teils ohne Gegenkandidaten.

Vor ihr stellte die SPD in sechs Amtszeiten fünf Bürgermeister:

Wahlergebnisse

Ab 1945

Datum Stimmen Prozent Sitze/Gesamtsitze Sonstiges
14. Mai 2023 1.474 21,6 % 8/37
6. Mai 2018 1.597 27,0 % 7/27 Gudrun Buchowski zur Bürgervorsteherin gewählt[6]
26. Mai 2013 1.790 29,7 % 9/29 Gudrun Buchowski zur Bürgervorsteherin gewählt
25. Mai 2008 2.346 39,8 % 11/27 Gudrun Buchowski zur Bürgervorsteherin gewählt
2. März 2003 1.935 28,3 % 9/32
22. März 1998 3.026 41,1 % 12/27 Albert Burs zum Bürgervorsteher gewählt
20. März 1994 2.711 34,3 % 12/31 Albert Burs zum Bürgervorsteher gewählt
25. März 1990 3.387 43,4 % 12/27 Hannelore Schuldt zur Bürgervorsteherin gewählt
2. März 1986 3.218 44,0 % 12/27 Albert Burs zum Bürgervorsteher gewählt (bis 1988)
7. März 1982 2.977 38,7 % 11/28
5. März 1978 3.148 40,3 % 11/27
24. März 1974 2.626 31,9 % 9/28
26. April 1970 3.275 47,1 % 13/27 Walter Kaehlert zum Bürgervorsteher gewählt
13. März 1966 1.883 36,9 % 9/23 Albert Schröder zum Bürgervorsteher gewählt (1967-68)
11. März 1962 3.037 43,0 % 8/19 Albert Schröder zum Bürgervorsteher gewählt
25. Oktober 1959 2.626 47,6 % 9/19 Albert Schröder zum Bürgervorsteher gewählt
24. April 1955 2.073 47,4 % 9/19 Albert Schröder zum Bürgervorsteher gewählt
29. April 1951 2.597 26,4 % 4/17
24. Oktober 1948 1.977 50,2 % 8/14 Albert Schröder zum Bürgervorsteher gewählt (ab 1950)
15. September 1946 4.275 39,8 % 10/15

Am 4. Dezember 1945 ernannte die britische Militärregierung eine Gemeindevertretung mit 17 Mitgliedern, davon 10 der SPD, 3 der KPD und 4 parteilose Bürgerliche. Am 14. Januar 1946 rückte ein weiteres SPD-Mitglied für einen ausgeschiedenen KPD-Abgeordneten nach.

Weimarer Republik

Mit dem Ende des Kaiserreichs und der Ausrufung der Republik 1918 änderte sich auch das Wahlrecht grundlegend. Die Gemeindevertretung wurde nun in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Sie bestand aus 9 Mitgliedern.

Datum Stimmen Prozent Sitze
12. März 1933 344 30,3 % 3
17. November 1929 354 49,2 % 4
4. Mai 1924 227 46,0 % 3
2. März 1919 303 59,8 % 6

Kaiserreich

Am 31. März 1911 trat mit Hinrich Petersen zum ersten Mal in einer turnusmäßigen Ergänzungswahl ein Mitglied der SPD offen zur Wahl um ein Mandat in der Gemeindevertretung an. Er wurde mit 51,5 % (52 Stimmen) der abgegebenen Stimmen gewählt; seine Mitbewerber erhielten 44,6 % (45 Stimmen) bzw. 3,9 % (4 Stimmen).

In der Ergänzungswahl am 6. März 1913 siegte Franz Lüdemann mit 52,9 % (55 Stimmen) gegen 47,1 % (49 Stimmen).

Geschichte

Am 3. Juli 1907 trafen sich 51 Männer im Lokal von W. Timm, der "Friedenseiche", und hielten eine Mitgliederversammlung ab, auf der der Sozialdemokratische Centralverein für den 6. Schleswig-Holsteinischen Wahlkreis Ortsverein Schenefeld und Umgebung gegründet wurde. Zum Vorsitzenden wurde der Zigarrenarbeiter August Großmann gewählt, unterstützt vom Maurer Franz Lüdemann (Kasse), Zimmermann H. Lüdemann (Schriftführung) sowie Musiker P. Meyer und Maurer Joh. Kudenholt als Beisitzer.

Zuvor gehörten die Mitglieder zum Ortsverein Lurup. Dort stellten sie in einer Sitzung am 4. Juni den Antrag,

"in Schenefeld selbst einen neuen Ortsverein zu gründen. Genosse E. Eilken begründete den Antrag. Es fand eine sehr lebhafte Debatte statt und es wurde beschlossen, die Frage den Schenefelder Genossen und dem Zentralvorstand zu überlassen.".[7]

1914 beteiligte sich der Ortsverein an der Kriegshilfe für Notleidende.[8]

Arbeitersportverein

Auch im Arbeitersport engagierten sich die Schenefelder Genossen[9]: Eine der Wurzeln des heutigen Blau-Weiß 96 war der Freie Sportverein 1920 Schenefeld (FSV)[10], dessen Vorsitzender ab 1921 der Lehrer Bruno Dahlhaus war. Zur Hebung der Spielstärke schloss man sich zeitweise mit dem SV Lurup zusammen. Auch August Großmann war aktiver Spieler - ob er identisch oder verwandt war mit dem Gründungsvorsitzenden der SPD, ist nicht ermittelt.

1930 trennte man sich vom SV Lurup, im Mai 1933 wurde der FSV wie alle Arbeitersportvereine verboten. Das Bedürfnis, Fußball zu spielen, blieb jedoch - die "nationalen" Vereine waren ihnen allerdings weiterhin verschlossen, denn dort war die offizielle Linie: "Marxisten sind in unseren Reihen nicht zu dulden." Trotz staatlichen Verbots wurde daher ein neuer Fußballverein gegründet, der FC Blau-Weiß. Im Juni 1936 ging er auf den 1896 gegründeten Männerturnverein zu mit dem Vorschlag, sich zusammenzuschließen. So entstand der Turn- und Rasensportverein Schenefeld von 1896, der Blau-Weiß als Vereinsfarben beibehielt. Vorsitzender wurde erneut Bruno Dahlhaus; auch die früheren Vorstandsmitglieder Karl Vogelgesang, Hans Jürgens und Jonny Kähler spielten erneut führende Rollen. Allerdings musste man Kröten der NS-Ideologie schlucken, etwa die Ablehnung jüdischer Mitglieder oder die Zusammenarbeit mit den NS-Jugendorganisationen.

Nach der NS-Herrschaft kehrte man nicht zum reinen Arbeitersportverein zurück - die Zeiten hatten sich in mehr als einer Hinsicht geändert. Doch die Arbeitersportler engagierten sich weiterhin; Jonny Kähler (später Karl Vogelgesang) übernahm den Vorsitz, der Händler Bernhard Pein, auch schon seit den 1920er Jahren dabei, wurde Schriftwart und Jugendleiter. 1951 gründete sich allerdings in Schenefeld-Siedlung die SV Schwarz-Weiß Schenefeld von 1951 als Konkurrenzverein, denn Schenefeld war gespalten: Das Dorf war eher bürgerlich-konservativ, die Siedlung in SPD-Hand. Die Verantwortlichen erkannten bald, wie schädlich sich die Konkurrenz auswirkte, und 1957 schlossen sich beide Vereine zusammen. Dies war nicht zuletzt dem Einsatz des Bürgermeisters Richard Döterling zu verdanken.

Einzelnachweise

  1. Windmüller, Torge: Schenefelds Altbürgermeister wird 90: Albert Burs baute die Stadt mit auf – und bereut nichts, Pinneberger Tageblatt, 13.3.2026 (Bezahlschranke)
  2. Ahrens, Cindy: So hat sich die Awo in Schenefeld entwickelt, Pinneberger Tageblatt, 11.10.2019 (Bezahlschranke)
  3. Brameshuber, C.: Der Arbeiterwohlfahrt droht das Aus, Pinneberger Tageblatt, 23.10.2013 (Bezahlschranke)
  4. Blau-Weiß 96 Schenefeld: Chronik (1996), S. 14
  5. Blau-Weiß 96 Schenefeld: Sport jetzt, 01/2021, S. 36
  6. Seit 2020 lautet die Bezeichnung "Stadtpräsident*in"
  7. Altona und Umgegend. Lurup, Hamburger Echo, 8.6.1907, S. 3
  8. Schenefeld. Kriegshilfe, Hamburger Echo, 21.10.1914, S. 6
  9. So Ehrenratsvorsitzender Gerhard Manthei, in Blau-Weiß 96 Schenefeld: Sport jetzt, 01/2021, S. 6
  10. Die Informationen zum Arbeitersport stammen, soweit nicht anders angegeben, aus der Chronik des Vereins Blau-Weiß 96 Schenefeld: Chronik (1996), S. 15 ff.
Ortsverein Schenefeld (Kreis Pinneberg)
Ortsverein Schenefeld (Kreis Pinneberg)
Ortsverein Schenefeld (Kreis Pinneberg)
Gegründet:

1907
als Sozialdemokratischer Centralverein für den 6. Schleswig-Holsteinischen Wahlkreis Ortsverein Schenefeld und Umgebung

Reaktiviert:

1945

Vorsitz: Hans-Jacob Goßler
Website: Homepage


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