1923: Unterschied zwischen den Versionen

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Der parteilose Reichskanzler Wilhelm Cuno tritt im August nach nur neun Monaten im Amt wegen massiver Streiks gegen ihn zurück. Gustav Stresemann (DVP) wird Reichskanzler, tritt jedoch schon Ende November ebenfalls zurück. Wilhelm Marx, Mitglied der Zentrumspartei, wird sein Nachfolger.  
Der parteilose Reichskanzler Wilhelm Cuno tritt im August nach nur neun Monaten im Amt wegen massiver Streiks gegen ihn zurück. Gustav Stresemann (DVP) wird Reichskanzler, tritt jedoch schon Ende November ebenfalls zurück. Wilhelm Marx, Mitglied der Zentrumspartei, wird sein Nachfolger.  
 
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Durch Kriegsschulden und hohe Reparationszahlungen an die Alliierten entwickelt sich im Deutschen Reich eine Hyperinflation. Das Briefporto etwa steigt von 50 Reichsmark(!) im Januar auf 1 Milliarde Reichsmark im November. Wirtschaft und Bankensystem brechen zusammen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Löhne fallen ins Bodenlose. Dies bringt der KPD erheblichen Zulauf.  
Durch Kriegsschulden und hohe Reparationszahlungen an die Alliierten entwickelt sich im Deutschen Reich eine Hyperinflation. Das Briefporto etwa steigt von 50 Reichsmark(!) im Januar auf 1 Milliarde Reichsmark im November. Wirtschaft und Bankensystem brechen zusammen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Löhne fallen ins Bodenlose. Dies bringt der KPD erheblichen Zulauf.  


Reichskanzler Stresemann sieht eine drohende kommunistische Revolution und löst im Oktober in Sachsen und Thüringen deren [https://de.wikipedia.org/wiki/Proletarische_Hundertschaften paramilitärische Einheiten] auf. In Hamburg und Schleswig-Holstein startet die KPD ebenfalls einen bewaffneten [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Aufstand Umsturzversuch], der bereits am zweiten Tag niedergeschlagen wird. Im November versuchen in München die Nazis zu putschen, aber auch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerputsch Hitlerputsch] wird umgehend beendet. KPD und NSDAP werden vorübergehend verboten.  
Reichskanzler Stresemann sieht eine drohende kommunistische Revolution und löst im Oktober in Sachsen und Thüringen deren [https://de.wikipedia.org/wiki/Proletarische_Hundertschaften paramilitärische Einheiten] auf. In Hamburg und Schleswig-Holstein startet die KPD ebenfalls einen bewaffneten [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Aufstand Umsturzversuch], der bereits am zweiten Tag niedergeschlagen wird. Im November versuchen in München die Nazis zu putschen, aber auch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerputsch Hitlerputsch] wird umgehend beendet. KPD und NSDAP werden vorübergehend verboten.  


Die Währung wird durch Einführung der Rentenmark im November allmählich stabilisiert.  
Die Währung wird Ende des Jahres durch Einführung der Rentenmark im November allmählich stabilisiert.  


[[Franz Osterroth]] nennt in seiner Geschichte der SPD Schleswig-Holstein das Jahr 1923 '''"Das schwere Jahr"'''<ref name=":0">{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 79</ref>.
[[Franz Osterroth]] nennt in seiner Geschichte der SPD Schleswig-Holstein das Jahr 1923 '''"Das schwere Jahr"'''<ref name=":0">{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 79</ref>.

Version vom 29. Dezember 2022, 11:13 Uhr

Willy Verdieck

SPD-Vorsitzende sind gleichzeitig Hermann Müller, Otto Wels und Arthur Crispien. In Schleswig-Holstein ist Heinrich Kürbis Oberpräsident. Vorsitzender des SPD-Bezirks ist Willy Verdieck.

Der parteilose Reichskanzler Wilhelm Cuno tritt im August nach nur neun Monaten im Amt wegen massiver Streiks gegen ihn zurück. Gustav Stresemann (DVP) wird Reichskanzler, tritt jedoch schon Ende November ebenfalls zurück. Wilhelm Marx, Mitglied der Zentrumspartei, wird sein Nachfolger.

1-Million-Mark-Schein Notgeld
Notgeld. Herausgegeben 1.9.1923

Durch Kriegsschulden und hohe Reparationszahlungen an die Alliierten entwickelt sich im Deutschen Reich eine Hyperinflation. Das Briefporto etwa steigt von 50 Reichsmark(!) im Januar auf 1 Milliarde Reichsmark im November. Wirtschaft und Bankensystem brechen zusammen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Löhne fallen ins Bodenlose. Dies bringt der KPD erheblichen Zulauf.

Reichskanzler Stresemann sieht eine drohende kommunistische Revolution und löst im Oktober in Sachsen und Thüringen deren paramilitärische Einheiten auf. In Hamburg und Schleswig-Holstein startet die KPD ebenfalls einen bewaffneten Umsturzversuch, der bereits am zweiten Tag niedergeschlagen wird. Im November versuchen in München die Nazis zu putschen, aber auch der Hitlerputsch wird umgehend beendet. KPD und NSDAP werden vorübergehend verboten.

Die Währung wird Ende des Jahres durch Einführung der Rentenmark im November allmählich stabilisiert.

Franz Osterroth nennt in seiner Geschichte der SPD Schleswig-Holstein das Jahr 1923 "Das schwere Jahr"[1].

Januar

Lübecker Volksbote, 12.1.1923

Februar

März

April

  • Die Freie Turnerschaft Elmshorn und der Verein für Rasensport Elmshorn schließen sich nach langwierigen Verhandlungen zusammen zur Freien Turn- und Sportvereinigung Elmshorn von 1890 (FTSV).
  • 1. April - Auf dem Jungsozialistentag in Hofgeismar gründen nichtmarxistische, christlich orientierte Jungsozialisten, unter ihnen der 23-jährige Franz Osterroth, den Hofgeismarer Kreis. Osterroth gibt auch bis 1926 die Politischen Rundbriefe des Kreises heraus.
  • 1. April - Elly Brodführer nimmt ihre Unterrichtstätigkeit an der Lübecker Öffentlichen Handelslehranstalt auf.

Mai

Juni

  • 10. Juni - Wahl zum Oldenburgischen Landtag und damit im Landesteil Lübeck. Die SPD verliert noch einmal Stimmen und einen Sitz, bleibt aber mit 23,76 % weiterhin stärkste Partei.
  • 22. Juni - „Organisiert die Abwehr!" Unter dieser Überschrift erklärte ein Aufruf des Bezirksvorstandes: "Die Republik ist in Gefahr. Nationalistische Führer schrecken vor offenen Mordandrohungen nicht zurück. Roßbach-Femen sind in Wirksamkeit. Alles wartet auf den großen Schlag, der kommen soll, um die Militärdiktatur an die Stelle der Weimarer Verfassung zu setzen. Das darf nicht sein. Einig und entschlossen wird die Arbeiterschaft jeden Streich der Leute abzuwehren wissen, die Meuchelmord und Sprengstoffattentate zu politischen Prinzipien erhoben haben. Die Vertrauensleute der SPD in Schleswig-Holstein haben sich im Verein Republik zusammengeschlossen. Ziel der Vereinigung, der nur Vertrauenspersonen der SPD angehören dürfen, ist der Schutz der demokratischen Reichsverfassung gegen jeden hochverräterischen Angriff, von wo er auch kommen mag. Vertrauensleute, tut Pflicht!"[1]

Juli

August

September

Oktober

  • 11. Oktober - Achim Barow kommt in Emden zur Welt.
  • 16. Oktober - In Kiel drängen die Kommunisten auf einen Generalstreik. Sie versammeln sich im Gewerkschaftshaus und werden gewalttätig. Sie schlagen den Gewerkschaftssekretär Ehlers zusammen und schleifen ihn nach draußen, angeblich um ihn an einer Laterne aufzuhängen. Passanten schreiten ein und retten den Mann.[3]
  • 23. Oktober - Hamburger Aufstand der KPD. Die Kommunisten rufen auch in Stormarn die Sowejtrepublik aus. Am nächsten Tag ist der Spuk zuende.
  • 24. Oktober - Auch in Kiel stiften die Kommunisten zu schweren Unruhen an. Sie überfallen Polizeibeamte, plündern Geschäfte und Warenhäuser. Ein 20-jähriger Mann wird erschossen. Polizisten verletzt. Eine Gruppe zieht vor das Rathaus. Um die Not zu lindern richten "besser gestellte Kreise" eine Volksbespeisung ein.[3]

November

  • 2. November - Uwe Harder wird in Kiel geboren.
  • 4. November - Karl Molkenthien kommt in Kiel zur Welt.
  • 8. November - Hitler-Putsch in München. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten befürchten, dass die Nazis auch im Norden losschlagen und halten sich bereit, die Republik zu verteidigen.[3] Der Putsch wird jedoch am nächsten Tag niedergeschlagen.
  • 14. November - Ingeborg Sommer wird in Stentsch/Niederschlesien (heute Szczaniec/Polen) geboren.
  • 16. November - Die Rentenmark wurde eingeführt und beruhigte die Hyper-Inflation.
  • 24. November - Brunhild Barchmann kommt in Dresden zur Welt.
  • 25. November - Für die deutschen und dänischen Sozialdemokraten unterzeichnen die Parteivorsitzenden Otto Wels und Thorvald Stauning ein "Grenzabkommen", in dem beide den Grenzverlauf auf Grund der Abstimmung von 1920 anerkennen, durch die Flensburg bei Deutschland bleibt. Beteiligt an der Vorbereitung des Abkommens ist maßgeblich Hans Flatterich.
  • 27. November - Unterbezirkskonferenz zur Lage der SPD. Die Inflation und die Arbeitslosigkeit haben auch der Organisation schwer zugesetzt. Richard Hansen bestreitet aber, dass die Partei auf dem Landes zusammgebrochen sein. Es habe sich aber eine gewisse Müdigkeit in den Ortsvereinen breit gemacht. Der Glaube an den Sieg der gemeinsamen Sache sei verloren gegangen.[3]

Dezember

Nicht datiert

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 79
  2. Lübecker Volksbote, Ausgabe vom 8. Januar 1923
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 80