Widerstand in der NS-Zeit: Unterschied zwischen den Versionen
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Am '''Widerstand''' gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten ([[1933]]-[[1945]]) beteiligten sich Menschen aus allen Kreisen der Bevölkerung | {{Zeitabschnitt | ||
|Bezeichnung = Widerstand in der NS-Zeit | |||
|Beginn = 1933 | |||
|Ende = 1945 | |||
|VorgängerSeite =Weimarer Republik | |||
|VorgängerBeschriftung = Weimarer Republik (1918-1933) | |||
|NachfolgerSeite =Wiedergründung der SPD Schleswig-Holstein | |||
|NachfolgerBeschriftung =Wiedergründung (1945-1950) | |||
|Bild = Bundesarchiv Bild 151-50-45A, Volksgerichtshof, Julius Leber.jpg | |||
|BildBeschriftung = Julius Leber vor dem Volksgerichtshof, 1944 | |||
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Am '''Widerstand''' gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten ([[1933]]-[[1945]]) beteiligten sich Menschen aus allen Kreisen der Bevölkerung - auch viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten - in der einen oder anderen Form. Viele Menschen bezahlten ihr Engagement mit dem Leben oder mit Verletzungen und Schäden durch Misshandlungen in Zuchthaus- oder KZ-Haft. | |||
<blockquote>"Widerstand in der nationalsozialistischen Diktatur war immer die Haltung von sehr wenigen, von einzelnen und oft sehr einsamen Menschen. In diesem System mit totalitärem Anspruch riskierten Menschen, die Widerstand leisteten, ihr Leben. Umgeben waren sie von einer Bevölkerung, die sich in ihrer Mehrheit anpasste, ja vom Nationalsozialismus begeistert zeigte und das Regime trug."<ref>Bundeszentrale für politische Bildung: ''Widerstand gegen den Nationalsozialismus'', ''Informationen zur politischen Bildung'', Heft 330, 2/2016, S. 3 f.</ref></blockquote> | |||
Am [[30. Januar]] [[1933]] übertrug Reichspräsident von Hindenburg ohne Beteiligung des Reichstages das Amt des Reichskanzlers an Adolf Hitler, den "Führer" der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Der Brand des Reichstages am [[27. Februar]] führte zu einer ersten Verhaftungswelle. | |||
In der Reichstagswahl vom [[5. März]] blieben die Nazis mit 43,9% unter der angestrebten absoluten Mehrheit, obwohl viele ihrer politischen Gegner bereits in "Schutzhaft" saßen und der brutalen Einschüchterung durch die SA nichts entgegensetzen konnten. Schon zwei Tage nachdem Hitler zum Reichskanzler gemacht wurde, beklagte der ''[[Lübecker Volksbote]]'': | |||
<blockquote>"In Lübeck haben sich inzwischen absolut gesetzlose Zustände entwickelt. Einzeln gehende Sozialdemokraten und Kommunisten wurden bei hellichtem Tage, und vermehrt in der Nacht überfallen und niedergeschlagen. Wo die braunen Banditen in der Mehrzahl waren, schlugen sie blindlings zu - oft zwanzig auf einen. Die Polizei sah in vielen Fällen untätig zu oder ließ die Verbrecher verduften und begnügte sich mit der Feststellung des Ueberfallenen."<ref>''[http://library.fes.de/luebeck/pdf/1933/1933-028.pdf Gewalt geht vor Recht! - Genosse Leber verhaftet]'', ''Lübecker Volksbote'', 2.2.1933</ref></blockquote> | |||
Innerhalb weniger Monate wurde mit Hilfe von Notverordnungen und scheindemokratischen Beschlüssen eines entmachteten Reichstages - etwa dem "Ermächtigungsgesetz" - das gesamte politische Leben in Deutschland "gleichgeschaltet". Nach dem [[1. Mai]] verboten die Nazis die Gewerkschaften und gliederten sie in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ein. Sie verboten die SPD-Zeitungen. Am [[22. Juni]] verboten sie endgültig die SPD und alle Parteien außer der NSDAP. | |||
Auch in Schleswig-Holstein entfernten die Nazis SPD- und KPD-Leute und andere politische Gegner aus Verwaltungen und Selbstverwaltungen, verhafteten Menschen, die Widerstand leisteten, und sperrten sie in die ersten - oft noch "inoffiziellen" - Konzentrationslager, wo sie meist schwer misshandelt und [[Liste der sozialdemokratischen Opfer 1933-1945|viele von ihnen ermordet]] wurden. Wenig später erließen die Nazis auch die ersten Gesetze zur Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung. | |||
Widerstand im weitestgehend ländlichen Schleswig-Holstein war schwierig und gefährlich, zumal das Land schon vor [[1933]] eine braune Hochburg mit Nazi-Strukturen war. Auf dem Dorf kannte jeder jeden; Anonymität wie in Großstädten gab es dort nicht. Diejenigen, die es doch riskierten, konnten nicht auf die Hilfe ihrer [[:Kategorie:Gewerkschaftsbewegung|Arbeiterorganisationen]] setzen - diese zerschlugen die Nazis als erste, durch Verhaftungen bekannter Funktionäre, durch Zwangsvereinigung mit NS-Organisationen oder durch Aneignung ihres Eigentums, etwa der [[:Kategorie:Gewerkschaftsbewegung|Gewerkschaftshäuser]]. | |||
Noch [[1938]] beschlagnahmten sie "Vermögen" schleswig-holsteinischer Arbeitervereine, oft nur wenige Reichsmark, mit der demagogischen Begründung, es handle sich um "marxistische Vermögenswerte aus der Zeit vor der nationalsozialistischen Erhebung". In erster Linie waren SPD-Gliederungen oder -Vereine betroffen: [[Ortsverein]]e, [[Arbeitersport|Arbeitersport-]], [[Arbeitergesangverein]]e, [[ASF|Frauengruppen]], [[Kinderfreunde|Erziehungsvereine]], das [[Reichsbanner]] und andere, daneben auch kommunistische Vereine wie der Rotfrontkämpferbund.<ref>Hartmann, Peter: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay38.pdf Eine Karte zur Arbeiterbewegung 1933 bei Kiel]'', ''Demokratische Geschichte 3(1988), S. 511-514''</ref> Die persönlichen Netzwerke allerdings blieben erhalten. Unter einander teilte man Informationen, illegale Schriften aber auch Witze über die Nazi-Größen, beim Spaziergang. dem Handarbeitskränzchen oder beim "Stempeln" im Arbeitsamt. | |||
Wer Widerstand leistete, riskierte Freiheit, Gesundheit und Leben - nicht nur sein eigenes, sondern auch das seiner Familie.<ref name=":0">Nissen, Hans Christian: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay36.pdf#page=19 1933–1945: Widerstand, Verfolgung, Emigration, Anpassung]'' In: ''Demokratische Geschichte'', Band 3(1988), S. 493</ref> Einigen war das Risiko zu groß. Sie passten sich an und versuchten "politisch zu überwintern". Sie hofften, dass der Nationalsozialismus nicht allzu lange wüten würde. Sie übten passiven Widerstand, indem sie sich weigerten, mit dem Hakenkreuz zu flaggen oder die Nazi-Zeitung zu abonnieren. Im Betrieb versuchten sie elementare Errungenschaften der Arbeiterschaft auch nach der "Gleichschaltung" der Gewerkschaften zu erhalten.<ref>{{Osterroth-100-Jahre|Seite=111}}</ref> Auch in den Genossenschaften versuchten sie sich unauffällig zu verhalten, um diese Einrichtungen für spätere Zeiten zu sichern. Andere waren beeindruckend mutig. | |||
== | {{Hauptartikel|Seite=Liste der sozialdemokratischen Todesopfer 1933-1945}} | ||
==Fluchthilfe nach Dänemark== | |||
So zügig und gnadenlos, wie die Nazis nach der Machtübergabe losschlugen, so zügig setzte die Flucht der verfolgten Gruppen ein - auch zahlreiche Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten [[:Kategorie:EmigrantIn|emigrierten]] verließen nur mit dem Nötigsten ausgestattet das Land. Das bekannteste Beispiel dürfte der spätere Bundeskanzler [[Willy Brandt]] sein, der damals allerdings der Splitterpartei [[Sozialistische Arbeiterpartei (1931)|SAP]] angehörte. | |||
[[Datei:Sophie & Amandus Lützen.jpg|260px|thumb|left|Sophie und Amandus Lützen mit ihrem Neffen Dieter im März 1945]]Dänemark war Fluchtziel, aber auch Transitland. Zu Anfang war es für viele noch relativ einfach, mit dem Ausflugsdampfer nach Dänemark in die Freiheit zu fahren. Auf dem Landweg halfen Genossinnen und Genossen im schleswig-holsteinischen Grenzland bei der Flucht. Die am häufigsten frequentierte "Schleuse" ins dänische bzw. skandinavische Exil stand in [[Ortsverein Harrislee|Harrisleefeld]]. Hier führten [[Amandus Lützen|Amandus]] und [[Sophie Lützen]] das Café Waldheim in der Hainstraße 1.<ref name=":1">Ludwig, Tina: ''[https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/im-zentrum-des-widerstands-id10287641.html Im Zentrum des Widerstands]'', ''Flensburger Tageblatt'', 23.7.2015</ref> | |||
<blockquote>"Das Café Waldheim war aber nicht nur ein Ort für geheime Zusammenkünfte, sondern es war zusätzlich Teil eines Netzwerks, das vom Grenz-Sekretariat in Kopenhagen gesteuert wurde. Dänische Umschlagpunkte des Netzwerks gab es in Padborg und Apenrade, an denen Personalien, Briefe und illegale Schriften geschmuggelt wurden. Über 100 Flüchtlinge sollen sich vom Café Waldheim aus auf den Weg ins skandinavische Exil gemacht haben, darunter auch der ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete [[Otto Buchwitz]]. Unter den Sozialdemokraten in Norddeutschland war Lützens Adresse bekannt. [[Wilhelm Schmehl]], ehemaliger SPD-Vorsitzender, brachte sie unter dem Decknamen Paul über die Grenze [ins dänische Frøslev<ref name=":0" />], wo sie sein dänischer Genosse, der Lokomotivführer [[Åge Lassen|Aage Lassen]], empfing und ihre Weiterreise nach Kopenhagen organisierte. Dabei war Vorsicht geboten, denn unter den Flüchtlingen waren auch Spitzel der Gestapo."<ref name=":1" /></blockquote> | |||
[[Amandus Lützen]] wird als "Seele des SPD-Widerstandes" bezeichnet.<ref>Jacobsen, Jens Christian: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_28/10_Jacobsen.pdf Widerstand im Flensburger Norden. Didaktische Anmerkungen zu einer historischen Stadtwanderung]''. In: ''Demokratische Geschichte'' 28(2018), S. 399-422</ref> Auch [[Eduard Clasen]] soll sich an dieser Fluchthilfe beteiligt haben, blieb aber offenbar unerkannt. [[Theodor Werner]] und vor allem [[Adolf Drobe]] waren die [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kieler]] Vertrauensleute für Menschen, die fliehen mussten<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 133</ref>, und wichtige Verbindungsleute nach Flensburg. | |||
[[Heinrich Christian Lienau|Heinrich Lienau]] schreibt in seinen Erinnerungen über den "Grenzverkehr": | |||
<blockquote>"Schon nach wenigen Tagen trafen die ersten politischen Verfolgten aus Nord- und Mitteldeutschland - vorzugsweise Angehörige der Linksparteien, führende Köpfe des politischen Lebens und der Religionsgemeinschaften - in [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]] ein, um über die Grenze nach Dänemark zu gelangen. Soweit sie sich einwandfrei über ihre Person auszuweisen vermochten, wurden sie von den Vertrauenspersonen sicher hinübergeleitet und dort inzwischen verständigten dänischen Gesinnungsfreunden zugeführt. Unzählige dieser Gefährdeten, darunter viele bekannte politische Persönlichkeiten, waren mir als entschiedene Gegner der Nazis bekannt geworden. Alle Emigranten erreichten ungehindert Dänemark, von wo aus sie zum größten Teil ins weitere Ausland gelangen konnten. Es lassen sich nicht alle Schliche wiedergeben, welche zum Menschenschmuggel in Anwendung kamen, doch soll hier nur bemerkt werden, daß der Drei-Tage-Grenz-Passierschein - sog. 'Groschen-Paß' - vorzügliche Dienste neben dem dänischen Zehn-Öre-Paß leistete."<ref>Lienau, S. 14</ref></blockquote> | |||
Der unbürokratisch ausgestellte "Groschenpass" ermöglichte nach der Grenzziehung von [[1920]] der grenznahen Bevölkerung einen "kleinen Grenzverkehr" - er enthielt kein Lichtbild.<ref name=":4">[[Kalle Schunck|Schunck, Karl-Werner]]: ''[https://www.ads-flensburg.de/wa_files/gfh%204%202009.pdf Hans E. Hansen – Hans Flensfelt: Widerständler, Emigrant, Unternehmensgründer]'', ''Grenzfriedenshefte'', Heft 4/2009, S. 237</ref> | |||
Auch [[Magdalene Hansen]], Schwester von [[Hans Flensfelt|Hans Hansen]], beteiligte sich: | |||
<blockquote>"Ich selbst habe [[1933]] einmal einen Jungen illegal nach Dänemark gebracht, als Hans noch in Flensburg war. Der Junge war [[1918]] geboren, also gleich alt wie unser Bruder [[Ehrhardt Hansen|Ehrhardt]]. Er kam aus Kiel; an den Namen kann ich mich nicht erinnern. Da haben wir für ihn einen Groschenpass auf den Namen meines Bruders besorgt und ihm Geburtsdatum, Namen und Adresse meines Bruders eingeschärft, damit er bei einer Befragung richtig antworten konnte. Wir sind dann mit dem Fördedampfer nach Kollund gefahren und von dort durch den Wald an der Küste entlang zurück nach Krusaa. Da habe ich ihn dann in den Bus nach Sønderborg oder Haderslev gesetzt."<ref name=":4" /></blockquote> | |||
[[ | Auch der spätere Landesvorsitzende [[Walter Damm]] gehörte zu diesem Netzwerk. Er zog damals von Bramfeld nach [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]], da er in Bramfeld von der SA gesucht wurde. | ||
<blockquote>"Die alte Polizei, mit der ich gut bekannt war, wiegelte das ganze ab und erklärte der braunen Meute, wenn er in Wandsbek wohne, dann werde man ihn da schon kriegen. Sie kamen nie; unsere damals noch im Amt befindlichen Freunde verhinderten das."<ref>Krohn, Claus-Dieter (Hrsg.): ''Walter Damm. Arbeiter, Landrat und Flüchtlingsminister in Schleswig-Holstein'' (Bonn 1978), S. ??</ref></blockquote> | |||
In diesem Schutz kümmerte sich [[Walter Damm]] um Menschen, die aus dem KZ kamen, und um deren Angehörige. Er verhalf gefährdeten Genossen zur Flucht. | |||
<blockquote>"Wir brachten sie weiter nach [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]], um da von unserem Freund [[Wilhelm Schmehl|Schmehl]], den ich erst nach dem Kriege persönlich kennenlernte, nach Dänemark weitergeleitet zu werden. In Kopenhagen wurden dann diese Emigranten zusammengefasst und die Fürsorge weiterhin von dort aus vorgenommen."<ref>Krohn, Claus-Dieter (Hrsg.): ''Walter Damm. Arbeiter, Landrat und Flüchtlingsminister in Schleswig-Holstein'' (Bonn 1978), S. ??</ref></blockquote> | |||
[[ | Ein schleswig-holsteinischer Sozialdemokrat, dessen Flucht allerdings scheiterte, war [[Willy Verdieck]], der letzte SPD-Bezirksvorsitzende vor dem Verbot durch die Nazis: | ||
<blockquote>"Im Februar [1933] erscheint auch in Verdiecks Wohnung am Ziegelteich 17 ein Polizeiaufgebot, um ihn zu verhaften. Er ist zum Glück nicht zu Haus und einer seiner Söhne kann ihn rechtzeitig warnen. So kann er zunächst untertauchen, wird allerdings im März 1933, beim Versuch, sich nach Dänemark abzusetzen, in Flensburg verhaftet."<ref>[[Sönke Petersen|Petersen, Sönke]]: [http://www.spd-net-sh.de/kiel/daten/dietrichsdorf/poggendoerper/Pogg0905q.htm ''Der Poggendörper''], Mai 2009</ref></blockquote> | |||
Sein Begleiter [[Richard Hansen]] hatte mehr Glück: Ihm gelang die Flucht über die grüne Grenze nach Dänemark. Seine Familie konnte ihm [[1940]] dorthin folgen.<ref>Schultheiß, Nicole: ''[http://www.kiel.de/kultur/stadtgeschichte/gehtnichtgibtsnicht/Buch_11_Portraet_Hansen.php Geht nicht gibt's nicht]'' (Kiel 2007), S. 33</ref> | |||
Ende [[1934]] waren bereits rund 3000 Sozialdemokraten ins Ausland geflüchtet.<ref name=":0" /> | |||
[[Wilhelm Schmehl]] wurde [[1938]] verhaftet. Mit der Besetzung Dänemarks folgte am [[9. April]] [[1940]] die Festnahme [[Åge Lassen]]s. [[Amandus Lützen|Amandus]] und [[Sophie Lützen]] wurden am [[7. Mai]] [[1940]] zusammen mit [[Adolf Drobe]] und [[Julius Gregersen]] festgenommen.<ref>Paul, Gerhard: ''Landunter: Schleswig-Holstein und das Hakenkreuz'', Westfälisches Dampfboot (2001), Seite 133</ref> Damit war klar, dass die Gestapo über die Funktion des Café Waldheim Bescheid wusste und sie nicht länger akzeptierte. | |||
[[Adolf Drobe]] wurde am [[24. Januar]] [[1941]] zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Fuhlsbüttel verbüßte. Die anderen drei konnten das Gefängnis [[1941]] verlassen. [[Åge Lassen]] durfte sich danach nicht mehr in Südjütland aufhalten. Diese Route war damit geschlossen. | |||
===Grenzsekretariat Dänemark=== | |||
[[Richard Hansen]] wurde in Kopenhagen Leiter des Grenzsekretariats in Dänemark. Er war für die Koordinierung des Widerstandes in Schleswig-Holstein, Hamburg und Pommern zuständig. Dazu gehörte die Verbreitung von Publikationen, die zu Wasser und zu Lande nach Nazi-Deutschland geschmuggelt wurden. Unter seinen Kontaktleuten in Kiel waren [[Hans Schröder]] und [[Emil Bandholz]]<ref name=":2">[[Maik Schuhknecht|Schuhknecht, Maik]]: ''Zur Geschichte des SPD-Ortsvereins Kiel-Holtenau. Teil 1: Vom Anfang bis zum Ende?'' (Kiel 2008)</ref>, in Hamburg gehörte [[Karl Jahr]] dazu. Seine Position ermöglichte es ihm auch, viele Genossinnen und Genossen vor dem Zugriff der Gestapo nach Skandinavien zu retten.<ref>''Richard Hansen 80 Jahre alt'', ''Kieler Nachrichten'', 2.8.1967</ref> | |||
Auch der in [[Ortsverein Altona|Altona]] lebende [[Georg Seeler]] diente als Verbindungsperson zu Emigrierten in Skandinavien.<ref>[[Uwe Danker|Danker, Uwe]] / Lehmann-Himmel, Sebastian: ''Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive nach 1945'' - Drucksache 18/1144 (neu), S. 334</ref> Es ist kaum anzunehmen, dass dies ohne Kontakt mit dem Grenzsekretariat möglich gewesen wäre. | |||
===Matteotti-Komitee=== | |||
[[Richard Hansen]] war gleichzeitig Geschäftsführer des [[1933]] von führenden dänischen Sozialdemokraten und Gewerkschaftern gegründeten "Matteotti-Komitees". Es trug es seinen Namen nach Giacomo Matteotti, dem Generalsekretär der italienischen Sozialdemokraten, der [[1924]] von Faschisten ermordet worden war. Die Organisation hatte sich zur Aufgabe gesetzt, deutschen Flüchtlingen, die aus der Arbeiterbewegung kamen, bei ihrem Exil in Dänemark oder bei der Weiterreise in ein Drittland behilflich zu sein. Neben der Hilfe bei Behördengängen und anderen administrativen Dingen wurde auch finanzielle Unterstützung gegeben.<ref>Diedrichsen, Jan: ''[http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/94800.html Exil in Skandinavien (1933-1945)]'', (Facharbeit, Kiel 2000)</ref> | |||
== Exil == | Bei der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen am [[9. April]] [[1940]] entkam [[Richard Hansen]] mit knapper Not nach Schweden und konnte die Namenskartei des Matteotti-Komitees mitnehmen, so dass sie den Nazis nicht in die Hände fiel.<ref>Martens, ''Geschichte der SPD'', S. 245, S. 248, S. 645 Anm. 553</ref> | ||
==Exil der Parteiführung== | |||
Der Parteivorstand der SPD ging [[1933]] ins Exil - zunächst nach Prag, ab [[1940]] nach Paris und nannte sich dort [https://de.wikipedia.org/wiki/Sopade SoPaDe]. Die SoPaDe richtete sogenannte "Grenzsekretariate" ein, die den Kontakt zu unterschiedlichen Regionen in Deutschland halten sollten. Der Parteivorstand ließ den Grenzsekretariaten über regelmäßigen Briefkontakt immer wieder detaillierte Anweisungen, finanzielle Mittel, aber auch Materialien zum illegalen Transport nach Deutschland zukommen. Zusätzlich wurden zahlreiche Schulungen und Kontakte organisiert, wo nach Möglichkeit die Mitarbeiter der Grenzsekretariate, Mitglieder der Exilführung und illegal in Deutschland operierende Genossen zusammentreffen sollten. | Der Parteivorstand der SPD ging [[1933]] ins Exil - zunächst nach Prag, ab [[1940]] nach Paris und nannte sich dort [https://de.wikipedia.org/wiki/Sopade SoPaDe]. Die SoPaDe richtete sogenannte "Grenzsekretariate" ein, die den Kontakt zu unterschiedlichen Regionen in Deutschland halten sollten. Der Parteivorstand ließ den Grenzsekretariaten über regelmäßigen Briefkontakt immer wieder detaillierte Anweisungen, finanzielle Mittel, aber auch Materialien zum illegalen Transport nach Deutschland zukommen. Zusätzlich wurden zahlreiche Schulungen und Kontakte organisiert, wo nach Möglichkeit die Mitarbeiter der Grenzsekretariate, Mitglieder der Exilführung und illegal in Deutschland operierende Genossen zusammentreffen sollten. | ||
=== | ===Weißbuch=== | ||
{{Hauptartikel|Seite=Liste der sozialdemokratischen Todesopfer 1933-1945}} | |||
Bereits [[1934]] war [[Franz Osterroth]] mit seiner Familie in die Tschechoslowakei geflohen. Als die Nazis [[1938]] das Sudetenland besetzten und die Tschechoslowakei zerschlugen, flohen die Osterroths weiter nach Schweden. Nach einem Sprach- und Facharbeiterkurs arbeitete er als Zahnradfräser in Stockholm. Gleichzeitig war er in politischen und kulturellen Gruppierungen tätig, hielt Vorträge in der Arbeiter- und Erwachsenenbildung und schrieb für schwedische Zeitungen. Ab [[1943]] arbeitete er an dem ''Weißbuch der deutschen Opposition gegen die Hitlerdiktatur'' - einer Zusammenstellung ermordeter, hingerichteter oder zu Freiheitsstrafen verurteilter deutscher Gegner des Nationalsozialismus. Es wurde [[1946]] als vorläufige Sammlung von der SoPaDe in London veröffentlicht. | |||
[[Franz Osterroth]] soll auch von Schweden aus als Kurier des Grenzsekretariats illegal nach Deutschland gefahren sein, wie sich [[Rosa Wallbaum]] erinnert. "Das hat er aufgegeben, weil einer der Leute, bei denen er zuletzt gewesen war, von den Nazis verhaftet und hingerichtet worden ist."<ref>[[Susanne Kalweit|Kalweit, Susanne]] (Hrsg.): ''"Ich hab mich niemals arm gefühlt!" Die Kielerin Rosa Wallbaum berichtet aus ihrem Leben'' (Berlin / Hamburg 2010), S. 153. Dies wurde ihr vermutlich von Franz Osterroth selbst mitgeteilt, mit dem sie ab [[1963]] im [[Landesverband]] zusammenarbeitete.</ref> | |||
== Illegale Publikationen == | ==Illegale Publikationen== | ||
Bis [[1935]] konnte noch die Zeitschrift ''[[Blick in die Zeit]]'' von Berlin aus erscheinen. Sie stellte in- und ausländische Pressemeldungen derart zusammen, dass man zwischen den Zeilen die Verhältnisse im NS-Staat herauslesen konnte. Kopf war der ehemalige Redakteur der ''[[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung|Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung]]'', [[Andreas Gayk]]. Er war im Sommer [[1933]] in das anonymere Berlin gezogen, weil er in Kiel der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt war. Nach dem Verbot seiner Zeitschrift nutzte er ab Frühjahr [[1941]] die Möglichkeiten seiner neuen Tätigkeit als Ärztebesucher, um Kontakte zu anderen Widerständlern zu halten und Informationen zu sammeln.<ref>Ludwig | Bis [[1935]] konnte noch die Zeitschrift ''[[Blick in die Zeit]]'' von Berlin aus erscheinen. Sie stellte in- und ausländische Pressemeldungen derart zusammen, dass man zwischen den Zeilen die Verhältnisse im NS-Staat herauslesen konnte. Kopf war der ehemalige Redakteur der ''[[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung|Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung]]'', [[Andreas Gayk]]. Er war im Sommer [[1933]] in das anonymere Berlin gezogen, weil er in Kiel der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt war. Nach dem Verbot seiner Zeitschrift nutzte er ab Frühjahr [[1941]] die Möglichkeiten seiner neuen Tätigkeit als Ärztebesucher, um Kontakte zu anderen Widerständlern zu halten und Informationen zu sammeln.<ref>Weisbecker, Ludwig: ''Ärztebesucher im Dritten Reich'', in: [[Jürgen Jensen|Jensen, Jürgen]]/[[Karl Rickers|Rickers, Karl]]: ''Andreas Gayk und seine Zeit. Erinnerungen an den Kieler Oberbürgermeister'' (Neumünster 1974), S. 75 f.</ref> | ||
Von [[1934]] bis [[1940]] gab die SoPaDe die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland-Berichte_der_Sopade Deutschland-Berichte]'' heraus. Diese Zeitschrift sammelte Informationen von in Deutschland lebenden Zuträgern und veröffentlichte sie. Die Informationen mussten dafür außer Landes und die Zeitschriften ins Land geschmuggelt und anschließend verteilt werden. | Von [[1934]] bis [[1940]] gab die SoPaDe die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland-Berichte_der_Sopade Deutschland-Berichte]'' heraus. Diese Zeitschrift sammelte Informationen von in Deutschland lebenden Zuträgern und veröffentlichte sie. Die Informationen mussten dafür außer Landes und die Zeitschriften ins Land geschmuggelt und anschließend verteilt werden. | ||
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Weitere Veröffentlichungen waren das Diskussions-Magazin ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Neu_Beginnen Neu Beginnen]'' und der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorw%C3%A4rts_(Deutschland)#Der_Vorw.C3.A4rts_im_Exil Neue Vorwärts]''. Diese Zeitschriften wurden in kleinen Zirkeln herumgereicht und diskutiert - oft in Privatwohnungen, in Kiel aber zum Beispiel auch im Café Brüel am Dreiecksplatz<ref>Adresse damals Holtenauer Straße 2, heute Dreiecksplatz 8 - vgl. [http://www.sanremo-kiel.de/unsere-geschichte/ Pizzeria San Remo]</ref>. | Weitere Veröffentlichungen waren das Diskussions-Magazin ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Neu_Beginnen Neu Beginnen]'' und der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorw%C3%A4rts_(Deutschland)#Der_Vorw.C3.A4rts_im_Exil Neue Vorwärts]''. Diese Zeitschriften wurden in kleinen Zirkeln herumgereicht und diskutiert - oft in Privatwohnungen, in Kiel aber zum Beispiel auch im Café Brüel am Dreiecksplatz<ref>Adresse damals Holtenauer Straße 2, heute Dreiecksplatz 8 - vgl. [http://www.sanremo-kiel.de/unsere-geschichte/ Pizzeria San Remo]</ref>. | ||
<blockquote>"Die Schriften wurden in erster Linie von [[Emil Bandholz]] [nach Kiel] mitgebracht, der des öfteren nach Dänemark zu Freunden fuhr - mit Schiffen des KdF ('Kraft durch Freude'), einer Unterabteilung der Deutschen Arbeitsfront. Zu seinen Freunden zählte das Ehepaar [[Anneliese Raabke|Anneliese]] und [[Walter Raabke]], die aus Kiel emigriert waren, und die Geschwister [[Eline Nicolaysen|Lina]] und [[Vera Nicolaysen]], die vorher in Flensburg gewohnt hatten und [[1933]]/[[1934|34]] als grenzüberschreitende Kuriere tätig waren. [...] Indem Emil Bandholz die Untersuchungsmechanismen beim Zoll genauer beobachtete, gelang ihm die Einführung der Schriften, ohne je belangt zu werden. Bei Kofferkontrollen lagen die Presseerzeugnisse oben auf, so daß er sie schnell mit dem Bemerken 'Reiseliteratur' hochnahm. Die Zollbeamten suchten nämlich immer nur nach einem doppelten Boden, den sie natürlich nie fanden."<ref>Peters, S. 14 f.</ref></blockquote> | |||
Der "Neue Vorwärts" wurde in Kiel vor allem von Genossinnen in Einkaufstaschen und Kinderwagen transportiert. Die Nazis beachteten Frauen nicht so genau.<ref>Peters, S. 15</ref> | Oft warfen dänische Seeleute verlötete Kanister mit illegaler Literatur im Nord-Ostsee-Kanal über Bord, wo informierte Sozialdemokraten sie auffischten.<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 113</ref> Der "Neue Vorwärts" wurde in Kiel vor allem von Genossinnen in Einkaufstaschen und Kinderwagen transportiert. Die Nazis beachteten Frauen nicht so genau.<ref>Peters, S. 15</ref> | ||
Untereinander ausgetauscht wurde auch [[Gerhart Seger|Gerhart Segers]] aufsehen aufsehenerregenden Bericht über seine Erlebnisse im KZ Oranienburg.<ref>{{Osterroth-100-Jahre|Seite=113}}</ref> | |||
[[1934]] standen in [[Kreisverband Kiel|Kiel]] 21 [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbannerleute]] vor Gericht, weil sie illegale Zeitschriften verbreitet haben sollten. Zu ihnen gehörten [[Kurt Funke]], [[Karl Ratz]], [[Wilhelm Rave]] und [[Franz Hebling]]. Sie wurden zu bis zu 2 Jahren und 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. | |||
In [[Ortsverein Wedel|Wedel]] verfasste [[Martha Damkowski]] - die sich für den Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) engagierte und erst nach der NS-Herrschaft in die SPD eintrat - zusammen mit ihrem Bruder Willy und ihrem damaligem Verlobten Herbert Damkowski in der Wohnung ihrer Eltern Protestschriften gegen das Regime. Alle wurden [[1938]]/[[1939|39]] wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu längeren Haftstrafen verurteilt. | |||
== | ==Organisation & Aktion== | ||
Widerstandsgruppen gab es bspw. in [[Kreisverband Kiel|Kiel]], [[Ortsverein Altona|Altona]], [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]], [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]], [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]], [[Ortsverein Glückstadt|Glückstadt]], [[Ortsverein Pinneberg|Pinneberg]], [[Ortsverein Eckernförde|Eckernförde]], [[Kreisverband Lübeck|Lübeck]].<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 113</ref> Im November [[1934]] erneuerten SPD-Mitglieder die Schrift des Gedenksteins an den Gräbern der [[Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand|Novemberrevolution]] auf dem Eichhof-Friedhof und wurden dabei verhaftet.<ref>Colmorgen / Liesching: ''Denkmal'', S. 244</ref> Und noch im Januar [[1936]] sollen sich in [[Ortsverein Holtenau|Kiel-Holtenau]] beim Tod eines früheren SPD-Mitglieds 300 Genossen zu einem Trauermarsch versammelt haben.<ref name=":2" /> | |||
===Tabakläden als Treffpunkte=== | |||
Die ehemalige Reichstagsabgeordnete [[Nanny Kurfürst]] führte seit ihrem Ausscheiden aus dem Reichstag im September [[1930]] in der Elisabethstraße in Kiel-Gaarden einen kleinen Tabakladen. Dies war in den "illegalen" Zeiten bei SPD und KPD eine häufig anzutreffende Tätigkeit, der auch [[Theodor Werner]] und [[Hans Stade]] ([[Kreisverband Kiel]]), [[Paul Dölz]] ([[Kreisverband Flensburg|Flensburg]]), [[Karl Panitzki]] ([[Ortsverein Oldenburg|Oldenburg]]), [[August Haut]] ([[Kreisverband Lübeck|Lübeck]]), [[Carl Dietrich]] (Görlitz) und [[Max Richter]] ([[Kreisverband Neumünster|Neumünster]]) nachgingen.<ref>[[Detlef Korte|Korte, Detlef]]: ''"[[Aktion Gewitter]]" in Schleswig-Holstein. Eine Präventivmaßnahme der Gestapo: Verhaftung von Sozialdemokraten und Kommunisten im August 1944'' || [http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay40.pdf PDF]</ref>. Die Funktion von Tabakläden beim Aufbau illegaler Netze war nicht auf die NS-Diktatur und nicht auf Widerstand beschränkt. Ein Stasi-Offizier erläuterte sie so: | |||
<blockquote>"[…] da steckt man sich erstmal einen Glimmstengel an, und zu einem Schwatz ist auch noch Zeit. Man hört dies und das. Es trifft sich Hinz und Kunz. Und wenn dann der Kunz dein Mann ist, weil, du hast es erkannt, er eine Zigarettensorte verlangte, die es gar nicht gibt, es war dein Stichwort, dann kannst du ihm mit der Schachtel, die du ihm nun empfiehlst, jeden Kassiber mit rüberschieben, und wenn noch zehn andere im Laden rumstehen und paffen und quatschen, kein Aas merkt was."<ref>Boom, Pierre/ Haase-Hindenberg, Gerhard: ''Der fremde Vater. Der Sohn des Kanzlerspions Guillaume erinnert sich'' (Berlin 2005), S. 102</ref></blockquote> | |||
Eine andere Tätigkeit, die das Pflegen von Kontakten ermöglichte, war eine selbstständige Handelsvertretung. Sie war auch eine Möglichkeit, nach Entlassung oder Berufsverbot wieder einen Lebensunterhalt zu verdienen. So arbeitete [[Hans Ekstrand]] in den 1930er Jahren als Versicherungsvertreter, [[Andreas Gayk]] in Berlin zeitweise als Ärztebesucher (Arzneimittelvertreter), [[Wilhelm Käber]] in Hamburg als Vertreter für Fahrräder und Autos und [[Richard Vosgerau]] als Vertreter für Lebensversicherungen. | |||
===Kleineberg-Gruppe, Kiel=== | |||
In Kiel existierte bis zum Jahr [[1936]] ein illegales Netzwerk aus 300 jungen Sozialdemokraten<ref name=":3">{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 113f</ref>, das sich an der Zellenstruktur der KPD zu dieser Zeit orientierte: Jede Zelle bestand aus nur fünf oder sechs Personen, die sich gegenseitig namentlich bekannt waren. Nur die Gruppenleiter kannten sich untereinander. Organisiert wurde dieses System von dem [[Genosse Kleineberg|Genossen Kleineberg]], der Polizeioffizier in Kiel war. | |||
<blockquote>"Auf Anweisung des Generalsekretärs der Internationalen Transportarbeiter Föderation (ITF), [[Edo Fimmen]], schuf [[Adolph Kummernuss]] bis Anfang [[1934]] Gruppen von Hafenarbeitern und Seeleuten in Flensburg, Kiel, Lübeck und Hamburg. Eine ca. 2-300 Personen starke Gruppe um den ehemaligen Polizeilehrer Kleineberg existierte, in Fünfergruppen operierend, einige Jahre recht effektiv. Sie leistete Unterstützung für Familien von Inhaftierten, sie verbreitete selbsterstellte Informationsschriften auch in das Kieler Umland und diskutierte über eine programmatische Erneuerung der Sozialdemokratie 'im Geiste eines jungen, militanten Sozialismus, wie er in den ''Neuen Blättern für den Sozialismus'' und durch [[Carlo Mierendorff]], [[Theodor Haubach]], [[Kurt Schumacher]] und [[Julius Leber]] vertreten wurde'. Die Gruppe blieb bis zu ihrer Auflösung [[1936]] unentdeckt, trotz gelegentlicher Verhaftungen von Mitgliedern durch die Gestapo."<ref name=":0" /></blockquote> | |||
Am [[6. Mai]] [[1938]] wurden in einer groß angelegten Razzia 59 Kieler Genossen verhaftet und ihre Wohnungen, Keller- und Bodenräume nach verdächtigen Schreibmaschinen, Vervielfältigungsapparaten und Radiosendeanlagen durchsucht. In [[Ortsverein Kiel-Holtenau|Kiel-Holtenau]] traf es die Genossen [[Karl Mäder]] (* [[22. Mai]] [[1905]]) aus dem Schusterkrug 16 und [[Wilhelm Noack]] (* [[7. Juni]] [[1879]]) aus der Richthofenstr. 35.<ref name=":2" /> Von anderen weiß man: | |||
<blockquote>"In der Gruppe von [[Kurt Salau]] befand sich unter anderem der spätere ÖTV-Sekretär [[Emil Bendfeldt]]; er selbst war Verbindungsmann zu einer Gruppe, der der spätere Landtagsabgeordnete [[Eugen Lechner]] vorstand. [...] Im Prozeß gegen Kurt Salau wurde er unter anderem auf seine Bekanntschaft zu [[Eugen Lechner]] angesprochen. Er konnte diese gefahrlos zugeben und machte die Angabe, daß Lechner als Handelsreisender für Rasierschaum an seiner Haustür gewesen sei - was stimmte. Einige Sozialdemokraten ergriffen (oft nach Entlassung als Betriebsräte) den Vertreterberuf, um illegal weiterzuwirken. Oft waren sie für Volksfürsorge oder Karlsruher Versicherung (im Vorstand 'Genosse Generaldirektor' [[Alex Möller]]) tätig."<ref>Peters, S. 15 f.</ref> | |||
</blockquote> | |||
Mit dem Weggang Kleinebergs aus Kiel brach dieses Netzwerk zusammen. Die Nazis kamen aber nie hinter die Existenz des Netzwerks.<ref name=":3" /> | |||
In Lübeck organisierten sich sozialdemokratische Jugendliche unter der Führung des Seemanns [[Edmund Fülscher]] - eines jungen KPD-Mannes, der Verbindung auch zum [[Reichsbanner]] hielt: | ===Revolutionäre Arbeiterjugend (RAJ), Lübeck=== | ||
In Lübeck organisierten sich sozialdemokratische Jugendliche unter der Führung des Seemanns [[Edmund Fülscher]] - eines jungen KPD-Mannes, der Verbindung auch zum [[Reichsbanner]] hielt. Schon als Seemann brachte er "illegales" Schriftmaterial nach Lübeck, nahm in Oslo auch an Versammlungen der Norwegischen Arbeiterpartei teil und traf mehrmals den zwei Jahre älteren [[Willy Brandt]].<ref name=":5">Muth, S. 95</ref> Ab Februar [[1934]] arbeitete er im Lübecker Hafen. | |||
<blockquote>"Ende [[1934]] gründete er zusammen mit sechs Kameraden, die er aus dem Kommunistischen Jugendverband kannte, die Revolutionäre Arbeiterjugend (RAJ), deren Leiter er wurde. Diese Organisation sammelte in den nächsten Monaten etwa 40 bis 50 Jugendliche, die vor 1933 hauptsächlich in der [[Sozialistische Arbeiterjugend|Sozialistischen Arbeiterjugend]], der Jugendorganisation der SPD, organisiert waren. Aber auch Mitglieder der kommunistischen Jugendorganisation oder kirchlicher Jugendgruppen beteiligten sich. Die Jugendlichen waren zwischen 16 und 25 Jahre alt, zwei Drittel waren Lehrlinge und Jungarbeiter, ein Drittel Schüler."<ref name=":5" /></blockquote> | |||
Die Gruppe unterstützte die Familien von Verhafteten und verteilte zum Teil hunderte | Die Gruppe unterstützte die Familien von Verhafteten und verteilte zum Teil hunderte Exemplare illegaler Zeitschriften, die von Seeleuten nach Lübeck geschmuggelt wurden. | ||
<blockquote>"Im Frühjahr [[1935]] klebten die Nazis in Lübeck und Umgebung Plakate mit einem Judenkopf in Stürmer-Manier und der Unterschrift 'Lübeck will Euch nicht!' In der RAJ gab es zwei talentierte Zeichner, die in derselben Größe zwölf Plakate anfertigten mit dem Hitlerkopf in gleicher Manier und der Unterschrift 'Lübeck will Dich nicht!' Diese Plakate wurden in der Innenstadt und beim Hafen an zentralen Stellen geklebt. Eine zweite große Aktion der RAJ fand in der Nacht zum [[1. August]] [[1935]], dem Antikriegstag, statt. Auf das Dach eines 100 Meter langen Hafenschuppens beim Holstentor malten sie in großen Buchstaben die Parole: 'Brüder in eins nun die Hände, bildet die antifaschistische Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg'. Diese Parole war von der Innenstadt her sehr gut sichtbar. Selbst als die Nazis das Dach schwarz überstrichen, konnten Eingeweihte sie noch lesen, da die Jugendlichen die Farbe sehr dick aufgetragen hatten."<ref>Muth, S. 96</ref></blockquote> | |||
[[1935]] wurde große Teile der Gruppe von der Gestapo verhaftet | [[1935]] wurde große Teile der Gruppe von der Gestapo verhaftet und bei den Verhören misshandelt. 12 RAJ-Mitglieder kamen vor Gericht. Sie wurden zu einem bis vier Jahren Gefängnis verurteilt und anschließend im KZ Buchenwald weiter gefangen gehalten. [[Edmund Fülscher]] wurde aufgrund seines jugendlichen Alters "nur" zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und überlebte wie sieben andere die NS-Herrschaft.<ref>Muth, S. 98 ff.</ref> | ||
Auch der 26-Jährige Lübecker [[Karl Regling]] blieb nach [[1933]] der Sozialdemokratie treu und organisierte eine Widerstandsgruppe, die sich aus SAJ-Kreisen rekrutierte. Er war Kontaktperson für [[Julius Leber]], der seit seiner Haftentlassung [[1935]] in Berlin lebte und dort Teil des Kreisauer Widerstandskreises war.<ref>Nissen, Hans Christian: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay36.pdf#page=19 1933–1945: Widerstand, Verfolgung, Emigration, Anpassung]'' In: ''Demokratische Geschichte'', Band 3(1988), S. 493</ref> Der Exil-Vorstand in Prag hielt über [[Franz Osterroth]] Kontakt zu [[Karl Regling]].<ref>Imberger, Elke: ''Widerstand „von unten“. Widerstand und Dissens aus den Reihen der Arbeiterbewegung und der Zeugen Jehovas in Lübeck und Schleswig-Holstein 1933-1945'' (Wachholtz, Neumünster 1991)</ref> | |||
=== | ===Kieler Frauengruppe=== | ||
Sozialdemokratinnen in Kiel hielten Kontakt über unauffällige Handarbeitskränzchen. [[1934]] organisierten [[Emma Drewanz]] und [[Nanny Kurfürst]] gesellige Fahrten nach Mölln, Lauenburg und ins Alte Land. Unterwegs und im Grünen konnten sie sich "die Seele frei singen". Dem Fuhrunternehmer Kletscher untersagten die Nazis dann diese Ausfahrten. [[1937]] wurden viele der beteiligten Frauen verhaftet und allein in Kiel-Gaarden 80 Frauen verhört. Eine verurteilte Frau nahm sich in der Haft das Leben.<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 114f</ref> | |||
== | ===Aktion Gewitter=== | ||
Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am [[20. Juli]] [[1944]] gab es eine Verhaftungswelle unter dem Namen "[[Aktion Gewitter]]". Allerdings war sie keine "Vergeltung" für das Attentat, das lediglich den Auslöser für dieses längst geplante Vorgehen bildete.<ref>Vgl. Haffner, Sebastian: ''Anmerkungen zu Hitler'' (München 1978), S. 188</ref> Es wurden ca. 6000 Personen im ganzen Reich inhaftiert. Damit sollten letzte verdeckte Gegnerinnen und Gegner des Regimes beseitigt werden. Betroffen waren auch zahlreiche Menschen aus der schleswig-holsteinischen Sozialdemokratie. | |||
== | {{Hauptartikel|Seite=Aktion Gewitter}} | ||
===Stubenzirkel=== | |||
Anfang [[1945]] zeichnete sich das Ende der Nazi-Herrschaft ab und vor allem in Kiel und Lübeck begannen sich Sozialdemokrat*innen vorsichtig wieder zu treffen - in sogenannten [[Stubenzirkel]]n. Dort besprachen sie den [[Wiedergründung der SPD Schleswig-Holstein|Wiederaufbau von Partei]] in Stadt und Land. | |||
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== | {{Hauptartikel|Seite=Stubenzirkel}} | ||
==Krieg== | |||
Nachdem Hitler am [[1. September]] [[1939]] den Krieg begann, veränderte sich die Situation für die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten erneut. Die Verbindungen zu den den Genossinnen und Genossen im Ausland wurde schwieriger. Am [[9. April]] [[1940]] überfielen die Nazis Dänemark und Norwegen, und die Flüchtlinge mussten auch von dort fliehen - so wie etwa [[Willy Brandt]], [[Richard Hansen]], wohl auch [[Paul Bromme]] und andere von Norwegen nach Schweden flohen. | |||
==Literatur== | |||
*Bästlein, Klaus: [https://www.akens.org/akens/texte/info/07/Meldungen_B%C3%A4stlein.pdf ''Schleswig-Holstein in den „Meldungen wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse“ – August 1941 bis November 1944.''] In: AKENS Heft 7/8 Seite 4-45. | |||
*Bringmann, Fritz / Diercks, Herbert: ''Die Freiheit lebt! Antifaschistischer Widerstand und Naziterror in Elmshorn und Umgebung 1933-1945'' (Frankfurt/Main 1983) ISBN 3876820405 | |||
*Colmorgen, Eckhard / Liesching, Bernhard: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay18.pdf Ein Denkmal der Novemberrevolution 1918 in Kiel]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 241-258 | |||
*[[Rolf Fischer|Fischer, Rolf]]: ''Die dunklen Jahre. [[Kreisverband Kiel|Kiels Sozialdemokratie]] im Nationalsozialismus'' (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 4: 1930 - 1945, Kiel 2017) ISBN 978-3-86935-329-6 | |||
*[[Heinrich Christian Lienau|Lienau, Heinrich]]: ''[http://www.ulrich-jochimsen.de/UlrichJochimsen.html "Zwölf Jahre Nacht". Mein Weg durch das "tausendjährige Reich"]'' (Flensburg 1949) | |||
*Lorenz, Einhart / Misgeld, Klaus / Müssener, Helmut / Petersen, Hans Uwe (Hg.): Ein sehr trübes Kapitel? Hitlerflüchtlinge im nordeuropäischen Exil 1933 bis 1950. IZRG-Schriftenreihe, Band 2, Ergebnisse-Verlag (1998) | |||
*[[Holger Martens|Martens, Holger]]: ''Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein von 1945 bis 1959'', 2 Bände (Malente 1998) | |||
*Muth, Wolfgang: ''[http://www.akens.org/akens/texte/info/49/Nachruf.pdf Ein Lübecker im Widerstand. Trauerrede für Edmund Fülscher, 21. Februar 2007]'', in: ''Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte'', Heft 49 (2007), S. 92-105 | |||
*Nissen, Hans Christian: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay36.pdf 1933-1945 – Widerstand, Verfolgung, Emigration, Anpassung]'', in: ''[[Demokratische Geschichte]]'', 3(1988), S. 473-494 | |||
*Omland, Frank: ''"Du wählst mi nich Hitler!" Reichstagswahlen und Volksabstimmungen in Schleswig-Holstein 1933-1938'' (Hamburg 2006) ISBN 3833448946 | |||
*Paul, Gerhard: ''Widerstand an der Grenze. Das „Café Waldheim“ und das Ehepaar Lützen'', in: ''Zwischen Konsens und Kritik. Facetten kulturellen Lebens in Flensburg 1933-1945'' (Flensburger Beiträge zur Zeitgeschichte, Bd. 4, Flensburg 1999), S. 331-354. | |||
*Peters, Horst: ''Zuchthausstrafen für Volksschädlinge. Eine Gruppe Kieler Sozialdemokraten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus'', in: ''Wir sind das Bauvolk'' (Kiel 1985), S. 11-29 | |||
*Petersen, Hans Uwe (Hrsg.): ''Hitlerflüchtlinge im Norden. Asyl und politisches Exil'' (Kiel 1991) | |||
*Pusch, Thomas: ''[http://www.akens.org/akens/texte/diverses/pusch_abstract.html Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933-1960]'' (Dissertation, 2003) | |||
*[[Kalle Schunck|Schunck, Karl-Werner]]: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_01/Demokratische_Geschichte_Band_01_Essay11.pdf Anneliese Raabke und Martin Krebs – Zwei Emigrantenschicksale. Zur sozialdemokratischen Emigration nach Skandinavien]'', in: ''[[Demokratische Geschichte]]'' 1(1986), S. 237-290 | |||
*[[Kalle Schunck|Schunck, Karl-Werner]]: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_02/Demokratische_Geschichte_Band_02_Essay13.pdf Exil in Skandinavien: Martin Krebs]'', in: ''[[Demokratische Geschichte]]'' 2(1987), S. 329-348 | |||
*[[Kalle Schunck|Schunck, Karl-Werner]]: ''[https://www.dein-ads.de/fileadmin/download/pdf_grenzfriedenshefte/2009/gfh_4_2009.pdf Hans E. Hansen – Hans Flensfelt: Widerständler, Emigrant, Unternehmensgründer]'', in: ''Grenzfriedenshefte'' Heft 4/2009, S. 233-250 | |||
*Stokes, Lawrence D.: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_02/Demokratische_Geschichte_Band_02_Essay08.pdf Sozialdemokratie kontra Nationalsozialismus in Eutin 1925 bis 1933]'', in: ''[[Demokratische Geschichte]]'' 2(1987), S. 173-210 | |||
*[[Gertrud Völcker|Völcker, Gertrud]]: ''Erinnerungen. 50 Jahre Öffentlichkeitsarbeit. Teil I: Bis 1945'' (Unveröff. Typoskript, Kiel 1974) [Stadtarchiv Kiel] | |||
==Einzelnachweise== | |||
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Aktuelle Version vom 23. Februar 2026, 01:58 Uhr
| Widerstand in der NS-Zeit |
| (1933-1945) |
| Julius Leber vor dem Volksgerichtshof, 1944 |
| << Weimarer Republik (1918-1933) |
| Wiedergründung (1945-1950) >> |
Am Widerstand gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten (1933-1945) beteiligten sich Menschen aus allen Kreisen der Bevölkerung - auch viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten - in der einen oder anderen Form. Viele Menschen bezahlten ihr Engagement mit dem Leben oder mit Verletzungen und Schäden durch Misshandlungen in Zuchthaus- oder KZ-Haft.
"Widerstand in der nationalsozialistischen Diktatur war immer die Haltung von sehr wenigen, von einzelnen und oft sehr einsamen Menschen. In diesem System mit totalitärem Anspruch riskierten Menschen, die Widerstand leisteten, ihr Leben. Umgeben waren sie von einer Bevölkerung, die sich in ihrer Mehrheit anpasste, ja vom Nationalsozialismus begeistert zeigte und das Regime trug."[1]
Am 30. Januar 1933 übertrug Reichspräsident von Hindenburg ohne Beteiligung des Reichstages das Amt des Reichskanzlers an Adolf Hitler, den "Führer" der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Der Brand des Reichstages am 27. Februar führte zu einer ersten Verhaftungswelle.
In der Reichstagswahl vom 5. März blieben die Nazis mit 43,9% unter der angestrebten absoluten Mehrheit, obwohl viele ihrer politischen Gegner bereits in "Schutzhaft" saßen und der brutalen Einschüchterung durch die SA nichts entgegensetzen konnten. Schon zwei Tage nachdem Hitler zum Reichskanzler gemacht wurde, beklagte der Lübecker Volksbote:
"In Lübeck haben sich inzwischen absolut gesetzlose Zustände entwickelt. Einzeln gehende Sozialdemokraten und Kommunisten wurden bei hellichtem Tage, und vermehrt in der Nacht überfallen und niedergeschlagen. Wo die braunen Banditen in der Mehrzahl waren, schlugen sie blindlings zu - oft zwanzig auf einen. Die Polizei sah in vielen Fällen untätig zu oder ließ die Verbrecher verduften und begnügte sich mit der Feststellung des Ueberfallenen."[2]
Innerhalb weniger Monate wurde mit Hilfe von Notverordnungen und scheindemokratischen Beschlüssen eines entmachteten Reichstages - etwa dem "Ermächtigungsgesetz" - das gesamte politische Leben in Deutschland "gleichgeschaltet". Nach dem 1. Mai verboten die Nazis die Gewerkschaften und gliederten sie in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ein. Sie verboten die SPD-Zeitungen. Am 22. Juni verboten sie endgültig die SPD und alle Parteien außer der NSDAP.
Auch in Schleswig-Holstein entfernten die Nazis SPD- und KPD-Leute und andere politische Gegner aus Verwaltungen und Selbstverwaltungen, verhafteten Menschen, die Widerstand leisteten, und sperrten sie in die ersten - oft noch "inoffiziellen" - Konzentrationslager, wo sie meist schwer misshandelt und viele von ihnen ermordet wurden. Wenig später erließen die Nazis auch die ersten Gesetze zur Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung.
Widerstand im weitestgehend ländlichen Schleswig-Holstein war schwierig und gefährlich, zumal das Land schon vor 1933 eine braune Hochburg mit Nazi-Strukturen war. Auf dem Dorf kannte jeder jeden; Anonymität wie in Großstädten gab es dort nicht. Diejenigen, die es doch riskierten, konnten nicht auf die Hilfe ihrer Arbeiterorganisationen setzen - diese zerschlugen die Nazis als erste, durch Verhaftungen bekannter Funktionäre, durch Zwangsvereinigung mit NS-Organisationen oder durch Aneignung ihres Eigentums, etwa der Gewerkschaftshäuser.
Noch 1938 beschlagnahmten sie "Vermögen" schleswig-holsteinischer Arbeitervereine, oft nur wenige Reichsmark, mit der demagogischen Begründung, es handle sich um "marxistische Vermögenswerte aus der Zeit vor der nationalsozialistischen Erhebung". In erster Linie waren SPD-Gliederungen oder -Vereine betroffen: Ortsvereine, Arbeitersport-, Arbeitergesangvereine, Frauengruppen, Erziehungsvereine, das Reichsbanner und andere, daneben auch kommunistische Vereine wie der Rotfrontkämpferbund.[3] Die persönlichen Netzwerke allerdings blieben erhalten. Unter einander teilte man Informationen, illegale Schriften aber auch Witze über die Nazi-Größen, beim Spaziergang. dem Handarbeitskränzchen oder beim "Stempeln" im Arbeitsamt.
Wer Widerstand leistete, riskierte Freiheit, Gesundheit und Leben - nicht nur sein eigenes, sondern auch das seiner Familie.[4] Einigen war das Risiko zu groß. Sie passten sich an und versuchten "politisch zu überwintern". Sie hofften, dass der Nationalsozialismus nicht allzu lange wüten würde. Sie übten passiven Widerstand, indem sie sich weigerten, mit dem Hakenkreuz zu flaggen oder die Nazi-Zeitung zu abonnieren. Im Betrieb versuchten sie elementare Errungenschaften der Arbeiterschaft auch nach der "Gleichschaltung" der Gewerkschaften zu erhalten.[5] Auch in den Genossenschaften versuchten sie sich unauffällig zu verhalten, um diese Einrichtungen für spätere Zeiten zu sichern. Andere waren beeindruckend mutig.
→ Hauptartikel: Liste der sozialdemokratischen Todesopfer 1933-1945
Fluchthilfe nach Dänemark
So zügig und gnadenlos, wie die Nazis nach der Machtübergabe losschlugen, so zügig setzte die Flucht der verfolgten Gruppen ein - auch zahlreiche Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten emigrierten verließen nur mit dem Nötigsten ausgestattet das Land. Das bekannteste Beispiel dürfte der spätere Bundeskanzler Willy Brandt sein, der damals allerdings der Splitterpartei SAP angehörte.

Dänemark war Fluchtziel, aber auch Transitland. Zu Anfang war es für viele noch relativ einfach, mit dem Ausflugsdampfer nach Dänemark in die Freiheit zu fahren. Auf dem Landweg halfen Genossinnen und Genossen im schleswig-holsteinischen Grenzland bei der Flucht. Die am häufigsten frequentierte "Schleuse" ins dänische bzw. skandinavische Exil stand in Harrisleefeld. Hier führten Amandus und Sophie Lützen das Café Waldheim in der Hainstraße 1.[6]
"Das Café Waldheim war aber nicht nur ein Ort für geheime Zusammenkünfte, sondern es war zusätzlich Teil eines Netzwerks, das vom Grenz-Sekretariat in Kopenhagen gesteuert wurde. Dänische Umschlagpunkte des Netzwerks gab es in Padborg und Apenrade, an denen Personalien, Briefe und illegale Schriften geschmuggelt wurden. Über 100 Flüchtlinge sollen sich vom Café Waldheim aus auf den Weg ins skandinavische Exil gemacht haben, darunter auch der ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete Otto Buchwitz. Unter den Sozialdemokraten in Norddeutschland war Lützens Adresse bekannt. Wilhelm Schmehl, ehemaliger SPD-Vorsitzender, brachte sie unter dem Decknamen Paul über die Grenze [ins dänische Frøslev[4]], wo sie sein dänischer Genosse, der Lokomotivführer Aage Lassen, empfing und ihre Weiterreise nach Kopenhagen organisierte. Dabei war Vorsicht geboten, denn unter den Flüchtlingen waren auch Spitzel der Gestapo."[6]
Amandus Lützen wird als "Seele des SPD-Widerstandes" bezeichnet.[7] Auch Eduard Clasen soll sich an dieser Fluchthilfe beteiligt haben, blieb aber offenbar unerkannt. Theodor Werner und vor allem Adolf Drobe waren die Kieler Vertrauensleute für Menschen, die fliehen mussten[8], und wichtige Verbindungsleute nach Flensburg.
Heinrich Lienau schreibt in seinen Erinnerungen über den "Grenzverkehr":
"Schon nach wenigen Tagen trafen die ersten politischen Verfolgten aus Nord- und Mitteldeutschland - vorzugsweise Angehörige der Linksparteien, führende Köpfe des politischen Lebens und der Religionsgemeinschaften - in Flensburg ein, um über die Grenze nach Dänemark zu gelangen. Soweit sie sich einwandfrei über ihre Person auszuweisen vermochten, wurden sie von den Vertrauenspersonen sicher hinübergeleitet und dort inzwischen verständigten dänischen Gesinnungsfreunden zugeführt. Unzählige dieser Gefährdeten, darunter viele bekannte politische Persönlichkeiten, waren mir als entschiedene Gegner der Nazis bekannt geworden. Alle Emigranten erreichten ungehindert Dänemark, von wo aus sie zum größten Teil ins weitere Ausland gelangen konnten. Es lassen sich nicht alle Schliche wiedergeben, welche zum Menschenschmuggel in Anwendung kamen, doch soll hier nur bemerkt werden, daß der Drei-Tage-Grenz-Passierschein - sog. 'Groschen-Paß' - vorzügliche Dienste neben dem dänischen Zehn-Öre-Paß leistete."[9]
Der unbürokratisch ausgestellte "Groschenpass" ermöglichte nach der Grenzziehung von 1920 der grenznahen Bevölkerung einen "kleinen Grenzverkehr" - er enthielt kein Lichtbild.[10]
Auch Magdalene Hansen, Schwester von Hans Hansen, beteiligte sich:
"Ich selbst habe 1933 einmal einen Jungen illegal nach Dänemark gebracht, als Hans noch in Flensburg war. Der Junge war 1918 geboren, also gleich alt wie unser Bruder Ehrhardt. Er kam aus Kiel; an den Namen kann ich mich nicht erinnern. Da haben wir für ihn einen Groschenpass auf den Namen meines Bruders besorgt und ihm Geburtsdatum, Namen und Adresse meines Bruders eingeschärft, damit er bei einer Befragung richtig antworten konnte. Wir sind dann mit dem Fördedampfer nach Kollund gefahren und von dort durch den Wald an der Küste entlang zurück nach Krusaa. Da habe ich ihn dann in den Bus nach Sønderborg oder Haderslev gesetzt."[10]
Auch der spätere Landesvorsitzende Walter Damm gehörte zu diesem Netzwerk. Er zog damals von Bramfeld nach Wandsbek, da er in Bramfeld von der SA gesucht wurde.
"Die alte Polizei, mit der ich gut bekannt war, wiegelte das ganze ab und erklärte der braunen Meute, wenn er in Wandsbek wohne, dann werde man ihn da schon kriegen. Sie kamen nie; unsere damals noch im Amt befindlichen Freunde verhinderten das."[11]
In diesem Schutz kümmerte sich Walter Damm um Menschen, die aus dem KZ kamen, und um deren Angehörige. Er verhalf gefährdeten Genossen zur Flucht.
"Wir brachten sie weiter nach Flensburg, um da von unserem Freund Schmehl, den ich erst nach dem Kriege persönlich kennenlernte, nach Dänemark weitergeleitet zu werden. In Kopenhagen wurden dann diese Emigranten zusammengefasst und die Fürsorge weiterhin von dort aus vorgenommen."[12]
Ein schleswig-holsteinischer Sozialdemokrat, dessen Flucht allerdings scheiterte, war Willy Verdieck, der letzte SPD-Bezirksvorsitzende vor dem Verbot durch die Nazis:
"Im Februar [1933] erscheint auch in Verdiecks Wohnung am Ziegelteich 17 ein Polizeiaufgebot, um ihn zu verhaften. Er ist zum Glück nicht zu Haus und einer seiner Söhne kann ihn rechtzeitig warnen. So kann er zunächst untertauchen, wird allerdings im März 1933, beim Versuch, sich nach Dänemark abzusetzen, in Flensburg verhaftet."[13]
Sein Begleiter Richard Hansen hatte mehr Glück: Ihm gelang die Flucht über die grüne Grenze nach Dänemark. Seine Familie konnte ihm 1940 dorthin folgen.[14]
Ende 1934 waren bereits rund 3000 Sozialdemokraten ins Ausland geflüchtet.[4]
Wilhelm Schmehl wurde 1938 verhaftet. Mit der Besetzung Dänemarks folgte am 9. April 1940 die Festnahme Åge Lassens. Amandus und Sophie Lützen wurden am 7. Mai 1940 zusammen mit Adolf Drobe und Julius Gregersen festgenommen.[15] Damit war klar, dass die Gestapo über die Funktion des Café Waldheim Bescheid wusste und sie nicht länger akzeptierte.
Adolf Drobe wurde am 24. Januar 1941 zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Fuhlsbüttel verbüßte. Die anderen drei konnten das Gefängnis 1941 verlassen. Åge Lassen durfte sich danach nicht mehr in Südjütland aufhalten. Diese Route war damit geschlossen.
Grenzsekretariat Dänemark
Richard Hansen wurde in Kopenhagen Leiter des Grenzsekretariats in Dänemark. Er war für die Koordinierung des Widerstandes in Schleswig-Holstein, Hamburg und Pommern zuständig. Dazu gehörte die Verbreitung von Publikationen, die zu Wasser und zu Lande nach Nazi-Deutschland geschmuggelt wurden. Unter seinen Kontaktleuten in Kiel waren Hans Schröder und Emil Bandholz[16], in Hamburg gehörte Karl Jahr dazu. Seine Position ermöglichte es ihm auch, viele Genossinnen und Genossen vor dem Zugriff der Gestapo nach Skandinavien zu retten.[17]
Auch der in Altona lebende Georg Seeler diente als Verbindungsperson zu Emigrierten in Skandinavien.[18] Es ist kaum anzunehmen, dass dies ohne Kontakt mit dem Grenzsekretariat möglich gewesen wäre.
Matteotti-Komitee
Richard Hansen war gleichzeitig Geschäftsführer des 1933 von führenden dänischen Sozialdemokraten und Gewerkschaftern gegründeten "Matteotti-Komitees". Es trug es seinen Namen nach Giacomo Matteotti, dem Generalsekretär der italienischen Sozialdemokraten, der 1924 von Faschisten ermordet worden war. Die Organisation hatte sich zur Aufgabe gesetzt, deutschen Flüchtlingen, die aus der Arbeiterbewegung kamen, bei ihrem Exil in Dänemark oder bei der Weiterreise in ein Drittland behilflich zu sein. Neben der Hilfe bei Behördengängen und anderen administrativen Dingen wurde auch finanzielle Unterstützung gegeben.[19]
Bei der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen am 9. April 1940 entkam Richard Hansen mit knapper Not nach Schweden und konnte die Namenskartei des Matteotti-Komitees mitnehmen, so dass sie den Nazis nicht in die Hände fiel.[20]
Exil der Parteiführung
Der Parteivorstand der SPD ging 1933 ins Exil - zunächst nach Prag, ab 1940 nach Paris und nannte sich dort SoPaDe. Die SoPaDe richtete sogenannte "Grenzsekretariate" ein, die den Kontakt zu unterschiedlichen Regionen in Deutschland halten sollten. Der Parteivorstand ließ den Grenzsekretariaten über regelmäßigen Briefkontakt immer wieder detaillierte Anweisungen, finanzielle Mittel, aber auch Materialien zum illegalen Transport nach Deutschland zukommen. Zusätzlich wurden zahlreiche Schulungen und Kontakte organisiert, wo nach Möglichkeit die Mitarbeiter der Grenzsekretariate, Mitglieder der Exilführung und illegal in Deutschland operierende Genossen zusammentreffen sollten.
Weißbuch
→ Hauptartikel: Liste der sozialdemokratischen Todesopfer 1933-1945
Bereits 1934 war Franz Osterroth mit seiner Familie in die Tschechoslowakei geflohen. Als die Nazis 1938 das Sudetenland besetzten und die Tschechoslowakei zerschlugen, flohen die Osterroths weiter nach Schweden. Nach einem Sprach- und Facharbeiterkurs arbeitete er als Zahnradfräser in Stockholm. Gleichzeitig war er in politischen und kulturellen Gruppierungen tätig, hielt Vorträge in der Arbeiter- und Erwachsenenbildung und schrieb für schwedische Zeitungen. Ab 1943 arbeitete er an dem Weißbuch der deutschen Opposition gegen die Hitlerdiktatur - einer Zusammenstellung ermordeter, hingerichteter oder zu Freiheitsstrafen verurteilter deutscher Gegner des Nationalsozialismus. Es wurde 1946 als vorläufige Sammlung von der SoPaDe in London veröffentlicht.
Franz Osterroth soll auch von Schweden aus als Kurier des Grenzsekretariats illegal nach Deutschland gefahren sein, wie sich Rosa Wallbaum erinnert. "Das hat er aufgegeben, weil einer der Leute, bei denen er zuletzt gewesen war, von den Nazis verhaftet und hingerichtet worden ist."[21]
Illegale Publikationen
Bis 1935 konnte noch die Zeitschrift Blick in die Zeit von Berlin aus erscheinen. Sie stellte in- und ausländische Pressemeldungen derart zusammen, dass man zwischen den Zeilen die Verhältnisse im NS-Staat herauslesen konnte. Kopf war der ehemalige Redakteur der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung, Andreas Gayk. Er war im Sommer 1933 in das anonymere Berlin gezogen, weil er in Kiel der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt war. Nach dem Verbot seiner Zeitschrift nutzte er ab Frühjahr 1941 die Möglichkeiten seiner neuen Tätigkeit als Ärztebesucher, um Kontakte zu anderen Widerständlern zu halten und Informationen zu sammeln.[22]
Von 1934 bis 1940 gab die SoPaDe die Deutschland-Berichte heraus. Diese Zeitschrift sammelte Informationen von in Deutschland lebenden Zuträgern und veröffentlichte sie. Die Informationen mussten dafür außer Landes und die Zeitschriften ins Land geschmuggelt und anschließend verteilt werden.
Weitere Veröffentlichungen waren das Diskussions-Magazin Neu Beginnen und der Neue Vorwärts. Diese Zeitschriften wurden in kleinen Zirkeln herumgereicht und diskutiert - oft in Privatwohnungen, in Kiel aber zum Beispiel auch im Café Brüel am Dreiecksplatz[23].
"Die Schriften wurden in erster Linie von Emil Bandholz [nach Kiel] mitgebracht, der des öfteren nach Dänemark zu Freunden fuhr - mit Schiffen des KdF ('Kraft durch Freude'), einer Unterabteilung der Deutschen Arbeitsfront. Zu seinen Freunden zählte das Ehepaar Anneliese und Walter Raabke, die aus Kiel emigriert waren, und die Geschwister Lina und Vera Nicolaysen, die vorher in Flensburg gewohnt hatten und 1933/34 als grenzüberschreitende Kuriere tätig waren. [...] Indem Emil Bandholz die Untersuchungsmechanismen beim Zoll genauer beobachtete, gelang ihm die Einführung der Schriften, ohne je belangt zu werden. Bei Kofferkontrollen lagen die Presseerzeugnisse oben auf, so daß er sie schnell mit dem Bemerken 'Reiseliteratur' hochnahm. Die Zollbeamten suchten nämlich immer nur nach einem doppelten Boden, den sie natürlich nie fanden."[24]
Oft warfen dänische Seeleute verlötete Kanister mit illegaler Literatur im Nord-Ostsee-Kanal über Bord, wo informierte Sozialdemokraten sie auffischten.[25] Der "Neue Vorwärts" wurde in Kiel vor allem von Genossinnen in Einkaufstaschen und Kinderwagen transportiert. Die Nazis beachteten Frauen nicht so genau.[26]
Untereinander ausgetauscht wurde auch Gerhart Segers aufsehen aufsehenerregenden Bericht über seine Erlebnisse im KZ Oranienburg.[27]
1934 standen in Kiel 21 Reichsbannerleute vor Gericht, weil sie illegale Zeitschriften verbreitet haben sollten. Zu ihnen gehörten Kurt Funke, Karl Ratz, Wilhelm Rave und Franz Hebling. Sie wurden zu bis zu 2 Jahren und 3 Monaten Zuchthaus verurteilt.
In Wedel verfasste Martha Damkowski - die sich für den Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) engagierte und erst nach der NS-Herrschaft in die SPD eintrat - zusammen mit ihrem Bruder Willy und ihrem damaligem Verlobten Herbert Damkowski in der Wohnung ihrer Eltern Protestschriften gegen das Regime. Alle wurden 1938/39 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu längeren Haftstrafen verurteilt.
Organisation & Aktion
Widerstandsgruppen gab es bspw. in Kiel, Altona, Wandsbek, Neumünster, Flensburg, Glückstadt, Pinneberg, Eckernförde, Lübeck.[28] Im November 1934 erneuerten SPD-Mitglieder die Schrift des Gedenksteins an den Gräbern der Novemberrevolution auf dem Eichhof-Friedhof und wurden dabei verhaftet.[29] Und noch im Januar 1936 sollen sich in Kiel-Holtenau beim Tod eines früheren SPD-Mitglieds 300 Genossen zu einem Trauermarsch versammelt haben.[16]
Tabakläden als Treffpunkte
Die ehemalige Reichstagsabgeordnete Nanny Kurfürst führte seit ihrem Ausscheiden aus dem Reichstag im September 1930 in der Elisabethstraße in Kiel-Gaarden einen kleinen Tabakladen. Dies war in den "illegalen" Zeiten bei SPD und KPD eine häufig anzutreffende Tätigkeit, der auch Theodor Werner und Hans Stade (Kreisverband Kiel), Paul Dölz (Flensburg), Karl Panitzki (Oldenburg), August Haut (Lübeck), Carl Dietrich (Görlitz) und Max Richter (Neumünster) nachgingen.[30]. Die Funktion von Tabakläden beim Aufbau illegaler Netze war nicht auf die NS-Diktatur und nicht auf Widerstand beschränkt. Ein Stasi-Offizier erläuterte sie so:
"[…] da steckt man sich erstmal einen Glimmstengel an, und zu einem Schwatz ist auch noch Zeit. Man hört dies und das. Es trifft sich Hinz und Kunz. Und wenn dann der Kunz dein Mann ist, weil, du hast es erkannt, er eine Zigarettensorte verlangte, die es gar nicht gibt, es war dein Stichwort, dann kannst du ihm mit der Schachtel, die du ihm nun empfiehlst, jeden Kassiber mit rüberschieben, und wenn noch zehn andere im Laden rumstehen und paffen und quatschen, kein Aas merkt was."[31]
Eine andere Tätigkeit, die das Pflegen von Kontakten ermöglichte, war eine selbstständige Handelsvertretung. Sie war auch eine Möglichkeit, nach Entlassung oder Berufsverbot wieder einen Lebensunterhalt zu verdienen. So arbeitete Hans Ekstrand in den 1930er Jahren als Versicherungsvertreter, Andreas Gayk in Berlin zeitweise als Ärztebesucher (Arzneimittelvertreter), Wilhelm Käber in Hamburg als Vertreter für Fahrräder und Autos und Richard Vosgerau als Vertreter für Lebensversicherungen.
Kleineberg-Gruppe, Kiel
In Kiel existierte bis zum Jahr 1936 ein illegales Netzwerk aus 300 jungen Sozialdemokraten[32], das sich an der Zellenstruktur der KPD zu dieser Zeit orientierte: Jede Zelle bestand aus nur fünf oder sechs Personen, die sich gegenseitig namentlich bekannt waren. Nur die Gruppenleiter kannten sich untereinander. Organisiert wurde dieses System von dem Genossen Kleineberg, der Polizeioffizier in Kiel war.
"Auf Anweisung des Generalsekretärs der Internationalen Transportarbeiter Föderation (ITF), Edo Fimmen, schuf Adolph Kummernuss bis Anfang 1934 Gruppen von Hafenarbeitern und Seeleuten in Flensburg, Kiel, Lübeck und Hamburg. Eine ca. 2-300 Personen starke Gruppe um den ehemaligen Polizeilehrer Kleineberg existierte, in Fünfergruppen operierend, einige Jahre recht effektiv. Sie leistete Unterstützung für Familien von Inhaftierten, sie verbreitete selbsterstellte Informationsschriften auch in das Kieler Umland und diskutierte über eine programmatische Erneuerung der Sozialdemokratie 'im Geiste eines jungen, militanten Sozialismus, wie er in den Neuen Blättern für den Sozialismus und durch Carlo Mierendorff, Theodor Haubach, Kurt Schumacher und Julius Leber vertreten wurde'. Die Gruppe blieb bis zu ihrer Auflösung 1936 unentdeckt, trotz gelegentlicher Verhaftungen von Mitgliedern durch die Gestapo."[4]
Am 6. Mai 1938 wurden in einer groß angelegten Razzia 59 Kieler Genossen verhaftet und ihre Wohnungen, Keller- und Bodenräume nach verdächtigen Schreibmaschinen, Vervielfältigungsapparaten und Radiosendeanlagen durchsucht. In Kiel-Holtenau traf es die Genossen Karl Mäder (* 22. Mai 1905) aus dem Schusterkrug 16 und Wilhelm Noack (* 7. Juni 1879) aus der Richthofenstr. 35.[16] Von anderen weiß man:
"In der Gruppe von Kurt Salau befand sich unter anderem der spätere ÖTV-Sekretär Emil Bendfeldt; er selbst war Verbindungsmann zu einer Gruppe, der der spätere Landtagsabgeordnete Eugen Lechner vorstand. [...] Im Prozeß gegen Kurt Salau wurde er unter anderem auf seine Bekanntschaft zu Eugen Lechner angesprochen. Er konnte diese gefahrlos zugeben und machte die Angabe, daß Lechner als Handelsreisender für Rasierschaum an seiner Haustür gewesen sei - was stimmte. Einige Sozialdemokraten ergriffen (oft nach Entlassung als Betriebsräte) den Vertreterberuf, um illegal weiterzuwirken. Oft waren sie für Volksfürsorge oder Karlsruher Versicherung (im Vorstand 'Genosse Generaldirektor' Alex Möller) tätig."[33]
Mit dem Weggang Kleinebergs aus Kiel brach dieses Netzwerk zusammen. Die Nazis kamen aber nie hinter die Existenz des Netzwerks.[32]
Revolutionäre Arbeiterjugend (RAJ), Lübeck
In Lübeck organisierten sich sozialdemokratische Jugendliche unter der Führung des Seemanns Edmund Fülscher - eines jungen KPD-Mannes, der Verbindung auch zum Reichsbanner hielt. Schon als Seemann brachte er "illegales" Schriftmaterial nach Lübeck, nahm in Oslo auch an Versammlungen der Norwegischen Arbeiterpartei teil und traf mehrmals den zwei Jahre älteren Willy Brandt.[34] Ab Februar 1934 arbeitete er im Lübecker Hafen.
"Ende 1934 gründete er zusammen mit sechs Kameraden, die er aus dem Kommunistischen Jugendverband kannte, die Revolutionäre Arbeiterjugend (RAJ), deren Leiter er wurde. Diese Organisation sammelte in den nächsten Monaten etwa 40 bis 50 Jugendliche, die vor 1933 hauptsächlich in der Sozialistischen Arbeiterjugend, der Jugendorganisation der SPD, organisiert waren. Aber auch Mitglieder der kommunistischen Jugendorganisation oder kirchlicher Jugendgruppen beteiligten sich. Die Jugendlichen waren zwischen 16 und 25 Jahre alt, zwei Drittel waren Lehrlinge und Jungarbeiter, ein Drittel Schüler."[34]
Die Gruppe unterstützte die Familien von Verhafteten und verteilte zum Teil hunderte Exemplare illegaler Zeitschriften, die von Seeleuten nach Lübeck geschmuggelt wurden.
"Im Frühjahr 1935 klebten die Nazis in Lübeck und Umgebung Plakate mit einem Judenkopf in Stürmer-Manier und der Unterschrift 'Lübeck will Euch nicht!' In der RAJ gab es zwei talentierte Zeichner, die in derselben Größe zwölf Plakate anfertigten mit dem Hitlerkopf in gleicher Manier und der Unterschrift 'Lübeck will Dich nicht!' Diese Plakate wurden in der Innenstadt und beim Hafen an zentralen Stellen geklebt. Eine zweite große Aktion der RAJ fand in der Nacht zum 1. August 1935, dem Antikriegstag, statt. Auf das Dach eines 100 Meter langen Hafenschuppens beim Holstentor malten sie in großen Buchstaben die Parole: 'Brüder in eins nun die Hände, bildet die antifaschistische Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg'. Diese Parole war von der Innenstadt her sehr gut sichtbar. Selbst als die Nazis das Dach schwarz überstrichen, konnten Eingeweihte sie noch lesen, da die Jugendlichen die Farbe sehr dick aufgetragen hatten."[35]
1935 wurde große Teile der Gruppe von der Gestapo verhaftet und bei den Verhören misshandelt. 12 RAJ-Mitglieder kamen vor Gericht. Sie wurden zu einem bis vier Jahren Gefängnis verurteilt und anschließend im KZ Buchenwald weiter gefangen gehalten. Edmund Fülscher wurde aufgrund seines jugendlichen Alters "nur" zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und überlebte wie sieben andere die NS-Herrschaft.[36]
Auch der 26-Jährige Lübecker Karl Regling blieb nach 1933 der Sozialdemokratie treu und organisierte eine Widerstandsgruppe, die sich aus SAJ-Kreisen rekrutierte. Er war Kontaktperson für Julius Leber, der seit seiner Haftentlassung 1935 in Berlin lebte und dort Teil des Kreisauer Widerstandskreises war.[37] Der Exil-Vorstand in Prag hielt über Franz Osterroth Kontakt zu Karl Regling.[38]
Kieler Frauengruppe
Sozialdemokratinnen in Kiel hielten Kontakt über unauffällige Handarbeitskränzchen. 1934 organisierten Emma Drewanz und Nanny Kurfürst gesellige Fahrten nach Mölln, Lauenburg und ins Alte Land. Unterwegs und im Grünen konnten sie sich "die Seele frei singen". Dem Fuhrunternehmer Kletscher untersagten die Nazis dann diese Ausfahrten. 1937 wurden viele der beteiligten Frauen verhaftet und allein in Kiel-Gaarden 80 Frauen verhört. Eine verurteilte Frau nahm sich in der Haft das Leben.[39]
Aktion Gewitter
Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gab es eine Verhaftungswelle unter dem Namen "Aktion Gewitter". Allerdings war sie keine "Vergeltung" für das Attentat, das lediglich den Auslöser für dieses längst geplante Vorgehen bildete.[40] Es wurden ca. 6000 Personen im ganzen Reich inhaftiert. Damit sollten letzte verdeckte Gegnerinnen und Gegner des Regimes beseitigt werden. Betroffen waren auch zahlreiche Menschen aus der schleswig-holsteinischen Sozialdemokratie.
→ Hauptartikel: Aktion Gewitter
Stubenzirkel
Anfang 1945 zeichnete sich das Ende der Nazi-Herrschaft ab und vor allem in Kiel und Lübeck begannen sich Sozialdemokrat*innen vorsichtig wieder zu treffen - in sogenannten Stubenzirkeln. Dort besprachen sie den Wiederaufbau von Partei in Stadt und Land.
→ Hauptartikel: Stubenzirkel
Krieg
Nachdem Hitler am 1. September 1939 den Krieg begann, veränderte sich die Situation für die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten erneut. Die Verbindungen zu den den Genossinnen und Genossen im Ausland wurde schwieriger. Am 9. April 1940 überfielen die Nazis Dänemark und Norwegen, und die Flüchtlinge mussten auch von dort fliehen - so wie etwa Willy Brandt, Richard Hansen, wohl auch Paul Bromme und andere von Norwegen nach Schweden flohen.
Literatur
- Bästlein, Klaus: Schleswig-Holstein in den „Meldungen wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse“ – August 1941 bis November 1944. In: AKENS Heft 7/8 Seite 4-45.
- Bringmann, Fritz / Diercks, Herbert: Die Freiheit lebt! Antifaschistischer Widerstand und Naziterror in Elmshorn und Umgebung 1933-1945 (Frankfurt/Main 1983) ISBN 3876820405
- Colmorgen, Eckhard / Liesching, Bernhard: Ein Denkmal der Novemberrevolution 1918 in Kiel, in: Demokratische Geschichte 3(1988), S. 241-258
- Fischer, Rolf: Die dunklen Jahre. Kiels Sozialdemokratie im Nationalsozialismus (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 4: 1930 - 1945, Kiel 2017) ISBN 978-3-86935-329-6
- Lienau, Heinrich: "Zwölf Jahre Nacht". Mein Weg durch das "tausendjährige Reich" (Flensburg 1949)
- Lorenz, Einhart / Misgeld, Klaus / Müssener, Helmut / Petersen, Hans Uwe (Hg.): Ein sehr trübes Kapitel? Hitlerflüchtlinge im nordeuropäischen Exil 1933 bis 1950. IZRG-Schriftenreihe, Band 2, Ergebnisse-Verlag (1998)
- Martens, Holger: Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein von 1945 bis 1959, 2 Bände (Malente 1998)
- Muth, Wolfgang: Ein Lübecker im Widerstand. Trauerrede für Edmund Fülscher, 21. Februar 2007, in: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 49 (2007), S. 92-105
- Nissen, Hans Christian: 1933-1945 – Widerstand, Verfolgung, Emigration, Anpassung, in: Demokratische Geschichte, 3(1988), S. 473-494
- Omland, Frank: "Du wählst mi nich Hitler!" Reichstagswahlen und Volksabstimmungen in Schleswig-Holstein 1933-1938 (Hamburg 2006) ISBN 3833448946
- Paul, Gerhard: Widerstand an der Grenze. Das „Café Waldheim“ und das Ehepaar Lützen, in: Zwischen Konsens und Kritik. Facetten kulturellen Lebens in Flensburg 1933-1945 (Flensburger Beiträge zur Zeitgeschichte, Bd. 4, Flensburg 1999), S. 331-354.
- Peters, Horst: Zuchthausstrafen für Volksschädlinge. Eine Gruppe Kieler Sozialdemokraten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, in: Wir sind das Bauvolk (Kiel 1985), S. 11-29
- Petersen, Hans Uwe (Hrsg.): Hitlerflüchtlinge im Norden. Asyl und politisches Exil (Kiel 1991)
- Pusch, Thomas: Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933-1960 (Dissertation, 2003)
- Schunck, Karl-Werner: Anneliese Raabke und Martin Krebs – Zwei Emigrantenschicksale. Zur sozialdemokratischen Emigration nach Skandinavien, in: Demokratische Geschichte 1(1986), S. 237-290
- Schunck, Karl-Werner: Exil in Skandinavien: Martin Krebs, in: Demokratische Geschichte 2(1987), S. 329-348
- Schunck, Karl-Werner: Hans E. Hansen – Hans Flensfelt: Widerständler, Emigrant, Unternehmensgründer, in: Grenzfriedenshefte Heft 4/2009, S. 233-250
- Stokes, Lawrence D.: Sozialdemokratie kontra Nationalsozialismus in Eutin 1925 bis 1933, in: Demokratische Geschichte 2(1987), S. 173-210
- Völcker, Gertrud: Erinnerungen. 50 Jahre Öffentlichkeitsarbeit. Teil I: Bis 1945 (Unveröff. Typoskript, Kiel 1974) [Stadtarchiv Kiel]
Einzelnachweise
- ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Informationen zur politischen Bildung, Heft 330, 2/2016, S. 3 f.
- ↑ Gewalt geht vor Recht! - Genosse Leber verhaftet, Lübecker Volksbote, 2.2.1933
- ↑ Hartmann, Peter: Eine Karte zur Arbeiterbewegung 1933 bei Kiel, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 511-514
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Nissen, Hans Christian: 1933–1945: Widerstand, Verfolgung, Emigration, Anpassung In: Demokratische Geschichte, Band 3(1988), S. 493
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 111
- ↑ 6,0 6,1 Ludwig, Tina: Im Zentrum des Widerstands, Flensburger Tageblatt, 23.7.2015
- ↑ Jacobsen, Jens Christian: Widerstand im Flensburger Norden. Didaktische Anmerkungen zu einer historischen Stadtwanderung. In: Demokratische Geschichte 28(2018), S. 399-422
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 133
- ↑ Lienau, S. 14
- ↑ 10,0 10,1 Schunck, Karl-Werner: Hans E. Hansen – Hans Flensfelt: Widerständler, Emigrant, Unternehmensgründer, Grenzfriedenshefte, Heft 4/2009, S. 237
- ↑ Krohn, Claus-Dieter (Hrsg.): Walter Damm. Arbeiter, Landrat und Flüchtlingsminister in Schleswig-Holstein (Bonn 1978), S. ??
- ↑ Krohn, Claus-Dieter (Hrsg.): Walter Damm. Arbeiter, Landrat und Flüchtlingsminister in Schleswig-Holstein (Bonn 1978), S. ??
- ↑ Petersen, Sönke: Der Poggendörper, Mai 2009
- ↑ Schultheiß, Nicole: Geht nicht gibt's nicht (Kiel 2007), S. 33
- ↑ Paul, Gerhard: Landunter: Schleswig-Holstein und das Hakenkreuz, Westfälisches Dampfboot (2001), Seite 133
- ↑ 16,0 16,1 16,2 Schuhknecht, Maik: Zur Geschichte des SPD-Ortsvereins Kiel-Holtenau. Teil 1: Vom Anfang bis zum Ende? (Kiel 2008)
- ↑ Richard Hansen 80 Jahre alt, Kieler Nachrichten, 2.8.1967
- ↑ Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive nach 1945 - Drucksache 18/1144 (neu), S. 334
- ↑ Diedrichsen, Jan: Exil in Skandinavien (1933-1945), (Facharbeit, Kiel 2000)
- ↑ Martens, Geschichte der SPD, S. 245, S. 248, S. 645 Anm. 553
- ↑ Kalweit, Susanne (Hrsg.): "Ich hab mich niemals arm gefühlt!" Die Kielerin Rosa Wallbaum berichtet aus ihrem Leben (Berlin / Hamburg 2010), S. 153. Dies wurde ihr vermutlich von Franz Osterroth selbst mitgeteilt, mit dem sie ab 1963 im Landesverband zusammenarbeitete.
- ↑ Weisbecker, Ludwig: Ärztebesucher im Dritten Reich, in: Jensen, Jürgen/Rickers, Karl: Andreas Gayk und seine Zeit. Erinnerungen an den Kieler Oberbürgermeister (Neumünster 1974), S. 75 f.
- ↑ Adresse damals Holtenauer Straße 2, heute Dreiecksplatz 8 - vgl. Pizzeria San Remo
- ↑ Peters, S. 14 f.
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 113
- ↑ Peters, S. 15
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 113
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 113
- ↑ Colmorgen / Liesching: Denkmal, S. 244
- ↑ Korte, Detlef: "Aktion Gewitter" in Schleswig-Holstein. Eine Präventivmaßnahme der Gestapo: Verhaftung von Sozialdemokraten und Kommunisten im August 1944 || PDF
- ↑ Boom, Pierre/ Haase-Hindenberg, Gerhard: Der fremde Vater. Der Sohn des Kanzlerspions Guillaume erinnert sich (Berlin 2005), S. 102
- ↑ 32,0 32,1 Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 113f
- ↑ Peters, S. 15 f.
- ↑ 34,0 34,1 Muth, S. 95
- ↑ Muth, S. 96
- ↑ Muth, S. 98 ff.
- ↑ Nissen, Hans Christian: 1933–1945: Widerstand, Verfolgung, Emigration, Anpassung In: Demokratische Geschichte, Band 3(1988), S. 493
- ↑ Imberger, Elke: Widerstand „von unten“. Widerstand und Dissens aus den Reihen der Arbeiterbewegung und der Zeugen Jehovas in Lübeck und Schleswig-Holstein 1933-1945 (Wachholtz, Neumünster 1991)
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 114f
- ↑ Vgl. Haffner, Sebastian: Anmerkungen zu Hitler (München 1978), S. 188
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