Jusos Kiel: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD (Jusos)''' im [[Kreisverband Kiel]] wirkt sowohl im SPD-Kreisverband als auch im Juso-Landesverband. Die Kieler Jusos können dabei auch auf eine Geschichte in der Weimarer Republik zurückblicken. Sie stellten seit Gründung der Bundesrepublik mehrere Juso-Landesvorsitzende, angefangen von [[Jochen Steffen]] (ab [[1954]]). Weitere waren [[Ruth Springer]] ([[1976]]-[[1978]]), [[Udo Wnuck]] ([[1986]]-[[1988]]), [[Janneke Hess]] ([[2001]]-[[2002]]), [[Anke Nöbel]] ([[2002]]-[[2004]]) und [[Yves-Christian Stübe]] ([[2006]]–[[2008]]). Die Jusos Kiel sind strömungsfrei.
Die '''Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD (Jusos)''' im [[Kreisverband Kiel]] wirkt sowohl im SPD-Kreisverband als auch im Juso-Landesverband. Die Kieler Jusos können dabei auch auf eine Geschichte in der Weimarer Republik zurückblicken.  
 
Sie stellten seit Gründung der Bundesrepublik mehrere Juso-Landesvorsitzende, angefangen von [[Jochen Steffen]] (ab [[1954]]). Weitere waren [[Ruth Springer]] ([[1976]]-[[1978]]), [[Udo Wnuck]] ([[1986]]-[[1988]]), [[Janneke Hess]] ([[2001]]-[[2002]]), [[Anke Nöbel]] ([[2002]]-[[2004]]) und [[Yves-Christian Stübe]] ([[2006]]–[[2008]]).  
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Die Kieler Jusos haben traditionell keinen Vorsitzenden, sondern arbeiten mit einem gleichberechtigtem Vorstandskollektiv. Dessen Mitglieder wählen aus ihrer Mitte einen Kreisgeschäftsführer.
Die Kieler Jusos haben traditionell keine Vorsitzenden, sondern arbeiten mit einem gleichberechtigtem Vorstandskollektiv. Dessen Mitglieder wählen aus ihrer Mitte eine Kreisgeschäftsführerin oder einen Kreisgeschäftsführer.
[[2014]] wählten die Kieler Jusos folgendes Vorstandskollektiv: [[Christoph Beeck]], [[Michel Borsdorf]], [[Kevin Hausner]], [[Daniel Martinen]], [[Gamze Özdemir]], [[Philip Schüller]], [[Finn Ole Semrau]], [[Timm Wüstenberg]] und als Kassierer [[Julian Wollmann]]<ref>Kieler Express, 4.10.2014</ref>.
 
== Selbstverständnis ==
Die Jusos Kiel bezeichnen sich als strömungsfrei. Sie verfolgen im allgemeinen einen eher pragmatischen Kurs. Ihre Beschlüsse der letzten Jahre können in der [http://beschluesse.jusos-kiel.de Beschlussdatenbank] eingesehen werden. Ihr Selbstverständnis ist in ''[[Statt eines Manifestes. Kieler Fußnoten zum Juso-Selbstverständnis]]''<ref>Rotkielchen 42/2, S. 34-35</ref> dargelegt, das [[1993]], [[2002]] und zuletzt [[2012]] im ''[[Rotkielchen]]'' veröffentlicht wurde.
 
Auch das alte Lied ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Arbeiter_von_Wien Die Arbeiter von Wien]'' gibt einen Eindruck:
: ''Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt.''
: ''Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld.''
: ''Wir sind der Schnitter der kommenden Mahd.''
: ''Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat.''
: ''So flieg, du flammende, du rote Fahne,''
: ''voran dem Wege, den wir zieh'n.''
: ''Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer,''
: ''Wir sind die Arbeiter von Wien.''
(T: [[Fritz Brügel]], M: ''Roter Armeemarsch'' (1920)).
 
Der Refrain soll schon [[1927]] in der [[Kinderrepublik Seekamp]] abgewandelt worden sein zu "So flieg, du flammende, du rote Fahne, voran dem Weg zu unserm Ziel. Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer. Wir sind die Arbeiter von Kiel."<ref>Nach Mitteilung von [[Rosa Wallbaum]], die mit 12 Jahren an der Kinderrepublik teilnahm. Das vermutlich im Juli 1927 entstandene Lied könnte von den teilnehmenden Jugendlichen aus Österreich in die Kinderrepublik gebracht worden sein.</ref>


==Selbstverständnis==
== Struktur ==
Das Selbstverständnis äußert sich in "[[Statt eines Manifestes. Kieler Fußnoten zum Juso-Selbstverständnis]]"<ref>Rotkielchen 42/2, S. 34-35</ref>, veröffentlicht 1993, 2002 und 2012 im ''[[Rotkielchen]]'' sowie im Lied "Die Arbeiter von Kiel"
In Kiel ist die einzige Juso-Ebene die Kreisebene. Orts-AGs (in den Stadtteilen) gibt es zur Zeit nicht. Versuche einzelner Gruppen, diese einzurichten, wurden zumindest in den letzten Jahrzehnten stets verhindert. Die Wahl des [[Jusos Kiel - Kreisvorstände|Juso-Kreisvorstandes]] findet stets als Vollversammlung statt.
: ''“Wir sind das Bauvolk  der kommenden Welt.''<br>
: ''Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld.''<br>
: ''Wir sind der Schnitter der kommenden Mahd.''<br>
: ''Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat.''<br>
: ''So flieg, du flammende, du rote Fahne,''<br>
: ''flieg uns voran den Weg zum Ziel!''<br>
: ''Wir sind der zukunft getreue Kämpfer,''<br>
: ''Wir sind die Arbeiter von Kiel.”''''
"Die Arbeiter von Wien" (T: Fritz Brügel, M: “Roter Armeemarsch” (1920)) mit dem Refrain, der 1927 in der Kinderrepublik Seekamp gesungen wurde.


==Struktur==
Um [[2010]] herum gab es in [[Ortsverein Pries-Friedrichsort|Friedrichsort]] Bestrebungen, eine Orts-AG zu gründen, von denen der Kreisvorstand nur zufällig erfuhr. Zusätzlich führte zu Verstimmungen, dass der Vorsitzende aus Rendsburg-Eckernförde, [[Götz Borchert]], die AG "seinem" Kreisverband angliedern wollte. Nach gemeinsamen Gesprächen wurde das Vorhaben angesagt.
In Kiel ist die einzige Juso-Ebene die Kreisebene. Orts-AGs (in den Stadtteilen) gibt es nicht. Versuche einzelner Gruppen, diese einzurichten, wurden zumindest in den letzten Jahrzehnten stets verhindert. Die Wahl der Kreisvorstands findet stets als Vollversammlung statt.


In den Hochzeiten der Mitgliedszahlen in den 1970ern gab es auch Juso-Gruppen in einzelnen Ortsvereinen, so z.B. in Holtenau. <ref>Kieler Nachrichten 17.12.1970, Juso-Ortsgruppe Holtenau gegründet </ref>
Mitte der 1990er Jahre versuchten Zugezogene, die sich der Strömung der Juso-Linken (Stamokap) zuordneten, Juso-Ortsgruppen in Gaarden und Elmschenhagen einzurichten.


Mitte der 90er Jahre gab es Versuche, Juso-Ortsgruppen in Gaarden und Elmschenhagen einzurichten. Dies geschah durch Personen, die zugezogen waren und sich der Strömung der Juso-Linken (Stamokap) zuordneten. Um 2010 herum gab es in Friedrichsort Bestrebungen, eine Orts-AG zu gründen, von denen der Kreisvorstand nur zufällig erfuhr. Zusätzlich führte zu Verstimmungen, dass der Vorsitzende aus Rendsburg-Eckernförde, Götz Borchert, die AG "seinem" Kreisverband angliedern wollte. Nach gemeinsamen Gesprächen wurde das Vorhaben angesagt.
In den 1970ern, als die Mitgliederzahlen am höchsten waren, gab es auch Juso-Gruppen in einzelnen Ortsvereinen, so z.B. in [[Ortsverein Holtenau|Holtenau]]<ref>''Juso-Ortsgruppe Holtenau gegründet'', ''Kieler Nachrichten'', 17.12.1970</ref> oder [[Ortsverein Friedrichsort|Friedrichsort]]<ref>Mitteilung des Genossen [[Heino Scharunge]], der dort aktiv war.</ref>.


Zeitweilig gab es vom Vorstand eingesetzte Arbeitskreise zu verschiedenen Themen, so z.B. 1994 "Soziales", 2012 "Bildung" und "Aktiv gegen Rechts", 2015 "Geflüchtete". Zwischen der Leitung des "AK Soziales" und dem Kreisvorstand entwickelte sich eine Kontroverse über die Arbeitsweise und die Einladung von Gästen, der AK musste auf Weisung des Kreisvorstand den Referenten [[Thomas Westphal]] wieder ausladen.
Auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit gründeten sich sofort wieder Juso-Gruppen aus einzelnen Ortsvereinen, etwa beim [[Ortsverein Kiel-Süd]] die Juso-Gruppe ''[[Wilhelm Spiegel]]''.<ref>Nach Mitteilung des Genossen [[Karl Molkenthien]] in einem aufgezeichneten Interview mit [[Birgit Hansen]] und [[John Sanger]] aus den 1990er Jahren.</ref>


===Schulen===
Zeitweilig gab es vom Vorstand eingesetzte Arbeitskreise zu verschiedenen Themen, so z.B. [[1994]] "Soziales", [[2012]] "Bildung" und "Aktiv gegen Rechts", [[2015]] "Geflüchtete". Zwischen der Leitung des "AK Soziales" und dem Kreisvorstand entwickelte sich eine Kontroverse über die Arbeitsweise und die Einladung von Gästen, der AK musste auf Weisung des Kreisvorstand den Referenten [[Thomas Westphal]] wieder ausladen.
Zumindest ab 1975 ist eine "Basisgruppe" am Ernst-Barlach-Gymnasium belegt, vermutlich gab es auch an weiteren Schulen entsprechende Gruppen.
 
=== Schulen ===
Zumindest ab [[1975]] ist eine "Basisgruppe" am Ernst-Barlach-Gymnasium belegt, vermutlich gab es auch an weiteren Schulen entsprechende Gruppen.
In den 90ern gab es eine stadtweite Schülergruppe, die sich mit bildungspolitischen Themen befasste und auch die Zeitung "Taschenkrebs" herausgab. Leiter war u.a. [[Jörn Warnecke]].
In den 90ern gab es eine stadtweite Schülergruppe, die sich mit bildungspolitischen Themen befasste und auch die Zeitung "Taschenkrebs" herausgab. Leiter war u.a. [[Jörn Warnecke]].


===Hochschulen===
=== Hochschulen ===
An der Uni Kiel existiert seit den 1970er Jahren eine Juso-Hochschulgruppe. Die Hochschulgruppen sind rechtliche Mischwesen, die an der Hochschule anerkannte HSGen sind und gleichzeitig Projektgruppen der Juso-Landesverbände. Das Verhältnis zwischen HSG und KV wechselte öfters in allen Bereichen von sehr eng bis stark angespannt. 2009 und 2010 existierte des Juso-HSG mit dem Namen Förde-Jusos an der Fachhochschule, die stark durch den Kreisverband Kiel unterstützt wurde.
An der Uni Kiel existiert seit den 1970er Jahren eine Juso-Hochschulgruppe(HSG). Die Hochschulgruppen sind rechtliche Mischwesen, die an der Hochschule anerkannte HSGen sind und gleichzeitig Projektgruppen der Juso-Landesverbände. Das Verhältnis zwischen HSG und KV wechselte öfter in allen Bereichen, von sehr eng bis stark angespannt. [[2009]] und [[2010]] existierte an der Fachhochschule eine Juso-HSG mit dem Namen Förde-Jusos, die stark durch den [[Kreisverband Kiel]] unterstützt wurde.


1945/46 gründeten [[Jochen Steffen]] und sein ehemaliger Mitschüler [[Hans-Gottfried Schadow]] den Kieler Zweig des Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS).
[[1945]]/[[1946|46]] gründeten [[Jochen Steffen]] und sein ehemaliger Mitschüler [[Hans-Gottfried Schadow]] den Kieler Zweig des [[Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS)|Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS)]].


== Presse ==
== Presse ==
Die Kieler Jusos geben seit mehr als 40 Jahren ihre Zeitschrift ''[[Rotkielchen]]'' heraus. Zur Zeit erscheint sie zweimal jährlich. In den Heften kritisieren die Redakteure auch regelmäßig die eigene Partei.
Die Kieler Jusos geben seit mehr als 40 Jahren ihre Zeitschrift ''[[Rotkielchen]]'' heraus. Zur Zeit erscheint sie zweimal jährlich. In den Heften kritisieren die Redakteure auch regelmäßig die eigene Partei.


Früher gab es für verbandsinterne Informationen das Heft ''[[Rote Grütze]]''.<ref>Rotkielchen 42/2, Seite 4</ref> In der Universitätsbibliothek Kiel ist eine Veröffentlichung ''Information'' für die Jahre 1964-66 vorhanden sowie für 1969-70 das ''Werkblatt''.
Früher gab es für verbandsinterne Informationen das Heft ''[[Rote Grütze]]''.<ref>Rotkielchen 42/2, S. 4</ref> In der Universitätsbibliothek Kiel ist eine Veröffentlichung ''Information'' für die Jahre 1964-66 vorhanden sowie für 1969-70 das ''Werkblatt''.


In den 90er Jahren gab es zudem für SchülerInnen den ''[[Taschenkrebs]]''.
In den 1990er Jahren gab es zudem für SchülerInnen den ''[[Taschenkrebs]]''.


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Ende der 1940er Jahre, im Rahmen der Wiedergründung der Partei nach der NS-Zeit, etablierten sich die Jusos als einziger Jugendverband der SPD, der als Teil der Partei organisiert ist. In ihm organisieren sich Anhänger der Sozialdemokratie vom 14. bis zum 35. (30.) Lebensjahr. Parteinah gibt es die "[[Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken|Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken]]".
Ende der 1940er Jahre, im Rahmen der Wiedergründung der Partei nach der NS-Zeit, etablierten sich die Jusos als einziger Jugendverband innerhalb der SPD. In ihm organisieren sich SozialdemokratInnen vom 14. bis zum 35. (30.) Lebensjahr. Parteinah, aber nicht zur Partei gehörend, ist die "[[Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken|Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken]]".


Vor 1933 war dies anders. Die Jungsozialisten, schon damals Teil der Parteistrukturen, waren für die 18 (20) -Jährigen bis 25-Jährigen zuständig und als Teil der Partei organisiert. Die 14 bis 18 (20) -Jährigen gehörten der [[Sozialistische Arbeiterjugend]] (SAJ), einem eigenständigen Verband, an, für die noch Jüngeren gab es Angebote durch die [[Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde]]. Hervorgegangen war die Jugendbewegung aus Lehrlingsvereinen, die ab 1904 reichsweit entstanden.  
Vor [[1933]] war dies anders. Die Jungsozialisten umfassten die 18-(später 20-) bis 25-Jährigen, die als Teil der Partei organisiert waren. Die Jüngeren ab 14 Jahren gehörten der [[Sozialistische Arbeiterjugend|Sozialistischen Arbeiterjugend]] (SAJ) an, einem eigenständigen Verband; für die noch Jüngeren gab es Angebote durch die [[Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde|Kinderfreunde]].  


Zu den "Ahnen" der heutigen Jusos gehören somit sowohl die Jungsozialisten, gewissermaßen die "Ur-Jusos", als auch die SAJ, weswegen die Geschichte beider Organisationen zur Geschichte der Jusos Kiel gehören soll.
Zu den "Ahnen" der heutigen Jusos gehören somit sowohl die Jungsozialisten, gewissermaßen die "Ur-Jusos", als auch die SAJ, weswegen die Geschichte beider Organisationen zur Geschichte der Jusos Kiel gehören soll.


===Entstehung===
Hervorgegangen war die Jugendbewegung aus Lehrlingsvereinen, die ab [[1904]] im ganzen Kaiserreich entstanden. Im Frühjahr [[1907]] gründete sich in Kiel der erste Arbeiterjugendverein, der wegen des strengen preußischen Vereinsgesetzes freilich offiziell unpolitisch sein musste. Bestand er anfangs nur aus 7 Mitgliedern, wuchs die Zahl bald auf 170. Weihnachten [[1910]] wurde sein Jugendheim in Gaarden eingeweiht.<ref>Franz Osterroth: ''100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein'', S. 51 f.</ref>
...


Im Frühjhar 1907 gründete sich in Kiel der erste Arbeiterjugendverein<ref>Franz Osterroth, 100 Jahre Sozialdemokratie in SH, S. 51 f.</ref>, der wegen des strenges preußischen Vereinsgesetzes freilich offiziell unpolitisch sein musste. Bestand er anfangs nur aus 7 Mitgliedern, wuchs die Zahl bald auf 170.
=== Weimarer Republik ===
Weihnachten 1910 wurde das Jugendheim in Gaarden eingeweiht<ref>Franz Osterroth, 100 Jahre Sozialdemokratie in SH, S. 51 f.</ref>
Nach der [[Novemberrevolution]] bildeten sich an vielen Orten Gruppen von "Jungsozialisten", die [[1920]] in die Parteiorganisation eingegliedert wurden. In ihnen konnten SPD-Mitglieder im Alter von 18 bis 25 Jahren (seit [[1927]]: 20 bis 25) aktiv werden, aber sie waren dazu nicht verpflichtet. Auch wer nicht in der Partei war, konnte JungsozialistIn werden.


...
Das Selbstverständnis dieser Gruppen wird deutlich an den durch die Jugendbewegung beeinflussten Leitsätzen einer Tagung in Kiel am Neujahrstag [[1921]]: ''Die den Arbeiterjugendvereinen entwachsenen Parteigenossen können ihrer ganzen seelischen Einstellung nach nicht ohne weiteres den Schritt zur allgemeinen Arbeiterbewegung machen, denn diese ist... so einseitig verstandesmäßig und materialistisch gerichtet, daß sie die in der Jugend vorhandenen irrationalen Regungen nicht befriedigen kann."<ref>Jens-Christian Jacobsen: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay17.pdf "Der Stolz der Gesamtpartei"? Die SPD Schleswig-Holsteins 1918-1933]'', ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 233 f.</ref>


Nach der Revolution bildeten sich an vielen Orten Gruppen von„Jungsozialisten", die 1920 in die Parteiorganisation eingegliedert wurden. In ihnen konnten SPD-Mitglieder im Alter von 18 bis2 5Jahren (seit 1927: 20 bis 25) aktiv werden, aber sie waren dazu nicht verpflichtet. Auch Nicht-Parteimitglieder konnten Jungsozialisten werden.
: "Die Kieler Jungsozialisten galten in der Auseinandersetzung zwischen "rechten Hofgeismarern" und marxistischen "linken Hannoveranern" als Stützpunkt der [[Hofgeismarer Kreis (Jungsozialisten)|Hofgeismarkreis]]. Der Kieler [[August Rathmann]] gehörte dem informellen Vorstand an und gab das Organ ''Schriften zur Zeit'' heraus. [[Hermann Heller (Jurist)|Hermann Heller]], der eigentliche Theoretiker des Kreises, hatte bis [[1921]] in Kiel Staatsrecht gelehrt. Den Hofgeismarern nahestehend war auch der Kieler Rechtsprofessor [[Gustav Radbruch]], der sich intensiv um die Bildung der Arbeiterjugend bemühte.
Das Selbstverständnis dieser Gruppen wird deutlich an den durch die Jugendbewegung beeinflußten Leitsätzen einer Tagung in Kiel am Neujahrstag1921: ''Die den Arbeiterjugendvereinen entwachsenen Parteigenossen können ihrer ganzen seelischen Einstellungnach nicht ohne weiteres den Schritt zur allgemeinen Arbeiterbewegung machen, denn diese ist... so einseitig verstandesmäßig und materialistischgerichtet, daß sie die in der Jugend vorhandenen irrationalen Regungen nicht befriedigen kann."
<ref>Jens Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei?" Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933, in: Beirat für demokratische Geschichte Band 03, S. 233 f. Zitiert nach A. H. Winkler,DerSchein der Normalität (Vgl.Anm.17),S.365.</ref>.


===Weimarer Republik===
: Bei vielen ältere Genossen, die Neuerungen - ob von links oder rechts, skeptisch gegenüberstanden - gab es eine abwartende Haltung. Dies mag auch durch den z.T. polemisch vorgetragenen Erneuerungsanspruch und durch den "jugendbewegten" Lebensstil der "jungen Generation" [...] bedingt gewesen sein. Immerhin konnte sich bei der Wahl des Kieler Parteisekretärs [[1928]] mit [[Ernst Tessloff]] der Kandidat der "jüngeren Generation" durchsetzen. Für eine gewisse Offenheit der Parteiführung spricht, dass Dr. [[Gustav Warburg]], ein profilierter Hofgeismarer, als Redakteur bei der ''[[Schleswig-Holsteinische Volkszeitung|Volkszeitung]]'' eingestellt wurde. Der aus den Kieler Jungsozialisten hervorgegangene [[Karl Meitmann]] wurde Unterbezirkssekretär."<ref>Jens-Christian Jacobsen: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay17.pdf "Der Stolz der Gesamtpartei"? Die SPD Schleswig-Holsteins 1918-1933]'', ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 234</ref>
Am 9. November 1924 versammelten sich morgens um 10 Uhr vor dem Kieler Gewerkschaftshaus Mitglieder aus SPD und Gewerkschaften, Jungsozialisten und Arbeiterjugend „zu vielen Hunderten". Sie marschierten zu einer Gedächtnisfeier zum Friedhof Eichhof, um der Opfer der Novemberrevolution in Kielvon 1918 zu gedenken. <ref>Jens Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei?" Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933, in: Beirat für demokratische Geschichte Band 03, S. 211</ref>.


Der Anstoß zur Kinderfreundearbeit war in Schleswig-Holstein von den Kieler Jungsozialisten ausgegangen, die mit einem Volksfest die Kinder in den Mittelpunkt der Maifeier von [[1921]] stellten.<ref>Jens-Christian Jacobsen: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay17.pdf "Der Stolz der Gesamtpartei"? Die SPD Schleswig-Holsteins 1918-1933]'', ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 236</ref>


"Die Kieler Jungsozialisten galten in der Auseinandersetzung zwischen „rechten Hofgeismarern" und marxistischen „linken Hannoveranern" als Stützpunkt der Hofgeismarer. Der Kieler August Rathmann gehörte dem informellen Vorstand an und gab das Organ „Schriften zur Zeit" heraus. Hermann Heller, der eigentliche Theoretiker des Kreises, hatte bis 1921 in Kiel Staatsrecht gelehrt. Den Hofgeismarern nahestehend war auch der Kieler Rechtsprofessor Gustav Radbruch, der sich intensiv um die Bildung der Arbeiterjugend bemühte.
Am [[17. Mai]] [[1933]] wurde die [[Sozialistische Arbeiterjugend]] in Schleswig-Holstein durch einen Beschluss des Bezirksvorstands aufgelöst. Man wollte so dem Verbot durch die Nazis zuvorkommen.<ref>Franz Osterroth: ''100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein'', S. 110 f.</ref> Die Jungsozialisten waren durch die SPD bereits [[1931]] aufgelöst worden.


Bei vielen älteren Genossen, die Neuerungen ob von links
=== Wiedergründung ===
oder rechts, skeptisch gegenüberstanden gab es eine abwartende Haltung. Dies mag auch durch den z.T  polemisch vorgetragenen Erneuerungsanspruch und durch den „jugendbewegten" Lebensstil der „jungen Generation" (vgl. Abs. SAJ) bedingt gewesen sein. Immerhin konnte sich bei der Wahl des Kieler Parteisekretärs1928 mit Ernst Tessloff der Kandidat der „jüngeren Generation" durchsetzen. Für eine gewisse Offenheit der Parteiführung spricht, dass Dr.Gustav Warburg,ein profilierter Hofgeismarer, als Redakteur bei der „Volkszeitung"eingestellt wurde. Der aus den Kieler Jungsozialisten hervorgegangene Karl Meitmann wurde Unterbezirkssekretär." <ref>Jens Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei?" Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933, in: Beirat für demokratische Geschichte Band 03, S. 233-237</ref>.
Landesweit erfolgte die Wieder- bzw. Neugründung der "Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in der SPD" [[1946]]. In Anbetracht der Tatsache, dass die SPD Schleswig-Holstein wesentlich von Kielern geprägt war, kann eine etwa zeitgleiche Gründung in Kiel angenommen werden.


Der Anstoß zur Kinderfreundearbeit war in Schleswig-Holstein von den Kieler Jungsozialisten ausgegangen, die mit einem Volksfest dieKinder in den Mittelpunkt der Maifeier 1921 stellten.<ref>Jens Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei?" Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933, in: Beirat für demokratische Geschichte Band 03, S. 236</ref>.
===NS-Zeit===
Am 17. Mai 1933 wurde die [[Sozialistische Arbeiterjugend]] in Schleswig-Holstein durch einen Beschluss des Bezirksvorstands aufgelöst, man wollte so dem Verbot durch die Nazis zuvorkommen.<ref>Franz Osterroth, 100 Jahre Sozialdemokratie in SH, S. 110 f.</ref> Die Jungsozialisten waren durch die SPD bereits 1931 aufgelöst worden.
===Wiedergründung===
Landesweit erfolgte die Wieder- bzw. Neugründung der "Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in der SPD" [[1946]]. In Anbetracht der Tatsache, dass die SPD Schleswig-Holstein wesentlich von Kielern geprägt war, kann eine etwa zeitgleiche Gründung in Kiel angenommen werden.
Aus SAJ und Kinderfreunden entstanden die Falken.  
Aus SAJ und Kinderfreunden entstanden die Falken.  


Anfangs war die "Jugendarbeit" noch sehr eng an den SPD-Kreisvorstand angebunden, der Wiedergründungsparteitag [[1945]] bestimmte den 33-jährigen [[Hermann Köster]] zum Leiter der Jugendarbeit, [[1948]] benennt das Protokoll [[Wolfgang Harder]] als "Leiter der Jüngerenarbeit", 1949 dann [[Jochen Steffen]], 1950 [[Inge Westphal]] und als Vertreter der [[Falken]] [[Hermann Thurow]] (bis 1954). Ab [[1951]] werden dann "Vertreter der Jungsozialisten" gewählt, zuerst [[Gerd Richter]], ab [[1953]] [[Hans-Georg Ehmke]], ab [[1957]] (wieder als "Leiter der Jüngerenarbeit") [[Siegfried Weiße]], ab [[1959]] [[Ragnar Lethl]], ab 1962 sind die Protokolle unvollständig, 1964 werden [[Hans-Gert Klingemann]] und [[Axel Lüdersen]] aufgeführt, 1966 [[Herbert Schütt]] und [[Friedrich Büßen]]. Vertreter der Falken sind 1955-56 [[Dieter Beth]], 1957-60 [[Hans Wind]], 1961 [[Erich Freese]].
Anfangs war die "Jugendarbeit" noch sehr eng an den SPD-Kreisvorstand angebunden, der Wiedergründungsparteitag [[1945]] bestimmte den 33-jährigen [[Hermann Köster]] zum Leiter der Jugendarbeit, [[1948]] benennt das Protokoll [[Wolfgang Harder]] als "Leiter der Jüngerenarbeit", 1949 dann [[Jochen Steffen]], 1950 [[Inge Westphal]] und als Vertreter der [[Falken]] [[Hermann Thurow]] (bis 1954). Ab [[1951]] werden dann "Vertreter der Jungsozialisten" gewählt, zuerst [[Gerd Richter]], ab [[1953]] [[Hans-Georg Ehmke]], ab [[1957]] (wieder als "Leiter der Jüngerenarbeit") [[Siegfried Weiße]], ab [[1959]] [[Ragnar Lethl]], ab [[1962]] sind die Protokolle unvollständig, [[1964]] werden [[Hans-Gert Klingemann]] und [[Axel Lüdersen]] aufgeführt, [[1966]] [[Herbert Schütt]] und [[Friedrich Büßen]]. Vertreter der Falken sind [[1955]]-[[1956|56]] [[Dieter Beth]], [[1957]]-[[1960|60]] [[Hans Wind]], [[1961]] [[Erich Freese]].<ref>Zusammensetzung der Vorstände bis 1949 nach: Arbeitskreis "Demokratische Geschichte" (Hrsg.): ''Wir sind das Bauvolk. Kiel 1945 bis 1950'' (Kiel 1985)</ref>
<ref>Zusammensetzung der Vorstände bis 1949 nach: Arbeitskreis "Demokratische Geschichte" (Hrsg.) ''Wir sind das Bauvolk. Kiel 1945 bis 1950'' (Kiel 1985)</ref>


===60er & 70er Jahre===
=== 1960er & 1970er Jahre ===
[[Datei:Jusos-1mai-1970.jpg|200px|thumb|right|Maikundgebung der Jungsozialisten 1970]]
[[Datei:Jusos-1mai-1970.jpg|200px|thumb|right|Maikundgebung der Jungsozialisten 1970]]
1967 scheiterte der Kieler Vorsitzende [[Herbert Schütt]]<ref>Möglicherweise die gleiche Person, die 1970 im Alter von 36 Jahren mit den Stimmen von SPD und FDP Bürgermeister von Nortorf wurde.</ref> bei der Wahl zum Landesvorsitzenden gegen Eckart Kuhlwein. Mitglied im Landesvorstand wurde [[Norbert Gansel]]. Die selbe Versammlung leitete den Namenswechsel von '''JS''' zu '''Jusos''' ein.
[[1967]] scheiterte der Kieler Vorsitzende [[Herbert Schütt]]<ref>Möglicherweise die gleiche Person, die [[1970]] im Alter von 36 Jahren mit den Stimmen von SPD und FDP Bürgermeister von Nortorf wurde.</ref> bei der Wahl zum Landesvorsitzenden gegen [[Eckart Kuhlwein]]. Mitglied im Landesvorstand wurde [[Norbert Gansel]]. Dieselbe Versammlung leitete den Namenswechsel von "JS" zu "Jusos" ein.


[[Datei:Fotos 21306.jpg|200px|thumb|left|Besuch der Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten Heidemarie Wieczorek-Zeul im Wohnlager Solomit in Neumühlen-Dietrichsdorf, 1975]]
[[Datei:Fotos 21306.jpg|200px|thumb|left|Besuch der Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten Heidemarie Wieczorek-Zeul im Wohnlager Solomit in Neumühlen-Dietrichsdorf, 1975]]
Am [[29. September]] [[1971]] wurde die [[Initiative Kieler Wohnlager]] gegründet, die sich für die Auflösung der Kieler Obdachlosen- und Flüchtlingslager und die Unterbringung der Bewohner in normalen Wohnsituationen einsetzte. Gründungsmitglieder waren auch zahlreiche Jusos, die Versammlungsleitung übernahm [[Norbert Gansel]]. Weiter wird vermerkt: ''Herr Köhler von den Jungsozialisten Friedrichsort berichtete von der Arbeit mit den Jugendlichen im Grüffkamp. Dort würden zweimal wöchentlich Gruppenabende und Schularbeitenhilfen angeboten.'' Vor und nach der Gründung der IKW arbeiteten eine Reihe von Gruppen in den Kieler Obdachlosenlagern. Im November 1969 war z.B. die Projektgruppe Brauner Berg (Grüffkamp 111) von Kieler Jungsozialisten gegründet worden. Die Jungsozialisten wollten mit einer Doppelstrategie die Lösung anstehender Probleme in dem Obdachlosenlager sowohl auf Verwaltungs- als auch auf politischer Ebene durch die Mobilisierung und Motivierung der Lagerbewohner herbeiführen.<ref>Uwe Carstens, Demokratische Geschichte, Band 08</ref> Weiter heißt es bei Carstens: Die Arbeit der IKW hatte auf der politische Ebene zunehmend Erfolge zu verzeichnen. Ein Parteitag der Kieler SPD beschloß, alle Lager— bis auf eines— aufzulösen. Später verabschiedete die Ratsversammlung einen Kreisentwicklungsplan, der die Formulierung „Auflösung aller Kieler Lager" enthielt. 1975 waren bis auf die „Notunterkunft Solomit"in der Tat alle übrigen Lager aufgelöst.
Am [[29. September]] [[1971]] wurde die [[Initiative Kieler Wohnlager]] gegründet, die sich für die Auflösung der Kieler Obdachlosen- und Flüchtlingslager und die Unterbringung der Bewohner in normalen Wohnsituationen einsetzte. Gründungsmitglieder waren auch zahlreiche Jusos, die Versammlungsleitung übernahm [[Norbert Gansel]]. Weiter wird vermerkt: "Herr Köhler von den Jungsozialisten Friedrichsort berichtete von der Arbeit mit den Jugendlichen im Grüffkamp. Dort würden zweimal wöchentlich Gruppenabende und Schularbeitenhilfen angeboten."<ref>Gründungsprotokoll, zit. in Uwe Carstens: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay10.pdf Die Initiative Kieler Wohnlager (IKW)]'', ''Demokratische Geschichte'' 8(1993), S. 328</ref>
 
"Vor und nach der Gründung der IKW arbeiteten eine Reihe von Gruppen in den Kieler Obdachlosenlagern. Im November [[1969]] war z.B. die Projektgruppe Brauner Berg (Grüffkamp 111) von Kieler Jungsozialisten gegründet worden. Die Jungsozialisten wollten mit einer Doppelstrategie die Lösung anstehender Probleme in dem Obdachlosenlager sowohl auf Verwaltungs- als auch auf politischer Ebene durch die Mobilisierung und Motivierung der Lagerbewohner herbeiführen."<ref>Uwe Carstens: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay10.pdf Die Initiative Kieler Wohnlager (IKW)]'', ''Demokratische Geschichte'' 8(1993), S. 335 ff.</ref> Weiter heißt es bei Carstens: "Die Arbeit der IKW hatte auf der politische Ebene zunehmend Erfolge zu verzeichnen. Ein Parteitag der Kieler SPD beschloß, alle Lager - bis auf eines - aufzulösen. Später verabschiedete die Ratsversammlung einen Kreisentwicklungsplan, der die Formulierung "Auflösung aller Kieler Lager" enthielt. [[1975]] waren bis auf die "Notunterkunft Solomit" in der Tat alle übrigen Lager aufgelöst."<ref>Uwe Carstens: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay10.pdf Die Initiative Kieler Wohnlager (IKW)]'', ''Demokratische Geschichte'' 8(1993), S. 341</ref>


[[Datei:Fotos 15345.jpg|180px|thumb|right|Norbert Gansel, 1972]]
[[Datei:Fotos 15345.jpg|180px|thumb|right|Norbert Gansel, 1972]]
[[1972]] wurde der Kieler Jungsozialist [[Norbert Gansel]] erstmals zum Kieler Bundestagsabgeordneten gewählt.
[[1972]] wurde der Kieler Jungsozialist [[Norbert Gansel]] erstmals zum Bundestagsabgeordneten für Kiel gewählt.


In der hochpolitisierten Zeit der 70er kam es auch zur Gründung von Jusogruppen an Schulen. So beschloss die Schulkonferenz des Ernst-Barlach-Gymnasiums am [[03. November]] [[1975]] "die Zulassung der Schüler-Union und einer Basisgruppe des Jungsozialisten nach Vorlage ihrer Satzungen. Beide Gruppen [durften] für sich an der Schule werben." <ref>Oehring, Ursula, in: Ernst-Barlach-Gymnasium. Jahrbuch 2015/2016, S. 6.</ref> "Flugblätter wurden im Sekretariat auf Matrizen der Vervielfältigungsmaschine [...] gedruckt und es wurde demonstriert - gegen Atomkraftwerke, für einen kommunistischen Lehrer."<ref>Seidel, Ute, in: Ernst-Barlach-Gymnasium. Jahrbuch 2015/2016, S. 9.</ref> Dies widerlegt die Aussagen des damaligen Kieler Schüler-Union-Sprechers, der im Spiegel behauptete "Jusos und Judos sind bei uns fast vollständig tot." <ref>Spiegel 15/1976: Jugend '76: Lieber Gott, mach mich krumm http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41279927.html</ref>
In der hochpolitisierten Zeit der 1970er Jahre kam es auch zur Gründung von Juso-Gruppen an Schulen. So beschloss die Schulkonferenz des Ernst-Barlach-Gymnasiums am [[3. November]] [[1975]] "die Zulassung der Schüler-Union und einer Basisgruppe der Jungsozialisten nach Vorlage ihrer Satzungen. Beide Gruppen [dürfen] für sich an der Schule werben." <ref>Oehring, Ursula: ''Ernst-Barlach-Gymnasium. Jahrbuch 2015/2016'', S. 6.</ref> "Flugblätter wurden im Sekretariat auf Matrizen der Vervielfältigungsmaschine [...] gedruckt und es wurde demonstriert - gegen Atomkraftwerke, für einen kommunistischen Lehrer."<ref>Seidel, Ute: ''Ernst-Barlach-Gymnasium. Jahrbuch 2015/2016'', S. 9.</ref> Dies widerlegt den damaligen Sprecher der Kieler Schüler-Union, der im SPIEGEL behauptete: "Jusos und Judos sind bei uns fast vollständig tot."<ref>''[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41279927.html Jugend '76: "Lieber Gott, mach mich krumm"]'', DER SPIEGEL, 5.4.1976</ref>


===80er & 90er Jahre===
===80er & 90er Jahre===
[[1993]] forderten die Kieler Jusos den Rücktritt von [[Willi Piecyk]] als SPD-Landesvorsitzender wegen seines schlechten Umgangs mit der Schubladenaffäre.
[[1993]] forderten die Kieler Jusos den Rücktritt von [[Willi Piecyk]] als SPD-Landesvorsitzender wegen seines schlechten Umgangs mit der [[Günter Jansen#Landesregierung|Schubladenaffäre]].


Seit [[1994]] fand wiederholt im Sommer die Juso-Garten-Fete bei [[Janneke Hess]] in Hasseldieksdamm statt.  
Seit [[1994]] fand wiederholt im Sommer die Juso-Garten-Fete bei [[Janneke Hess]] in Hasseldieksdamm statt.  


Nach der "Erdrutsch"-Verlusten (Minus 12%) bei der [[Kommunalwahl 1994]] forderte die Jahreshauptversammlung den SPD-Kreisvorstand auf, auf dem Parteitag am [[22. April]] [[1994]] die Ämter zur Verfügung zu stellen.
Nach der "Erdrutsch"-Verlusten (Minus 12%) bei der [[Kommunalwahl 1994]] forderte die Jahreshauptversammlung der Jusos den SPD-Kreisvorstand auf, auf dem Parteitag am [[22. April]] [[1994]] seine Ämter zur Verfügung zu stellen.  
 
Im Februar [[1995]] forderten die Jusos die Abwahl von Oberbürgermeister [[Otto Kelling]], da dieser nicht fähig sein, "seinen Sachverstand mit politischem Denken, Dialog- und Führungsfähigkeit zu verbinden".


[[1995]] unterstützen die Jusos [[Jürgen Weber]], der sich in der Nominierung als Landtagskandidat gegen Amtsinhaber Gert Börnsen durchsetzte. Börnsen vertrat in der "Schubladenaffäre" eine gegensätzliche Position hinsichtlich der Intensität der Aufklärung. Die Jusos hatten gemeinsam u.a. mit Norbert Gansel, Hans-Peter Bartels maximale Transparenz und Aufarbeitung gefordert.
Im Februar [[1995]] forderten die Jusos die Abwahl von Oberbürgermeister [[Otto Kelling]], da dieser nicht fähig sei, "seinen Sachverstand mit politischem Denken, Dialog- und Führungsfähigkeit zu verbinden".


[[1997]] gelang die Nominierung des langjährigen Kieler Jusos [[Hans-Peter Bartels]] als Bundestagskandidat. Die Jusos hatten ihn unterstützt und der Kreisvorstand die Mitglieder um die Wahl [[Hans-Peter Bartels]] auf der Nominierungsveranstaltung am [[8. November]] [[1997]] gebeten.
[[1995]] unterstützten die Jusos [[Jürgen Weber]], der sich in der Nominierung als Landtagskandidat gegen Amtsinhaber [[Gert Börnsen]] durchsetzte. Die Jusos hatten gemeinsam u.a. mit [[Norbert Gansel]] und [[Hans-Peter Bartels]] maximale Transparenz und Aufarbeitung der Schubladenaffäre gefordert. Gert Börnsen vertrat eine gegensätzliche Position.


===Neueste Geschichte ===
[[1997]] gelang die Nominierung des langjährigen Kieler Jusos [[Hans-Peter Bartels]] als Bundestagskandidat. Der Juso-Kreisvorstand unterstützte ihn und bat die Mitglieder um ihre Stimme für ihn auf der Nominierung am [[8. November]] [[1997]].
[[2012]] unterstützten die Jusos [[Susanne Gaschke]] in der Nominierung als OB-Kandidatin.


Der Kreisparteitag 2015 beschloss auf Antrag der Jusos, dass es künftig keine inhaltlichen Nebenabsprachen mehr zu Kooperationsverträgen geben dürfe. Dies war notwendig geworden, nachdem die Absprachen zum Kooperationsvertrag 2008 zwischen SPD, Grünen und SSW Ende 2014 von der früheren Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke bekannt gemacht worden waren.
=== 21. Jahrhundert ===
[[2012]] unterstützten die Jusos [[Susanne Gaschke]] in der Nominierung zur OB-Kandidatin.


Am 14. April [[2016]] entschied die Mitgliederversammlung, bei der Nominierung für die Landtagskandidatur in Kiel-Nord [[Gesine Stück]] zu unterstützen. Der andere Bewerber, Torsten Albig, lehnte die Teilnahme an einer gemeinsamen Vorstellung pauschal ab.
Der Kreisparteitag [[2015]] beschloss auf Antrag der Jusos, dass künftig keine vertraulichen Nebenabsprachen mehr zu Kooperationsverträgen getroffen werden dürften. Dies war notwendig geworden, nachdem die Absprachen zum Kooperationsvertrag von [[2008]] zwischen SPD, Grünen und SSW Ende [[2014]] von der früheren Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke öffentlich gemacht worden waren.


==Positionen==
Am 14. April [[2016]] entschied die Mitgliederversammlung, bei der Nominierung für die Landtagskandidatur in Kiel-Nord [[Gesine Stück]] zu unterstützen. Der andere Bewerber, [[Torsten Albig]], lehnte die Teilnahme an einer gemeinsamen Vorstellung ab.
Die Kieler Jusos verfolgen im allgemeinen einen eher pragmatischen Kurs. Die Beschlüsse der letzten Jahre können in der  [http://beschluesse.jusos-kiel.de Beschlussdatenbank] eingesehen werden.


==Mitgliederentwicklung==
== Mitgliederentwicklung ==
*2016: 347 Mitglieder, davon 83 (24%) weiblich
*2016: 347 Mitglieder, davon 83 (24%) weiblich
*2015: 354
*2015: 354
Laut Rechenschaftsberichten
(Laut Rechenschaftsberichten)


== Links ==
== Links ==

Version vom 6. August 2016, 02:05 Uhr

Logo der Jusos Kiel, 2016

Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD (Jusos) im Kreisverband Kiel wirkt sowohl im SPD-Kreisverband als auch im Juso-Landesverband. Die Kieler Jusos können dabei auch auf eine Geschichte in der Weimarer Republik zurückblicken.

Sie stellten seit Gründung der Bundesrepublik mehrere Juso-Landesvorsitzende, angefangen von Jochen Steffen (ab 1954). Weitere waren Ruth Springer (1976-1978), Udo Wnuck (1986-1988), Janneke Hess (2001-2002), Anke Nöbel (2002-2004) und Yves-Christian Stübe (20062008).

Früheres Logo der Jusos Kiel, 2014
Früheres Logo der Jusos Kiel, 2013

Vorstand

-> Hauptartikel: Liste der Juso-Kreisvorstände Kiel

Die Kieler Jusos haben traditionell keine Vorsitzenden, sondern arbeiten mit einem gleichberechtigtem Vorstandskollektiv. Dessen Mitglieder wählen aus ihrer Mitte eine Kreisgeschäftsführerin oder einen Kreisgeschäftsführer.

Selbstverständnis

Die Jusos Kiel bezeichnen sich als strömungsfrei. Sie verfolgen im allgemeinen einen eher pragmatischen Kurs. Ihre Beschlüsse der letzten Jahre können in der Beschlussdatenbank eingesehen werden. Ihr Selbstverständnis ist in Statt eines Manifestes. Kieler Fußnoten zum Juso-Selbstverständnis[1] dargelegt, das 1993, 2002 und zuletzt 2012 im Rotkielchen veröffentlicht wurde.

Auch das alte Lied Die Arbeiter von Wien gibt einen Eindruck:

Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt.
Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld.
Wir sind der Schnitter der kommenden Mahd.
Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat.
So flieg, du flammende, du rote Fahne,
voran dem Wege, den wir zieh'n.
Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer,
Wir sind die Arbeiter von Wien.

(T: Fritz Brügel, M: Roter Armeemarsch (1920)).

Der Refrain soll schon 1927 in der Kinderrepublik Seekamp abgewandelt worden sein zu "So flieg, du flammende, du rote Fahne, voran dem Weg zu unserm Ziel. Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer. Wir sind die Arbeiter von Kiel."[2]

Struktur

In Kiel ist die einzige Juso-Ebene die Kreisebene. Orts-AGs (in den Stadtteilen) gibt es zur Zeit nicht. Versuche einzelner Gruppen, diese einzurichten, wurden zumindest in den letzten Jahrzehnten stets verhindert. Die Wahl des Juso-Kreisvorstandes findet stets als Vollversammlung statt.

Um 2010 herum gab es in Friedrichsort Bestrebungen, eine Orts-AG zu gründen, von denen der Kreisvorstand nur zufällig erfuhr. Zusätzlich führte zu Verstimmungen, dass der Vorsitzende aus Rendsburg-Eckernförde, Götz Borchert, die AG "seinem" Kreisverband angliedern wollte. Nach gemeinsamen Gesprächen wurde das Vorhaben angesagt.

Mitte der 1990er Jahre versuchten Zugezogene, die sich der Strömung der Juso-Linken (Stamokap) zuordneten, Juso-Ortsgruppen in Gaarden und Elmschenhagen einzurichten.

In den 1970ern, als die Mitgliederzahlen am höchsten waren, gab es auch Juso-Gruppen in einzelnen Ortsvereinen, so z.B. in Holtenau[3] oder Friedrichsort[4].

Auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit gründeten sich sofort wieder Juso-Gruppen aus einzelnen Ortsvereinen, etwa beim Ortsverein Kiel-Süd die Juso-Gruppe Wilhelm Spiegel.[5]

Zeitweilig gab es vom Vorstand eingesetzte Arbeitskreise zu verschiedenen Themen, so z.B. 1994 "Soziales", 2012 "Bildung" und "Aktiv gegen Rechts", 2015 "Geflüchtete". Zwischen der Leitung des "AK Soziales" und dem Kreisvorstand entwickelte sich eine Kontroverse über die Arbeitsweise und die Einladung von Gästen, der AK musste auf Weisung des Kreisvorstand den Referenten Thomas Westphal wieder ausladen.

Schulen

Zumindest ab 1975 ist eine "Basisgruppe" am Ernst-Barlach-Gymnasium belegt, vermutlich gab es auch an weiteren Schulen entsprechende Gruppen. In den 90ern gab es eine stadtweite Schülergruppe, die sich mit bildungspolitischen Themen befasste und auch die Zeitung "Taschenkrebs" herausgab. Leiter war u.a. Jörn Warnecke.

Hochschulen

An der Uni Kiel existiert seit den 1970er Jahren eine Juso-Hochschulgruppe(HSG). Die Hochschulgruppen sind rechtliche Mischwesen, die an der Hochschule anerkannte HSGen sind und gleichzeitig Projektgruppen der Juso-Landesverbände. Das Verhältnis zwischen HSG und KV wechselte öfter in allen Bereichen, von sehr eng bis stark angespannt. 2009 und 2010 existierte an der Fachhochschule eine Juso-HSG mit dem Namen Förde-Jusos, die stark durch den Kreisverband Kiel unterstützt wurde.

1945/46 gründeten Jochen Steffen und sein ehemaliger Mitschüler Hans-Gottfried Schadow den Kieler Zweig des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS).

Presse

Die Kieler Jusos geben seit mehr als 40 Jahren ihre Zeitschrift Rotkielchen heraus. Zur Zeit erscheint sie zweimal jährlich. In den Heften kritisieren die Redakteure auch regelmäßig die eigene Partei.

Früher gab es für verbandsinterne Informationen das Heft Rote Grütze.[6] In der Universitätsbibliothek Kiel ist eine Veröffentlichung Information für die Jahre 1964-66 vorhanden sowie für 1969-70 das Werkblatt.

In den 1990er Jahren gab es zudem für SchülerInnen den Taschenkrebs.

Geschichte

Ende der 1940er Jahre, im Rahmen der Wiedergründung der Partei nach der NS-Zeit, etablierten sich die Jusos als einziger Jugendverband innerhalb der SPD. In ihm organisieren sich SozialdemokratInnen vom 14. bis zum 35. (30.) Lebensjahr. Parteinah, aber nicht zur Partei gehörend, ist die "Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken".

Vor 1933 war dies anders. Die Jungsozialisten umfassten die 18-(später 20-) bis 25-Jährigen, die als Teil der Partei organisiert waren. Die Jüngeren ab 14 Jahren gehörten der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) an, einem eigenständigen Verband; für die noch Jüngeren gab es Angebote durch die Kinderfreunde.

Zu den "Ahnen" der heutigen Jusos gehören somit sowohl die Jungsozialisten, gewissermaßen die "Ur-Jusos", als auch die SAJ, weswegen die Geschichte beider Organisationen zur Geschichte der Jusos Kiel gehören soll.

Hervorgegangen war die Jugendbewegung aus Lehrlingsvereinen, die ab 1904 im ganzen Kaiserreich entstanden. Im Frühjahr 1907 gründete sich in Kiel der erste Arbeiterjugendverein, der wegen des strengen preußischen Vereinsgesetzes freilich offiziell unpolitisch sein musste. Bestand er anfangs nur aus 7 Mitgliedern, wuchs die Zahl bald auf 170. Weihnachten 1910 wurde sein Jugendheim in Gaarden eingeweiht.[7]

Weimarer Republik

Nach der Novemberrevolution bildeten sich an vielen Orten Gruppen von "Jungsozialisten", die 1920 in die Parteiorganisation eingegliedert wurden. In ihnen konnten SPD-Mitglieder im Alter von 18 bis 25 Jahren (seit 1927: 20 bis 25) aktiv werden, aber sie waren dazu nicht verpflichtet. Auch wer nicht in der Partei war, konnte JungsozialistIn werden.

Das Selbstverständnis dieser Gruppen wird deutlich an den durch die Jugendbewegung beeinflussten Leitsätzen einer Tagung in Kiel am Neujahrstag 1921: Die den Arbeiterjugendvereinen entwachsenen Parteigenossen können ihrer ganzen seelischen Einstellung nach nicht ohne weiteres den Schritt zur allgemeinen Arbeiterbewegung machen, denn diese ist... so einseitig verstandesmäßig und materialistisch gerichtet, daß sie die in der Jugend vorhandenen irrationalen Regungen nicht befriedigen kann."[8]

"Die Kieler Jungsozialisten galten in der Auseinandersetzung zwischen "rechten Hofgeismarern" und marxistischen "linken Hannoveranern" als Stützpunkt der Hofgeismarkreis. Der Kieler August Rathmann gehörte dem informellen Vorstand an und gab das Organ Schriften zur Zeit heraus. Hermann Heller, der eigentliche Theoretiker des Kreises, hatte bis 1921 in Kiel Staatsrecht gelehrt. Den Hofgeismarern nahestehend war auch der Kieler Rechtsprofessor Gustav Radbruch, der sich intensiv um die Bildung der Arbeiterjugend bemühte.
Bei vielen ältere Genossen, die Neuerungen - ob von links oder rechts, skeptisch gegenüberstanden - gab es eine abwartende Haltung. Dies mag auch durch den z.T. polemisch vorgetragenen Erneuerungsanspruch und durch den "jugendbewegten" Lebensstil der "jungen Generation" [...] bedingt gewesen sein. Immerhin konnte sich bei der Wahl des Kieler Parteisekretärs 1928 mit Ernst Tessloff der Kandidat der "jüngeren Generation" durchsetzen. Für eine gewisse Offenheit der Parteiführung spricht, dass Dr. Gustav Warburg, ein profilierter Hofgeismarer, als Redakteur bei der Volkszeitung eingestellt wurde. Der aus den Kieler Jungsozialisten hervorgegangene Karl Meitmann wurde Unterbezirkssekretär."[9]

Der Anstoß zur Kinderfreundearbeit war in Schleswig-Holstein von den Kieler Jungsozialisten ausgegangen, die mit einem Volksfest die Kinder in den Mittelpunkt der Maifeier von 1921 stellten.[10]

Am 17. Mai 1933 wurde die Sozialistische Arbeiterjugend in Schleswig-Holstein durch einen Beschluss des Bezirksvorstands aufgelöst. Man wollte so dem Verbot durch die Nazis zuvorkommen.[11] Die Jungsozialisten waren durch die SPD bereits 1931 aufgelöst worden.

Wiedergründung

Landesweit erfolgte die Wieder- bzw. Neugründung der "Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in der SPD" 1946. In Anbetracht der Tatsache, dass die SPD Schleswig-Holstein wesentlich von Kielern geprägt war, kann eine etwa zeitgleiche Gründung in Kiel angenommen werden.

Aus SAJ und Kinderfreunden entstanden die Falken.

Anfangs war die "Jugendarbeit" noch sehr eng an den SPD-Kreisvorstand angebunden, der Wiedergründungsparteitag 1945 bestimmte den 33-jährigen Hermann Köster zum Leiter der Jugendarbeit, 1948 benennt das Protokoll Wolfgang Harder als "Leiter der Jüngerenarbeit", 1949 dann Jochen Steffen, 1950 Inge Westphal und als Vertreter der Falken Hermann Thurow (bis 1954). Ab 1951 werden dann "Vertreter der Jungsozialisten" gewählt, zuerst Gerd Richter, ab 1953 Hans-Georg Ehmke, ab 1957 (wieder als "Leiter der Jüngerenarbeit") Siegfried Weiße, ab 1959 Ragnar Lethl, ab 1962 sind die Protokolle unvollständig, 1964 werden Hans-Gert Klingemann und Axel Lüdersen aufgeführt, 1966 Herbert Schütt und Friedrich Büßen. Vertreter der Falken sind 1955-56 Dieter Beth, 1957-60 Hans Wind, 1961 Erich Freese.[12]

1960er & 1970er Jahre

Maikundgebung der Jungsozialisten 1970

1967 scheiterte der Kieler Vorsitzende Herbert Schütt[13] bei der Wahl zum Landesvorsitzenden gegen Eckart Kuhlwein. Mitglied im Landesvorstand wurde Norbert Gansel. Dieselbe Versammlung leitete den Namenswechsel von "JS" zu "Jusos" ein.

Besuch der Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten Heidemarie Wieczorek-Zeul im Wohnlager Solomit in Neumühlen-Dietrichsdorf, 1975

Am 29. September 1971 wurde die Initiative Kieler Wohnlager gegründet, die sich für die Auflösung der Kieler Obdachlosen- und Flüchtlingslager und die Unterbringung der Bewohner in normalen Wohnsituationen einsetzte. Gründungsmitglieder waren auch zahlreiche Jusos, die Versammlungsleitung übernahm Norbert Gansel. Weiter wird vermerkt: "Herr Köhler von den Jungsozialisten Friedrichsort berichtete von der Arbeit mit den Jugendlichen im Grüffkamp. Dort würden zweimal wöchentlich Gruppenabende und Schularbeitenhilfen angeboten."[14]

"Vor und nach der Gründung der IKW arbeiteten eine Reihe von Gruppen in den Kieler Obdachlosenlagern. Im November 1969 war z.B. die Projektgruppe Brauner Berg (Grüffkamp 111) von Kieler Jungsozialisten gegründet worden. Die Jungsozialisten wollten mit einer Doppelstrategie die Lösung anstehender Probleme in dem Obdachlosenlager sowohl auf Verwaltungs- als auch auf politischer Ebene durch die Mobilisierung und Motivierung der Lagerbewohner herbeiführen."[15] Weiter heißt es bei Carstens: "Die Arbeit der IKW hatte auf der politische Ebene zunehmend Erfolge zu verzeichnen. Ein Parteitag der Kieler SPD beschloß, alle Lager - bis auf eines - aufzulösen. Später verabschiedete die Ratsversammlung einen Kreisentwicklungsplan, der die Formulierung "Auflösung aller Kieler Lager" enthielt. 1975 waren bis auf die "Notunterkunft Solomit" in der Tat alle übrigen Lager aufgelöst."[16]

Norbert Gansel, 1972

1972 wurde der Kieler Jungsozialist Norbert Gansel erstmals zum Bundestagsabgeordneten für Kiel gewählt.

In der hochpolitisierten Zeit der 1970er Jahre kam es auch zur Gründung von Juso-Gruppen an Schulen. So beschloss die Schulkonferenz des Ernst-Barlach-Gymnasiums am 3. November 1975 "die Zulassung der Schüler-Union und einer Basisgruppe der Jungsozialisten nach Vorlage ihrer Satzungen. Beide Gruppen [dürfen] für sich an der Schule werben." [17] "Flugblätter wurden im Sekretariat auf Matrizen der Vervielfältigungsmaschine [...] gedruckt und es wurde demonstriert - gegen Atomkraftwerke, für einen kommunistischen Lehrer."[18] Dies widerlegt den damaligen Sprecher der Kieler Schüler-Union, der im SPIEGEL behauptete: "Jusos und Judos sind bei uns fast vollständig tot."[19]

80er & 90er Jahre

1993 forderten die Kieler Jusos den Rücktritt von Willi Piecyk als SPD-Landesvorsitzender wegen seines schlechten Umgangs mit der Schubladenaffäre.

Seit 1994 fand wiederholt im Sommer die Juso-Garten-Fete bei Janneke Hess in Hasseldieksdamm statt.

Nach der "Erdrutsch"-Verlusten (Minus 12%) bei der Kommunalwahl 1994 forderte die Jahreshauptversammlung der Jusos den SPD-Kreisvorstand auf, auf dem Parteitag am 22. April 1994 seine Ämter zur Verfügung zu stellen.

Im Februar 1995 forderten die Jusos die Abwahl von Oberbürgermeister Otto Kelling, da dieser nicht fähig sei, "seinen Sachverstand mit politischem Denken, Dialog- und Führungsfähigkeit zu verbinden".

1995 unterstützten die Jusos Jürgen Weber, der sich in der Nominierung als Landtagskandidat gegen Amtsinhaber Gert Börnsen durchsetzte. Die Jusos hatten gemeinsam u.a. mit Norbert Gansel und Hans-Peter Bartels maximale Transparenz und Aufarbeitung der Schubladenaffäre gefordert. Gert Börnsen vertrat eine gegensätzliche Position.

1997 gelang die Nominierung des langjährigen Kieler Jusos Hans-Peter Bartels als Bundestagskandidat. Der Juso-Kreisvorstand unterstützte ihn und bat die Mitglieder um ihre Stimme für ihn auf der Nominierung am 8. November 1997.

21. Jahrhundert

2012 unterstützten die Jusos Susanne Gaschke in der Nominierung zur OB-Kandidatin.

Der Kreisparteitag 2015 beschloss auf Antrag der Jusos, dass künftig keine vertraulichen Nebenabsprachen mehr zu Kooperationsverträgen getroffen werden dürften. Dies war notwendig geworden, nachdem die Absprachen zum Kooperationsvertrag von 2008 zwischen SPD, Grünen und SSW Ende 2014 von der früheren Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke öffentlich gemacht worden waren.

Am 14. April 2016 entschied die Mitgliederversammlung, bei der Nominierung für die Landtagskandidatur in Kiel-Nord Gesine Stück zu unterstützen. Der andere Bewerber, Torsten Albig, lehnte die Teilnahme an einer gemeinsamen Vorstellung ab.

Mitgliederentwicklung

  • 2016: 347 Mitglieder, davon 83 (24%) weiblich
  • 2015: 354

(Laut Rechenschaftsberichten)

Quellen

  1. Rotkielchen 42/2, S. 34-35
  2. Nach Mitteilung von Rosa Wallbaum, die mit 12 Jahren an der Kinderrepublik teilnahm. Das vermutlich im Juli 1927 entstandene Lied könnte von den teilnehmenden Jugendlichen aus Österreich in die Kinderrepublik gebracht worden sein.
  3. Juso-Ortsgruppe Holtenau gegründet, Kieler Nachrichten, 17.12.1970
  4. Mitteilung des Genossen Heino Scharunge, der dort aktiv war.
  5. Nach Mitteilung des Genossen Karl Molkenthien in einem aufgezeichneten Interview mit Birgit Hansen und John Sanger aus den 1990er Jahren.
  6. Rotkielchen 42/2, S. 4
  7. Franz Osterroth: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein, S. 51 f.
  8. Jens-Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei"? Die SPD Schleswig-Holsteins 1918-1933, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 233 f.
  9. Jens-Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei"? Die SPD Schleswig-Holsteins 1918-1933, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 234
  10. Jens-Christian Jacobsen: "Der Stolz der Gesamtpartei"? Die SPD Schleswig-Holsteins 1918-1933, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 236
  11. Franz Osterroth: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein, S. 110 f.
  12. Zusammensetzung der Vorstände bis 1949 nach: Arbeitskreis "Demokratische Geschichte" (Hrsg.): Wir sind das Bauvolk. Kiel 1945 bis 1950 (Kiel 1985)
  13. Möglicherweise die gleiche Person, die 1970 im Alter von 36 Jahren mit den Stimmen von SPD und FDP Bürgermeister von Nortorf wurde.
  14. Gründungsprotokoll, zit. in Uwe Carstens: Die Initiative Kieler Wohnlager (IKW), Demokratische Geschichte 8(1993), S. 328
  15. Uwe Carstens: Die Initiative Kieler Wohnlager (IKW), Demokratische Geschichte 8(1993), S. 335 ff.
  16. Uwe Carstens: Die Initiative Kieler Wohnlager (IKW), Demokratische Geschichte 8(1993), S. 341
  17. Oehring, Ursula: Ernst-Barlach-Gymnasium. Jahrbuch 2015/2016, S. 6.
  18. Seidel, Ute: Ernst-Barlach-Gymnasium. Jahrbuch 2015/2016, S. 9.
  19. Jugend '76: "Lieber Gott, mach mich krumm", DER SPIEGEL, 5.4.1976